Gerade hörte ich den Podcast eines Gesprächs zwischen Sören Stamer und Don Tapscott. Unter anderem ging es um die digital natives und digital immigrants:

A digital native is a person who has grown up with digital technology such as computers, the Internet, mobile phones and MP3. A digital immigrant is an individual who grew up without digital technology and adopted it later. A digital native might refer to their new "camera"; a digital immigrant might refer to their new "digital camera".

Ich selbst habe mich gelegentlich als ditigal native bezeichnet, und ich frage mich gerade: Bin ich das wirklich?

  • Mitte der 1980er hatte ich einen C64
  • Meinen ersten PC (ein Noname-Nachbau aus Taiwan) erwarb ich 1987
  • Um 1990 "ging ich" mit einem 300 Bit/s Modem ins FidoNet
  • Um 1990 begann ich mit der Nutzung von Email, damals noch proprietär in verschiedenen Netzwerken (z.B. in PROFS, PRofessional OFfice System), die zunehmend über kryptische Adressangaben auch via Gateways verbunden wurden.
  • Ich war einige Jahre Nutzer bei CompuServe, als CompuServe noch eigenständig und Innovationstreiber war
  • Mitte der Neunziger entdeckte ich für mich "das Internet" und nutzte es zunächst primär für Email und zum Surfen
  • Beruflich rutschte ich gegen 2000 in das Thema Intranet / Internet
  • Gerne probiere ich den einen oder anderen Dienst aus, aber nicht sofort und alle (beispielsweise bin ich zwar schon länger bei FriendFeed, subscribe und werde "subscribiert", aber ich müsste mal so richtig damit anfangen…)
  • Ein richtiger Early Adopter bin ich nicht (beispielsweise habe ich immer noch kein iPhone, steht nur auf meiner Liste)

Wie definiert man "who has grown up"? Hört das "growing up" mit 18 oder 25 Jahren auf? Da ich im Jahr 1961 geboren wurde wäre ich dann "nur" ein digital immigrant. Andererseits verbinde ich das "growing up" mit Sozialisation, Lernen, dem "Älter werden" und dem "Erwachsen werden".

  1. Ich passe mich ständig an gesellschaftliche Denk- und Gefühlsmuster an. Durch Interaktion mit der Umwelt entwickle ich meine Persönlichkeit weiter. Zumindest hoffe ich das. Und soziale Bindungen gehe ich ständig neue ein. Mehr oder weniger enge.
  2. Ich lerne ständig und immer wieder (Neues).
  3. Älter werde ich ständig. Hoffentlich primär physisch.
  4. Erwachsen werden sein allerdings wollte ich noch nie. Erwachsen werden hat etwas Statisches an sich. Außerdem behauptet die allerbeste aller Ehefrauen, das Kind im Manne sei bei mir besonders groß.

Bin ich jetzt also doch nur digital immigrant? Ratlosigkeit droht mich zu beherrschen…

Digital denier 

Für mich gibt es jedoch noch einen weiteren Typ: "digital denier". Ein "digital denier" verweigert sich den digitalen Medien solange es geht. Oder falls er sie gezwungenermaßen (z.B. im Büro) benutzen muss, dann tut er dies widerwillig und manchmal mit einer Art, die nahezu an Sabotage grenzt.

Beispiel: Auf Emails wird nicht reagiert (auch wenn sie gelesen wurden). Auf weitere Emails zur Klärung der Themen wird ebenfalls nicht reagiert. Auf mündliche Nachfragen kommt die Bitte: "Schicken Sie sie mir noch mal zu!". Oder: "Drucken Sie mir das mal aus!".

Andererseits: Ein "digital denier" entsteht oft nicht primär aufgrund der Haltung digitalen Medien gegenüber, sondern aufgrund der mangelnden Fähigkeit der Organisation und Selbstorganisation. Das wirkt sich dann bei den digitalen Medien erheblich aus und ist dort besonders offensichtlich.

Immerhin 

Jetzt weiß ich immer noch nicht, ob ich ein digital native bin. Aber immerhin: Ein digital denier bin ich nicht.