In diesen Zeiten (wie ich diesen Ausdruck normalerweise hasse…) scheint sich zunehmend Ahnungslosigkeit zur Voraussetzung für Aufmerksamkeit oder sogar als Aufmerksamkeitswährung durchzusetzen.

Da will der Chef des Kanzleramts, Thomas de Maizière, "Verkehrsregeln im Internet":

"Müssen wir nicht die Menschen vor Denunziation, Entwürdigung oder unseriösen Geschäften schützen wie im Zivilrecht?" 

[ Kanzleramtschef will "Verkehrsregeln im Internet" ]

Ahnungslos? Ja, denn "im Internet" gilt das Zivilrecht schon immer. Wie kann ein Kanzleramtschef das Zivilrecht mit dem Internet vergleichen? Das ist in etwa so, als ob ich das Kriegsrecht mit Rheinhessen vergleiche… Diese Ahnungslosigkeit erschreckt mich, denn entweder hat dieser Kanzleramtschef keine Ahnung, die falschen Experten als Ratgeber oder er verbreitet bewusst Unwahrheiten. Und ich weiß nicht, was mir schlimmer vorkommt.

Und dann ist noch Kerstin Kullmann vom Spiegel über die Titelstory des Spiegels:

Meine Kollegen beschäftigen sich da mit der Frage, die viele Menschen umtreibt, nämlich: Wie schafft man Regeln im Internet? Kann es sogar sein, dass man eine Art Recht etabliert in einem Raum, der weitgehend rechtsfrei ist, da fühlen sich viele Menschen recht wohl, aber wohl auch zunehmend unwohl … Kinderpornographie, Gewaltdarstellung, all das, was im echten Leben nicht möglich ist, scheint im Netz zu gehen. Und da fragt man sich natürlich: Kann man dem irgendwie Einhalt gebieten? Und wenn ja: Wie?"

[ Direktlink YouTube ZDF Morgenmagazin ]

Hallo? Hat diese Dame irgendeine Ahnung, irgendeine Ausbildung? Es muss ja nicht gleich ein Semester Recht in so etwas Orbitantem, wie einem BWL- oder Recht-Studium sein. Journalismus wäre vielleicht auch nicht verkehrt. Und zur Etablierung des Rechts in diesem … Raum: Wie wäre es denn dann mit den bereits bestehenden Regeln "in einem Raum" des Internets wie Strafrecht, Zivilrecht und überhaupt … dem Grundgesetz? Ach, ist das tatsächlich schon da? Warum sagt das ihr denn keiner? Weiß das die Dame nicht? Ach so, ich vergaß: Wahrscheinlich hat sie (k)eine Ausbildung (Welche Ausbildung hat eigentlich Frau Dr. von der Leyen? Ach so: VWL, Medizin, Ärztin) …

Vielleicht käme man auf die Idee in dem außerinternetlichen Raum endlich einmal zu recherchieren und so schlimme Dinge aufzudecken wie … Kinderpornographie, Gewaltdarstellung (ach, soll es auch im Fernsehen geben…), also das was im echten Leben überhaupt eigentlich nicht möglich ist. Ich dachte allerdings bisher, dass Vergewaltigungen und Kinderpornographie im "real Life" stattfinden, und dann im Internet Dokumentationen derselbigen verbreitet werden. Wie könnte man also dem irgendwie Einhalt gebieten im richtigen Leben? Und wenn ja: Wie? Das wäre mal eine Recherche für Kerstin Kullmann Wert gewesen! Wenn sie denn dann Journalistin wäre…

Tatsache ist doch, dass das Internet weit mehr reguliert und kontrolliert wird als das richtige Leben.

Dazu fällt mir nur wenig ein. Beispielsweise: Von Laien regiert und von journalistischen Dilletanten kommentiert.