Der @tspe hat gesprochen: Social Media machen dumm – in Echtzeit. Eine Replik wäre jetzt gut, ganz slow aus einer hinteren zweiten oder dritten Reihe heraus, das wäre gut fürs Karma. Doch ich muss doch weiter, schnell einen Tweet, am Besten einen Retweet von irgendwem, das ist doch echtzeitiger. Dumm werden die anderen, ich bin dann weg.

Social Media Manager sind auf der Jagd nach dem One-Click-Wonder. Noch immer sind es Klicks, die als Indikatoren für alle möglichen Aggregatzustände eines Nutzers (engaged!) herhalten müssen. Einfach, weil diese am schnellsten und einfachsten zu generieren sind. Und schnell muss es gehen, am besten in Echtzeit! Auf Facebook!

Ich bin unentschlossen. Darf ich nach dem Facebookbashing im Artikel den Artikel auf Facebook so auf die Schnelle so unreflektierend (mit-)teilen! Oder gar nur liken? Als „Der Taumler“ mit einem kurzen taumelnden Kommentar einen Link, das müsste reichen. Eigentlich. Doch Thilo mosert über das flache und schnelle Hula-Hoop der tanzenden Social Media-Darbieter und Tänzer. Und der Taumler, das ist doch Tumblr, das ist fast wie Twitter. Ein Tweet gleich also noch aus dem Taumler heraus botmäßig herausgeschossen?

Ist das nicht doch zu flach, zu Echtzeit? Müsste ich mir nicht mehr und tiefgehende Gedanken machen, sie in Word abseits der Social-Media-Echtzeitwelt erfasssen? Und dann am besten ein E-Paper, nein, ein Buch herausbringen… oder einen Blogartikel?

Gut, dass mir ein „ager“ fehlt. So bin ich nur ein „Social Media Man“. Und außerdem habe ich keinen roten Iro, mir kann ihn keiner wegsemmeln. In Echtzeit schon gar nicht. Ob ich drei oder fünf Minuten warte, oder ob ich jetzt… wann jetzt ist, das bestimme ich. Ich mache das Ereignis, nein: Ich bin das Ereignis. Und wenn ich nicht will, dann… bin ich dann doch out?

Sorry, dass dies ein Blog ist. Das war einmal eine gute Idee, aber jetzt gibt es Facebook, Twitter, Pinterest, Quora, StudiVZ, Brightkite, Gowalla, Jaiku… ach, echt? Wie die Zeit vergeht.

Ich bin verstört, diese Welt ist zu schnell für mich.

Das liegt sicher daran, dass Thilo den Text zu lang hat werden lassen. Das ist unverantwortlich. Mensch, was hätte ich da eine Menge Tweets daraus gemacht. Mensch Thilo, die Chance hast Du vertan :-(

 

Früher waren Mitarbeiter, Freelancer und Privatpersonen bezogen auf Dateien primär Einzelkämpfer. Im Unternehmen gab es gemeinsame Verzeichnisse und Email. Heutzutage ist jeder zunehmend auf das Teilen und gemeinsame Bearbeiten von Dateien angewiesen. Dabei vermischen sich die verschiedenen Sphären wie Job, Hobby oder Privatperson immer öfter. Hier gebe ich Ihnen aufgrund meiner Erfahrungen eine kleine Auswahl kostenloser oder günstiger Werkzeuge für die gemeinsame Arbeit mit Dateien.

Dokumente

Den Begriff „Dokumente“  verwende ich hier für Dateitypen zur Textverarbeitung, Präsentation und Tabellenkalkulation.

Google Docs ist ein gutes Tool, wenn es um die Erstellung und das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten geht, auf die (noch) nicht jeder Zugriff haben soll. Außerdem kann man sehr differenziert Berechtigungen erteilen, beispielsweise wenn ein Dritter ein bestimmtes einzelnes Dokument bearbeiten oder nur sehen können soll.

Der Nachteil von Google Docs ist, dass es eine im Vergleich zu Softwareprogrammen (z. B. MS Office, Libre Office) eingeschränkte Funktionalität hat, was aber in über 90 Prozent der Fälle keine Rolle spielt. Vorteile sind die gemeinsame Bearbeitung im Browser, die Verbreitung von Google und die vielfältigen Zugriffsmöglichkeiten. Viele Projektarbeiter haben einen Account und kennen sich zumindest grundsätzlich damit aus. Die Basisversion dieses Textes beispielsweise erstelle ich mit Office2 HD auf dem iPad und speichere ich in Google Docs.

Aufgrund der Vorteile ist Google Docs für die Zusammenarbeit und Organisation im Team sehr gut geeignet. In der Basisversion ist Google Docs mit den weiteren Google Diensten wie Google Talk oder Google Mail kostenlos. Mit Google Apps for Business gibt es von Google ein entsprechendes professionelles Angebot für Selbständige und Unternehmen, das in vielen Fällen ausreicht.

Ein weiteres Onlineangebot, das auch weitere Funktionen wie Projektmanagement oder Onlinekonferenzen bietet, ist Zoho.

Aufwändige Dokumente und andere Dateien

Für aufwändige Dokumente (beispielsweise Präsentationen mit zehn Animationen je Folie…) eignen sich Desktopprogramme eher als Google Docs. Dazu benötigen die Teammitglieder die entsprechende Software auf ihrem Rechner. Der Quasi-Standard ist die Microsoft Office Suite. Doch mit Openoffice.org, Libre Office und ähnlicher Software stehen vergleichbare und deutlich preisgünstigere (nämlich kostenlose) Möglichkeiten zur Verfügung. Die Dokumente müssen dann jedoch für alle Teammitglieder im Dateisystem (oder in entsprechenden Apps) vorliegen und automatisch synchronisiert werden.

Außerdem gibt es neben den Dokumenten noch weitere Dateien wie beispielsweise Grafikdateien (z.B. Logos), Fotos oder Konfigurationsdateien, die ständig oder im Bedarfsfall allen oder ausgewählten Teammitgliedern zur Verfügung stehen sollen.

  • Google bietet mit Google Drive seit einigen Wochen die Möglichkeit, Dateien mit bis zu insgesamt 5 Gigabyte zu synchronisieren und blendet dort auch Verknüpfungen zu Google Docs Dokumenten ein. Doch bislang ist Google Drive von der Funktionalität im Vergleich zu anderen Diensten sehr eingeschränkt. Beispielsweise wird der Verzeichnisname vorgeschrieben. Ich habe es bislang zwar installiert aber nicht weiterverfolgt.
  • Dropbox ist der Renner unter den Synchronisierungdiensten mit großer Funktionalität und einer breiten Unterstützung durch andere Software/Apps und Webdiensten. Allerdings sind in der kostenlosen Version nur 2 Gigabyte inklusive.
  • Sugarsync bietet in der kostenlosen Version 5 Gigabyte und ist auch beim Zukauf von Speicherplatz günstiger als Dropbox.

Einen (natürlich gefärbten) Vergleich verschiedener Synchronisierungsdienste gibt es bei Sugarsync. Die kleinsten Varianten beim Zukauf von Speicherplatz bei Dropbox und Sugarsync sind 99 Dollar für 50 Gigabyte bei Dropbox und 44,99 Dollar für 30 Gigabytebei Sugarsync (beide Preise je Jahr). Bei beiden kann man mit Weiterempfehlungen zusätzlichen Speicherplatz „verdienen“. Lassen Sie uns beide zusätzlich etwas Speicherplatz dazugewinnen, wenn Sie sich für eine Registrierung entscheiden sollten:

Ich setze primär Sugarsync ein und greife im Bedarfsfall auf Dropbox zurück (beispielsweise beim Zugriff aus einer iPad-App heraus). Ein Dropboxverzeichnis lässt sich natürlich auch in Sugarsync einbinden :-)

Fazit

Inzwischen gibt es für jeden als Privatperson oder Freelancer und für kleine und mittelgroße Teams beziehungsweise Unternehmen kostenlose bis günstige Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit Dateien. Ein weiterer Vorteil der Möglichkeiten: Jeder kann in mehreren Teams und in mehreren Unternehmen gemeinsam Dateien bearbeiten, da es sich nicht um proprietäre Lösungen des eigenen Teams oder Unternehmens handelt.

Egal ob ich als Privatperson in einem Verein, als Freelancer mit unterschiedlichen Kunden oder als Mitarbeiter im Unternehmen in verschiedenen Projekten Dateien austauschen und vor allem gemeinsam bearbeiten möchte: Es gibt eine Lösung.

Ich bin im Web (noch) älter geworden, während das Web 2.0 seinen Siegeszug antrat. Mittlerweile spricht kaum noch jemand von Web 2.0. Man hat es hinter sich gelassen, angeblich verinnerlicht. Noch schlimmer ist es mit einem Wort, das wie kaum ein anderes die Besonderheiten und den Siegeszug des Web 2.0 kennzeichnet: „Beta“. Doch es ging verloren wie das Web 2.0. Einfach so.

Web 2.0

Als ich im Jahr 2005 mit dem Bloggen begann gab es kaum einen neuen Webdienst oder ein Startup, das sich nicht mit einem „Beta“-Label oder -Badge schmückte. Flickr trieb es so weit, dass sie sich bei einem Relaunch selbstironisch das Label „Gamma“, dem nächsten Buchstaben im griechischen Alphabet, anhefteten. Nun, das Flickr von damals ist Geschichte. Das „Beta“ leider auch.

In letzter Zeit musste ich immer wieder an diese Sturm- und Drangphase denken, als Fehler und Blogartikel darüber an der Tagesordnung waren (zur Erläuterung an die „Digital Natives“: Twitter und Facebook spielten noch überhaupt keine Rolle, damals). Ein Startup launchte, wies auf seinen „Beta“-Status hin, fiel zunächst auf die Nase, wir berichteten darüber (oder sorgten sogar dafür), die Jungs oder/und Mädels lernten daraus, standen auf und machten weiter. Und wir berichteten darüber. Das war in Ordnung so, das war Beta.

Beta war Programm und Bestandteil eines Lernprozesses.

„Der einzige Fehler: Ihn zwei Mal machen“

Fehler zu machen gehörte einfach dazu. Zu nahezu allem. Fehler machen war normal. Jeder durfte und sollte Fehler machen. Der einzige wirkliche Fehler war, ein und denselben Fehler zwei Mal zu machen. Denn dann bedeutete dies, dass man aus dem Fehler nicht gelernt hatte. Dazu waren die Fehler nun mal da: Zum Lernen.

Irgendwie waren wir alle mehr oder weniger „fehlertolerant“. Wir wussten, dass auch wir lernten. Wir liefen mit einem eingebrannten „Beta“ in der Stirn herum. Wir erkannten uns. Der große Rest hatte es nur noch nicht kapiert. Die waren immer noch verbohrt und wollten die 120-prozentige fehlerfreie Lösung, am besten zu Beginn des zweijährigen Projektes genau so geplant und dann… „Go Live! Yeah!“. Mission fullfilled. Gratifikation auf dem Konto.

Wir wussten es besser. Doch dann wurde das Web 2.0 erwachsen und irgendwann nannten sie es…

Social Media und Enterprise 2.0

Da ging auch alles sehr schnell und es lief auch mal etwas schief. Aber da war ja der Shitstorm, der einen Fehler sofort anprangerte. Alle lachten und waren froh, dass es sie nicht erwischt hatte. Die Erwischten liefen rot an oder ignorierten den Shitstorm. Irgendwann beruhigte sich das Social Media Web 1.0 wieder. Es war ja auch irgendwie eine abgeschlossene Welt von Tech- oder Kommunikations-Nerds.

Dooferweise sprangen immer mehr Unternehmen auf den Social Media-Zug auf. Nachdem sie (und vor allem die Berater) mit Enterprise 2.0 doch nie so richtig ernst genommen worden waren hatten sie jetzt ein goldenes Kalb gefunden, das ihnen goldene Eier legen sollte. Social Media verhalf dem alten Enterprise 2.0 von 2006 zu neuem Elan.

Da sprach man dann von „einem neuen Typ von Unternehmen“, das Kollaboration, Kommunikation und Prozesse optimieren würde. Social Media als Infrastruktur und horizontale Schicht darübergelegt – das war der neue Trend. Und dies sorgte schließlich dafür, dass es kaum noch Fehler gab. Oder man hörte zumindest kaum von welchen Fehlern. Auf den verschiedenen Kongressen erfuhren wir von immer mehr „Success Stories“.

Und wenn es schief ging? „Shitstorm“ war das neue Bingo. Egal ob intern oder extern etwas nicht geklappt hatte: Schnell einen Shitstorm drüber, und die Sache war erledigt. Ganz Gewiefte nahmen dieses Socialdingens und legten es mit Geschäft zusammen. Das war dann…

Social Business

Spätestens mit Social Business verloren wir alle unsere Unschuld, und unser eingebranntes „Beta“ verblasste. Denn bei wirklich ernsthaftem Geschäft, da macht man keine Fehler. Man zahlt dem Beratungshaus, dem selbständigen Berater und vor allem dem eigenen Mitarbeiter kein Geld dafür, dass diese dann einen Fehler machen. Das könnte auf einen zurückfallen. Außer man bekommt sein Geld zurück, und der Fehler verschwindet unter dem Niebel des Vergessens (Ich bitte um Verzeihung. Es sollte heißen „Nebel des Vergessens“ oder „Teppich des Vergessens“, die Versuchung für diesen Fehler war zu groß). Vor allem, weil die besonderen aber einflussreichen Minderheiten, Analysten und Investoren, keine Fehler verzeihen. Denn sie machen nie welche. Deswegen muss der Aktienkurs immer steigen.

Und man macht das Fehler machen auch nicht zum Geschäftsprozess. Plötzlich war das Fehler machen wieder das Versagen. Und wer versagt, den prangern wir an. Der darf seinen Fehler auch nicht korrigieren. Der bekommt sein Versagen unmißverständlich vorgehalten, denn wir wissen es ja besser.

„Fehler!“

Ich habe mich akklimatisiert. Ich ließ mich von der neuen schönen Welt assimilieren. Wenn jemand einen Fehler macht, dann schreie ich „Fehler!“. Da hat mal wieder jemand versagt. Mir passiert sowas natürlich nie. Ich habe dieses eingebrannte „Beta“ auch nicht mehr. Viele andere anscheinend auch nicht mehr.

Gestern abend schaute ich im ZDF den „Twitter-Jahrhundert-Skandal“. Ich nenne ihn jetzt einmal so, weil ich diesen Tenor in Blogs, auf Twitter und auf Facebook spüre. Ich habe während der rührseligen Twitterversuche von Oliver Kahn und Jeannine Michaelsen auch gelacht. Irgendwie hatte ich den Eindruck, beide wussten nicht wirklich, um was es bei Twitter geht. Oder sie konnten es nicht vermitteln. Oder sie waren nervös (vielleicht sogar der Oli, weil es was Neues und Unbekanntes ist). Kai Thrun hat es den „Twitter-Vorfall“ genannt. Thrun stimmt jedoch nicht in das allgemeine Gelächter ein und meint, der Twitter-Vorfall im ZDF decke viel mehr auf als eine Accounteinrichtung.

Beta

Da fasse ich mir jetzt an die eigene Nase. Wo ist meine Signatur, mein eingebranntes „Beta“ geblieben? Wieso habe ich in der letzten Zeit bei so vielen Fehlern von anderen eingestimmt und sogar laut (d.h. im Netz) gelacht? Wieso haben wir einen nicht angemeldeten niebelschen Teppich zur Staatsaffäre hochstilisiert?

Wir tun so, als solle jeder doch auch mal dieses Social Media ausprobieren. Und wenn er es tut, dann war das nix. Denn wir erwarten Perfektion.

Doch Beta, das ist das Wissen um die eigene Unvollständigkeit. Das Wissen, das andere auch nicht anders sind. Das andere ebenfalls ihr ganzes Leben lang lernen, und dass es nicht immer beim ersten Mal klappt. Aber auch, dass es andere gibt, die einem helfen. Andere, die auch nicht hundertprozentig sind. Die Welt ist so komplex und schnell geworden, dass wir einfach kaum noch elendiglange Projektpläne mit in Beton geschriebenen Projektergebnisse schreiben können. Und wenn, das war das ein Fehler. Denn es gibt immer einen, der schneller und besser ist. Auf der Autobahn, auf dem Sportplatz, im Job, im Bett.

Wir sind nicht der Gipfel der Schöpfung. Wir sind Beta.

Warum also sind wir im Leben inzwischen so wenig Beta? Wo ist unsere Fehlertoleranz geblieben? Warum müssen wir so oft und so gerne einen Shitstorm (mit-)lostreten?

Weil wir Menschen sind. Menschen machen keine Fehler. Das haben wir so gelernt. Deswegen haben wir das Wort „Beta“ verloren. Aber wir können es wieder finden. Wir müssen nur wollen.

 

Führung, Leadership, Netzwerk-Generation, Kollaboration, Social Media, Enterprise 2.0, Social Business… Riesige Wortwolken überziehen den Medienhorizont, um die Herausforderungen und notwendigen Veränderungen in den Unternehmen für die nächsten Jahre zu skizzieren. Eine Glosse.

Immer wieder spielt dabei die Unternehmenskultur als Hauptdarsteller und Hemmschuh eine überragende Rolle. Sie, die „alte Unternehmenskultur“, basiere doch auf Hierarchiedenken aus dem letzten Jahrtausend. Sie müsse sich ändern, nein: Sie müsse aktiv verändert werden, um den neuen Herausforderungen in einer globalisierten, internationalisierten und beschleunigten Welt gewachsen zu sein.

Doch wer soll die Kultur eines Unternehmens verändern? Natürlich: Die Führungskräfte sind da gefordert. Sie schließlich führen das Unternehmen und vor allem seine Mitarbeiter durch die widrigen Umstände in der rauhen Wirtschafts- und Technologiensee. Die Führungskräfte wissen, wohin und wie das Unternehmen und die Mitarbeiter und vor allem sie selbst geführt werden müssen. Aber nein, bitte lassen Sie jetzt solche ollen Kamellen wie AEG, Neue Heimat, Coop, Klöckner oder Bremer Vulkan. Das waren früher mal Ausrutscher, also ganz früher. Schlecker? Also, ich bitte Sie… Hin zu mehr und besserer kollegialer Zusammenarbeit in einer auf Vertrauen basierenden Unternehmenslandschaft! Tschaka!

Das haben die Führungskräfte gelernt, das Führen!

Wirklich? Zeigen Sie mir ein Dutzend Führungskräfte aus den unterschiedlichsten Branchen, und ich zeige Ihnen ein Dutzend Fachleute. Fachleute, die sich in Wirtschaft, IT, Recht, Marketing oder sonstwas verteufelt gut auskennen – und die nie gelernt haben zu führen. Sie wurden „promoted“ weil sie Spezialisten auf einem oder mehreren Gebieten sind, und weil sie darin Erfolg hatten. Aber nicht, weil sie gut führen können und genau das auch gelernt haben. Sicherlich gibt es Naturtalente, die gut führen können oder es sich selbst beigebracht haben. Doch wer soll sie erkennen? Die „Führungskräfte“ darüber sind doch auch nur Manager und keine Führungskräfte.

Obwohl, ich kenne da eine Branche, in der werden die Führungskräfte tatsächlich zum Führen ausgebildet. Na ja, ich kannte diese Branche zumindest einmal. Ich bin da schon ein paar Jahrzehnte raus. Ich war ein paar Jahre in einer Branche, da wurde ich von Anfang an zum Führen ausgebildet. Erst als ich das gelernt hatte durfte ich an fachliche Themen ran. In meiner Ausbildung hatte ich so merkwürdige Fächer wie „Führungslehre“ und „Methodik“ und „Didaktik“. Denn in dieser Branche – nach einer Zählweise die älteste, nach einer anderen Zählweise die zweitälteste Branche der Welt – ist nichts so stabil wie der Wandel. Ständig kommt die Konkurrenz mit neuen Verfahren, neuen Mitarbeitern, neuen Techniken und neuen Allianzen.

Da muss man führen können, sonst verliert man nicht nur seine Gratifikation sondern auch seinen Kopf. Die Technik beispielsweise, die wurde sehr früh outgesourct. Das machen jetzt Unternehmen, dort muss man nicht führen können, da reichen noch Fachleute. Die eigenen Leute, die müssen richtig führen können und die Mitarbeiter überzeugen können. Denn wenn die nicht überzeugt sind und überzeugt handeln sondern im entscheidenden Moment kündigen oder sogar bei der Konkurrenz anheuern, dann heißt es für die Führungskraft „Rübe ab!“. Und das gilt nicht nur für die Linie. Jeder Auftrag ist da ja eigentlich ein wenn auch noch so kleines Projekt.

Ich war einmal in der Militärbranche, in der Bundeswehr. Dort lernt man das Führen von Mitarbeitern. Das Problem mit den Führungskräften in den Unternehmen jedoch ist die Führung. Die hat dort kaum einer gelernt. „Per Order Mufti“ habe ich viel öfters in Unternehmen als beim Militär erlebt. Aber es gab auch positive Ausnahmen. Meistens haben wir uns dann am Kaffeeautomaten oder beim Bierchen olle Kamellen aus unserer Zeit bei der Bundeswehr erzählt.

P.S.: Zu dieser Glosse hat mich der Beitrag von Stefan Pfeiffer animiert: „[DE] IBM CEO Studie: Führen durch Vernetzung im Zeitalter des Social Business