INJELEA

IN Jedem Ende Liegt Ein Anfang

Ich war ein Bücherwurm. Es lebe das Digitale.

Andrea Back fragt in ihrer Blogparade: „Haben sich Ihre Lesegewohnheiten verändert, und wenn ja, wie?“ Da schmettere ich ihr ein heftiges „Ja!“ entgegen. Ich bin ein halbes Jahrhundert jung, und da sollten sich meine Lesegewohnheiten nicht verändert haben? Ich bin ein „Digital Silver„: Ich habe Silber im Haar und Bits in den Knochen!

Entspannt lesen im Palmengarten Frankfurt

Entspannt lesen im Palmengarten Frankfurt

Erzählen Sie doch kurz von Ihren Beobachtungen und Erlebnissen. Haben sich Ihre Lesegewohnheiten verändert? Wie lesen Sie Nachrichten, Fachbücher, Zeitschriften und Belletristik? Sind Sie schon eBook-Anhänger oder Sympathisant der Gegenbewegung fürs Papier?

Als Digital Silver kann ich Andrea Back ein paar Antworten auf ihre Fragen liefern.

Ein Bücherwurm

Damals, in meiner Jugend, da war ich ein Bücherwurm. Ich habe Bücher verschlungen, ich war süchtig nach dem Duft der Druckerschwärze. Geschichte, Gesellschaft, Science Fiction – nichts war vor mir sicher. Ich war neugierig und hatte ständig ein „Warum?“ in meinen Gedanken. Neben dem Faktischen war mir Fantasie wichtig. Wann immer ich es mir leisten konnte, holte ich mir einen neuen Karl May Band. 73 Stück dieser Bände stehen bei meinen Eltern.

Nach der Schule war die Zeit der Zeitungen, Zeitschriften und Magazine. Natürlich habe ich den Playboy nur geholt wegen der tollen Interviews. Der Spiegel und der Stern waren meine Lektüre, wenn ich von meinem 48-Stunden-Dienst bei der Bundeswehr zurück nach Mainz kam und auf dem Domplatz die Sonne und den Kaffee genoss. Und gelegentlich – etwas verschämt – einen Perry Rhodan.

Im Studium und noch ein paar Jahre danach war die Zeit der Fachbücher und Fachzeitschriften. Ausgeliehen, kopiert, gekauft. Science Fiction und Belletristik immer mal wieder zwischendurch.

Alles totes Holz. Alles tot.

Denn in den Neunzigern fing es an. Nachdem ich mir in der Bundeswehrzeit zunächst den Virus C64 eingefangen hatte erkrankte ich auch noch an einem PC/XT, dann einem AT, und es nahm kein Ende. Zunächst holte ich mir mein Wissen dazu aus Computerzeitschriften aus gedrucktem Holz. Aber ich war im FidoNet, bei CompuServe und dann… in diesem Internet.

Und dort gab es erst Computerzeugs und dann immer mehr Fachzeugs und immer mehr Nachrichtenzeugs. Kostenlos. Immer mehr. Schnell entdeckte ich RSS und bemitleidete innerlich lächelnd Kollegen und Bekannte, die stundenlang „surften“. Wie altmodisch. Ich scannte meine Feeds. Von diesen, diesen… Blogs erfuhr ich ständig über neue Feeds.

Ich gehörte nie zu den Ausdruckern. Gleich ob Internet noch nicht. Texte las und lese ich am Bildschirm (ach, das sind jetzt nur noch Displays…). Doch „richtige“ Bücher las ich nicht digital. Zu unförmig. Zu stationär.

Was mich bis vor wenigen Jahren besonders störte, das  war die feste Installation der Rechner zu Hause oder im Büro. Genial empfand ich es bereits, als ich Adressen und Lesezeichen mit den ersten Tools zwischen verschiedenen Rechnern hin- und herschicken konnte. Ich las. Immer mehr online.

Doch lange Zeit las ich Belletristik, Science Fiction und Fachbücher noch als Buch.

Mobil, Mobil

Dann kam mein erstes richtiges Notizbuch („Notebook“). Vor drei Jahren holte ich mir mein erstes iPhone. Letztes Jahr auf Hawaii mein iPad. Dieses Jahr mein Kindle ganz konventionell zu Hause auf der Couch. Spätestens seit diesem Jahr ist „Mobil“ das Schlüsselwort für mich.

PC und Macbook nutze ich zum Schreiben und Erstellen. Doch zum Lesen und Konsumieren, dazu habe ich meine Mobilgeräte (auch wenn ich kleinere „Artikel“ auf iPhone oder iPad erstelle).

Neue Ideen für Lesestoff erhalte ich ständig über Blogs, Twitter, Facebook, Google+, Gespräche… die Ideen nehmen keine Ende. Die Zeit reicht einfach nicht.

Doch wann immer ich Lust auf Lesen habe, dann lese ich. Auf meinem iPad, auf meinem Kindle. Zwischendurch ein paar Minuten in der Bahn oder bem Kaffee. Nachrichten, Feeds, Blogs… und Ebooks. Oder aber in aller Ruhe und geplant längere Abschnitte.

Mit den verschiedenen „Apps“ lade und/oder konvertiere ich Dokumente, Zeitschriften, Artikel, Bücher… ähem Ebooks. Wenn ich über ein interessantes PDF-Dokument stolpere, dann packe ich es in meinen Lesevorrat. Der ist synchronisiert auf allen meinen Geräten.

Für Inhalte mit Bildern, Grafiken und komplexen Tabellen ist das iPad besser. Aber die „einfachen „Dokumente schicke ich mir schon gerne aufs Kindle. Das Kindle ist nämlich genial für Texte. Wie ein Buch. Bücher sind noch besser als einfache Dokumente auf dem Kindle aufgehoben. Wenn ich mich für ein Buch interessiere, dann schaue ich gleich im Kindle-Shop nach.

Nachrichten, Fachbücher, Zeitschriften und Belletristik?

Das Geniale: Alles ist dabei. Sogar der Shop. Auf Kindle und iPad. Von der Idee über den Kauf und bis zum Lesen sind es nur wenige Herzschläge und ein paar Augenblinzler. Die bezaubernde Jeannie hätte ihre Freude daran.

Nur wenige Quadratzentimeter und nur wenige Gramm. Am Strand, auf der Bank im Zoo, am Frühstückstisch, auf der Couch, in der Bahn… die wunderbare Welt der Buchstaben ist in meiner Hand.

Noteshelf im Einsatz

Auf dem iPad: Noteshelf im Einsatz

Selbst Notizen schreiben, Zeichnungen erstellen: Keine Schreibblock, kein Moleskin. Papierlos mit dem iPad ist möglich. Recherche, Notizen für später? Konferenzen vorbereiten? Urlaubsplanung für Hawaii? Null Problemo.

Irgendwie tut es mir leid um die vielen schönen Bücher, die nicht mehr gedruckt werden. Aber Gutenberg ist bald schon 6 Jahrhunderte tot. R.I.P. Dafür freue ich mich für die Bäume. Es gibt immer weniger davon.

Es lebe das Digitale.

Einfach genial. Genial einfach.

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