Ich nehme eine Auszeit. Heute war mein letzter Arbeitstag. Von heute an nehme ich rund zweieinhalb Monate eine Auszeit für mich. Im Juli beginne ich eine neue berufliche Tätigkeit.

Ich bin ein Onliner. Ich blogge seit 2005, twittere seit 2007, bin seit längerem auf Facebook. Ich gehe auf BarCamps und einige andere Veranstaltungen. Ich bin mehr oder weniger seit Jahren fast jeden Tag online – privat. Das hat einen Vorteil, denn ich kann mich jederzeit der ständigen Erreichbarkeit entziehen. Wer beruflich online ist, für den ist das oft schwierig.

Zugegeben, in einer Welt, die sich zunehmend vernetzt, die verrückt ist nach ständiger Erreichbarkeit, anhaltender Aufmerksamkeit und sozialer Mitteilung vom Typ Wasichgerademache, ist der Gedanke reichlich radikal: Verbringe mehr Zeit mit dir allein!

[ Karrierebibel: Auszeit – Warum Zeit mit sich allein so wertvoll ist ]

Offline und Online sein

Von heute an verbringe ich in den nächsten zweieinhalb Monaten mehr Zeit mit mir allein und meiner Frau. Es wird Phasen geben, in denen ich tagelang offline sein werde. Es wird Phasen geben, in denen ich online sein werde.

Doch vollkommen unbelastet von einer beruflichen Tätigkeit mache ich ganze Tage lang das, was ich mir vorgenommen habe und was mir Spaß macht. Dazu gehören beispielsweise:

  • Das konzentrierte Lesen
  • Die Wiederentdeckung des Autogenen Trainings
  • Die eine oder andere Reise
  • Die eine oder andere Veranstaltung
  • Ein ganzer Tag Gartenarbeit ohne einen einzigen Tweet

Eine Ausnahme behalte ich mir jedoch vor: Das Taumler-Projekt „Meine 365“ führe ich auch in dieser Zeit jeden Tag weiter. Und vielleicht schreibe ich gelegentlich einen Blogartikel.

Gewohnheiten aufgeben und gewinnen

Am 1. Juli nehme ich eine neue berufliche Tätigkeit auf („Was mit Public Relations, Social Software und Enterprise 2.0“). Ich freue mich sehr darauf. Ein Wechsel ist immer mit Risiken verbunden. Ein Verbleiben oder gar Verharren aber auch. Wer nichts wagt, der nichts verliert: Alte Gewohnheiten nämlich.

Nach über elf Jahren in demselben Unternehmen freue ich mich auf Veränderungen, Herausforderungen, Neues und das Kennenlernen vieler Menschen :-)

Positiv denken

Ich halte ich mich für einen Menschen mit einer positiven Grundeinstellung. Deswegen auch INJELEA – IN Jedem Ende Liegt Ein Anfang. So halte ich es denn auch mit Seneca, dem Jüngeren:

Nicht weil es schwierig ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwierig.

[ Moralische Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), XVII/XVIII, CIV, 26, (Original lat.: „Non quia difficilia sunt non audemus, sed quia non audemus difficilia sunt.“) ]

Kontaktvorsatz

Einige Vorsätze habe ich. Einer dieser Vorsätze ist, den Kontakt zu liebgewonnenen Menschen aufrecht zu erhalten. Reiner Eigennutz: Dann werden meine Augen nicht allzu feucht ;-)

Ich bin dann mal weg

81.3/365 On the Road to Heaven - Vorausgesetzt, ein paar Millionen Grad bringen einen in den Himmel ;-)

Ich bin dann mal weg und beim Finden

Weil ich es nicht besser beschreiben kann, hier noch ein Absatz von Jochen Mais Auszeit-Artikel:

Eine Zeit lang mit sich alleine zu sein, bedeutet eben nicht einsam zu sein. Und nicht zuletzt kann, wer ständig Menschen um sich herum hat, sich immer noch sehr einsam fühlen. Wer aber die stille Zeit mit sich regelmäßig nutzt, sich auf sich konzentriert, meditiert und so zur inneren Ruhe findet, kann am Ende viel besser auf andere Menschen zugehen oder sich gar in sie hineinversetzen. Er erfrischt seine Seele und seinen Geist, findet neue Motivation – oder was vielleicht noch viel wichtiger ist: Er findet sich dabei selbst.

Ich bin dann mal weg und auf der Suche beim Finden.

13 Kommentare
  1. Jens Grochtdreis sagte:

    Naja, zwei Monate sind nicht allzu lang, um vollkommen von Digitalien zu entfremden, aber es wird Dir sicherlich gut tun. Ich nehme bspw. auch nie einen Rechner mit in den Urlaub. Da bleibt das Internet ungenutzt.

    Bin mal gespannt, wohin Dich danach Deine Wege führen. Viel Spaß in der Auszeit, die sehr schnell vorbei sein wird.

    • Frank Hamm sagte:

      Hi Jens, vielen Dank! Für einen Kurzurlaub werde ich zwar das iPhone mitnehmen, aber nur gezielt mal kurz online gehen. Ansonsten werde ich immer einige Tage ohne sein :-)

      Ich werde in der Gegend bleiben. Was anderes wäre zwar auch in Betracht gekommen, aber so bleibe ich in Rheinhessen. Dann kann ich auch zum Webmontag in Frankfurt kommen :-)

  2. Marcel Schler sagte:

    Ich war nach einem stressigen Projekt knapp 4 Wochen offline – ohne Twitter, Facebook & Co. Einfach mal ein Urlaub OHNE Macbook und iPhone.

    Es war herrlich. ;-)

    • Frank Hamm sagte:

      Hallo Marcel, ich werde versuchen, Dich an Herrlichkeit zu übertreffen :-) Zunächst muss ich noch ein paar Dinge aufräumen, und dann mal schauen…

  3. Konstantin sagte:

    Lieber Frank, das ist ein Riesen-Ding, Deine Auszeit. Ein Tipp von mir: hier kannst Du gut auch mal radikal sein: Null online ist völlig OK. enjoy …

    • Frank Hamm sagte:

      Hallo Konstantin, ganz herzlichen Dank! Meine Online-Frequenz ist schon geringer geworden, aber ich arbeite dran. Ich habe ja noch ein paar Tage zum Entwöhnen :-)

  4. Frank-Michael Preuss sagte:

    Hallo Frank, finde ich sehr gut! Ich mache auch, wie jedes Jahr 6 Wochen Sommer-Auszeit. Einfach zum Runterkommen, Reisen, Malen, Musizieren, Kochen, Essen, Schlafen, Lesen usw. Wenn man die Kunden rechtzeitig einbindet und alle Termine klar macht, gibt es da auch keinerlei Schwierigkeiten – im Gegenteil, alle sagen: „das müsste ich auch mal machen“ – aber Sie machen es meist nicht. Ich jedenfalls möchte meine Kreativität behalten! Deshalb fahre ich ab dem 14.07.meine Aktivitäten runter …
    Viel Spass beim persönlichen Sein
    Frank

    • Frank Hamm sagte:

      Hallo Frank :-)

      ich merke, dass mir das Abschalten gut tut. Ich bin in der glücklichen
      Lage, dass ich den Job wechsle und daher da wirklich einen Schnitt
      machen kann. Aber ich glaube auch daran, dass das Abschalten eine
      Frage der guten Argumentation, Kommunikation und Organisation ist.

      Dir auch schon eonmal viel Spass beim Abschalten/Wegschalten im Juli!

      Viele Grüße,
      Frank

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