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Das Problem mit den Führungskräften ist die Führung

Führung, Leadership, Netzwerk-Generation, Kollaboration, Social Media, Enterprise 2.0, Social Business… Riesige Wortwolken überziehen den Medienhorizont, um die Herausforderungen und notwendigen Veränderungen in den Unternehmen für die nächsten Jahre zu skizzieren. Eine Glosse.

Immer wieder spielt dabei die Unternehmenskultur als Hauptdarsteller und Hemmschuh eine überragende Rolle. Sie, die „alte Unternehmenskultur“, basiere doch auf Hierarchiedenken aus dem letzten Jahrtausend. Sie müsse sich ändern, nein: Sie müsse aktiv verändert werden, um den neuen Herausforderungen in einer globalisierten, internationalisierten und beschleunigten Welt gewachsen zu sein.

Doch wer soll die Kultur eines Unternehmens verändern? Natürlich: Die Führungskräfte sind da gefordert. Sie schließlich führen das Unternehmen und vor allem seine Mitarbeiter durch die widrigen Umstände in der rauhen Wirtschafts- und Technologiensee. Die Führungskräfte wissen, wohin und wie das Unternehmen und die Mitarbeiter und vor allem sie selbst geführt werden müssen. Aber nein, bitte lassen Sie jetzt solche ollen Kamellen wie AEG, Neue Heimat, Coop, Klöckner oder Bremer Vulkan. Das waren früher mal Ausrutscher, also ganz früher. Schlecker? Also, ich bitte Sie… Hin zu mehr und besserer kollegialer Zusammenarbeit in einer auf Vertrauen basierenden Unternehmenslandschaft! Tschaka!

Das haben die Führungskräfte gelernt, das Führen!

Wirklich? Zeigen Sie mir ein Dutzend Führungskräfte aus den unterschiedlichsten Branchen, und ich zeige Ihnen ein Dutzend Fachleute. Fachleute, die sich in Wirtschaft, IT, Recht, Marketing oder sonstwas verteufelt gut auskennen – und die nie gelernt haben zu führen. Sie wurden „promoted“ weil sie Spezialisten auf einem oder mehreren Gebieten sind, und weil sie darin Erfolg hatten. Aber nicht, weil sie gut führen können und genau das auch gelernt haben. Sicherlich gibt es Naturtalente, die gut führen können oder es sich selbst beigebracht haben. Doch wer soll sie erkennen? Die „Führungskräfte“ darüber sind doch auch nur Manager und keine Führungskräfte.

Obwohl, ich kenne da eine Branche, in der werden die Führungskräfte tatsächlich zum Führen ausgebildet. Na ja, ich kannte diese Branche zumindest einmal. Ich bin da schon ein paar Jahrzehnte raus. Ich war ein paar Jahre in einer Branche, da wurde ich von Anfang an zum Führen ausgebildet. Erst als ich das gelernt hatte durfte ich an fachliche Themen ran. In meiner Ausbildung hatte ich so merkwürdige Fächer wie „Führungslehre“ und „Methodik“ und „Didaktik“. Denn in dieser Branche – nach einer Zählweise die älteste, nach einer anderen Zählweise die zweitälteste Branche der Welt – ist nichts so stabil wie der Wandel. Ständig kommt die Konkurrenz mit neuen Verfahren, neuen Mitarbeitern, neuen Techniken und neuen Allianzen.

Da muss man führen können, sonst verliert man nicht nur seine Gratifikation sondern auch seinen Kopf. Die Technik beispielsweise, die wurde sehr früh outgesourct. Das machen jetzt Unternehmen, dort muss man nicht führen können, da reichen noch Fachleute. Die eigenen Leute, die müssen richtig führen können und die Mitarbeiter überzeugen können. Denn wenn die nicht überzeugt sind und überzeugt handeln sondern im entscheidenden Moment kündigen oder sogar bei der Konkurrenz anheuern, dann heißt es für die Führungskraft „Rübe ab!“. Und das gilt nicht nur für die Linie. Jeder Auftrag ist da ja eigentlich ein wenn auch noch so kleines Projekt.

Ich war einmal in der Militärbranche, in der Bundeswehr. Dort lernt man das Führen von Mitarbeitern. Das Problem mit den Führungskräften in den Unternehmen jedoch ist die Führung. Die hat dort kaum einer gelernt. „Per Order Mufti“ habe ich viel öfters in Unternehmen als beim Militär erlebt. Aber es gab auch positive Ausnahmen. Meistens haben wir uns dann am Kaffeeautomaten oder beim Bierchen olle Kamellen aus unserer Zeit bei der Bundeswehr erzählt.

P.S.: Zu dieser Glosse hat mich der Beitrag von Stefan Pfeiffer animiert: „[DE] IBM CEO Studie: Führen durch Vernetzung im Zeitalter des Social Business

Greifen Social Media Guidelines in die Privatsphäre ein?

Die Grenze zwischen Privat und Beruf verwischt immer mehr. Organisationen achten darauf, dass diese Grenze bestehen bleibt. Ihnen und ihren Mitgliedern beziehungsweise Mitarbeitern helfen dabei Social Media Guidelines. Doch dürfen die Organisationen den Mitarbeitern darin vorschreiben, was diese in ihrer Privatsphäre zu tun haben?

Thomas Wiegold berichtet auf Augen Geradeaus! über die Social Media Guidelines der Bundeswehr. Die Bundeswehr nennt sie Empfehlungen für einen sicheren Umgang mit Sozialen Medien: “Wenn möglich auch mit Humor”: Die Social Media Guidelines der Bundeswehr. Dabei stolperte ich über diese Formulierungen:

  1. Trennung zwischen beruflicher und privater Nutzung
    Alle Angehörigen des Bundesverteidigungsministerium (BMVg) und der Bundeswehr können privat soziale Medien nutzen. Es muss aus allen Kommentaren erkenntlich sein, wenn es sich um die private Meinung handelt (Beispiel: „Ich bin Soldat und vertrete hier meine eigene Auffassung“).

Ähnliche Formulierungen gibt es in den meisten Social Media Guidelines. Ich finde es wichtig und richtig, dass Mitarbeiter in ihrer privaten Sphäre nicht unbeabsichtigt als „Unternehmenssprecher“; auftreten und damit möglicherweise sich und das Unternehmen gehörig in die Bredouille bringen.

Aber was machen die Unternehmen mit ihren Formulierungen ? Schreiben sie ihren Mitarbeitern damit nicht vor, was sie in ihrer Privatsphäre und ihrer Freizeit tun sollen?

Wieso muss ich bei der privaten Nutzung Sozialer Medien als Privatperson preisgeben und verkünden, zu welchem Unternehmen oder welcher Organisation ich gehöre? Wie absurd sind diese Gedanken:

  • Das Türschild: „Frank Hamm, Mitarbeiter von XYZ (Privatwohnung)“.
  • Der Leserbrief: „Ich bin Frank Hamm und schreibe diesen Brief hier privat.“
  • Die Diskussion bei einer Bürgerversammlung: „Ich arbeite bei XYZ aber ich bin privat gegen die Routenführung der Umgehungsstraße“.
  • Die Signatur im Leserforum einer Zeitung: „Frank Hamm, Soldat aber hier privat“.
  • Die Begrüßung im Laden: „Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein – privat!„.

Organisationen verlangen implizit von ihren Mitgliedern, in ihrer Privatsphäre ständig zu betonen, dass sie privat und als sie selbst auftreten. Persönliche Konten in „Sozialen Medien“ werden von Personen genutzt, um soziale Kontakte zu pflegen. Nicht umsonst gibt es beispielsweise bei Facebook persönliche Konten und Unternehmenskonten sowie persönliche Profile und Seiten.

Ist dies nicht eine Form der „Schuldvermutung“ und ein Eingriff der Organisationen in die Privatsphäre ihrer Mitglieder? Was denken Sie?

 

Eine Angelegenheit des Privatmanns zu Guttenberg, des Bundesministeriums oder der Bundeswehr?

Sollte zu Guttenberg zurücktreten, weil er Bundeswehrressourcen und das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) für seine private und wissenschaftliche Kampagne benutzt? Ein Kommentar.

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Youtube-Video: „Position bezogen

Thomas Wiegold zeigt in „Die Guttenberg-Erklärung“ ein Video mit der Erklärung zu Guttenbergs, das auf dem YouTube-Kanal der Bundeswehr eingestellt ist. Im selben Artikel bringt Wiegold zwischen zwei Gedankenstrichen einen Anspruch zu Guttenbergs zur Sprache:

Was der promovierte Jurist da sagt – es geht hier ja nicht um den Minister Guttenberg, sondern um die Privatperson – ist keine Entschuldigung. Darum geht es Guttenberg in diesen Tagen offensichtlich nicht. Der Tenor ist: ich habe Fehler gemacht, das bedauere ich, aber ich habe mir nichts vorzuwerfen.

Zugegeben: Ich verfolge den Bundeswehrkanal auf YouTube nicht, und kann dieses Video auf Anhieb daher nicht einordnen. Auf den ersten Blick sind dies wirkliche „Bundeswehr-Videos“. Doch eben das, was zu Guttenberg hervorhebt, passt grundsätzlich zu dem gewählten Kanal nicht.

Denn wenn es um die Privatperson zu Guttenberg geht, dann hat diese Erklärung nach meinem Empfinden im Bundeswehr-Kanal nichts zu suchen.

Dieses Video angesichts des vom Minister selbst postulierten Anspruchs einer wissenschaftlichen und damit privaten Angelegenheit im Bundeswehrkanal zu verbreiten halte ich für geschmacklos, unangemessen und verkehrt.

In einem Kanal des BMVg hielte ich es noch für einigermaßen vertretbar, denn es handelte sich um einen „politischen“ Kanal.

Doch hatte nicht auch Jürgen Möllemann Anfang 1993 in der sogenannten Briefbogen-Affäre“ als Bundeswirtschaftsminister zurücktreten müssen, weil er eine private Angelegenheit mit seinem Amt verquickt und das Ministerium für sich instrumentalisiert hatte? Und da ging es nur um einen Briefbogen, den man mit einem falschen Griff oder Klick schnell einmal verwechseln kann. Hier geht es um ein Video, dessen Beginn und Ende geschnitten wurde und mit einem Bundeswehr-Vorspann und -Nachspann versehen wurde.

In Zeiten von Social Media ist es immer schwieriger, privat, persönlich und offiziell (in Funktion oder Position eines „Jobs“ und eines Arbeitgebers wie des Souveräns) auseinander zu halten.

Doch zu Guttenberg hat mit der Instrumentalisierung des Bundeswehrkanals eine Grenze überschritten. Vielleicht hat nur ein Bundeswehrsoldat vorauseilend das Video eingestellt, dann gehört das Video entfernt und der Soldat „belehrt“. Doch falls das Einstellen vom Minister sanktioniert oder gar veranlasst war, dann sollte die Privatperson zu Guttenberg verantwortlich handeln und Konsequenzen für ihren Job ziehen. Neudeutsch nennt man dies dann wohl „die politische Verantwortung übernehmen“.

Bildquelle Titelbild: YouTube-Screenshot

TEDx Pentagon, US-Streitkräfte und Bundeswehr

Ein Hinweis im Kommentar von Stig Pfau zu „Social Media der Streitkräfte: Deutsch und britisch“ führte mich zum Army Live Blog („The Official Blog of the United States Army„). Neben der umfangreichen Blogroll in der rechten Spalte überraschte mich der Artikel „TEDxPentagon„:

At first glance, TEDxPentagon seemed to be just another addition to the military’s land of acronyms and abbreviations. At least that’s what I thought when I was invited to attend.  After further research, I found that TED-Technology, Entertainment, Design-was so much more.
[…]
TEDxPentagon was held Friday at the Navy Memorial Burke Theater in Washington D.C.  The Office of the Secretary of Defense Public Affairs hosted this event featuring 11 speakers from across the DoD.

(DoD: Department of Defense / Verteidigungsministerium)

Army und TEDx? Zwei „Formate“, die eigentlich nicht zusammen passen, wenn man an das (vermeintlich) verkrustete hierarchische Image vieler Streitkräfte denkt. Bei der Suche nach „tedx“ und „pentagon“ fand ich dann auf Flickr das Fotoalbum TEDX Pentagon (Profil) vom U.S. Africa Command:

As part of an independently organized TED talks, the Department of Defense is hosting TEDxPentagon, a military focused speaker series featuring stories from men and women of the U.S. Armed Forces. DoD’s TEDxPentagon event, which will be streamed live on the Web, is entitled „The Human Stories“ and will feature 10 service members, including GEN Ward, and one Army spouse.

(USAFRICOM All rights reserved)

Die Kontakte auf Flickr beinhalten unter anderem PACOM (United States Pacific Command), Chairman of the Joint Chiefs of Staff, Commander, U.S. Pacific Fleet und U.S. Department of State.

Auf „Armed with Science“ gibt es den Artikel „TEDxPentagon: What are the Human Stories?„:

By sharing “The Human Stories” with you, TEDxPentagon hopes to reinforce the idea that our military’s strength is not in its physical assets, but in the men and women who continually perform amazing acts of heroism in their own unique way.

Armed with Science schreibt über sich:

In January 2009, the Defense Media Activity launched, “Armed with Science: Research and Applications for the Modern Military,” a weekly webcast highlighting the importance of science and technology to the modern military. The program featured interviews with Defense Department scientists, engineers.

Auch da gibt es eine umfangreiche Blogroll.

Wenn ich das alles so auf mich einwirken lasse, dann werde ich durch die schiere Masse an Angeboten der US-Streitkräfte bzw. des DoD fast erdrückt. Das sagt nichts über die Qualität aus, aber doch über den Umgang mit Social Media. Es gibt viele Auftritte und viele Verlinkungen von den klassischen Websites aus.

Rant

Die Bundeswehr wirkt daneben äußerst blass und vor allem: Rückständig.

Genauso rückständig, wie sich die Regierung, die Regierungsparteien und der Bundesminister der Verteidigung bislang in der Diskussion über die zukünftige Aufgabenstellung, die Struktur und die Größe der Bundeswehr verhalten haben. Offizielle Stellungnahmen, die außer Allgemeinplätzen nichts enthalten. Dass die Bundeswehr kleiner werden soll, dass die Wehrplicht in der Diskussion steht – das weiß ich seit den Neunzigern. Von den ursprünglich fast 700.000 Soldaten (Bundeswehr und NVA) im Jahr 1990 soll die Truppenstärke weiter auf unter 200.000 schrumpfen. Aber selbst bei dem Parteitag der CDU gab es keine Festlegung, wie groß die Bundeswehr (Personenstärke) sein soll (obwohl der Herr BMVg mehr Redezeit als bei der CSU hatte) . Wobei – sollte da nicht zuerst die Aufgabenstellung definiert werden? Um dann über benötigte Personenzahlen und Ausrüstungen zu sprechen? Seit dem Mauerfall drückte sich bislang jede Regierung davor, konkret zu werden und eine Vision für die Bundeswehr aufzuzeigen.

Deswegen erwarte ich auch nicht, dass die Bundeswehr besonders innovativ mit Social Media umgeht. Denn ihr fehlt die strategische Ausrichtung.

ISAF Einsatz

Social Media der Streitkräfte: Deutsch und britisch

Anscheinend erstmals veröffentlicht jetzt die Bundeswehr eigene Gefechtsfotos aus Afghanistan. Thomas Wiegold schreibt in Augen geradeaus! über das Bild zur Gefechtsmedaille:

Es mag Zufall sein – aber gerade heute hat die Bundeswehr auf ihrem Flickr-Account (erstmals?) eigene Fotos eingestellt, die deutsche Soldaten bei Kundus im Gefecht zeigen…

ISAF-Einsatz

September 2010 in Qala e Zal © Bundeswehr/PIZ Heer

Bislang hat die Bundeswehr Neugierige und Interessierte nicht gerade mit Informationen aus Afghanistan verwöhnt.

Jetzt, zwei Monate nach dem Einsatz stellt die Bundeswehr sechs Fotos auf Flickr ein.

Social Media bei der Bundeswehr. Immerhin.

Aber was nutzen mir die wenigen zeitverzögerten Bilder, wenn ich an Informationen interessiert bin?

(Bilder: Bundeswehr/PIZ Heer)

Es geht aber auch britisch

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