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Trennung privat und geschäftlich - eine Illusion

Trennung von privat und geschäftlich: Eine Illusion

Morgen Abend hat der monatliche b.FAST Business Facebook Stammtisch Rhein-Main das Diskussionsthema: “Trennung von privat und geschäftlich – kann ich das?” Ich bin der Überzeugung, dass eine solche Trennung eine Illusion ist.

Nahezu jeden zweiten Mittwoch im Monat findet der Stammtisch statt, um über Social-Media-Themen zu diskutieren. Auch wenn der Titel noch das “Facebook” beinhaltet, so geht es doch oft um plattformunabhängige Themen. Gerade bei Facebook jedoch schätze ich das Thema der Trennung von privat und geschäftlich als besonders relevant ein. Viele haben dabei allerdings noch im Kopf, dass eine Plattform entweder für eine private oder für eine geschäftliche Nutzung da ist. Dementsprechend hat sich in Deutschland beispielsweise bei vielen festgesetzt, dass Xing rein beruflich und Facebook rein privat genutzt wird. So dürfen beispielsweise die Arbeitgeber sich einen Bewerber auf Xing anschauen, auf Facebook aber nicht. Eben, weil Facebook ja privat ist.

Wenn ich mir meine Facebook-Nutzung anschaue (oder Twitter oder Google+ oder…), dann gibt es diese scharfe Trennung nicht. So gibt es auf Facebook Kontakte (“Friends”), die ich ausschließlich aus dem beruflichen Umfeld her kenne. Und wir unterhalten uns sowohl über Fachthemen als auch über persönliche Themen. Ja, ich nutze Facebook überwiegend privat mit meinen Status-Updates. Doch ich bin beispielsweise auch in Facebook-Gruppen, wo es um beruflich-fachliche Themen geht. Mit meinen Freunden aus Hawai’i kommuniziere ich zu einem Großteil auf Facebook (teilweise auch in Gruppen). Doch auch wenn dieser Freundeskreis ursprünglich durch einen privaten Hawai’i-Urlaub zustande kam, so sind doch viele der Kontakte mit diesen Kontakten auch fachlich.

“Na ja, das ist schließlich auch nur dieses Social Media”, könnten Sie einwerfen. Doch wie sieht es im “richtigen” Leben wirklich aus? Sprechen Sie am Arbeitsplatz mit ihren Kollegen ausschließlich über berufliche Themen? Tauschen Sie sich nie beispielsweise über das letzte Bundesligaspiel aus? Oder haben Sie vielleicht doch einen Arbeitskollegen, mit dem Sie sich vielleicht auch mal nach der Arbeit treffen? Oder sogar auf dem Straßenfest, weil Sie im selben Dorf wohnen?

Während meiner Bundeswehrzeit hatte ich ebenfalls eine (wenn auch nicht sehr starke) Vermischung. Es gab Kameraden, die meine Freunde waren. Meine erste Frau lernte ich über einen Kameraden kennen, mit dem (und dessen Frau) ich mich in meiner Zeit in meiner Stationierungszeit in El Paso befreundete. Angeblich sollen ja sogar die meisten (Ehe-)Partner sich an ihrem Arbeitsplatz kennen und lieben lernen. Zumindest einen Fall kenne ich da…

Und auch vor dem “Ausbruch” von Social Media gab es die Vermischung von privat und geschäftlich bereits im Digitalen. Email gibt es bereits seit ein paar Jährchen, und ebenso ist erhalte ich seit ein paar Jährchen immer wieder private Emails von geschäftlichen Adressen. Gerade im Management treffe ich es oft an, dass Personen einerseits darauf beharren, dass sie privat und geschäftlich strikt voneinander trennen würden. Und dann bekomme ich Emails zu privaten Themen von deren geschäftlichen Accounts. Und ich bin nicht der einzige auf dem CC-Verteiler.

Trennung privat und geschäftlich - eine Illusion

Trennung privat und geschäftlich – eine Illusion

Ich als Person habe Beziehungen unterschiedlichster Art zu den unterschiedlichsten Personen. Ähnliche Beziehungspersonen gruppiere ich gedanklich in thematische Kreise (auch “Sphären”). Einige der Personen sind in zwei oder mehr Sphären. Manche der Sphären sind aufgrund des Themas eher in geringer oder eher in größerer Distanz. Ebenfalls sind die Personen eher in geringer oder eher in größerer Distanz. Teilweise ergibt sich das aus dem Thema, teilweise aber auch aufgrund des Faktors “Mensch”. Mit manchen Menschen kann ich gut, und mit manchen kann ich weniger gut.

Es gibt durchaus Personen (schwarze Kleckse in der Grafik), die als Mensch und aufgrund des verbindenden Themas (farbige Umrandungen von Menschengruppen) weit weg von mir sind (und sie sind nur in einem einzigen Thema). Aber es gibt Personen, die aufgrund ihrer und meiner Themen in einigen oder sogar vielen Sphären sind (und genau genommen bin ich ebenfalls Teil dieser Sphären). Und manche Personen sind mir sehr nahe.

Wenn ich mit solchen Personen kommuniziere, dann wähle ich das Medium (den “Kanal”) zwar meist aufgrund des Kommunikationsanlasses, doch ich lege nicht den Hörer auf, um mich eine Minute später auf ihrem Privatanschluss nach der Ehefrau zu erkundigen. Oder um dann einen privaten Grillabend zu vereinbaren. Und beim Grillabend erkundige ich mich bei einem Freund durchaus nach seiner Meinung zu einem fachlichen Thema.

Wer versucht, eine separate “Geschäftsperson” aufzubauen und diese von seinen privaten Sphären getrennt zu halten, der setzt seine Persönlichkeit früher oder später Stress aus.

Und übrigens: Ich halte den Mythos, dass Vorstände sich beim Golf zu wichtigen geschäftlichen Gesprächen treffen, für gar nicht so abwegig. Und auch gar nicht für verkehrt. Beim Hobby und bei der Liebe lernt man andere Menschen nämlich am besten kennen.

“Trennung von privat und geschäftlich – kann ich das?” (Xing-Event, Facebook-Event)

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Email-Bindestrich zerstört werden sollte.

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