Keyboard/Tastatur (Mac)

Creative-Commons-Lizenzen haben sich etabliert – für das Veröffentlichen von Inhalten und für die Verwendung entsprechender Inhalte. Doch bei der Verwendung fehlen häufig Titel, Lizenz und der Link auf die Lizenz.

Seit vielen Jahren veröffentliche ich Inhalte unter Creative-Commons-Lizenzen:

Creative Commons (abgekürzt CC; englisch für schöpferisches Gemeingut, Kreativallmende) ist eine gemeinnützige Organisation, die 2001 in den USA gegründet wurde. Sie veröffentlicht verschiedene Standard-Lizenzverträge, mit denen ein Autor der Öffentlichkeit auf einfache Weise Nutzungsrechte an seinen Werken einräumen kann. Diese Lizenzen sind nicht auf einen einzelnen Werkstyp zugeschnitten, sondern für beliebige Werke anwendbar, die unter das Urheberrecht fallen, zum Beispiel Texte, Bilder, Musikstücke, Videoclips usw.

(Seite „Creative Commons“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 23. Mai 2015, 14:11 UTC. (Abgerufen: 25. Mai 2015, 12:28 UTC))

Jeder Urheber/Rechteinhaber kann sich grundsätzlich bei Creative Commons auf der Seite creativecommons.org/choose/ seine passende Lizenz auswählen und dort auch zusätzliche Angaben vornehmen.

Ich veröffentliche seit 2005 meine Fotos auf Flickr. Flickr bietet seinen Nutzern eine vereinfachte Auswahl der Lizenz an. Flickr bietet sogar eine eigene Suche nach Creative-Commons-Material auf Flickr. Auch sie habe ich schon benutzt. Und immer wieder sehe ich, wie Flickr-Fotos mit der Creative-Commons-Lizenz fehlerhaft benutzt werden. Insbesondere sehe ich diese Fehler immer wieder:

  • Der Titel des Werkes fehlt
  • Die Lizenz wird nicht genannt (also die Lizenzform, ob beispielsweise Veränderungen des Fotos oder die kommerzielle Nutzung erlaubt sind)
  • Der Link auf die Lizenz fehlt

Meistens steht der Name des Lizenzgebers beim Bild („Max Mustermann“). Manchmal steht da aber auch nur „Quelle: Flickr“. Selten steht dort aber der Titel oder die Lizenz, und fast nie ist dort ein Link auf die Lizenz. Dass der Name des Urhebers/Rechteinhabers (meistens des Fotografen) genannt wird und dieser damit entsprechend gewürdigt ist, sollte selbstverständlich sein. Aber wieso sollten Sie die weiteren Angaben machen?

  • Der Titel hilft bei der eindeutigen Benennung des Inhalts
  • Die Lizenz gibt an, unter welchen Bedingungen der Inhalt verwenden werden darf. Ohne die Lizenz weiß niemand ob oder in welcher Form er den Inhalt (Foto, Text, Film…) verwenden darf.
  • Durch den Link erhält jeder die Möglichkeit, die genauen Bedingungen der Lizenz durchzulesen. Dazu gibt es sowohl eine Zusammenfassung als auch den ausführlichen Vertrag („Legal Code“).

Dabei sind diese Angaben nicht einfach nur wünschenswert. Sie sind formale Bedingungen der Creative-Commons-Lizenzen.

Beispiel Flickr

Flickr lässt jeden Benutzer eine Lizenz für sein Foto oder Video auswählen. Bei den Creative-Commons-Lizenzen verwendet Flickr die englischen 2.0-Versionen, auch wenn es inzwischen neuere Versionen und Versionen in anderen Sprachen gibt.

Nehmen wir dieses Foto einer Tastatur:

Keyboard/Tastatur (Mac)

Keyboard/Tastatur (Mac), von Frank Hamm; Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0)

Ich habe den Titel des Werkes (und einen Link zum Werk), den Autor (mich), die Lizenz und einen Link auf die Lizenz angegeben. Der Autor (ich!) erlaubt das Vervielfältigen und Weiterverbreiten des Bildes, er (ich!) stellt jedoch aufgrund der Lizenz dafür Bedingungen. Bei einer Verfielfältigung und Weiterverbreitung

  • muss dafür dieselbe Lizenz angewendet wie vom Rechteinhaber verwendet werden,
  • muss der Nutzer „angemessene Urheber- und Rechteangaben“ machen, „einen Link zur Lizenz beifügen“ und „angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden„,
  • darf das Foto „nicht für kommerzielle Zwecke“ genutzt werden,
  • dürfen keine Bearbeitungen vorgenommen werden.

Grundlage ist die Lizenz „Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0)“ unter der ich dieses Foto auf Flickr veröffentlicht habe (Summary, Legal Code, Zusammenfassung in deutsch, Lizenz in deutsch).

Die Bedingungen regelt der Abschnitt 4 „Beschränkungen“ (Auszüge aus der Lizenz in deutsch, Hervorhebungen von mir):

a. Sie dürfen den Schutzgegenstand ausschließlich unter den Bedingungen dieser Lizenz vervielfältigen, verbreiten oder öffentlich wiedergeben, und Sie müssen stets eine Kopie oder die vollständige Internetadresse in Form des Uniform-Resource-Identifier (URI) dieser Lizenz beifügen, wenn Sie den Schutzgegenstandvervielfältigen, verbreiten oder öffentlich wiedergeben.

[…]

c. […]  die Urheberschaft oder Rechtsinhaberschaft in einer der von Ihnen vorgenommenen Nutzung angemessenen Form anerkennen, indem Sie den Namen (oder das Pseudonym, falls ein solches verwendet wird) des Urhebers oder Rechteinhabers nennen, wenn dieser angegeben ist. Dies gilt auch für den Titel des Schutzgegenstandes, wenn dieser angeben ist…

Auch ich nutze gelegentlich Material von anderen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Soweit ich das weiß und hoffe habe ich den Namen, die Lizenz und den Uniform-Resource-Identifier (Wikipedia, vereinfacht ausgedrückt: Die Adresse bzw. den Link auf die Lizenz) immer angegeben. Und jetzt, wo ich diesen Artikel schreibe und dafür mir die Lizenz durchgelesen habe, stutze ich bei dem Titel des Schutzgegenstandes. Denn den könnte ich oft vergessen haben. Schande über mich.

Bitte würdigen Sie die Arbeit und den Urheber, indem sie auf die korrekte Verwendung seines Werkes achten.

Welche Hinweise haben Sie für die Verwendung von Creative-Commons-Material?

Interessenliste Hawaii

Facebook bietet mit Interessenlisten, intelligenten Listen und Freundeslisten eine gute Möglichkeit, der Informationsflut auf Facebook Herr zu werden und keine Neuigkeit zu verpassen.

Letzte Woche war ich bei einem b.FAST Business Facebook Stammtisches Treffen zum Thema „Trennung von privat und geschäftlich„. Mit Freundeslisten oder intelligenten Listen arbeiten bereits einige, insbesondere für die Einstellung der Sichtbarkeit von Posts. Doch die Möglichkeiten der Interessenlisten von Facebook sind nur wenigen bekannt.

Freundeslisten

Für Freunde gibt es von Facebook Freundeslisten, in die Sie Ihre Freunde einordnen können:

  • Enge Freunde
  • Bekannte
  • Eingeschränkt
Facebook-Freundeslisten

Freundeslisten (Quelle: Facebook)

Freundeslisten gibt Facebook automatisch vor. Sie selbst jedoch entscheiden mit Ihrer Angabe darüber, wer in den jeweiligen Listen erscheint.

Intelligente Listen

Weiterhin gibt es von Facebook automatisch generierte Listen aufgrund Ihrer eigenen Angaben in Ihrem eigenen Profil sowie den Angaben, die Ihre Freunde in deren Profil gemacht haben. Dies betrifft beispielsweise Arbeitgebern, Ihrer Ausbildung (Schulen, Hochschulen…) und Ihrer Ortsangaben. Ich habe beispielsweise diese intelligenten Listen:

  • Familie (aufgrund Ihrer Verwandtschaftsangaben)
  • Selzen-Umgebung (Freunde in der Nähe vom Wohnort Selzen, die Entfernung können Sie anpassen)
  • Bundeswehr (ein früherer Arbeitgeber)
  • Kukui High School (weil ich sie als meine High School auf Hawai’i angegeben habe)
  • PR PLUS (wo ich studiert habe)

Aber Vorsicht: Die richtige Schreibweisen entscheidet darüber, welche und wie viele Einträge es insbesondere bei Unternehmen oder Schulen gibt. Wenn Ihr Kollege das Unternehmen nicht angibt oder eine andere Schreibweise wie Sie verwendet, dann erscheint Ihr Kollege in Ihrer Liste nicht. Auch muss es die Organisation gar nicht geben. Beispielsweise exisitert die Kukui High School gar nicht – sie ist eine “virtuelle” High School aufgrund der ersten Folge der TV-Serie Hawaii Five–0.

Facebook: Intelligente Listen

Facebook: Intelligente Listen (Quelle: Facebook, Avatare unkenntlich gemacht)

Ihre Freundeslisten und Intelligenten Listen finden Sie über die Adresse

https://www.facebook.com/bookmarks/lists.

Freunde zu Freundeslisten oder intelligenten Listen hinzufügen

Sie können einen Facebook-Freund auf seiner Profilseite zu einer Freundesliste oder einer intelligenten Liste hinzufügen. Bei einem Facebook-Freund erhalten Sie auf dessen Profilseite ein entsprechendes Menü unter “Freunde”, mit dem Sie die Person zu einer Interessenliste hinzufügen oder eine neue Interessenliste anlegen können.

Freund zu Liste hinzufügen

Freund zu Liste hinzufügen (Quelle: Facebook)

 

Freund zu Liste hinzufügen

Freund zu Liste hinzufügen (Quelle: Facebook)

Interessenlisten

Auf die beiden oben genannten Listen dürften Sie früher oder später einmal gestoßen sein. Doch vielen unbekannt sind die Interessenlisten. Interessenlisten müssen Sie selbst anlegen und selbst pflegen.

Ihre Liste der Interessenlisten finden Sie auf

https://www.facebook.com/bookmarks/interests.

Dort können Sie Listen anlegen, in Ihre Facebook-Favoriten legen oder löschen. Jede Interessenliste können Sie teilen und verwalten. Sie erhalten beim Aufruf einer Seite auch Vorschläge für Ihre Liste und können weitere Einträge hinzufügen. Hier das Beispiel meiner öffentlichen Interessenliste Rheinhessen:

Interessenliste Rheinhessen

Interessenliste Rheinhessen

Interessenliste verwalten

Interessenliste verwalten

Beim Bearbeiten können Sie Einträge entfernen oder aus Ihren Freunden, Seiten und Abonnements entsprechende Profile oder Seiten hinzufügen.

Interessenliste Rheinhessen bearbeiten

Interessenliste Rheinhessen bearbeiten

Eine Seite müssen Sie hier weder gemögt (“gelikt”) noch abonniert haben. Wenn Sie also beispielsweise als Social Media Manager für ein Unternehmen tätig sind, können Sie die Seiten von Konkurrenten auf eine Liste packen und sich dadurch immer auf dem Laufenden über die Konkurrenz halten. Und das, ohne dass Sie sie liken oder abonnieren müssen. Außerdem bekommen Sie dadurch alle Updates der Seiten mit, ohne dass Sie händisch von Seite zu Seite springen und deren Timeline durchsuchen müssen.

Eine neue Liste können Sie in zwei Schritten erstellen. Zunächst Seiten, Abonnements und Freunde hinzufügen:

Interessenliste erstellen

Interessenliste erstellen

Im zweiten Schritt müssen Sie angeben, ob die Liste öffentlich, für Freunde oder nur für Sie selbst („privat“) ist. Ihre privaten Listen und deren Beiträge können nur Sie selbst aufrufen. Öffentliche Listen kann wirklich jeder aufrufen (wenn er die Adresse kennt). Dafür gibt es die Möglichkeit eine Interessenliste zu teilen :-)

Interessenliste erstellen (Sichtbarkeit)

Interessenliste erstellen (Sichtbarkeit)

Das war es dann auch schon. Ich kenne die Interessenlisten seit längerem. Ich benutze solche Listen beispielsweise, um Freunde oder Seiten zusammenzufassen, die sich mit einem bestimmten Thema beschäftigen und die oft zu dem Thema etwas posten. Beispielsweise interessiert mich, was sich auf und über Hawaii so tut. Also habe ich meine Freunde aus Hawaii sowie interessante Seiten aus und über Hawaii in eine Interessenliste gepackt:

https://www.facebook.com/lists/10150733123986419

Interessenlisten haben zwei Vorteile:

  1. Sie verpassen durch den Aufruf der Interessenliste keinen Statusupdate, weil Sie alle Einträge erhalten (zumindest bekomme ich alle). Höhepunkte erscheinen sogar in Ihrer Timeline als Hauptmeldung und Neuigkeit.
  2. Ihre normale Timeline können Sie in unterschiedliche Gruppen aufteilen. Damit behalten Sie einen besseren Überblick, auch wenn Sie einige hundert oder sogar ein paar Tausend Freunde auf Facebook haben.

Möglicherweise waren die Facebook-Interessenlisten die Anregung für die Kreise in Google Plus. Google allerdings hat diese Idee weit besser umgesetzt. Facebook scheint die Interessenliste sogar absichtlich verstecken zu wollen :-)

Seiten direkt hinzufügen

Sie können auch eine Seite direkt zu einer Interessenliste hinzufügen. Dazu müssen Sie die Seite aber gelikt haben, denn nur dann erscheint der Menüpunkt „Zur Interessenliste hinzufügen“ (dort können Sie auch direkt eine neue Liste anlegen).

Facebookseite_direkt_zu_Interessenliste

Facebookseite direkt zu Interessenliste hinzufügen

Facebookseite direkt zu Interessenliste hinzufügen (Auswahl)

Facebookseite direkt zu Interessenliste hinzufügen (Auswahl)

 

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Listen gibt es in der Facebook-Hilfe:

Dieses Mal gibt es Lesezeichen unter anderem zu Themen wie New Work, Collaboration, Productivity, Digitale Transformation, Office, Social Business.

Oh je, dieses Mal haben sich in drei Wochen ziemlich, ziemlich viele Lesezeichen angesammelt. Trotzdem viel Spaß beim Stöbern!

Seit einigen Jahren benutze ich Social Bookmarks, inzwischen ist Pinboard das Werkzeug zur Sammlung meiner Lesezeichen. Für meine Leser kennzeichne ich besonders Lesenswertes mit dem Tag “INJELEA-Lesenswertes“. In unregelmäßigen Abständen veröffentliche ich diese lesenswerten Lesezeichen hier im Blog.

Alle besonders lesenswerten Lesezeichen gibt es auf Pinboard: “INJELEA-Lesenswertes“. Und natürlich auch zum Abonnieren als RSS-Feed ;-)

Viel Spaß beim Lesen!

\V/_ (Live long and prosper!)

Trennung privat und geschäftlich - eine Illusion

Morgen Abend hat der monatliche b.FAST Business Facebook Stammtisch Rhein-Main das Diskussionsthema: „Trennung von privat und geschäftlich – kann ich das?“ Ich bin der Überzeugung, dass eine solche Trennung eine Illusion ist.

Nahezu jeden zweiten Mittwoch im Monat findet der Stammtisch statt, um über Social-Media-Themen zu diskutieren. Auch wenn der Titel noch das “Facebook” beinhaltet, so geht es doch oft um plattformunabhängige Themen. Gerade bei Facebook jedoch schätze ich das Thema der Trennung von privat und geschäftlich als besonders relevant ein. Viele haben dabei allerdings noch im Kopf, dass eine Plattform entweder für eine private oder für eine geschäftliche Nutzung da ist. Dementsprechend hat sich in Deutschland beispielsweise bei vielen festgesetzt, dass Xing rein beruflich und Facebook rein privat genutzt wird. So dürfen beispielsweise die Arbeitgeber sich einen Bewerber auf Xing anschauen, auf Facebook aber nicht. Eben, weil Facebook ja privat ist.

Wenn ich mir meine Facebook-Nutzung anschaue (oder Twitter oder Google+ oder…), dann gibt es diese scharfe Trennung nicht. So gibt es auf Facebook Kontakte (“Friends”), die ich ausschließlich aus dem beruflichen Umfeld her kenne. Und wir unterhalten uns sowohl über Fachthemen als auch über persönliche Themen. Ja, ich nutze Facebook überwiegend privat mit meinen Status-Updates. Doch ich bin beispielsweise auch in Facebook-Gruppen, wo es um beruflich-fachliche Themen geht. Mit meinen Freunden aus Hawai’i kommuniziere ich zu einem Großteil auf Facebook (teilweise auch in Gruppen). Doch auch wenn dieser Freundeskreis ursprünglich durch einen privaten Hawai’i-Urlaub zustande kam, so sind doch viele der Kontakte mit diesen Kontakten auch fachlich.

“Na ja, das ist schließlich auch nur dieses Social Media”, könnten Sie einwerfen. Doch wie sieht es im “richtigen” Leben wirklich aus? Sprechen Sie am Arbeitsplatz mit ihren Kollegen ausschließlich über berufliche Themen? Tauschen Sie sich nie beispielsweise über das letzte Bundesligaspiel aus? Oder haben Sie vielleicht doch einen Arbeitskollegen, mit dem Sie sich vielleicht auch mal nach der Arbeit treffen? Oder sogar auf dem Straßenfest, weil Sie im selben Dorf wohnen?

Während meiner Bundeswehrzeit hatte ich ebenfalls eine (wenn auch nicht sehr starke) Vermischung. Es gab Kameraden, die meine Freunde waren. Meine erste Frau lernte ich über einen Kameraden kennen, mit dem (und dessen Frau) ich mich in meiner Zeit in meiner Stationierungszeit in El Paso befreundete. Angeblich sollen ja sogar die meisten (Ehe-)Partner sich an ihrem Arbeitsplatz kennen und lieben lernen. Zumindest einen Fall kenne ich da…

Und auch vor dem “Ausbruch” von Social Media gab es die Vermischung von privat und geschäftlich bereits im Digitalen. Email gibt es bereits seit ein paar Jährchen, und ebenso ist erhalte ich seit ein paar Jährchen immer wieder private Emails von geschäftlichen Adressen. Gerade im Management treffe ich es oft an, dass Personen einerseits darauf beharren, dass sie privat und geschäftlich strikt voneinander trennen würden. Und dann bekomme ich Emails zu privaten Themen von deren geschäftlichen Accounts. Und ich bin nicht der einzige auf dem CC-Verteiler.

Trennung privat und geschäftlich - eine Illusion

Trennung privat und geschäftlich – eine Illusion

Ich als Person habe Beziehungen unterschiedlichster Art zu den unterschiedlichsten Personen. Ähnliche Beziehungspersonen gruppiere ich gedanklich in thematische Kreise (auch “Sphären”). Einige der Personen sind in zwei oder mehr Sphären. Manche der Sphären sind aufgrund des Themas eher in geringer oder eher in größerer Distanz. Ebenfalls sind die Personen eher in geringer oder eher in größerer Distanz. Teilweise ergibt sich das aus dem Thema, teilweise aber auch aufgrund des Faktors “Mensch”. Mit manchen Menschen kann ich gut, und mit manchen kann ich weniger gut.

Es gibt durchaus Personen (schwarze Kleckse in der Grafik), die als Mensch und aufgrund des verbindenden Themas (farbige Umrandungen von Menschengruppen) weit weg von mir sind (und sie sind nur in einem einzigen Thema). Aber es gibt Personen, die aufgrund ihrer und meiner Themen in einigen oder sogar vielen Sphären sind (und genau genommen bin ich ebenfalls Teil dieser Sphären). Und manche Personen sind mir sehr nahe.

Wenn ich mit solchen Personen kommuniziere, dann wähle ich das Medium (den “Kanal”) zwar meist aufgrund des Kommunikationsanlasses, doch ich lege nicht den Hörer auf, um mich eine Minute später auf ihrem Privatanschluss nach der Ehefrau zu erkundigen. Oder um dann einen privaten Grillabend zu vereinbaren. Und beim Grillabend erkundige ich mich bei einem Freund durchaus nach seiner Meinung zu einem fachlichen Thema.

Wer versucht, eine separate “Geschäftsperson” aufzubauen und diese von seinen privaten Sphären getrennt zu halten, der setzt seine Persönlichkeit früher oder später Stress aus.

Und übrigens: Ich halte den Mythos, dass Vorstände sich beim Golf zu wichtigen geschäftlichen Gesprächen treffen, für gar nicht so abwegig. Und auch gar nicht für verkehrt. Beim Hobby und bei der Liebe lernt man andere Menschen nämlich am besten kennen.

“Trennung von privat und geschäftlich – kann ich das?” (Xing-Event, Facebook-Event)

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Email-Bindestrich zerstört werden sollte.

Wissensarbeiter Frank Hamm

Wie sieht die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter aus? Bastian Wilkat will es wissen und ruft zu einer Blogparade über die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter auf. Ich paradiere mit.

Was ist überhaupt eine Blogparade? Bastian erklärt es so:

Ein Blogger gibt ein Thema vor und jeder andere Blogger kann bis zu einem Enddatum einen (oder mehrere) Artikel zum Thema schreiben. Dadurch erhält man viele verschiedene Ansichten zu einem Thema. Außerdem hat es auch einen positiven Einfluss auf die Bekanntheit aller teilnehmenden Blogs. Ich werde bei mehr als fünf Beiträgen ein (kostenloses) eBook mit allen Beiträgen erstellen.

Heute am 7. Mai sehe ich vier Beiträge. Also bereitet es mir ein besonderes Vergnügen mitzuparadieren und Bastian mit einem fünften Beitrag gewissermaßen einer gehörigen Portion Wissensarbeit näher zu bringen :-)

Bastian listet einige Fragen zur Beschreibung des Themenfeldes auf:

  • Was sind eurer Meinung nach Voraussetzungen für eine vernünftige Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter?
  • Was bedeutet eine vernünftige Arbeitsumgebung?
  • Was umfasst für euch der Begriff “Wissensarbeiter”?
  • Worauf müssen Unternehmen neben einer physischen Arbeitsumgebung noch achten?
  • Welche Rolle spielt der einzelne Mensch bei der Ausgestaltung der Arbeitsumgebung?
  • Wenn Unterschiede zwischen Unternehmen und Selbstständigen existieren – was gibt es für Unterschiede?
  • Beugt eine vernünftige Arbeitsumgebung Unzufriedenheit und negativem Stress vor?
  • Ist ein Büro noch zeitgemäß?

Ich weiß noch nicht, ob und wie ich im einzelnen auf die Fragen eingehe, aber ich lege einfach einmal los. Das “Loslegen” hängt damit zusammen, a) wie ich gerade diesen Blogartikel schreibe (“Wissensarbeit”) und b) wo, in welchem Umfeld und mit welchen Werkzeugen ich diesen Artikel schreibe (“Arbeitsumfeld”).

Mein aktuelles Wissensarbeiter-Arbeitsumfeld

Ich sitze hier in Nieder-Olm in einem Café und trinke einen Milchkaffee. Ich habe Bastians Artikel in Evernote abgelegt und habe darauf Zugriff, ohne dass ich eine Internetverbindung benötige. Zusätzlich habe ich weitere Artikel, die ich möglicherweise verwenden werde, parat. Ein paar Links habe ich bereits in den letzten Tagen in diesem Markdown-Dokument abgelegt (nachgeliefert: INJELEA-Blog: Effizient schreiben mit Markdown). In etwa eineinhalb Stunden muss ich zu einem Termin, und die verbleibende Zeit möchte ich jetzt für diese Arbeit nutzen. Weil ich mich möglichst nicht durch die Straßengeräusche und die Gespräche am Nachbartisch ablenken lassen möchte, habe ich mein Headset mit Geräuschunterdrückung auf (nachgeliefert: Plantronics Backbeat Pro für daheim und das (Mobile) Office) und höre leichte Musik im Hintergrund. Jetzt schreibe ich einfach los. Später werde ich wahrscheinlich noch ein paar Stellen im Text verlinken. Ein Titelfoto habe ich bereits mit meinem Smartphone gemacht, ich werde es später in WordPress hochladen und dem Artikel zuordnen.

Was ist ein Wissensarbeiter?

Ein Wissensarbeiter ist jemand, der Wissen aus verschiedenen Quellen in einen Kontext setzt und dabei zu Informationen verarbeitet, dabei möglicherweise auch mit anderen Wissensarbeitern zusammen arbeitet und etwas Neues erzeugt. Der “Output” kann sowohl ideell als auch materiell sein, meistens ist sind es jedoch Ideen, Abläufe, Verknüpfungen. Ein zentrales Element in der Zusammenarbeit bei Wissensarbeitern ist die Vernetzung.

Soweit meine Definition. Offline zu sein bedeutet auch einen gewissen Freiheitsgrad. Denn wäre ich jetzt online, hätte ich vermutlich Peter Druckers Definition recherchiert und an mich angepasst. Oder ich hätte eine Definition des Quartärsektors genommen und aufgrund meiner anderen Quellen angepasst. Auch das wäre Wissensarbeit.

Nachgeliefert:

Wie soll die Arbeitsumgebung aussehen?

Die Arbeitsumgebung für einen Wissensarbeiter sollte optimal innerhalb der entsprechenden Situation sein für

  • Zugriff auf möglichst viele Quellen (insbesondere, weil der Wissensarbeiter zu Beginn oft nicht weiß, was er braucht und wohin es ihn führt)
  • Vernetzung mit anderen Wissensarbeitern
  • Werkzeuge, die synchrone und asynchrone (räumlich und zeitlich) Kommunikation ermöglichen
  • Räumliche Gegebenheiten, die er persönlich als angenehm empfindet sowohl für die Arbeit als auch für seine körperliches und mentales Wohlbefinden
  • Räumliche Gegebenheiten, die für einen persönlichen Austausch oder für das Zusammenarbeiten geeignet sind
  • Räumliche Gegebenheiten, für deren Erreichen er möglichst wenig Aufwand (räumlich und zeitlich) erbringen muss
  • Raum und Zeit für Entspannung (denn ich halte Entspannung für ein Grundelement der Produktivität genauso wie Anspannung)

Die Ausprägung der einzelnen Elemente wechselt von Situation zu Situation. Manchmal nehme ich räumliche Gegebenheiten für ein Meeting oder ein Zusammenarbeiten (beispielsweise einen Workshop) in Kauf, für die ich weit anreisen muss. Das Leben ist ein Kompromiss. Wichtig ist jedoch, dass die Mischung innerhalb einiger Wochen insgesamt ausgeglichen ist.

Eine große Veränderung der letzten Jahre ist das Aufkommen neuer digitaler Werkzeuge, Dienste und Software. Sie ermöglichen dem Wissensarbeiter in vielen Fällen, weitgehend unabhängig von Raum und Zeit zu arbeiten.

Die Arbeitsumgebung eines Wissensarbeiters insgesamt ermöglicht ihm ein eigenständiges und selbstorganisiertes Arbeiten zur Erreichen von Ergebnissen. Ein Wissensarbeiter benötigt für produktives Arbeiten eine ergebnisorientierte Arbeitsumgebung:

ROWE – Results Only Work Environment is a human resource management strategy co-created by Jody Thompson and Cali Ressler wherein employees are paid for results (output) rather than the number of hours worked. Cali and Jody, who originally proposed the strategy at Best Buy, have since started a consulting group called CultureRx. The strategy has subsequently been implemented at a second large American retailer, Gap., as well as the Girl Scouts of San Gorgino, J.A. Counter and Associates, the Fairview Health Services I.T. Department. ROWE tries to give managers the tools to define goals which can be clearly met or unmet by the results of individual contributors working for that manager. This focus on met or unmet results allows significant freedom to the organization to focus on fewer minute details of employee daily routine.

(ROWE. (2015, February 3). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 08:18, May 7, 2015)

Zum ersten Mal erfuhr ich von ROWE durch Klaus Eck vor knapp acht Jahren (ROWE bei Best Buy: Results-Only Work Environment). Vor zweieinhalb Jahren griff ich ROWE zuletzt auf dem Lifeworkcamp auf:

Auf dem Lifeworkcamp hielt ich am Freitag, 12.10.2012, die Session “9 to 5 versus ROWE” (ROWE=Results Only Work Environment). Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren für viele (Wissens-) Arbeiter verändert. Immer öfter geht es um die Ergebnisse und nicht darum, von Neun bis Siebzehn Uhr (9 to 5) im Büro zu sitzen.

(Arbeitszeit und Arbeitsort: 9 to 5 versus ROWE)

Zentrale Voraussetzungen sind die Freiheit zur Selbstorganisation, wo und wann und wie ich als Wissensarbeiter innerhalb vorgegebener Rahmenbedingungen (beispielsweise zeitliches und monetäres Budget) die Ergebnisse erreiche. So etwas ähnliches habe ich vor über dreißig Jahren zum ersten Mal erfahren: Als “Auftragstaktik” (nachgeliefert: Führen mit Auftrag, Wikipedia) bei der Bundeswehr. Seitdem hatte ich verschiedene Arbeitsaufgaben und Arbeitsumgebungen. Bei der Bundeswehr hatte ich als Feuerleitoffizier und Führer einer Kampfbesatzung das Vorrecht eines Einzelzimmers. Es war ein „Wohnbüro“ mit Schlafcouch, Schreibtisch, Fernseher, Spind für den Kampfbesatzungsoffizier. Tagsüber teilten wir uns das Büro zu zweit oder zu dritt. Später war ich als Wissensarbeiter in Einzelbüros, Zweierbüros, Dreierbüros, größeren Büros. Fast immer waren die Arbeitsumgebungen unflexibel. Ich konnte mich zum konzentrierten Arbeiten nicht genug zurückziehen oder “abkapseln”. Oder ich hatte zu wenig Ad-hoc-Kommunikation mit Kollegen. Für die Zusammenarbeit fehlten oft kurzfristig verfügbare Räumlichkeiten mit entsprechenden Werkzeugen.

Fast immer hatte ich die Herausforderung eines Anwesenheitszwangs während meiner gesamten Arbeitszeit. Auch wenn es dabei Zeiten oder Phasen gab, in denen es nicht nötig war oder sogar kontraproduktiv war (weil beispielsweise Rückzugsräume für konzentriertes Arbeiten fehlte). Als Gegenbeispiel hatte ich in den Neunzigern einmal zusammen mit einem Kollegen längere Zeit für zwei Tage die Woche eine Art Vertrauensarbeit: Wir konnten uns treffen, wo und wann wir wollten und arbeiteten dann an einem größeren Konzept. Beispielsweise bei mir am Abend. So produktiv waren wir damals nur selten.

Die Anwesenheitspflicht ist gibt es noch in weiten Teilen Deutschlands. Es gibt immer noch Pendler, die in zwei Welten leben, obwohl die technologischen Möglichkeiten in den letzten fünf bis zehn Jahren immens zugenommen haben:

Sie haben jeden Sonntag das gleiche Ritual: zum Bahnhof fahren, Abschied nehmen, Stunden im Zug verbringen. In Deutschland pendeln immer mehr Menschen zwischen ihrem Arbeits- und ihrem Wohnort. Studien sagen, das sei ungesund.

Vor ein paar Tagen hörte ich beim Autofahren im Radio, dass der Pendelverkehr in Hessen sogar wieder zugenommen habe (sorry, an die Quelle kann ich mich nicht erinnern). Rein aus dem Bauch heraus und logisch nachvollziehbar müsste das Pendeln abnehmen, weil der Anteil des Tertiärsektors (Dienstleistungssektor) am Bruttoinlandprodukts in Deutschland immer weiter steigt – und darin wiederum der Anteil des Quartärsektors (Wissens- und Kreativsektor) immer weiter steigt.

Unternehmen müssen auf eine Kultur und ein Bewusstsein achten, die eigenverantwortliches und selbstorganisiertes Arbeiten nicht nur tolerieren sondern es fördern. Jeder einzelne wiederum erhält die Verpflichtung, eben so zu arbeiten.

Ob es Unterschiede zwischen Unternehmen und Selbstständigen gibt?

Ich bin mir da unsicher. Einerseits bedeuten Organisationen immer Zwänge und andere Ausprägungen. Andererseits unterliegen auch Selbstständige Zwängen. Ein Freund sagte mir einmal, er habe sich selbstständig gemacht, weil er nie wieder einen Chef haben wolle. Jetzt hat er nicht nur einen, sondern viele – Kunden. Selbstständige haben womöglich auch deswegen mehr Freiheiten. Andererseits müssen sie öfters Kompromisse eingehen – weil sie eben mehr Chefs haben. Deswegen müssen sie vermutlich sogar noch flexibler sein.

Andererseits kann ich mir Unternehmen vorstellen, in denen die Mitglieder dieser sozialen Gesellschaft auf Basis eigener Entscheidung eine Art Gesellschaftsvertrag “unterschreiben” (nachgeliefert: Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes, Wikipedia), weil sie gemeinsame Werte wie Selbstorganisation und Eigenverantwortung teilen.

Arbeit (gleich ob Wissensarbeit oder andere Arten von Arbeit) bedeutet Phasen von Anspannungen und Phasen von Entspannungen. Eine vernünftige Arbeitsumgebung ermöglicht den Wechsel und den Ausgleich innerhalb dieser Phasen. Deswegen beugt eine vernünftige Arbeitsumgebung auch Unzufriedenheit und negativem Stress vor.

Bastian fragt, ob ein Büro noch zeitgemäß sei…

Wissensarbeiter Frank Hamm

Wissensarbeiter Frank Hamm im Mobile Office

Kurzer Einschub: Ich verlasse das Café und mache mich auf den Weg zu meinem Termin. Später dann:

Ich kokettiere gerne mit meinem “Mobile Office”. Tatsächlich ist es so, dass ich aufgrund meiner Arbeit und meiner digitalen Werkzeuge nahezu überall arbeiten kann. Mein Mix aus Smartphone, Tablet, Notebook und stationärem Rechner gibt mir enorme Freiheiten. Sicherlich kann ich nicht alle Arbeiten beispielsweise mit dem Smartphone oder dem Tablet erledigen. Doch mit etwas Vorausschau und Planung (wie der Vorbereitung dieses Artikels) kann ich sehr gut disponieren. Derartige Dispositionen ermöglichen es mir im Zug, im Café, auf der eigenen Terrasse, im Park (womöglich neben unserem Haus inklusive WLAN), am Esstisch und sogar im Bett zu arbeiten. Aber eben auch in meinem Büro, in das ich mich gerne zum Arbeiten “zurückziehe”.

Ein Büro ist ein Refugium, das mir einerseits sehr konzentriertes Arbeiten ermöglicht und andererseits auch bewusst den Wechsel in einen Arbeitsmodus erleichtert. Bestimmte Arbeitsmittel befinden sich nur im Büro (beispielsweise der Drucker, der Scanner). Doch für mich ist das Gehen in das Büro eine Kopfsache, die mich leicht in den Arbeitsmodus wechseln lässt. Ich bin der Überzeugung, die meisten werden weiterhin ein Büro benötigen. Aber sie werden es nicht immer und nicht für alle Tätigkeiten benötigen. Oft hilft auch ein Büro beim gemeinsamen Arbeiten und auch beim “Socializing”.

Obwohl es seit vielen Jahren zunehmend Wissensarbeiter gibt und es wahrscheinlich deswegen eine Bewegung gibt, die manche mit #FuturOfWork oder #NewWork kennzeichnen, gibt es kein schlüssiges oder gar fertiges Konzept. Es gibt kein Konzept oder gar eine Arbeitsanweisung, die ein Unternehmen (oder Gruppen von Selbstständigen und/oder Unternehmen) nur noch umsetzen müsste.

Es gibt keinen Masterplan, keinen Blueprint, kein „so muss man das machen“. Es gibt „nur“ eine Vielzahl Ideen und Impulse die sichtbar werden lassen, dass „anderes arbeiten“ – entgegen der unserer Sozialisierung geschuldeten Wahrnehmungen, dass alles so wie es ist zu bleiben hat – möglich, und vor allem erfolgreich möglich ist.

(Guido Bosbach: new work = Der Mensch im Fokus | Eine Reflektion zum Thema “new work”)

Es gibt so etwas nicht, weil die Wissensarbeiter Menschen sind, und weil jeder Mensch sehr unterschiedlich sein kann und dennoch zu einer Wissensarbeit mit seinen “Andersartigkeiten” beitragen kann. Wissensarbeit lässt sich auf Dauer nicht befehlen. Menschen müssen sich mit möglichst wenig Kompromissen zusammenfinden oder zumindest im Kopf und mit dem Herzen bereit sein zum Zusammenfinden und -arbeiten.

Es geht um Freiraum aber auch um Pflichten im Zusammenarbeiten. Unsere Gesellschaft und die Unternehmen(skulturen) müssen diese Freiräume und Pflichten noch lernen. #NewWork ist für mich kein Konzept, keine Struktur, und kein fester Prozess. Es ist ein ständiger anzupassender Prozess des sich gemeinsam Entwickelns. Quasi ein ständiges Beta (nachgeliefert: Das verlorene Wort: “Beta”, INJELEA-Blog). Es ist eine Wissensarbeit.

Verlange ich zuviel? Nein. Arbeitgeber und Auftraggeber verlangen auch viel. Und sie haben ein Anrecht darauf, viel dafür zu erhalten (wenn sie viel dafür geben). Aber genau deswegen sollte es in ihrem Interesse liegen, ihrem (Wissens-)Mitarbeiter beziehungsweise Auftragnehmer eine optimale Arbeitsumgebung zu ermöglichen. Nur dann können diese wirklich produktiv sein und ihre Arbeit beziehungsweise ihren Auftrag bestmöglich erfüllen (nachgeliefert: Selbstorganisation – Productivity Mindset, INJELEA-Blog). Nicht umsonst schauen Unternehmen oft auf den Return on Investment, doch der Return hängt auch von der Produktivität der Wissensarbeiter ab ;-)

Letztendlich geht es um Vertrauen und Loyalität. Das eine funktioniert ohne das andere nicht und das andere nicht ohne das eine. Von allen Beteiligten.

Was braucht der eigentlich, um gute Arbeit machen zu können?

(Christian Beinke, Gründer und Partner Dark Horse Innovation, im Video von Backyard TV: Workspace der Zukunft)

Auch zum Nachsehen von Backyard TV: Collaboration – Brauchen wir noch einen festen Arbeitsplatz?

Herausforderung Intranet

Vor ein paar Wochen erhielt ich durch Stephan Schillerwein ein kostenloses Rezensionsexemplar des Buchs „Herausforderung Intranet„. Stephan ist einer der Autoren, ich kenne ihn seit einigen Jahren und schätze sowohl ihn selbst als auch seine Kenntnisse zum Thema Intranet. Gerne nutze ich daher die Möglichkeit für eine Buchkritik. Das Urteil fällt positiv aus ;-)

Gemeinsam liefern die Autoren Daniel Lütolf, Stephan Schillerwein und Stefanie Meier ein Buch, das nicht für Techniker oder Leute tief in der Materie gedacht ist.

Die Autoren erklären in einfacher, nicht-technischer Sprache, was beim Aufbau beziehungsweise der Weiterentwicklung eines Intranets bedacht werden muss. Beispiele aus der Unternehmenspraxis und Resultate einer Umfrage illustrieren, wie es andere machen.

Das Buch

In rund 140 Seiten bieten die Autoren für 25 Euro Übersichten zur Geschichte des Intranets, Vorgehensweise bei Projekten, Change Management und Organisationskonzept. Einen Großteil beansprucht die Beschreibung zentraler Anwendungsbereiche wie Mitarbeiterprofile, Zusammenarbeit, Prozessunterstützung und Dashboard. Zum Schluss gibt es noch einen Ausblick auf die Zukunft des Intranets. Immer steuern die Autoren Beispiele inklusive Screenshots aus der Praxis sowie Literaturhinweise bei. Im Anhang beschreiben sie ein sechs typische Phasen eines Intranet-Projekts und liefern noch die Ergebnisse einer Intranet-Umfrage in tabellarischer Form.

Meine Einschätzung

Gleich zu Beginn geht es um zwei Besonderheiten des Intranets:

  • Die Erwartungen an ein Intranet werden durch die private Nutzung der gleichen Technologie geprägt.
  • Das Intranet ist mehr Infrastruktur denn konkrete Lösung. Im Gegensatz zu „Software“ sind die Anwendungsgebiete „grundsätzlich grenzenlos“.

Immer wieder treffe ich selbst auf zwei Haltungen: „Ich weiß, was ich für ein Intranet will“ und „Das Intranet muss total einfach sein“. Es ist so ähnlich wie mit der Unternehmenskommunikation: Kommunizieren kann schließlich jeder, und jeder will dementsprechend nicht nur mitreden sondern auch mitentscheiden. Deswegen ist auch ein Intranet nur so gut, wie gut seine Anwendungsfälle für das jeweilige Unternehmen definiert und umgesetzt werden. Das haben die Autoren sehr gut herausgearbeitet. Auch den Überblick zu Beginn führt sehr gut in das Buch ein.

Eine Anmerkung: Was mir dazu zusätzlich einfällt, ist die Entwicklung sogenannter „Dark Intranets“ innerhalb von Unternehmen. Weil die Technik so einfach war und oft die IT so träge, haben Fachbereiche einfach selbst „mal schnell ein Intranet aufgesetzt“. Das hat sich im Laufe der Jahre beruhigt, doch aufgrund der rasanten Entwicklung von Diensten im Internet haben viele Mitarbeiter konsequenterweise ihre Mini-Intranets in Form beispielsweise von Gruppen auf Facebook, Yammer-Netzwerken, WhatsApp-Gruppen und -Kommunikation ausgelagert. Unternehmens-Intranets müssen sich diesem Wettbewerb mehr denn je stellen.

Ebenfalls sehr gut finde ich das Kapitel „Change-Management, Kultur und Akzeptanzförderung“ herausgearbeitet. Dabei verzichten die Autoren auf hochtrabende Definitionen und Ableitungen, sondern sie halten sich an einfache Beschreibungen, die sehr verständlich sowohl für Praktiker als auch für höheres oder oberes Management gehalten sind.

Die Anwendungsbereiche sind gut beschrieben und mit Beispielen aus der Praxis versehen. Auch die Ergebnisse der Umfrage von Perikom sind gut eingestreut. Was mir zu kurz gekommen ist, sind die tatsächlichen Ziele und Anwendungsfälle, die mit den Anwendungsbereichen umgesetzt werden sollen oder können. Bei „News und Content“ beispielsweise werden Aspekte wie Aufbau und Aktualität von Informationen betont. Sie entscheiden über Nützlichkeit und Nutzbarkeit des Intranets für diesen Anwendungsbereich. Sicherlich, es gibt Problemstellungen wie die oft unklare Relevanz für Mitarbeiter, und eine Personalisierung der News ist ein Lösungsansatz. Mir fehlt jedoch die Beantwortung: Wofür sollen News und Content eingesetzt werden? Soll beispielsweise ein Verständnis für die Unternehmensstrategie hergestellt werden? Oder sollen Mitarbeiter über die Tätigkeiten und die Wissensgebiete von Kollegen informiert werden? Das Was und das Wie sind gut erläutert, auch in den Beispielen, doch oft fehlt mir das Warum.

Herausforderung Intranet (Inhaltsverzeichnis)

Herausforderung Intranet: Detailliertes und gut strukturiertes Inhaltsverzeichnis

Bei dem Organisationskonzept sind alle wesentlichen Aspekte berücksichtigt. Im Ausblick gehen die Autoren auf semantische Intelligenz, Smart Sensors, Mobile First und Social Analytics ein. Eine ähnliche Auswahl hätte ich ebenfalls getroffen. Zwei Punkte hätte ich mir im Ausblick vorgestellt:

  1. Extranets: Immer öfter müssen Mitarbeiter oder Führungskräfte unternehmensübergreifend zusammenarbeiten und sich in Teilbereichen eines Intranets gemeinsam bewegen. Das stellt Technik und Organisation vor Herausforderungen.
  2. Nach wie vor existieren Intranets oft separat und isoliert von operativen Systemen wie ERP-Systemen. Wie schaffen es Intranets, dass Mitarbeiter beispielsweise direkt zu „Objekten“ oder Prozessen in operativen Systemen zusammenarbeiten oder Nachrichten austauschen.

Fazit der Buchkritik

Ein solches Thema mit seinen vielfältigen Aspekten auf 140 Seiten zu komprimieren, das nenne ich ebenfalls eine Herausforderung. Auch wenn ich zusätzliche Punkte gerne gesehen hätte, ist den Autoren diese Herausforderung gelungen. Ein guter Aufbau, ein flüssiger, unkomplizierter Schreibstil sowie zahlreiche Einblicke aus der Praxis machen Laune und lassen gut in das Thema einsteigen oder sich einen Überblick verschaffen.

Ein sehr guter Einstieg für Einsteiger, eine sehr gute Zusammenfassung für Intranet-Profis.

Lese- und Linktipps

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine Anfrage für eine Projektarbeit zum Thema „Social Intranet“. Ich erhalte immer mal wieder derartige Anfragen wie beispielsweise zur Teilnahme an einer Umfrage oder zu einem Interview für eine Master-Thesis.

Normalerweise unterstütze ich das gerne, wenn es „passt“. Manchmal sind auch Anfragen darunter, die offensichtlich für mich ungeeignet sind und die „Zielgruppe“ schlecht recherchiert war. Das passiert. In diesem Fall jedoch erhielt ich die Anfrage über eine Empfehlung eine Bekannte aus dem „Social-Internet-Intranet-Dunstkreis“. Treffer :-)

Im Rahmen der Email-Konversation habe ich ein Telefonat/Skype angeboten, weil sich so vieles einfacher und besser besprechen lässt als in einem Email-Ping-Pong. Als wir dann den Termin vereinbarten erhielt ich ein Angebot, das ich

  • nicht erwartet hatte,
  • in der Form noch nicht erhalten hatte und
  • das ich nicht ablehnen konnte.

Als Dankeschön würde er an einen gemeinnützigen Verein oder eine Stiftung meiner Wahl spenden.

Überraschung. Auch für einen solchen Fall habe ich meinen Wunschzettel. Den Link habe ich ihm dann auch geschickt.

In der Zwischenzeit waren dann unser Gespräch und das Erdbeben in Nepal.

Überraschung. Gestern informierte mich der Anfragende darüber, dass er die Liste übergangen hätte und als Dank für meine Unterstützung an die Glückskette für die Erdbebenopfer in Nepal gespendet hätte. Überraschung gelungen.

Danke für die Überraschungen.