Viva la Revolución (Tie Cut)

Kein frischer Wind sondern ein Sturm geht durch die Unternehmen und die Unternehmenskommunikation. Thilo Specht sagt, Intern sei das neue Extern in der Kommunikation, und Lars Kempin meint, man solle einfach mal ein Seminar halten, wenn man keine Ahnung habe. Beide zusammen haben acht MBA-Studenten am Institut für Marketing und Kommunikation MBA-Studenten das Thema Interne Kommunikation näher gebracht. Heraus kam das von den Studenten erarbeitete Manifest der Integralen Kommunikation.

Manifest der Integralen Kommunikation

Manifest der Integralen Kommunikation (Quelle: Thilo Specht)

Da finden sich dann so wunderbare Aussagen wie:

Scheitern und Irren sind keine Tabus, sondern Meilensteine auf dem Weg des Besserwerdens. Deswegen müssen Fehler, Misserfolge und andere schlechte Nachrichten genauso kommuniziert werden wie gute.

(das erinnert mich doch sehr an das verlorene Wort „Beta“)

Wenn Lars meint „Es lebe die Integrale Kommunikation!„, so schnappe ich mir eine Überschrift aus Thilos Artikel und werfe in den vormedialen Raum:

Viva la Revolución!

Viva la Revolución!

Viva la Revolución! – Mauricio Moreno (CC-BY-2.0)

Tatsächlich habe ich genau diesen Ausruf in der Präsentation für mein Social Business Seminar verwendet. Denn die neuen Ausprägungen der Kommunikation und der Kollaboration rütteln an den traditionellen Werten von Top-Down, One Voice und Wasserfall-Kommunikation. Doch bereits seit längerem wird so manchem Unternehmenskommunikator und PR’ler klar, dass sich die Public Relations definitionsgemäß weder auf die externe PR-Arbeit noch auf ein Herausposaunen beschränken.

Die Pflege von Beziehungen mit Öffentlichkeiten basiert auf Kommunikation, und Kommunikation ist per definitione mindestens bilateral. Und Öffentlichkeiten beinhalten interne und externe Öffentlichkeiten. Wer sich PRler genannt und auf das Herausposaunen nach außen beschränkt hat, war für mich zumindest kein wirklicher PRler. Wenn ich mir dann die Entwicklung im Bereich Enterprise 2.0 und Social Business betrachte, dann verändert sich gerade in vielen Unternehmen deren Kultur. Sicherlich fast immer langsam, sehr langsam. Genau das ist aber auch eine Eigenheit von Unternehmenskultur. Deswegen aber trifft der dem „Management-Papst“ Peter Drucker zugeschriebene Ausspruch um so mehr zu:

Culture Eats Strategy For Lunch

Denn Kultur ist etwas tief in den Menschen verankertes, das mit ein paar warmen Worten in einer Ansprache oder in einem Artikel des CEOs und ein paar begleitenden Maßnahmen für eine neue Strategie nicht verändert wird:

Culture is a balanced blend of human psychology, attitudes, actions, and beliefs that combined create either pleasure or pain, serious momentum or miserable stagnation. A strong culture flourishes with a clear set of values and norms that actively guide the way a company operates. Employees are actively and passionately engaged in the business, operating from a sense of confidence and empowerment rather than navigating their days through miserably extensive procedures and mind-numbing bureaucracy.

[ Culture Eats Strategy For Lunch ]

Betrachte ich mir dann das 3-Ebenen-Modell von Edgar H. Schein, so bemerke ich in meinem Berufsleben seit den Achtzigern in vielen Unternehmen eine Veränderung.

  1. an der Oberfläche liegen die sichtbaren Verhaltensweisen und andere physische Manifestationen, Artefakte und Erzeugnisse.Beispiele sind das Kommunikationsverhalten mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten, Logo, Parkplätze, Bürolayout, verwendete Technologie, das Leitbild, aber auch die Rituale und Mythen der Organisation.
  2. unter dieser Ebene liegt das Gefühl, wie die Dinge sein sollen; kollektive Werte sind beispielsweise „Ehrlichkeit“, „Freundlichkeit“, „Technik-Verliebtheit“, „spielerisch“, „konservativ“ usw. also Einstellungen, die das Verhalten von Mitarbeitern bestimmen.
  3. auf der tiefsten Ebene sind die Dinge, die als selbstverständlich angenommen werden für die Art und Weise, wie man auf die Umwelt reagiert (Grundannahmen). Diese Grundannahmen (engl. basic assumptions) werden nicht hinterfragt oder diskutiert. Sie sind so tief im Denken verwurzelt, dass sie von Mitgliedern der Organisation nicht bewusst wahrgenommen werden.

Es ist dieses Muster von Grundannahmen, die Schein als Kultur beschreibt.

[ Seite „Organisationskultur“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. April 2014, 12:52 UTC. (Abgerufen: 28. September 2014, 14:11 UTC) ]

Mehr dazu in meinem Audioboo „Viva la Revolución!„:

Viva la Revolución (Tie Cut)

Viva la Revolución (Tie Cut)

Und deswegen trage ich jetzt auch als sichtbares Artefakt endgültig keine Krawatte mehr.

Siehe auch:

Anmerkung zu Pinterest: Zwangsakquisition mag ich nicht. Wenn ich mir bei Pinterest keine Pins ohne Registrierung ansehen kann, dann lasse ich es eben. Unternehmen sollten das beachten, wenn sie Pinterest als Plattform einsetzen wollen.

Am Dienstag, den 25.11.2014, findet in Frankfurt die Records Management Konferenz statt. Unter dem Motto „Ordnung schaffen & Ordnung halten“ veranstaltet PROJECT CONSULT dieses Jahr die Konferenz zum achten Mal. Schwerpunkte sind Themen wie die elektronische Akte, Records-Management-Branchenlösungen, Metadaten-Management, Information Governance und Compliance.

Als Media-Partner bin ich im Sheraton Airport Frankfurt Hotel dabei.

Records Management

Records Management ist ein Begriff, der mir nur selten begegnet. Meistens geht es um Document Management oder Content Management. Records Management ist jedoch wesentlich tiefer und umfassender zu sehen. Records Management

… is the professional practice or discipline of controlling and governing what are considered to be the most important records of an organization throughout the records life-cycle, which includes from the time such records are conceived through to their eventual disposal. This work includes identifying, classifying, prioritizing, storing, securing, archiving, preserving, retrieving, tracking and destroying of records.

[…]

Records can be either tangible objects, such as paper documents like birth certificates, driver’s licenses, and physical medical x-rays, or digital information, such as electronic office documents, data in application databases, web site content, and electronic mail (email).

[ Records management. (2014, September 3). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 13:17, September 17, 2014 ]

Der Aufruf von Records Management auf der deutschen Wikipedia-Seite leitet direkt um zur Seite Schriftgutverwaltung:

Unter Schriftgutverwaltung (auch Aktenführung, -haltung) versteht man die systematische Aufzeichnung insbesondere von Geschäftsvorgängen und -ergebnissen.

[…]

In der Norm ISO 15489 wird Records Management definiert „als Führungsaufgabe wahrzunehmende, effiziente und systematische Kontrolle und Durchführung der Erstellung, Entgegennahme, Aufbewahrung, Nutzung und Aussonderung von Schriftgut einschließlich der Vorgänge zur Erfassung und Aufbewahrung von Nachweisen und Informationen über Geschäftsabläufe und Transaktionen in Form von Akten“.

[ Seite „Schriftgutverwaltung“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. September 2014, 14:01 UTC. (Abgerufen: 17. September 2014, 13:17 UTC) ]

Inhalte

Von 8:30 bis 18:30 Uhr gibt es Keynotes, Anwendervorträge, Workshops und RM-Speedies (knackige 5-Minuten-Vorträge). Als Partner sind mit dabei: ARMA, d.velop, Gartner, IBM, IMTBIron Mountain, Lager 3000OpenText, Optimal Systems, passion2practice, PROJECT CONSULT, qumram, SER und windream.

Bei den Keynotes geht es um Status & Trends bei Records Management & Information Governance sowie um Information Governance. Die Anwendervorträge behandeln beispielsweise automatisierte Eingangsrechnungsverarbeitung, SharePoint Web Content-Archivierung und den Umgang mit unstrukturierten Informationen in der öffentlichen Verwaltung. Anwender sind unter anderem Swisscom, Deutsche Bahn und Deutsche Bundesbank.

Anmeldung

Die Konferenztickets gibt es bis zum 30. September noch als Early Birds zu 178,50 EUR inkl. MWS. für Anwender (danach 250 EUR zzgl. MWSt.) und zu 357 EUR inkl. MWSt. für Anbieter (danach 400 € zzgl. MWSt.):

Anmeldung und Konferenzprogramm Records Management Konferenz

 

Tag Cloud

Interessante Lesezeichen aus diesem Internet zu Themen wie Change, Ruhe, Office, Produktivität, Industrie 4.0, Intranet, Collaboration, Leadership, Digital Workplace und Enterprise Social Software.

Seit einigen Jahren benutze ich Social Bookmarks, inzwischen ist Pinboard das Werkzeug zur Sammlung meiner Lesezeichen. Für meine Leser kennzeichne ich besonders Lesenswertes mit dem Tag “INJELEA-Lesenswertes“. In unregelmäßigen Abständen veröffentliche ich diese lesenswerten Lesezeichen hier im Blog.

  • How will today’s technology change our concept of “work”? | Anthropology in Practice, Scientific American Blog Network
    „Change is hard. We meet it with some trepidation and skepticism. This is certainly true when it comes to technology. Each wave of technological advancement has changed the economy; and in each age where it has done so, the there has been a ripple effect.“
  • Ruhe, bitte! – brand eins online
    Wir sind immer noch in der Industriegesellschaft: Viel Lärm um nichts. Aber eigentlich bräuchten wir richtig Ruhe, um in der Wissensgesellschaft anzukommen. „Aktionismus, Ablenkung, Daueralarm – wie soll man sich da konzentrieren? Das muss man aber, weil sonst der Wissensgesellschaft die Puste ausgeht.“
  • Why our startup has no bosses, no office, and a four-day work week – Quartz
    So, when we created Project eMT, a comparison search engine for Latin America, we decided to work in a different way: without project managers. Six years later, we operate in Chile, Brazil, Mexico, and Colombia together with 34 engineers that are part of our team, and we still work without traditional management structures and work weeks, and have managed to grow our annual revenue by 204%.
  • 25 Tips to Increase Your Agency’s Productivity

    The numbers never lie – sometimes, it seems as if you’re not getting as many billable hours from your employees as you’d like. This simple truth is that people aren’t machines – their energy levels rise and fall, and some times they will work faster and harder than others.

    But if you want to see a general increase in productivity across your staff, then there are some simple steps you can take. Here are a few ideas on proactively improving productivity at your office.

  • Industrie 4.0: Industrieller Mittelstand glaubt nicht an Big Data
    Rund ein Drittel aller Firmen im industriellen Mittelstand stehen Big-Data-Anwendungen skeptisch gegenüber. Vor allem glauben die Unternehmen an eine vermeintlich schlechte Kosten-Nutzen-Relation. Allerdings steht die deutsche Fertigungsindustrie einem steigenden Innovationsdruck gegenüber.
  • 8 Ways You’re Sabotaging Your Productivity And How To Stop | Fast Company | Business + Innovation
    Intense brainstorming sessions and far-away meetings feel productive in the moment, but they’re zapping your productive energy.
  • Verabredungen im Smartphone-Zeitalter: Die neue Unzuverlässigkeit und was man dagegen tun kann › imgriff.com
    Betrachtet man Verabredungen unter dem Gesichtspunkt der Produktivitätssteigerung, so geht es vor allem darum, mit möglichst wenig Zeit- und Koordinationsaufwand zu dem gewünschten Termin zu kommen, der dann auch tatsächlich in dem vorgegebenen Rahmen, mit den anvisierten Teilnehmern, zum festgelegten Zeitpunkt stattfindet.
  • Ziele für ein Intranet
    „Wie bei allen Projekten, muss man auch bei der Entwicklung eines Intranets festlegen, was man damit erreichen möchte. Das Ergebnis wird einfach deutlich besser, wenn entsprechende Ziele entwickelt und diese dann priorisiert werden. In „traditionellen Intranets“ war das noch einfach, denn es ging hauptsächlich darum Informationen zu verteilen. Bei „modernen Intranets“ ist das Spektrum dagegen deutlich breiter geworden.“
  • Is Collaboration Part of Your Customer Experience Strategy? – Enterprise Irregulars

    „Collaboration isn’t a technology discussion or a strictly process or people discussion either. It’s complex, which is why, I think, that so many companies have struggled with it for so long.

    CX and collaboration are natural allies as a strategy and need to be addressed together. From a CX perspective you simply can’t “fix” your customer issues without solving your internal organizational issues relating to collaboration and communication.“

  • Neue Denkweise: Strategie für digitalen Arbeitsplatz der Zukunft – CIO.de
    Man sollte nicht mehr zwischen Business IT und Consumer IT unterscheiden. Diese Trennung ist laut Gartner überholt. Dass Mitarbeiter Innovationen erwarten, zeigt eine Ricoh-Studie.
  • 4 Ways to Manage Remote Employees | Entrepreneur.com
    Executives and managers, though, are presented with a unique set of challenges when dealing with remote employees, whether they are remote full time or part time. For example, employers may feel uncomfortable not being able to watch or keep track of remote employees throughout the day. They may also fear that communication will be more difficult if employees are not physically in the same office.
  • Fiddling with Newsfeeds
    I fully comply with Ryan. Although unfortunately a lot of people just don’t look for them…
    „What I’m excited about is the fact that the mainstream media doesn’t control the message now, and that “real news” and compelling stories can be generated by anyone. There are thousands of petty, shallow celebrity gossip blogs out there. But there are also thousands of other everyday people creating and sharing wonderful stuff. Anyone in the world can see it, if they look for it.“
  • 10 Myths about Enterprise Social Software – Yahoo Small Business Advisor
    Just as public social networks have changed the way that people connect and interact, enterprise social networks can have a big impact on employee productivity and collaboration. Initially thought to be a distraction, these networks are now popping up at companies of all sizes worldwide and realizing the huge potential of social collaboration to pump information and to attract as well as retain existing talent.However many business leaders are still hesitant for a number of reasons when it comes to adopting enterprise social collaboration. In fact, the biggest risk lies in deferring enterprise social adoption—you gamble losing an edge over your competition. To stay ahead, businesses need to come to terms with the following 10 common myths.
  • How a Manager Can Promote the ‚Future of Work‘ | Entrepreneur.com
    What does the term a “new way to work” signify? My company, Unify, posed that question to 961 professionals scattered across the globe and found in the results (published in June) that for 47 percent it meant “working where I want to work” and for 43 percent it meant “working when I want to work.”
  • „The Digital Workplace in the Connected Organization“ | simply communicate

    Conclusions – The digital workplace is a journey

    For the majority, the journey can look like a real challenge. However, they could use McConnell’s findings as an awareness tool to identify potential action areas.

    Throughout the report there are a number of useful charts and examples where insights are explored in more detail. The study also provides a scorecard and a framework to help organisations understand where they stand today, define a vision and transform it into reality.

    If you believe in the digital workplace in the connected organisation, reading this manual might just be the best investment of your time.

  • 7 Wahrheiten über das Selbstständigsein, die einem keiner sagt | karrierebibel.de
    Selbstständig zu sein ist etwas Wunderbares. In der Theorie. Die Freiheit in der Zeiteinteilung, keiner redet einem rein, man arbeitet in die eigene Tasche… Und es stimmt ja auch: Noch immer gibt es in Deutschland keinen besseren Weg zu Wohlstand und Unabhängigkeit als als Unternehmer (oder Erbe). Die andere Seite wird dabei allerdings oft ausgeblendet: Gerade am Anfang ist der Weg in die Selbstständigkeit mit hohen Risiken, Unsicherheiten und Knochenarbeit verbunden. Nicht umsonst heißt es: Als Selbstständiger arbeitest du selbst und ständig…

Alle besonders lesenswerten Lesezeichen gibt es auf Pinboard: “INJELEA-Lesenswertes“. Und natürlich auch zum Abonnieren als RSS-Feed ;-)

Viel Spaß beim Lesen, ein weiterhin erfolgreiches und gutes Jahr,

Live long and prosper!

Arbeitnehmer nach Wirtschaftssektoren 1950 bis 2012

Bei Diskussionen über Social Business und Social Relations kommt es immer wieder zu der Frage, warum Unternehmen sich und die Arbeitswelt ändern sollten. Viele Unternehmen und Entscheider in Unternehmen sind der Ansicht, es  sei zwar derzeit etwas unruhig, aber sie müssten eben besser werden und ihre Effizienz erhöhen. Besser? Ja. Aber anders? Nein!

Für die Erstellung einer Präsentation blickte ich in die Vergangenheit und erforschte die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Und so ganz nebenbei fand ich über Mitglieder meiner Stämme interessante Artikel zu den Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft.

Taylorismus

Vor über hundert Jahren hat Frederick Winslow Taylor die Industriegesellschaft revolutioniert und den Taylorismus begründet. Dessen Prinzip gründet darauf, dass jemand die Arbeitsmethode, den Leistungsort und den Leistungszeitpunkt detailliert vorgibt. Arbeitsaufgaben werden zerlegt und in feste Abläufe gepackt. Dies ermöglichte es den Unternehmen in der Industriegesellschaft, extrem effizient zu produzieren. Der Taylorismus basiert letztendlich darauf, dass es immer eine definierte Person (oder Gruppe von Personen) gibt, die für andere die Arbeit und seine Abläufe festlegt. Denn diese Person (oder Gruppe von Personen) weiß eben am besten, wie was wann wo von wem getan werden muss. Die Industriegesellschaft hat der Agrargesellschaft damit endgültig den Rang abgelaufen (siehe Wikipedia: Wirtschaftssektor).

Die Organisation unserer Unternehmen beruht immer noch weitgehend auf dem Taylorismus und drei wesentlichen Organisationsmodellen:

  • Hierarchie zur Führung und Steuerung
  • Prozess für Effizienz bei wiederholbaren Abläufen
  • Projekt als „Einmal-Prozess“ zur Definition und Implementierung neuer Prozesse

Selbst die Matrixorganisation ist letztendlich ein Kompromiss aus Hierarchie, Prozess und Projekt. Wir steuern unsere Wirtschaft also mit einem über hundert Jahre alten Prinzip, das für den Industriesektor geschaffen wurde.

Inzwischen leben wir in einer Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft, in der auch Dienstleistungen variabler und individueller werden. Immer seltener gibt es genau die eine Person (oder Gruppe von Personen) im Unternehmen, die im Unternehmen bekannt ist, die alles besser weiß. Was die Situation verschärft, sind Faktoren wie zunehmende Komplexität und unklare (weil nicht bekannte) Zielsetzungen. Die Digitalisierung in den letzten Jahren sorgt zusätzlich für veränderte Kommunikation und veränderte Kollaboration, Social Media, Consumerization, noch mehr Globalisierung, noch mehr Komplexität, größere Schnelligkeit und andere Ansprüche.

Bruttoinlandsprodukt

Wie hoch also ist aktuell der Anteil des Industriesektors an der Wirtschaft in Deutschland? In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gibt es einen wesentlichen Indikator für die Leistungen einer Wirtschaft:

Das Bruttoinlandsprodukt ist ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum. Es misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden.

[ Statistisches Bundesamt ]

Das Bruttoinlandsprodukt enthüllt: Wir steuern die Wirtschaft mit einem Prinzip, das für 30% davon erfunden wurde!

Wirtschaftssektoren: Bruttoinlandsprodukt 2013

Der Agrarsektor dümpelt bei etwa 1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, der Industriesektor trägt gerade einmal mit 30 Prozent bei, und der Dienstleistungssektor hat einen Anteil von 69 Prozent an den 2.736 Milliarden Euro von 2013. Bei einem Vergleich zu 1991, dem ersten Jahr einer gemeinsamen Wirtschaft von „alten“ und „neuen“ Bundesländern, ergibt sich, dass der Anteil des Dienstleistungssektors seitdem um 6,5 Prozentpunkte zugenommen hat.

Wirtschaftssektoren: Bruttoinlandsprodukt 2013 vs. 1991

Erwerbstätige

6,5 Prozentpunkte lesen sich zwar interessant, im Kontext mit der Anzahl der Erwerbstätigen ergibt sich jedoch ein dramatischeres Bild. Seit 1991 nahm die Anzahl der Erwerbstätigen bei den Dienstleistungssektor um 30 Prozent zu, während sie beim Industriesektor um 26 Prozent abnahm.

Erwerbstätige im Inland nach Wirtschaftsabschnitten

Erwerbstätige im Inland nach Wirtschaftsabschnitten (preisbereinigte Bruttowertschöpfung)

Der Verlauf der Arbeitnehmer im Inland nach Wirtschaftssektoren seit 1950 lässt erahnen, wie es um den Industriesektor in 10 oder 20 Jahren bestellt sein wird:

Arbeitnehmer nach Wirtschaftssektoren 1950 bis 2012

Wissensgesellschaft

Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung gibt es in dieser Form seit vielen Jahren (oder lässt sich entsprechend rückrechnen). Was ich jedoch nicht gefunden habe, war eine weitere Aufschlüsselung des Bruttoinlandsproduktes für den Quartärsektor (Informationssektor). Es gibt unterschiedliche Definitionen, die der Bundeszentrale für politische Bildung von 2006 scheint mir passend:

Aus dem Dienstleistungssektor bildet sich ein spezialisierter Bereich mit hochqualifizierten Dienstleistungen heraus (Software-Entwicklung, Therapien, Medien, Forschung und Entwicklung usw.). Dieser Teilbereich prägt die Wissensgesellschaft.

[ Pocket Wirtschaft – Ökonomische Grundbegriffe, Bundeszentrale für Politische Bildung, 2006 ]

Laut Wikipedia fallen darunter insbesondere:

  • Beratung: Ingenieure, Rechtsanwälte, Wirtschaftsberater, Steuerberater, Heil- und Erziehungsberufe.
  • IT-Dienstleistungen
  • Hochtechnologie (High Tech) wie Nanotechnologie, Biotechnologie etc.
  • Kommunikationstechnologie

In einer Wissensgesellschaft fehlen dem Taylorismus Organisationsmodelle für

  • Unklare oder komplexe Situationen
  • Aufgaben ohne definierte Ziele („Kreativaufgaben“)

Im Social Business und bei Social Relations gibt es Diskurse über besser geeignete Organisationmodelle wie der Community, der Holacracy, der Organic Organisation oder gar der Tribalization (ursprünglich aus der Volkskunde). Diese Diskurse sind nach meiner Meinung übrigens selbst Beispiele für derartige Organisationsmodelle ;-)

Die weitere Differenzierung der Wirtschaftsbereiche hinsichtlich ihres Anteils am Bruttoinlandsprodukt ergibt einen Anhalt, wie sich einzelne Branchen entwickeln:

Wirtschaftssektoren: Entstehung des Bruttoinlandsprodukts

Zu den Vorjahren habe ich leider keine vollständigen Zahlen gefunden. Insbesondere fand ich bis 2010 keine Zahlen für die Bereiche „Unternehmensdienstleister“ und „Information und Kommunikation“. Bei den allerdings gerade bei „Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe“ und beim „Baugewerbe“ auffiel, waren die starken jährlichen Schwankungen (erstere beispielsweise 2010 plus 103 Prozent). Ich bin überzeugt, dass die „neuen“ Wirtschaftsbereiche weiter und stärker wachsen werden als die alten. Demzufolge müssen sich die Unternehmen an unsere Wissensgesellschaft anpassen und ihre Organisation flexibler, agiler und durchlässiger gestalten.

Interessante Einblicke

In meinen Communities in Facebook, Twitter, RSS fand ich interessante Artikel zu den Rahmenbedingungen.

Blick zurück nach vorn – Gunter Dueck im Interview

Kai Heddergott führte für die Expedition Wohnungswirtschaft ein Interview mit Gunter @wilddueck Dueck:

Herausgekommen ist ein Gespräch nicht über Smartphones und Technologiestandards, sondern über die Kraft und Vielfältigkeit von Innovationen. Gunter Dueck stellt fest: „Viele Unternehmen und viele Entscheider setzen vor allem auf die Kraft der Effizienz. Weil sie zu viel auf Tabellen und Zahlen schauen, scheuen Sie den Mut zu echten Verbesserungsinnovationen“.

Shift happens

Ein Artikel von Gunter Dueck auf Welt.de:

Die Computer sind uns auf den Fersen. Unsere Arbeit wird sich radikal ändern. Es geht uns allen an den Kragen: Und das ist gut so

Und ja: Deswegen kam ich auf die Idee, seinen Titel in meinen Titel einzuklammern :-)

Wir Neobiedermeier

Gerhard Matzig rechnet ab auf Sueddeutsche.de

Die Lust am Fortschritt, die Freude am Morgen, die Sehnsucht nach einer anderen, besseren Welt – davon ist in diesem Land nichts zu spüren. Deutschland ist ein Oberjammergau der Bedenkenhaftigkeit. Eine Abrechnung.

Chef-O-Ton

Oder wie Gunter Dueck es ausdrückt:

Paradigmenwechsel

Wir brauchen für unsere Wissengesellschaft einen großflächigen Paradigmenwechsel.

Darth Vader war gesten.

Darth Vader: Ich weiß mehr als Du! - Sam Howzit (CC BY 2.0)

Darth Vader: Ich weiß mehr als Du! – Sam Howzit (CC BY 2.0)

Luke Skywalker ist morgen.

Luke Skywalker was here - Paul Joseph (CC BY 2.0)

Luke Skywalker was here – Paul Joseph (CC BY 2.0)

Deswegen

Weil sich die Umwelt und die Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert haben, und weil die Veränderungsgeschwindigkeit zunimmt. Und weil wir es uns nicht mehr leisten können, zu bleiben wie wir sind.

Frank Hamm (Website)

Vor gefühlt etwa drei bis vier Jahren bemerkte ich, wie immer mehr Websites ein Mega Menu haben. Sind Mega Menüs gut oder böse?

Wie so oft lautet die Antwort: Es kommt darauf an. Manchmal habe ich das Gefühl, die Mega Menüs entstehen in dem Versuch, es möglichst vielen Stakeholdern recht zu machen. Da gibt es dann Unternehmensbereiche, die meinen in letzter Zeit auf dem Unternehmensauftritt oder im Intranet zu kurz gekommen zu sein. Aber eigentlich gibt es keine rationale Begründung, warum sie so wichtig für die Zielgruppen sind, wie sie meinen. Also pappt man ein Mega Menü in die Navigation. „Oh, toll!“ meint dann der Bereichsleiter und lehnt sich zufrieden zurück.

Und mit der Zeit entsteht eine weitere Textwüste auf der Webstite/im Intranet. Nur dass die Textwüste keine Seite sondern ein Menü ist.

Andererseits kann ein Mega Menü hilfreich für die Nutzer der Website und auch für die “Betreiber” der Website sein. Informationen, die sonst in den Tiefen der Navigation versteckt sind, oder die aggressiv mit einem Pop-up oder einer riesigen Anzeige in der Sidebar nerven, können in einem Mega Menü gut aufgehoben sein.

Oder häufig aufgerufene Artikel der letzten Tage oder Wochen können darin hervorgehoben werden, ohne dass eine entsprechende Rubrik auf der Seite Platz wegnimmt. Redaktionelle Einträge können dort platziert werden von… ja, es soll sie noch geben, die Unternehmenskommunikation. Aber immerhin gibt es Informationen oder Angebote zum Dialog, die nach einem ersten Erscheinen von der Homepage oder den Nachrichten nicht wieder im Nirvana verschwinden sollten. Mitarbeiter beispielsweise sind im Urlaub, haben gerade keine Zeit für die neuesten Informationen über eine Umstrukturierung (mal wieder).

Im Mega Menü können solche Einträge gut aufgehoben sein.

Außerdem muss es nicht nur ein Mega Menü für alle geben. Bei angemeldeten Benutzern kann das Mega Menü aufgrund der Zugehörigkeiten des Benutzers zu bestimmten Gruppen angepasst sein. Mit Gruppen meine ich nicht nur Organisationseinheiten wie Abteilungen oder Projekte sondern auch Interessengruppen. Das könnten also beispielsweise die meistaufgerufenene (oder kommentierten) Artikel aus dem Business Intelligence Forum sein, in dem der Benutzer aktiv ist (oder einfach nur mitlurkt, um auf Stand zu bleiben). Je nach Microsite oder Informationsarchitektur kann das Mega Menü auch wechseln. Die Auswertung der Suchanfragen (aus der website-eigenen Suche) kann ergeben, dass bestimmte Seiten im Mega Menü den Benutzern einen Nutzen bringen würden. In solchen Fällen erfordert das aber auch eine kontinuierliche redaktionelle Betreuung.

Grundsätzlich kann ein Mega Menü also hilfreich sein. Eine Problematik jedoch scheint vielen nicht bewusst zu sein: Was mache ich bei Mobilzugriffen auf eine Seite mit Mega Menü? Was, wenn das Mega Menü insgesamt 80 oder mehr Einträge verteilt auf vier oder fünf Haupteinträge hat? Wenn der Mobilnutzer dann mit einem Smartphone zugreift, soll er das Mega Menü überhaupt erhalten? Wird er es dann überhaupt benutzen, oder ist ihm das viel zu viel (selbst wenn oder gerade wenn er es erst auf seinem kleinen Display also Drop-Down aufklappen muss).

Eine 1:1 Umsetzung der Inhalte lediglich in Form eines platten responsiven Designs erscheint mir da unangebracht. Abgesehen davon, dass jetzt die grundsätzliche Frage auftaucht: Sollten Mobilbenutzer sowieso nicht anders strukturierte oder sogar andere Inhalte erhalten? Weil Mobilnutzer nämlich eine Website, Intranet, Microsite mit vielen Inhalten ganz anders nutzen, als dies bei der Nutzung im Desktop-/Notebook-Browser der Fall ist.

Ich schätze, da kommt es auf sehr viele Punkte an. Ich persönlich habe glücklicherweise keine so große Websites mit so vielen Inhalten und (potentiellen) Navigationseinträgen, dass ich mir darüber Gedanken machen müsste.

Aber jetzt habe ich ein anderes Problem: Eigentlich war dieser Artikel für “Den Schreibenden” gedacht, bei Frank Hamm passt er sicherlich nicht. Doch von der Thematik her passt er auch in das INJELEA-Blog. Irgendwie jedenfalls, auch wenn ich nicht wüsste, in welche Kategorie er passen würde. Vielleicht sollte ich einfach mal schnell ein Mega Menü erstellen mit einer Kategorie “Geschriebenes”…

Mehr lesen:

Hamburger beim Christianshof

In drei Tagen ist es soweit: Am Samstag ist das 8. WTIS – das WebTreffen mit INJELEA in Selzen.

Wir sind eine überschaubare Runde – ich habe Tische für 14 Personen reserviert. Am Samstag sollen es 27 Grad Celsius bei klarem Himmel und einer Regenwahrscheinlichkeit von 2 Prozent werden. Ab Sonntag gehen die Temperaturen dann wieder zurück, und es wird regnerischer.

Wettervorhersage für WTIS14 am 6.9.2014Also haben wir hoffentlich am Samstag so viel Glück, dass wir draußen sitzen können. Ansonsten werden wir uns nach drinnen verziehen. Auf jeden Fall habe ich reserviert :-)

Im Christianshof gibt es übrigens auch Wochengerichte, die letzte Woche gab es Hamburger. Diesen Samstag gibt es die leider nicht mehr – aber dafür „Rheinhessisch à la Carte, Sauerbraten mit Knödeln“.

Weitere Informationen gibt es auf der Seite

WebTreffen mit INJELEA in Selzen

Falls jemand noch Interesse hat: Bei guten Wetter kein Problem, im Hof ist viel Platz. Bei Regen könnte es mit mehr Platz knapp werden. Oder Ihr meldet Euch bis morgen (Donnerstag) noch bei mir, damit ich versuche etwas mehr Platz zu schaffen.