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Mittelpunkt Sonne

Der Mittelpunkt bei Enterprise 2.0

Lesezeit:  3 Minuten

In Diskussionen zu dem Thema Enterprise 2.0 kommt es oft sehr schnell zu der Frage, um was es denn da gehe, Was im Mittelpunkt von Enterprise 2.0 stehe. In einem weiteren Blog von mir beschäftigte ich mich mit dieser Frage aus einem besonderen Blickwinkel: Dem des Menschens.

Der nachfolgende Artikel erschien zuerst unter dem Titel „Mittelpunkt bei Enterprise 2.0“ auf Der Schreibende als Beitrag zum Schreibroulette. Ich veröffentliche ihn zusätzlich hier, weil wahrscheinlich die wenigsten der Leser dieses Blogs auch den Schreibenden lesen.

Heute morgen dann begang ich den Fehler, mich in einem Tweet zu einem verschärften Schreibroulette zu committen:

So sei es denn. Ich weiß immer noch nicht so genau, wie das funktionieren soll. Immerhin habe ich jetzt den ersten Artikel in meinem Feedreader gelesen. Der erste Satz schafft es bereits zu mehr als fünf Substantiven (Hervorhebungen von mir):

Im letzten Post stand die Entwicklung vieler Unternehmen zu einem wissensintensiven Unternehmen im Mittelpunkt und es wurde die Frage aufgeworfen, welche Chancen es für eine Effektivitäts- und Effizienzsteigerung von Wissensarbeitern in einem Enterprise 2.0 gibt.

(Erfolgreiche Arbeitspraktiken für Wissensarbeiter in einem Enterprise 2.0 von @JoachimNiemeier)

Womit ein neues Problem entsteht: Zählt die doppelte Verwendung des Substantivs “Unternehmen”? Mein Artikel, meine Regel(n): Nein, doppelte Verwendungen von Substantiven zählen nicht. Das fünfte Substantiv im ersten Artikel meines Feedreaders Readkit lautet also:

Mittelpunkt

Wenn ich mir den Artikel in meinen Hirnwindungen zergehen lasse, so steht im Mittelpunkt dieser Studie die Aussage, dass im Mittelpunkt des Wissensarbeiters nicht die Arbeit mit Wissen oder mit anderen Wissensarbeitern steht sondern die Verwaltung und Organisation sowohl des Wissens als auch dessen Aufbereitung. Ich unterstütze Joachim Niemeiers Annahme, dass der Alltag sich für Wissensarbeiter auch nach zehn Jahren nicht wesentlich geändert hat.

Sicherlich reden wir “Enterprise Zwei Nuller” ständig und gerne von der neuen Welt, in der die Kommunikation und die Zusammenarbeit von Menschen nicht nur durch die neuen Tools leichter ist, sondern dass auch eine neue Welt der Arbeit in die Unternehmen Einzug hält. Aber ich glaube, jenseits dieser Filterblase (hehe!) gibt es nicht nur viele Widerstände sondern auch noch viele stumme Beobachter, die zwar den Hype in den klassischen Medien rund um die neue Arbeitswelt beobachten, dass sie in ihrem Mittelpunkt aber immer noch den täglichen Email-Büro-Organisation-Hierarchie-Techtel-Mechtel-Wahnsinn haben. Oft nicht gerne, aber bevor sie gegen das System aufstehen, das sie erfolgreich machte, muss doch noch etwas mehr geschehen, als dass viele Viel darüber reden. Sicher, es gibt Leuchttürme, aber “das lässt sich so nicht auf uns übertragen, bei uns läuft das anders”.

Im Mittelpunkt steht nicht der Mensch sondern da stehen die Hierarchie, die Prozesse, die Effizienzsteigerungsprogramme, die Branche, die Branchen-“Gesetze” und vor allem das Risiko, etwas Anderes, Neues, Ungewohntes in den Mittelpunkt zu stellen. So ein Schwenk zu einem anderen, neuen Mittelpunkt ist immer mit Risiko verbunden. Auch wenn es meistens gar nicht darum geht, die Welt und vor allem das eigene Unternehmen und sich selbst umzukrempeln. Oft reichen kleine “Projekte”, die schon etwas bewirken. Ich wende nur ungern das Substantiv “Projekt” an, denn es suggeriert, dass es da einfach nur einen Zeitabschnitt gibt, in welchem man ein Ziel ansteuert. Danach kommt eben das nächste Projekt. So funktioniert es nicht, wenn man etwas im Inneren ändern will. Das funktioniert, wenn man Umstände, Abläufe ändern will.

Bei Enterprise 2.0 (oder Social Collaboration oder Social Business oder… YNI (You Name It)) geht es um eine Änderung von Einstellung, der inneren Haltung und von Verhalten. Das dauert länger als “nur” einen Ablauf umzustellen. Aber ich sehe Fortschritte. Gerade weil viele das Hamsterrad (das von innen wie eine Karriereleiter aussieht) verlassen wollen. Die sich inzwischen nicht erst mit Fünfzig fragen: War es das schon? Die daran zweifeln, dass die Arbeit an sich und das (bisher) verbundene Abstrampeln im Hamsterrad der Mittelpunkt ihres Leben für ein paar Jahrzehnte darstellen soll. Wofür 80 oder 100 Stunden in der Woche schuften, um in ein paar Stunden am Wochenende die Familie und sich selbst nachzuholen?

Mittelpunkt Sonne

Der Mensch stellt sich wieder in den Mittelpunkt, wie das vielleicht vor langer, langer Zeit einmal war. Als Menschen sich mit Menschen über ihr Leben und ihre Tätigkeiten unterhielten. Im Mittelpunkt waren die Menschen. Jetzt bemühen sich viele Menschen, dass wir und nicht das Hamsterrad wieder im Mittelpunkt stehen.

Eine sehr schöne Initiative ist da beispielsweise Working Out Loud in Deutschland von Jochen Adler (Interview mit Jochen Adler: “Working Out Loud: Endlich auch in Deutschland” beim “The New Worker”). Deswegen habe ich auch darüber getweetet, als ich mit diesem Artikel startete:

Möge der Mensch in Eurem Mittelpunkt stehen!

\V/_ LLAP

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Email-Bindestrich zerstört werden muss!

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