Carmen Hillebrand hat auf IT-Frontal ihren Erfahrungsbericht zum BarCamp Munich veröffentlicht und fragt:

Und warum gehen Sie auf ein Barcamp oder verzichten lieber darauf?

Hier sind ein paar Gründe, warum ich auf ein BarCamp gehe:

  • Menschen persönlich (wieder)treffen, die ich online kenne
  • Themen beackern, weitergeben und lernen
  • Neue Menschen und Themen kennenlernen
  • Über den Tellerrand schauen
  • Gemeinsam Kaffee oder Tee trinken und über Themen mit Menschen sprechen

Außerdem lasse ich gerne eine Session ausfallen, weil ich im interessanten Gespräch mit interessanten Menschen bin ;-)

BarCamp Munich

Und genau das habe ich alles am letzten Wochenende getan  :-)

Reich-Ranicki regt sich auf und weist den Deutschen Fernsehpreis zurück. Und die Republik regt sich auf:

  • Die einen regen sich darüber auf, dass er sich über den Deutschen Fernsehpreis und eigentlich über das deutsche Fernsehen aufregt und dazu die Bühne dessen, was er so verachtet, missbraucht. Dass er so tut, als hätte er nicht absehen können, was auf ihn zukam.
  • Die anderen regen sich darüber auf, dass die einen sich darüber aufregen, dass Reich-Ranicki konsequenterweise die einzig richtige Bühne benutzt, die in vielen Bevölkerungsteilen der deutschen Republik überhaupt noch zu einer Reaktion führt: Das Fernsehen.

Thomas Knüwer wählt eine ausgewogene Sichtweise (das kann er tatsächlich). Vieles äußert er, dem ich zustimme. Doch auch er spricht nur über das eine Wasserglas: Das Fernsehen.

Das vermisste Wasserglas

Ich kann es inzwischen nicht mehr hören: "Die Qualität des Fernsehens und im Fernsehen und die Selbstbeweihräucherung desselbigen sind schlecht, mies und unter aller S***. Und schuld sind das Fernsehen, die Sender, die Anstalten, die Produzenten, die Macher!"

Reich-Ranicki, Knüwer und die anderen Kritiker beziehen sich auf "das Fernsehen" und seine miese Qualität. Doch wieso kommt es zu dieser Nicht-Qualität? Haben die Macher sich nur deswegen dazu entschlossen, weil sie mit dem falschen Fuß aufstanden? Weil es ihnen so gefiel? Nein, sie folgen den Fußabdrücken der Masse, die den Götzen Fernsehen anbetet und nach immer mehr und immer einfacheren heiligen Sprüchen und Signalen verlangt. Die Masse entscheidet mit ihrer "Quote" darüber was "gemacht" und "gebracht" wird.

Die Macher haben die Mechanismen der Quote erkannt und benutzen sie, weil sie zu Erfolg führt. Die Macher verführen das "dumme Quotenvolk" zu immer flacheren Angeboten, zu immer mehr Nicht-Qualität. Aber nicht, weil es ihnen so gefällt. Sie verführen und peitschen das Quotenvolk zu Dokusoaps, Chartshows und immer flacherem Fernsehen mit immer weniger Weitsicht, weil es funktioniert und das Quotenvolk sich verführen und peitschen lässt! Und das Quotenvolk lacht und johlt dabei!

Da sollen die Öffentlich-Rechtlichen eine "Grundversorgung" sicherstellen – doch gemessen werden sie nicht an der Qualität sondern an der Quote. Kein Wunder, dass auch das Öffentlich-Rechtliche nicht mehr das ist, was vielleicht einmal war. Die Privaten haben die Fesseln der Qualität schon lange abgestreift. Und das Fernsehen funktioniert ohne diese Fesseln. Nicht effektiv, aber sehr effizient. Jeder spricht über das Fernsehen, das an allem Schuld habe. Niemand spricht über das Quotenvolk, das deutsche Fernsehvolk.

Das deutsche Fernsehvolk bekommt das Fernsehen, das es selbst wählt

Reich-Ranicki entfachte einen Sturm im Wasserglas. Das andere Wasserglas, das deutsche Fernsehvolk, und den Sturm darin, den habe ich vermisst. Aber vielleicht hat Reich-Ranicki genau das erkannt: Das deutsche Fernsehvolk hat gewählt und dagegen kommt er nicht (mehr) an.

Reich-Ranicki im Video:

[ YouTube Direktlink ]

Hintergrund: "ZEIT-ONLINE – "Eine Sternstunde des Fernsehens"

Zwei aktuelle Geschehnisse zeigen mir, wie spannend Politik live übers Internet sein kann.

Twittern vom Grünen Landesparteitag Baden-Württemberg

Henning Schürig wird an diesem Wochenende vom Landesparteitag vom offiziellen Twitter-Account @Gruene_BaWue aus twittern. Er wird versuchen parallel auf seinem Account @hensch Meinungen und Eindrücke zu übermitteln (wird bestimmt anstrengend).

Allgemeines, freies WLAN wird es leider nicht geben. Inwiefern andere twittern, kann ich also schwer sagen. Ich lege jetzt trotzdem mal ganz eigenmächtig #bwldk2008 als Hash-Tag fest. So könnt ihr über die Twitter-Suche nach #bwldk2008 alle Tweets (Twitter-Nachrichten) sehen, in denen dieser Hash-Tag verwendet wird. Dies geschieht, indem man einfach irgendwie im Tweet #bwldk2008 unterbringt, typischerweise am Ende.

[ Bundestags-Listenaufstellung live auf Twitter ]

Ich werde vom BarCamp Munich aus einfach einen Firefox Tab mit der Twittersuche nach dem Hashtag aufmachen ;-)

GAL-Mitgliederversammlung in Hamburg

Gerade eben verfolge ich live die GAL-Mitgliederversammlung (Hashtag #gal / unvollständig, da nicht alle Tweeds damit versehen). Mindestens drei twittern von dort: @luebue, @ronhh, @Dervanil. Da nicht in allen Tweets ein Hashtag dabei ist, lasse ich die drei Twitterer in verschiedenen Browsertabs mit Autoload alle zwei Minuten mitlaufen. Auch bei der Standortbestimmung hilft Twitter:

@ronhh aber niemanden? Irgendwie komisch. Wo bist du denn?

@luebue 4.Reihe im Mittelblock ganz rechts.

@ronhh ich bin unter der Uhr.

So, das gehört für mich auch zu Politik 2.0, nicht nur die Politiker sondern auch die Bürger beteiligen sich mit 2.0. Obwohl, wo ist eigentlich der Unterschied zwischen Politiker und Bürger…

Nachtrag (10.10.08):

An Twitter gefällt mir, dass ich im Gegensatz zu Livestreamings bzw. Radio- oder Fernsehübertragungen gelegentlich einen Blick auf die laufenden und kürzlichen Tweeds werfen kann. Damit muss ich meine Aufmerksamkeit nicht ständig auf ein Thema richten, sondern ich kann mich alle paar Minuten über Aktuelles informieren.

Über Twitter erfährt man auch viel schneller als beispielsweise über Spiegel Online, dass die Koalition in Hamburg fortgeführt wird:

Deutliches und klares Ergebnis: Schwarz-Grün bleibt als Koalition erhalten. Auch ohne dass ich geredet habe. 

SPON hat noch nichts, aber dank Twitter bzw. @dervanil und @maltespitz weiß ich, dass Schwarz-Grün in Hamburg bestehen bleibt. #politik2.0