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Herausforderung Intranet

Herausforderung Intranet – eine Buchkritik

Vor ein paar Wochen erhielt ich durch Stephan Schillerwein ein kostenloses Rezensionsexemplar des Buchs „Herausforderung Intranet„. Stephan ist einer der Autoren, ich kenne ihn seit einigen Jahren und schätze sowohl ihn selbst als auch seine Kenntnisse zum Thema Intranet. Gerne nutze ich daher die Möglichkeit für eine Buchkritik. Das Urteil fällt positiv aus 😉

Gemeinsam liefern die Autoren Daniel Lütolf, Stephan Schillerwein und Stefanie Meier ein Buch, das nicht für Techniker oder Leute tief in der Materie gedacht ist.

Die Autoren erklären in einfacher, nicht-technischer Sprache, was beim Aufbau beziehungsweise der Weiterentwicklung eines Intranets bedacht werden muss. Beispiele aus der Unternehmenspraxis und Resultate einer Umfrage illustrieren, wie es andere machen.

Das Buch

In rund 140 Seiten bieten die Autoren für 25 Euro Übersichten zur Geschichte des Intranets, Vorgehensweise bei Projekten, Change Management und Organisationskonzept. Einen Großteil beansprucht die Beschreibung zentraler Anwendungsbereiche wie Mitarbeiterprofile, Zusammenarbeit, Prozessunterstützung und Dashboard. Zum Schluss gibt es noch einen Ausblick auf die Zukunft des Intranets. Immer steuern die Autoren Beispiele inklusive Screenshots aus der Praxis sowie Literaturhinweise bei. Im Anhang beschreiben sie ein sechs typische Phasen eines Intranet-Projekts und liefern noch die Ergebnisse einer Intranet-Umfrage in tabellarischer Form.

Meine Einschätzung

Gleich zu Beginn geht es um zwei Besonderheiten des Intranets:

  • Die Erwartungen an ein Intranet werden durch die private Nutzung der gleichen Technologie geprägt.
  • Das Intranet ist mehr Infrastruktur denn konkrete Lösung. Im Gegensatz zu „Software“ sind die Anwendungsgebiete „grundsätzlich grenzenlos“.

Immer wieder treffe ich selbst auf zwei Haltungen: „Ich weiß, was ich für ein Intranet will“ und „Das Intranet muss total einfach sein“. Es ist so ähnlich wie mit der Unternehmenskommunikation: Kommunizieren kann schließlich jeder, und jeder will dementsprechend nicht nur mitreden sondern auch mitentscheiden. Deswegen ist auch ein Intranet nur so gut, wie gut seine Anwendungsfälle für das jeweilige Unternehmen definiert und umgesetzt werden. Das haben die Autoren sehr gut herausgearbeitet. Auch den Überblick zu Beginn führt sehr gut in das Buch ein.

Eine Anmerkung: Was mir dazu zusätzlich einfällt, ist die Entwicklung sogenannter „Dark Intranets“ innerhalb von Unternehmen. Weil die Technik so einfach war und oft die IT so träge, haben Fachbereiche einfach selbst „mal schnell ein Intranet aufgesetzt“. Das hat sich im Laufe der Jahre beruhigt, doch aufgrund der rasanten Entwicklung von Diensten im Internet haben viele Mitarbeiter konsequenterweise ihre Mini-Intranets in Form beispielsweise von Gruppen auf Facebook, Yammer-Netzwerken, WhatsApp-Gruppen und -Kommunikation ausgelagert. Unternehmens-Intranets müssen sich diesem Wettbewerb mehr denn je stellen.

Ebenfalls sehr gut finde ich das Kapitel „Change-Management, Kultur und Akzeptanzförderung“ herausgearbeitet. Dabei verzichten die Autoren auf hochtrabende Definitionen und Ableitungen, sondern sie halten sich an einfache Beschreibungen, die sehr verständlich sowohl für Praktiker als auch für höheres oder oberes Management gehalten sind.

Die Anwendungsbereiche sind gut beschrieben und mit Beispielen aus der Praxis versehen. Auch die Ergebnisse der Umfrage von Perikom sind gut eingestreut. Was mir zu kurz gekommen ist, sind die tatsächlichen Ziele und Anwendungsfälle, die mit den Anwendungsbereichen umgesetzt werden sollen oder können. Bei „News und Content“ beispielsweise werden Aspekte wie Aufbau und Aktualität von Informationen betont. Sie entscheiden über Nützlichkeit und Nutzbarkeit des Intranets für diesen Anwendungsbereich. Sicherlich, es gibt Problemstellungen wie die oft unklare Relevanz für Mitarbeiter, und eine Personalisierung der News ist ein Lösungsansatz. Mir fehlt jedoch die Beantwortung: Wofür sollen News und Content eingesetzt werden? Soll beispielsweise ein Verständnis für die Unternehmensstrategie hergestellt werden? Oder sollen Mitarbeiter über die Tätigkeiten und die Wissensgebiete von Kollegen informiert werden? Das Was und das Wie sind gut erläutert, auch in den Beispielen, doch oft fehlt mir das Warum.

Herausforderung Intranet (Inhaltsverzeichnis)

Herausforderung Intranet: Detailliertes und gut strukturiertes Inhaltsverzeichnis

Bei dem Organisationskonzept sind alle wesentlichen Aspekte berücksichtigt. Im Ausblick gehen die Autoren auf semantische Intelligenz, Smart Sensors, Mobile First und Social Analytics ein. Eine ähnliche Auswahl hätte ich ebenfalls getroffen. Zwei Punkte hätte ich mir im Ausblick vorgestellt:

  1. Extranets: Immer öfter müssen Mitarbeiter oder Führungskräfte unternehmensübergreifend zusammenarbeiten und sich in Teilbereichen eines Intranets gemeinsam bewegen. Das stellt Technik und Organisation vor Herausforderungen.
  2. Nach wie vor existieren Intranets oft separat und isoliert von operativen Systemen wie ERP-Systemen. Wie schaffen es Intranets, dass Mitarbeiter beispielsweise direkt zu „Objekten“ oder Prozessen in operativen Systemen zusammenarbeiten oder Nachrichten austauschen.

Fazit der Buchkritik

Ein solches Thema mit seinen vielfältigen Aspekten auf 140 Seiten zu komprimieren, das nenne ich ebenfalls eine Herausforderung. Auch wenn ich zusätzliche Punkte gerne gesehen hätte, ist den Autoren diese Herausforderung gelungen. Ein guter Aufbau, ein flüssiger, unkomplizierter Schreibstil sowie zahlreiche Einblicke aus der Praxis machen Laune und lassen gut in das Thema einsteigen oder sich einen Überblick verschaffen.

Ein sehr guter Einstieg für Einsteiger, eine sehr gute Zusammenfassung für Intranet-Profis.

Lese- und Linktipps

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