In meiner Bundeswehrzeit bereits gab es den Begriff des vorauseilenden Gehorsams. Damals war oft die Rede davon, nicht einfach loszustürmen, Hektik zu verbreiten und Untergebene gar noch schneller und weiter losstürmen zu lassen bevor der Auftrag und Rahmenbedingungen wirklich klar definiert waren. Vor vorauseilendem Gehorsam wurde bereits in der Offizierausbildung gewarnt.

Vorauseilender Gehorsam kann gruppendynamisch entstehen, weil beispielsweise ein Einzelner sich den anderen beweisen will, oder aufgrund der Haltung eines Einzelnen. Ein Einzelner kann beispielsweise Angst vor seinem Chef haben (dieser hat viel Macht), und er will besonders aktiv, gründlich und initiativ erscheinen. Oder der Einzelne bewundert einen anderen (dieser hat eine sehr gute Reputation) und möchte dem anderen "etwas Gutes tun" bzw. er will Anerkennung.

Das führt dazu, dass Menschen interpretieren, was andere Menschen denken könnten oder was diese Menschen gerne umgesetzt haben möchten. Sie tun dies aus Angst oder Bewunderung – meistens ist ihnen dies noch nicht einmal bewusst. Sie tun einfach Dinge, von denen sie glauben, dass sie sie tun sollten. Oder noch schlimmer: Sie tun die Dinge in einer bestimmten Art und Weise, weil sie glauben, dass sie sie genau so tun sollten.

Oft reicht auch ein einzelner Satz oder ein kurzes Statement des Chefs oder Bewunderten. Schon wird interpretiert (gerade bei kurzen Sätzen), das Ganze ufert aus, und es geht los mit den Anweisungen oder Hinweise an andere. Über mehrere (Hierarchie-)Stufen läuft es auf "Stille Post" hinaus.

Und dann tun viele Personen ziemlich dumme oder unnütze Dinge. Aus Angst, aus Bewunderung, weil jemand  selbst bewundert werden will weil jemand selbst Macht haben will.

Sagt beispielsweise ein CEO im April ganz nebenbei auf einem Meeting "Gestern war ich auf einer Veranstaltung im Freien. Nach einer Stunde fing es an zu regnen und wir wurden ganz nass!" so wird in Folge dazu das Sommerfest vom Grillplatz in die teuer angemietete aber überdachte Location verschoben. Und der Kollege vom Einkauf bekommt die Anweisung, für jeden Mitarbeiter einen Regenschirm einzukaufen. Ein Hinweis, dass es eine überdachte Garage gibt und der Übergang im Freien nur 5 Meter beträgt, wird weggewischt mit den Worten: "Der Vorstand will das so!".

Je hierarchischer eine Organisation ist, desto eher ist mit solchem vorauseilendem und auseiferndem Gehorsam zu rechnen. Aber auch bein weniger klassischen Organisationen kann es zu solchem Verhalten kommen. Man stelle sich einen Fan vor, der einen Star bewundert und plötzlich für ihn oder mit ihm in einem Projekt arbeitet.

Als Chef oder bewundertem "Star" sollte man versuchen, seine "Weak Ties" (lose, persönliche Verbindungen) lebendig zu halten, damit man ein Feedback darüber erhält, was in seiner Organisation tatsächlich abgeht.

Zu diesen Überlegungen und einem Kommentar hat mich ein Beitrag in Thomas’s Blog angeregt – The conflict between power and reputation

[…] as long as you execute hierarchical power, you will never find out if people respect your decisions because of fear or because of your reputation.

Und ganz ehrlich: Als Offizier in der Bundeswehr wusste ich es zwar manchmal – meistens aber nicht.

Seit vergangenem Wochenende bin ich Mitglied bei BookMooch.

BookMooch ist eine Gemeinschaft zum Tauschen von gebrauchten Büchern.

Mit BookMooch kannst Du Bücher weggeben, die Du nicht mehr brauchst, und dafür Bücher erhalten, die Du wirklich gerne haben möchtest. 

BookMooch
(Logo artwork courtesy of BookMooch.com, see license)

"Mooch" bedeutet frei übersetzt "Schnorren" – BookMooch also "Bücher schnorren". Das Weggeben (Verschenken) eines Buchs kostet lediglich die Versandkosten, das Schnorren (Schenken lassen) eines Buchs kostet nichts.

Punktesystem

Über ein einfaches Punktesystem wird sichergestellt, dass man in der Gemeinschaft nicht nur schnorrt sondern auch Bücher verschenkt.

Punkte verdient man:

  • Type books in: enter books you own and want to give away. Each book typed in gets you 1/10th of a point.
  • Give books away: respond to a mooch request, and send your book to them. 1 point awarded, 3 points if sent to another country.
  • Acknowledge Receipt: after you receive a book, leave feedback for the sender and earn 1/10th of a point.

Punkte verbraucht man:

  • Mooching Books: each book you receive costs you 1 point, 2 points if it was postal mailed from another country.
  • Charities: you can give your points to worthwhile charities we work with. 

Außerdem muss man mindestens ein Buch verschenken, um zwei Bücher zu schnorren. Es gibt auch keinen Unterschied, ob ein Buch einmal 10 oder 100 Euro gekostet hat.

Ich mache mit

Die Website ist nicht wirklich zweinullig – aber das muss ja wohl nicht wirklich sein. Auch die Widgets könnten "kalkulierbarer" sein. Aber Hauptsache, es funktioniert. Genau das probiere ich jetzt einmal aus. Hier sind Bücher, die ich zuletzt zum Verschenken eingetragen habe:

Deine Bücher bei BookMooch.com austauschen

    Mehr von mir:

    BookMooch gibt es auch in deutsch, aber die Übersetzungen sind noch "ausbaufähig". Auf jeder Seite gibt es einen Link zum Korrigieren der Übersetzung.

    Wie kam ich auf BookMooch?

    Tja, wie erfährt man heutzutage von neuen Webdiensten, Communities, Neues, Tipps und Tricks? Es muss nicht immer gleich FriendFeed oder feedly sein. Es reicht auch noch das gute alte Twitter. Am 14. Juni hat nämlich Martin Röll gezwitschert, dass er fünf Bücher durch BookMooch versendet.

    P.S.: Als nächstes Ding probiere ich bei Gelegenheit noch das LibraryThing aus.

    Soeben lese ich in Wikinomics von Don Tapscott (mit dem ich mich übrigens beim Abendevent des Dresdner Zukunftsforums gut unterhalten konnte). Unter der Überschrift "Die Wiki-Arbeitskräfte" stolpere ich über eine Beschreibung:

    Das Fazit lautet: Die Arbeitsethik der Net Geners gibt ihnen als geborenen Innovatoren einen Vorsprung. Sie sind immer auf der Suche nach Neuem. Sie sind offen für neue Ideen. Sie glauben an Vielfalt in allen Bereichen ihres Lebens. Der Wunsch dieser Generation nach Freiheit wird hochgradig kooperative und kollegiale Arbeitsumfelder erfordern, die Leben und Arbeit ausbalancieren und in denen vor allem der Spaß zählt. Ihr Interesse für das Spielerische wird sich auch auf die Arbeitsplatzgestaltung auswirken. Und während ihr Wunsch nach Authentizität bedeutet, dass sie allen ungeschickten Versuchen älterer Generationen widerstehen, die ‚ihre Sprache sprechen‘ wollen, besitzen Firmen, die sich den neuen Forderungen der Net Generation anpassen, einen gewaltigen Vorsprung beiInnovation und Wettbewerb. Firmen, denen das nicht gelingt, bleiben an der Seitenlinie stehen und scheitern an der Aufgabe, ihr Personal zu verjüngen, weil die Net Geners andere Gelegenheiten ergreifen.

    Wäre ich nur 25 Jahre jünger, dann könnte ich wohl dazugehören und wäre vielleicht sogar ein Digital Native. So aber lächle ich nur ein wenig über die "Gnade der frühen Geburt" und fühle mich dieser Wiki-Arbeitswelt doch sehr verbunden.

    Ich stelle jedoch immer wieder fest, dass für viele Führungskräfte / Manager dies eine vollkommen fremde Arbeitswelt ist (auch wenn sie um einiges jünger als ich sind). Sie haben nicht nur eine andere Meinung – nein, sie können sich diese Welt einfach nicht vorstellen! Sich mit ihnen zu unterhalten ist so, als ob ich mich mit Marsmännchen unterhalten würde (vielleicht liegt es ja an mir).

    Außerdem habe ich in einigen Gesprächen bemerkt, dass der "War for Talents" tatsächlich beginnt. Leider aber besteht die Reaktion vieler Personaler offensichtlich lediglich darin, den Output bereits vorhandener Maßnahmen und Kanäle (z.B. Jobmessen, Anzeigen) zu erhöhen – aber nicht darin, andere Wege und Plätze aufzusuchen.

    Weil sie sich diese Wiki-Arbeitswelt nicht vorstellen können.

    P.S. "Märkte sind Gespräche" – auch Arbeitsmärkte. Egal wo.

    Normalerweise bin ich etwas behäbig, wenn es ums Ausprobieren neuer Webdienste wie z.B. Communities geht. So hatte ich zwar schon einmal von six groups gehört, aber mich weder registriert noch mitgespielt. Gestern jedoch las ich den Artikel "Livecommunity" bei Wolfgang, dem Haltungsturner. Zwei Punkte haben mich dazu bewegt, six groups auszuprobieren:

    1. Ich habs da drüben gesehen, direkt beim Haltungsturner :

    So wie hier auch ist zu Beginn der Seite eine Leiste mit Informationen und Funktionen eingeblendet. Inklusive Livestream.

    2. Wolfgang hat so darüber geschrieben:

    Ich finde diese Idee mit der aufgeflanschten Community auf einer normale Seite oder ein normales Blog schon sehr gut und habe es auch schon den ersten Kunden und Kollegen vorgeschlagen. Ich denke, das hat echt Potenzial. Auch bei meinen anderen Blogs (przweinull.de und msv95.net) habe ich welche draufgesetzt…

    Spielt ihr mit?

    Beides hat mich dazu bewogen, doch einmal mitzuspielen. Vielleicht war das Ausschlaggebende tatsächlich das "Spielen", wogegen ich einfach nicht ankam.

    INJELEA bei six groups

    Jedenfalls habe ich jetzt meine INJELEA-Community bei six groups inkl. meinem Profil unter gleichem Namen. Ich bin jetzt am mitspielen und freue mich über Kontakte und Mitglieder in der Community.

    Viele Menschen glauben, dass es sich bei Enterprise 2.0 lediglich um den Einsatz von Web 2.0 in Unternehmen handelt. Oder, dass Social Software die in den Unternehmen verankerte Enterprise Resource Planning (ERP) Software wie SAP ablösen solle. Für seine Anhänger oder gar Enthusiasten aber geht es oft um mehr: Enterprise 2.0 wird die Denkweisen des Taylorismus und des Fordismus ablösen.

    Beide sind immer noch in den meisten Unternehmen tief verinnerlicht. Doch was viele Jahrzehnte lang aufgrund hoher Transaktions- und Kooperationskosten zu den jetzt etablierten Arbeitsweisen führte und damals (ja, da war alles noch … anders) auch richtig war – und derzeit auch noch in vielen Unternehmen richtig sein mag – das behindert heutzutage viele Unternehmen und auch ihre Mitarbeiter.

    Doch wie erreicht man Menschen, denen das alles fremd ist? Wie können sich Personen 1.0 an diese faszinierende neue Welt der Arbeit, der Kollaboration und der Offenheit von Unternehmen und Mitarbeiter herantasten? Wie lernen diese Menschen loszulassen? Mit Social Software oder intensiven Konferenzen zum Thema? Wohl nicht, möglicherweise jedoch eher mit einem Medium 1.0? Wie wäre es also mit einem Buch über 

    Die Kunst, loszulassen

    Zugreifen: Die Kunst, loszulassen Das Buch schlägt einen weiten Bogen mit verschiedenen Autoren und sehr verschiedenen Beiträgen mit unterschiedlichen Stilen. Und das ist gut so. Denn dadurch ist es abwechslungsreich, teilweise ernst und teilweise lustig. Teilweise sachlich und teilweise emotional. Das Springen zwischen verschiedenen Beiträgen fällt leicht. Je nach eigenem Interesse und momentaner Laune findet sich immer ein neues Kapitel zum Lesen.

    Auch und gerade für jemanden, der vielleicht von Enterprise 2.0 gehört hat und sich herantasten will: Gemütlich, sachlich und erheitern. Die Autoren kommen aus Lehre und Wissenschaft, aber auch aus Unternehmen wie Vodafone, SAP und Nokia.

    Ich habe das Buch sequentiell von Anfang bis Ende durchgelesen, aber ich hätte auch springen können. Ja, da war jede Menge Information, von der ich einen Großteil schon kannte. Aber die Bandbreite und die unterschiedlichen Beiträge der unterschiedlichen Autoren faszinierte mich. Und da war etwas, was ich bei vielen Sachbüchern vermisse: Das Lesen des Buchs hat Spaß gemacht.

    Eigentlich hätte ich warten müssen, bis die allerbeste aller Ehefrauen zu Ende gelesen hätte :-). Doch in einem unbeachteten Augenblick schnappte ich mir das Buch. Jetzt liest sie weiter, und sie muss bei manchem Satz schmunzeln oder lachen:

    […] darüber hinaus ist es vor allem in großen Unternehmen eine hohe Kunst, abteilungsübergreifende Arbeit zu erreichen. 

    Deswegen mein Rat: Zugreifen und bloß nicht mehr loslassen. Lesen, Lernen und Spaß dabei haben. Aus Freude am Lernen.

    Oder, wie Michael Koch bereits sagte:

    … aber mehr sei hier nicht darüber verraten … selber lesen!

    [ Communixx – Eine Definition von Enterprise 2.0

    Am 18. Juni ab 13:00 Uhr CEST (d.h. 11:00 Uhr GMT / UTC) gibt es 24 Stunden lang in einem Live-Event die Möglichkeit, sich umfassend über Intranets zu informieren. Das Intranet Benchmarking Forum lädt zum IBF 24 ein:

    IBF 24 is a unique online gathering focused on intranet innovation. This landmark event includes:

    • live tours of 12 of the world’s best intranets – including those run by American Electric Power, the BBC, BT, IBM, Nissan and Nokia
    • acclaimed speakers from Google, Microsoft and others
    • master classes by expert practitioners
    • breakout slots in which you can debate the hot topics with peers from hundreds of organisations worldwide.

    Die Teilnahme kostet 385 Euro und bietet dafür jede Menge Infos rund um (aus der Agenda)

    • Content
    • Enterprise 2.0
    • Technology futures
    • Governance and resourcing
    • Business value
    • Usability and design
    • Communication and culture
    • Leadership
    • Technology innovation
    • Collaboration

    Die fetten Punkte entsprechen meinen persönlichen Vorlieben – obwohl mich die anderen Punkte auch sehr interessieren.

    Es gibt Q & A Sessions, Keynotes, best practices und Live-Touren in die Intranets von BBC + Nokia + IBM + SAP + IKEA + American Electric Power + Microsoft + AMP + Nissan + BT. BTW: Richard Dennison von BT ist auch mit dabei.

    Das scheint ein spannendes Event zu werden. 

    Es ist 7:50 Uhr am Dienstag Morgen. Ich bereite mich auf die Fahrt ins Büro vor. Es klingelt an der Haustür. Ein Kurierdienst hat ein "großes Paket" für mich.

    Walther's Obstsäfte

    Bestellt habe ich die Saftboxen am Sonntag Nachmittag. Das ging aber schnell!

    Vielen Dank an Kirstin und ihre Mannschaft :-)

    Da trudeln alle möglichen und unmöglichen News via RSS darüber rein, dass es da oder dort einen Live-Ticker zur Europameisterschaft gibt. Doch wozu brauche ich irgendwelche klinisch-reine Live-Ticker???

    Ich habe Twitter mit meinen Kontakten und Freunden, denen der Puls bis 160 schlägt und die einen symbolischen H.e.r.z.i.n.f.a.r.k.t. bekommen. Wir (ich und die allerbeste aller Ehefrauen) sitzen vor der Glotze und genießen die Kommentare und Schreie via Twitter, und wir schreien gerne mit. Selbst ohne Fernseher wäre das ganze via Twitter 100 mal mehr live als über irgendwelche Ticker. Und alles zwar voller Emotionen aber doch voller Harmonie – egal für welche Mannschaft das Herz schlägt.

    Wie konnte ich nur die Weltmeisterschaft 2006 ohne Twitter überleben?????????

    Und jetzt gerade bebt die Twitter-Welt beim 1:0 von Deutschland gegen Polen!!!!

    Nachtrag: Und wie die Twitter-Welt eben erst bebte nach dem 2:0 und dem Sieg :-)

    Gerade hörte ich den Podcast eines Gesprächs zwischen Sören Stamer und Don Tapscott. Unter anderem ging es um die digital natives und digital immigrants:

    A digital native is a person who has grown up with digital technology such as computers, the Internet, mobile phones and MP3. A digital immigrant is an individual who grew up without digital technology and adopted it later. A digital native might refer to their new "camera"; a digital immigrant might refer to their new "digital camera".

    Ich selbst habe mich gelegentlich als ditigal native bezeichnet, und ich frage mich gerade: Bin ich das wirklich?

    • Mitte der 1980er hatte ich einen C64
    • Meinen ersten PC (ein Noname-Nachbau aus Taiwan) erwarb ich 1987
    • Um 1990 "ging ich" mit einem 300 Bit/s Modem ins FidoNet
    • Um 1990 begann ich mit der Nutzung von Email, damals noch proprietär in verschiedenen Netzwerken (z.B. in PROFS, PRofessional OFfice System), die zunehmend über kryptische Adressangaben auch via Gateways verbunden wurden.
    • Ich war einige Jahre Nutzer bei CompuServe, als CompuServe noch eigenständig und Innovationstreiber war
    • Mitte der Neunziger entdeckte ich für mich "das Internet" und nutzte es zunächst primär für Email und zum Surfen
    • Beruflich rutschte ich gegen 2000 in das Thema Intranet / Internet
    • Gerne probiere ich den einen oder anderen Dienst aus, aber nicht sofort und alle (beispielsweise bin ich zwar schon länger bei FriendFeed, subscribe und werde "subscribiert", aber ich müsste mal so richtig damit anfangen…)
    • Ein richtiger Early Adopter bin ich nicht (beispielsweise habe ich immer noch kein iPhone, steht nur auf meiner Liste)

    Wie definiert man "who has grown up"? Hört das "growing up" mit 18 oder 25 Jahren auf? Da ich im Jahr 1961 geboren wurde wäre ich dann "nur" ein digital immigrant. Andererseits verbinde ich das "growing up" mit Sozialisation, Lernen, dem "Älter werden" und dem "Erwachsen werden".

    1. Ich passe mich ständig an gesellschaftliche Denk- und Gefühlsmuster an. Durch Interaktion mit der Umwelt entwickle ich meine Persönlichkeit weiter. Zumindest hoffe ich das. Und soziale Bindungen gehe ich ständig neue ein. Mehr oder weniger enge.
    2. Ich lerne ständig und immer wieder (Neues).
    3. Älter werde ich ständig. Hoffentlich primär physisch.
    4. Erwachsen werden sein allerdings wollte ich noch nie. Erwachsen werden hat etwas Statisches an sich. Außerdem behauptet die allerbeste aller Ehefrauen, das Kind im Manne sei bei mir besonders groß.

    Bin ich jetzt also doch nur digital immigrant? Ratlosigkeit droht mich zu beherrschen…

    Digital denier 

    Für mich gibt es jedoch noch einen weiteren Typ: "digital denier". Ein "digital denier" verweigert sich den digitalen Medien solange es geht. Oder falls er sie gezwungenermaßen (z.B. im Büro) benutzen muss, dann tut er dies widerwillig und manchmal mit einer Art, die nahezu an Sabotage grenzt.

    Beispiel: Auf Emails wird nicht reagiert (auch wenn sie gelesen wurden). Auf weitere Emails zur Klärung der Themen wird ebenfalls nicht reagiert. Auf mündliche Nachfragen kommt die Bitte: "Schicken Sie sie mir noch mal zu!". Oder: "Drucken Sie mir das mal aus!".

    Andererseits: Ein "digital denier" entsteht oft nicht primär aufgrund der Haltung digitalen Medien gegenüber, sondern aufgrund der mangelnden Fähigkeit der Organisation und Selbstorganisation. Das wirkt sich dann bei den digitalen Medien erheblich aus und ist dort besonders offensichtlich.

    Immerhin 

    Jetzt weiß ich immer noch nicht, ob ich ein digital native bin. Aber immerhin: Ein digital denier bin ich nicht.

    Das Medium Email ist rund drei Jahrzehnte alt – aber in vielen Unternehmen gilt Email immer noch als der letzte Schrei. Instant Messaging (IM) dagegen wird als Spielerei und Vergeudung ansonsten produktiver Zeit abgetan. Unternehmen unterstellen, die Mitarbeiter würden Instant Messaging zusätzlich zu Email, Telefon und face-to-face Unterhaltungen benutzen (und dann vielleicht sogar noch für private Unterhaltungen). Offensichtlich ist das ein Irrglaube.

    Auf ScienceDaily erschien der Bericht über eine vor kurzem erschienene Studie, die vor zwei Jahren durchgeführt worden war:

    The study involved 912 people who worked at least 30 hours per week in an office and used a computer for at least five hours in a workday. Randomly selected participants from 12 metropolitan areas took a telephone survey between May and September 2006. The results were published recently in the Journal of Computer Mediated Communication.  

    [ ScienceDaily – Instant Messaging Proves Useful In Reducing Workplace Interruption

    Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass tatsächlich aber Instant Messaging bestimmte Kommunikationsformen in anderen Medien ersetzt. IM wird insbesondere verwendet, um Unterhaltungen zeitlich zu organisieren und vermeidet ständige und dann längerwährende Unterbrechungen bei der Arbeit. Anstelle (Beispiele von mir)

    • einfach beim Kollegen ins Büro reinzuplatzen (wo er gerade mit einem anderen Kollegen über ein wichtiges Problem brütet)
    • ihn mit einem Telefonanruf mitten bei der Erstellung eines Dokuments zu stören oder
    • eine ausufernde Email für ihn zu formulieren (mit der Bitte doch heute noch zu antworten – um dann festzustellen, dass der Kollege noch zwei Wochen im Urlaub auf einer Yacht in der Karibik ist)

    wird kurz nachgeschaut, ob der Kollege überhaupt da ist, und dann ebenso kurz über IM angefragt, ob bzw. wann der Kollege Zeit für ein Gespräch, ein Telefonat oder zur Beantwortung einer Fragestellung hat.

    Zwar nehmen die Unterhaltungen via IM / Computer zu, aber die Unterhaltungen sind kürzer. Und diese Unterhaltungen stören den Arbeitsablauf des Ansprechpartners weit weniger als die klassischen Medien: 

    “We find that employees are quite strategic in their use of instant messaging. They are using it to check in with their colleagues to find out if they’re busy before interrupting them in a more intrusive way,” Garrett said.

    Because of its unique setup, instant messaging allows users to control how and when they communicate with coworkers. The technology gives people the ability to flag their availability or postpone responses to a more convenient time, and because it is socially acceptable to ignore or dismiss a message, many use the technology to put off more disruptive conversations, he said.

    Mitarbeiter nutzen Instant Messaging nicht für umfangreiche Gespräche oder um komplexe Probleme zu lösen – sie nutzen IM für schnelle Fragestellungen und zur Koordinierung ihrer Gespräche für einen besseren Zeitpunkt. 

    [ via Column 2 ]

    Meine Erfahrung

    Innerhalb des Büros verwende ich (leider) kein Instant Messaging. Aber meine Erfahrungen mit IM im persönlichen Bereich bestätigen die Ergebnisse der Studie. Oft frage ich an oder werde angefragt (i.d.R. per Skype), ob oder wann ich Zeit für eine Unterhaltung per Telefon oder Skype habe. Oder ich bekomme einen kurzen Hinweis auf eine Veranstaltung. Oft geschieht dies inzwischen auch über eine Direct Message via Twitter. Ich reagiere sofort darauf, falls ich direkt Zeit (oder auch mal Lust und Laune :-) habe), oder eben später. Oder ich setze meinen Status gleich auf "Beschäftigt" (daran muss ich noch arbeiten).

    Mittlerweile nutze ich IM auch vereinzelt für geschäftliche Kontakte außerhalb des Unternehmens. In Skype sah ich am Mittwoch Abend, dass eine bestimmte Person online war. Nach einer kurzen Anfrage ("Haben Sie kurz Zeit?") konnte ich in einem kurzen Chat ein Thema noch abklären, denn am Donnerstag war ich sehr kurzfristig nicht im Büro.