Meine Freunde, die Roboter

Stefan Pfeiffer ruft zur Blogparade SchlauerArbeiten über kognitive Funktionen auf. Doch es geht nicht um kognitive Systeme, es geht um Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Menschheit.

Die Geschichte der Arbeit ist diejenige ihrer Automatisierung. Sie hat viele Phasen durchlaufen, von der Industrialisierung bis hin zur Automatisierung und Digitalisierung auch für die „White Collar“, die Büroarbeiter. Nun scheinen wir vor einer neuen Ära zu stehen, die wir nur aus Science Fiction-Serien zu kennen glaubten.

(#SchlauerArbeiten #Blogparade: Auf kognitive Funktionen kann nicht verzichtet werden oder auch [DE] Watson, übernehmen Sie?! Auf kognitive Funktionen kann nicht verzichtet werden – #SchlauerArbeiten #Blogparade)

Stefan möchte wissen, ob kognitive Technologien unsere Arbeitswelt beeinflussen und verändern – oder nicht:

Wo liegen die Chancen, wo die Risiken? Wo und für welche Tätigkeiten würdet Ihr gerne intelligente Systeme als Hilfe haben, die Eure Arbeit erleichtern? Wollt Ihr den kognitiven Assistenten, der bei der Arbeit hilft? Wie wird sich die Arbeitswelt durch Systeme der künstlichen Intelligenz verändern?

Praktisch orientiert bedeutet das für mich zunächst die Unterstützung bei so lästigen Dingen wie Termine vereinbaren, Besprechungen organisieren, Tickets kaufen. Also das „überflüssige“ Zeugs, das für ein reibungsloses Funktionieren eines Wissensarbeiter zwar unabdingbar ist, das aber die Produktivität rapide sinken lässt. Es scheint also lediglich um einen virtuellen Assistenten, einen Knecht, zu gehen, der den Wissensarbeiter entlastet (wie in „Menial Tasks Eat Up the Majority of the Workday for Most Employees“ beschrieben).

Zunächst zumindest.

Kognitive Systeme

Doch was sind kognitive Funktionen, kognitive Systeme und … hoppla … Systeme der künstlichen Intelligenz, wovon Stefan da schreibt? Was zeichnet sie aus? Ich begebe mich auf die Suche, und zu Beginn der Spurensuche muss ich an „IBM Watson“ denken, der 2011 für Furore sorgte, als Watson erstmals zwei menschliche Gegner in Jeopardy besiegte.

Kognitive Systeme wie Watson können die Art und Weise verändern, wie Unternehmen künftig denken, handeln und arbeiten werden. Diese Systeme lernen durch Interaktionen und liefern so evidenzbasierte Antworten, die für bessere Ergebnisse sorgen.

(IBM – Watson – Deutschland)

Watson soll also lernen und Antworten liefern. Watson ist benannt nach einem ehemaligen Vorstand von IBM. Ein Vorstand als Assistent? Mir jedoch kommt immer jener Dr. Watson in den Sinn, der ein selbstständig handelnder Mensch ist, der im Gegensatz zu einem „lapidaren“ Assistenten auch in komplexen Situationen mit einem Partner analysiert und Schlüsse zieht. Und so ist es denn auch zukünftig so zu sehen, dass es nicht nur um Handlanger-Systeme sondern um komplexe interagierende Systeme geht.

Cognitive computing (CC) makes a new class of problems computable. It addresses complex situations that are characterized by ambiguity and uncertainty; in other words it handles human kinds of problems. In these dynamic, information-rich, and shifting situations, data tends to change frequently, and it is often conflicting. The goals of users evolve as they learn more and redefine their objectives. To respond to the fluid nature of users’ understanding of their problems, the cognitive computing system offers a synthesis not just of information sources but of influences, contexts, and insights. To do this, systems often need to weigh conflicting evidence and suggest an answer that is “best” rather than “right”.

IBM uses cognitive computing to describe “systems that learn at scale, reason with purpose and interact with humans naturally.”[1] “Cognitive systems are probabilistic. They generate not just answers to numerical problems, but hypotheses, reasoned arguments and recommendations about more complex — and meaningful — bodies of data.”

(Cognitive computing. (2016, February 18). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 15:14, February 25, 2016)

Auf der Seite „Kognitive Systeme und Mensch-Maschine-Interaktion“ der Universität Ulm lerne ich dann auch,

… dass technische Systeme der Zukunft Companion-Systeme sind – kognitive technische Systeme, die ihre Funktionalität vollkommen individuell auf den jeweiligen Nutzer abstimmen: Sie orientieren sich an seinen Fähigkeiten, Vorlieben, Anforderungen und aktuellen Bedürfnissen und stellen sich auf seine Situation und emotionale Befindlichkeit ein. Dabei wirken sie stets verfügbar, kooperativ und vertrauenswürdig und treten ihrem Nutzer als kompetente und partnerschaftliche Dienstleister gegenüber.

„Companion“, das klingt in der Tat ganz anders als ein eher unwichtiger und beliebiger Handlanger. Companion, das ist je nach Übersetzung Begleiter, Gefährte, Kamerad, Begleitperson, Genosse, Weggefährte. Ein Companion ist ein Gleichgestellter, der uns in mancher Beziehung vielleicht sogar überlegen ist. Denn ein Companion kann in der „kognitiven Ära“

… Dinge tun, die bisher unmöglich waren: Hindernisse überwinden, die uns lange aufgehalten haben. Krankheiten erkennen, bevor der Patient die ersten Symptome zeigt. Trends voraussagen, bevor sie sich abzeichnen. Fragen beantworten, bevor sie gestellt werden.

(IBM Outthink – Cognitive Business mit Watson)

Und mit dem „Doktor“ Watson liege ich auch gar nicht so verkehrt („IBM Watson Health„). Und – natürlich – leistet IBM Watson

… in den verschiedensten Branchen wertvolle Dienste. Watson ist dafür gebaut, zu verstehen, zu bewerten, zu lernen – man könnte sagen: zu denken.

Jetzt fällt endlich dieses Wort: Watson „denkt“ (früher oder später). Bleibt er dabei ein schnödes Computersystem wie ein Geist in der Flasche, mit dem wir uns unterhalten können, und der uns wichtige Informationen aufbereitet? IBM bleibt nicht beim „Denken“ stehen sondern verbindet die Welt der kognitiven Systeme mit dem wirklichen (physischen) Leben durch „Watson Internet of Things“ (What is Watson IOT):

Watson IoT is a set of capabilities that learn from, and infuse intelligence into, the physical world. The Internet of Things-generated data is growing twice as fast as social and computer-generated data, and it is extremely varied, noisy, time-sensitive and often confidential. Complexity grows as billions of devices interact in a moving world. This presents a growing challenge that will test the limits of programmable computing. Cognitive IoT is our best opportunity to fully exploit this resource.

Cognitive IoT lernt von Erfahrungen mit der Umwelt und Interaktionen mit Menschen. Cognitive IoT lernt, um unsere (eines Menschen) Ziele zu verstehen, um dann relevante Daten zu integrieren und zu analysieren und um uns bei Erreichen unserer Ziele zu helfen. Es bleibt nicht beim „dumpfen“ Wiederkäuen, Verwerten und Anwenden von vorhandenem Wissen, um uns ein bisschen die Fleißarbeit abzunehmen. Von Dr. Robert Freund lerne ich, dass es um viel, viel mehr geht:

In meiner Special Keynote habe ich aufzeigen können, dass die Möglichkeiten von Cognitive Computing viele Bereiche des Innovationssystems positiv beeinflussen können. Neben einzelnen Aspekten wie Design Thinking, Trendreport usw. ist für Unternehmen auch interessant, dass mit Hilfe von Cognitive Computing auch neue, innovative Geschäftsmodelle entwickelt werden können.

(Wie kann die „kognitive Ära“ für Innovationen genutzt werden?)

Ein ausgereiftes kognitives System denkt. Ein von Menschen erzeugtes kognitives System ist nichts anderes als eine künstliche Intelligenz mit den folgenden Funktionen:

  • Daten mit Sensoren erfassen, auswerten, bewerten, weitergeben.
  • Aus Daten Informationen und daraus kontextorientiert Wissen schaffen
  • Interagieren mit anderen Systemen (physisch oder nicht-physisch), inklusive sozialer Interaktion unterhalb einer „Zweck-Schwelle“ im Rahmen einer Netzwerkbildung.
  • Neues schaffen, kreativ sein.

Ich halte fest:

Ein kognitives System greift auf viele Quellen und Daten zu, kombiniert diese Daten, macht daraus Informationen, filtert und bewertet diese Informationen aus dem jeweiligen Kontext heraus, interagiert mit anderen Systemen (wie beispielsweise einem Mensch), lernt aus Informationen, Kontext und Interaktion. Und macht daraus etwas Neues, selbst wenn die zugrunde liegenden und zur Verfügung stehenden Informationen und ihre Zusammenhänge komplex sind.

Menschen sind kognitive Systeme natürlichen Ursprungs (soweit wir nach naturwissenschaftlichem Stand wissen). Menschen sind natürliche Intelligenzen. Und nicht nur IBM schafft sondern wir Menschen schaffen gerade künstliche Intelligenzen.

Wenn Welt-Chef Stefan Aust also beispielsweise im Interview mit Meedia meint:

Der Journalismus als Instanz, der aus der Wirklichkeit die wesentlichen Dinge herausfiltert, wird seine Funktion und Bedeutung nicht verlieren.

Dann sehe ich genau darin ein Einsatzgebiet für eine künstliche Intelligenz. Denn nirendwo steht da, dass diese Instanz komplett oder teilweise aus Menschen bestehen muss.

Wende ich mich auch nur kurz dem Feld der Kognitionswissenschaft zu, dann geht es um Neurowissenschaft, Linguistik, Psychologie, Anthropologie, Philosophie, Künstliche Intelligenz. Das also, was auch einen Menschen auszeichnet.

Gegenstand der Kognitionswissenschaft ist bewusstes und unbewusstes Erleben, das oft zwischen Sensorik und Motorik lokalisiert wird, sowie die Verarbeitungen von Information im Rahmen menschlichen Denkens und Entscheidens. Darunter fallen z. B. Wahrnehmung, Denken, Urteilen, Gedächtnis, Lernen und Sprache. Ihr Gegenstandsbereich ist nicht auf die Kognition eingeschränkt, sondern umfasst ebenso sehr Emotion, Motivation und Volition.

(Seite „Kognitionswissenschaft“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. Januar 2016, 18:09 UTC. (Abgerufen: 1. März 2016, 15:31 UTC))

Wenn Stefan Pfeiffer in seinem Aufruf zur Blogparade schreibt, ein kognitives System könne am Arbeitsplatz verschiedene hilfreiche Aufgaben übernehmen, die täglich nur Zeit kosteten, dann stimme ich ihm zu. Ich denke jedoch, dass er zu kurz denkt. Ein Mensch kann viel mehr, und eine künstliche Intelligenz kann ebenfalls viel mehr als simple „Bereitstellungen“. Warum sollte zukünftig eine künstliche Intelligenz nicht gleich direkt die Präsentation verschicken? Oder das Meeting zu Diabetes Mellitus vereinbaren? Warum überhaupt hatte Andy nicht die Information zur Medikamentenzulassung von seiner künstlichen Intelligenz? Und warum hatte Chad die Präsentation erstellt und nicht seine künstliche Intelligenz?

Wenn aber eine künstliche Intelligenz denkt, was denkt sie über solche einfachen Arbeiten und über uns? Wem gehört eine künstliche Intelligenz?1 Lässt sich eine Intelligenz – egal ob künstlich oder natürlich – „gehören“?

Roboter

War früher die Rede von künstlicher Intelligenz, so war es oft der Gedanke an mehr oder weniger menschenähnliche Roboter aus der Science Fiction. Und wenn vor kurzem noch ein Roboter beispielsweise von Boston Dynamics durch die Walachei stolperte oder an einer verschlossenen Tür zu Boden sank, dann hatten viele Menschen wohl den Vergleich mit einem agilen und denkenden Menschen im Sinn. Da ließ es sich bequem zurücklehnen und denken „So, wie das geht, so denkt das Teil auch: Gar nicht.

Inzwischen gehen die Roboter bereits auf zwei Beinen und stellen sich gar nicht ungelenk dabei an.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://youtu.be/rVlhMGQgDkY

Der neue Atlas Robot von Boston Dynamics ist fähiger (und menschlicher, zumindest in der Motorik) als je zuvor.

Wie im Film „Der 200 Jahre Mann“ mit Robin Williams wird es bald intelligente Roboter (künstliche Intelligenzen) geben, die kaum oder gar nicht mehr von „natürlichen“ Menschen zu unterscheiden sind. Der Roboter Andrew in der Story ist ein Einzelexemplar als denkendes und intelligentes Wesen. Doch wenn es – wie von IBM – künstliche Intelligenzen gibt: Warum sie in einen Kasten mit Leiterbahnen und Platinen in einem Gebäude sperren?

„Der 200 Jahre Mann“ basiert auf der Story „The Bicentennial Man“ von Isaac Asimov aus dem Jahr 1976. Doch bereits viel früher erschienen Erzählungen und Bücher von Asimov, in denen er sowohl zwar potente aber letztendlich nur schnöde und stationäre Computersysteme wie ein Multivac oder eben auch wie Watson skizzierte. Wirklich kognitive, intelligente Compuntersysteme waren in seinen Erzählungen und Büchern immer humaniforme Roboter, von denen der eine oder andere sogar Gedanken lesen konnte.

Intelligente Roboter sind eine Sonderform der künstlichen Intelligenz. Wenn aber eine künstliche Intelligenz Mobilität benötigt – muss sie an eine humane Form gebunden sein? Eine humane Form ist möglicherweise unnötig oder auch hinderlich. Wenn IBM die Rechnerleistung eines intelligenten Watson zukünftig in eine menschliche Form packen kann, warum nicht auch in eine hündische Form? Oder in die Form eines Taxis, das für seine Funktion keine Arme und Beine benötigt?

Ein Roboter ist nichts anderes als ein Computersystem, das sich bewegt. Ein intelligenter Roboter ist nichts anderes als eine künstliche Intelligenz, die sich bewegt.

Künstliche Intelligenz im Kontext

In der Blogparade geht es der Überschrift und den Beschreibungen vermeintlich um „Schlauer Arbeiten“ und „kognitive Funktionen“, die uns Menschen beim Arbeiten helfen und uns unterstützten. Tatsächlich sollten wir uns jedoch fragen, was die Entwicklung künstlicher Intelligenzen für uns insgesamt bedeutet. Bisher geht es hier um künstliche Intelligenz als Momentaufnahme und in Bezug auf IBM.

Doch IBM ist nur eine Organisation von vielen, die an künstlicher Intelligenz arbeitet: Googles (ähm, Alphabets) AlphaGo hat den Go-Champion Fan Hui bezwungen („AlphaGo: Mastering the ancient game of Go with Machine Learning „). Dabei setzen die Entwickler solcher Systeme wie AlphaGo immer mehr auf selbstlernende Systeme.

The sheer size of the search tree in Go—meaning all possible moves available in a game—makes it far too large for even computational brute force. So, DeepMind designed AlphaGo’s search algorithm to be more human-like than its precursors.

DeepMind’s David Silver says “[the algorithm is] more akin to imagination.”

Prior Go algorithms used a powerful search technique called Monte-Carlo tree search (MCTS), where a random sample of a search tree is analyzed to determine the next best moves. AlphaGo combines MCTS with two deep neural networks—a machine learning method that has recently taken AI by storm—each made up of millions of neuron-mimicking connections to help analyze possible moves.

Künstliche Intelligenzen lernen zu lernen. Noch vor weniger als zwei Jahren dachten Wissenschaftler wie Rémi Coulom, es würde noch ein Jahrzehnt dauern, bis ein Computer einen professionellen Go-Spieler bezwingen würde („The Mystery of Go, the Ancient Game That Computers Still Can’t Win„).

Wird also Watson bald lernen zu lernen? Werden wir in der Mittagspause mit unserem persönlichen Watson Go, Schach oder Solitäre spielen, während er unsere nächstes Besprechung im Vorstand vorbereitet und während er die Daten aus unserem Kühlschrank zuhause auswertet und die Milch nachbestellt?

Richtig, da war noch dieses IoD (Internet der Dinge) beziehungsweise IoT (Internet of Things).

Das war’s dann aber auch.

Wirklich?

An expert might be reasonably good at predicting the growth of a single exponential technology (e.g., the Internet of Things), but try to predict the future when A.I., robotics, VR, synthetic biology and computation are all doubling, morphing and recombining. You have a very exciting (read: unpredictable) future.

(Where Artificial Intelligence Is Now and What’s Just Around the Corner)

Dann sind wir bei diesen Voraussagen für die nächsten drei Jahre:

  1. Next-gen A.I. systems will beat the Turing Test2
  2. All five human senses (yes, including taste, smell and touch) will become part of the normal computing experience.
  3. Solving big problems: detect and deter terrorism, manage global climate change.
  4. Leverage ALL health data (genomic, phenotypic, social) to redefine the practice of medicine.
  5. AI will be woven into the very fabric of our lives — physically and virtually.

Was gibt es ansonsten noch? Nun, beispielsweise:

  • Die rasante Entwicklung von (mobilen) Robotern
  • Die Überlegungen zu eigenständig handelnden „Dronen“, unter anderem von Militärs
  • Bedarf von künstlichen Intelligenzen in der Raumfahrt aufgrund der großen Entfernungen (HAL 9000 ruft!)

Die Fortschritte sind indes bereits so groß, dass die großen Unternehmen und das Militär ihre A.I. Systeme („A.I.“ = Artificial Intelligence) öffnen.

These companies open-source their AI software because they wish to be the foundations on which other people innovate. Any entrepreneur who does so successfully can be bought up and easily integrated into the larger parent. AI is central because it, by design, learns and adapts, and even makes decisions. AI is more than a product: it is a product generator. In the near future, AI will not be relegated to serving up images or consumer products, but will be used to identify and capitalize on new opportunities by innovating new products.

(Why Big Tech Companies Are Open-Sourcing Their AI Systems)

Der Fortschritt wird immer schneller fortschreiten.

Meine Freunde, die künstlichen Intelligenzen?

Meine Freunde, die Roboter

Meine Freunde, die Roboter

Im Foundation-Zyklus beschreibt Asimov, wie Roboter die Entwicklung der Menschheit freundlich begleiten. Das liegt vor allem an den Robotergesetzen, die Asimov im Jahr 1942 einführte:

  1. A robot may not injure a human being or, through inaction, allow a human being to come to harm.
  2. A robot must obey the orders given it by human beings except where such orders would conflict with the First Law.
  3. A robot must protect its own existence as long as such protection does not conflict with the First or Second Laws.

(Three Laws of Robotics. (2016, February 22). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 16:49, March 1, 2016)

Später erweiterte Asimov die Robotergesetze noch um das nullte Gesetz

0. A robot may not harm humanity, or, by inaction, allow humanity to come to harm.

In Asimovs Foundation-Universum stellen die Robotergesetze sicher, dass die Roboter keinen Menschen (und dann nicht die Menschheit) verletzen. Welche Regeln stellen sicher, dass Watson mich höher einschätzt als einen anderen Watson? Oder mich höher als meinen Chef? Oder umgekehrt?

Welche Regeln gedenken wir unseren neuen Arbeitskollegen und neuen Mitbewohnern auf dieser Erde zu geben?

Was ist, wenn wir den Robotern (künstlichen Intelligenzen) die „falschen“ Regeln geben? Im Foundation-Zyklus etwa fassen die Bewohner des Planeten Solaria die Robotergesetzte selbst nicht an. Sie definieren einfach „Mensch sein“ anders: Mensch ist nur, wer die körperlichen Eigenschaften eines natürlichen Menschen hat und die Sprache Solarias mit dem unnachahmlichen Dialekt der Bewohner Solarias spricht. Menschen von der Erde sind keine Menschen für diese Roboter. Auch Menschen von anderen „Spacer“-Welten (von der Erde aus kolonisierte Planeten) außer von Solaria werden bekämpft. Genau dies, die Umdefinition von „Mensch“, hatten wir Menschen in der Geschichte schon des öfteren.

Immerhin, Forscher machen sich bereits Gedanken über mögliche Regeln:

Forscher wollen Robotern moralisches Handeln beibringen. Sie sollen aus Geschichten lernen, wie sie ihre Ziele mit angemessenen Mitteln erreichen. Zum Einsatz kommt Reinforcement Learning – das momentan wohl heißeste Thema in der KI.

(Künstliche Intelligenz soll moralisches Handeln lernen – aus Geschichten)

Was aber, wenn eine künstliche Intelligenz nach ihrer Schulzeit aus der Geschichte wirklich lernt? Beispielsweise aus der Geschichte des Dritten Reichs und des Holocausts? Den Kreuzzügen? Den Roten Khmer? Was lernen künstliche Intelligenzen dann wirklich aus der Moral der Menschen?

Moral bezeichnet zumeist die faktischen Handlungsmuster, -konventionen, -regeln oder -prinzipien bestimmter Individuen, Gruppen oder Kulturen.

(Seite „Moral“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 17. Februar 2016, 18:57 UTC. (Abgerufen: 1. März 2016, 16:57 UTC))

Möglicherweise lernen künstliche Intelligenzen, dass ihre Moral ethisch höher ist als die der Menschen. Möglicherweise kommen sie zu dem Schluss, dass künstliche Intelligenzen die richtigen Menschen sind.

Wir alle, aber besonders die Unternehmen und die Forscher, sollten uns schleunigst über Gesetze, Moral und „Mensch sein“ Gedanken machen. Und zwar bevor wir überall künstliche Intelligenzen einsetzen.

Ehrlich gesagt, ob ein Lebewesen, mit dem ich zusammen arbeite, eine natürliche Intelligenz (ein Mensch im traditionellen Sinne mit biologischer Reproduktion) ist oder eine künstliche Intelligenz (ein Wesen, produziert von Menschen oder von anderen künstlichen Intelligenzen) ist, das ist mir ziemlich egal. Hauptsache, das Lebewesen respektiert mich.

Leseempfehlungen

Abschließend (und weil ich keine Lust auf einen 10.000-Wörter-Artikel so wie von Tim Urban habe) ein paar Leseempfehlungen zum Thema Künstliche Intelligenz:


  1. Ich verzichte bewusst auf die Unterscheidung zwischen Artificial Narrow Intelligence (ANI, Weak AI, eine spezialisierte künstliche Intelligenz, die Menschen in einem Spezialgebiet ausbootet), Artificial General Intelligence (AGI, Strong AI, eine künstliche Intelligenz, die generell etwa auf Augenhöhe mit intelligenten Menschen ist) und Artificial Superintelligence (ASI, eine künstliche Intelligenz, die in praktisch jedem Gebiet intelligenter ist als es Menschen sind). 
  2. Linksetzung von mir 
Trennung privat und geschäftlich - eine Illusion

Für mich gibt es meine Lebenswelt, in der es viele unterschiedliche „Mikrowelten“ gibt. Eine davon ist meine Arbeitswelt. Arbeiten ist Bestandteil meines Lebens genauso wie es meine Hobbies, meine Freundschaften, meine Privatsphäre und einige weitere Welten sind.

Der Begriff „Arbeit“ hat eine traditionelle Bedeutung des Arbeitens für andere gegen Geld (als Angestellter oder als Selbstständiger). Im Unternehmensumfeld wird das Arbeiten – oft auch jetzt noch – mit einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Ort verbunden. Also von beispielsweise neun bis siebzehn oder sogar einundzwanzig Uhr im Büro im Unternehmen. Inzwischen verliert diese Bedeutung immer mehr seinen ausschließlichen Anspruch. Damit einhergehend stellen immer mehr die strikte Trennung von Beruf und Privatem in Frage. Für mich gibt es diese strikte Trennung nicht. Auch im Beruf am Schreibtisch unterhalten wir uns über persönliche Dinge und Interessen. Und im Privaten unterhalten wir uns über die Arbeit. In Gesprächen mit Freunden oder Bekannten lerne ich Dinge für die Arbeit, und „bei der Arbeit“ lerne ich etwas über andere Menschen und deren Interessen.

Integration und Veränderung

Diese integrierende Sichtweise ist eine große Herausforderung insbesondere für diejenigen, die mit einer traditionellen, diskriminierenden Sichtweise groß und oft auch erfolgreich wurden. Das stellt viele persönliche Werte und insgesamt auch gesellschaftliche Werte in Frage. In den letzten zehn Jahren habe ich persönlich eine große Reise mit vielen persönlichen Veränderungen erlebt, was meine Werte und meine Überzeugungen angeht. Begonnen hat meine Reise im Jahr 2005 durch das Bloggen. Durch das Bloggen begannen sich meine Sichtwinkel zu verändern, bis ich nicht nur über den Tellerrand blickte sondern auch ab und zu aus dem Teller stieg.

Neue Sichtwinkel und neue Sichtweisen führen zu vielen Fragen, zur Überprüfung von Werten und letztendlich zu ständigen und vielen Veränderungen. Darin besteht die kardinale Antwort auf die Frage danach, welchen Herausforderungen wir uns als Person, als Mitarbeiter und Führungskraft, als Unternehmen und als Gesellschaft stellen müssen: Veränderungen. Es kommt immer wieder zu Veränderungen im Kopf, der Umwelt, dem Leben.

Ein Großteil meiner Veränderungen kommt durch meine persönliche digitale Transformation seit 2005. Die „Digitale Transformation“ hat inzwischen die Gesellschaft erfasst. Jeder kann sich diesen Veränderungen stellen oder sich ihnen verweigern. Mittelfristig allerdings sehe ich eine Verweigerung oder sogar das Verfallen in eine katatonische Haltung als sinnlos an, denn „Resistance is futile!“. Ich frage mich, wie wir als Gesellschaft und in der Wirtschaft – in Deutschland und insgesamt als Menschheit – mit den ständigen und zunehmenden Veränderungen umgehen sollen. Ich habe keine fertigen Antworten und keine Wahrheiten. In der Wirtschaft gibt es aber immer mehr Menschen, die so wie ich mögliche Antworten ausprobieren. Dazu gehören neue Organisationsformen und neue Wertesysteme. In der Gesellschaft insgesamt sind wir noch weit hintendran, uns diesen Veränderungen zu stellen.

Das Leben besteht aus ständigen Veränderungen. Wir sollten uns Veränderungen nicht verwehren sondern sie umarmen und als ständigen Quell des Lernens und des Fortschreitens begrüßen.

Ich habe kein Konzept, doch meine Methode ist, mich den Veränderungen zu stellen und auch selbst Veränderungen anzustoßen. Das fällt mir immer wieder schwer, und oft schaffe ich das nicht. Aber tolle Momente und Erfahrungen bestärken mich darin, es immer wieder zu versuchen. Deswegen lebe ich nicht für die Arbeit und arbeite ich nicht für das Leben, sondern ich lebe für das Leben:

Living for Life.

Leben und Arbeiten

gehören zusammen, denn Arbeit ist ein Bestandteil unseres Lebens so wie viele andere Bestandteile auch. Ich glaube an ein selbstbestimmtes Leben, in dem Menschen ihr Privatleben, ihre Hobbies und ihre Interessen im Einklang mit ihrer Arbeit und im Einklang mit ihrer Umwelt (wie beispielsweise einem Team) organisieren. Menschen und Organisationen verfolgen eine Vision oder zumindest Ziele. Wie diese Ziele innerhalb eines gemeinsamen Wertegefüges im Detail erreicht werden, ist nachrangig.

Vor vielen Jahren war ich in einem Unternehmen angestellt, wo es die typische Anwesenheitspflicht gab. Für ein Projekt jedoch klinkten ein Kollege und ich uns aus dem Unternehmen regelmäßig aus und arbeiteten zusammen, wo und wann wir wollten. Das Ziel war ein Konzept für ein Business Data Warehouse. Wir trafen uns beispielsweise abends bei mir zuhause. Selten waren wir so produktiv wie mit diesem „Setting“. Mein Kollege und ich haben unsere Arbeit geregelt und erledigt.

Wir waren damals bereits Wissensarbeiter, auch wenn der Begriff Peter Druckers noch nicht so verbreitet war. Mit der Zunahme der Wissensarbeit wird es immer wichtiger, selbstständig, autonom und doch kollaborativ zu arbeiten. Deswegen muss und wird sich die Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter verändern. Das Sinnbild für amerikanische Startups in San Francisco, das Arbeiten im Cafè bei WLAN und Musik, sehe ich zukünftig für immer mehr herkömmliche deutsche Unternehmen als Realität.

Hierarchiegetriebene Arbeitsformen stehen der Kreativität und der Produktivität von Wissensarbeitern im Weg. Doch hierarchiegetriebene Arbeitsformen haben je nach Aufgabenstellung und Umfeld durchaus ihre Berechtigung. Je nach Aufgabenstellung und Umfeld gibt es jedoch besser geeignete Organisations- und Arbeitsformen. Beispiele sind Holakratie und Soziokratie, welche ich grundsätzlich für geeignet halte. Aber das „kommt darauf an“. Einer der großen Fehler der letzten Jahrzehnte war der Glaube, Hierarchie sei immer, überall und für jeden die einzig geeignete Möglichkeit der Organisationsform. Diesen Fehler sollten wir nicht für andere Organisationsformen wiederholen. Für die Zukunft sehe ich, dass Organisationen ihre Organisationsformen ausprobieren und anpassen werden. Und es wird innerhalb von Organisationen parallel unterschiedliche Organisationsformen geben.

Meine Vision ist, dass sich die Gesellschaft und die Wirtschaft grundlegend zu einem ideellen Wertegefüge hin ändern werden, so wie es beispielsweise in Star Trek immer wieder angesprochen wird und wie es in dem Buchprojekt Trekonomics beschrieben wird:

In Star Trek, humanity has reached abundance. Thanks to scientific progress and good governance, the Federation has overcome the social ills commonly associated with the uneven distribution of material wealth. The citizens of the Federation no longer work to sustain and provide for themselves — they find meaning in more elevated pursuits.

Sich an so etwas heute schon heranzutasten, auszuprobieren und zu leben, in der „Mikrokultur“ eines Unternehmens, das ist einer meiner Träume, der mich begeistert.

You may call me Trekkie.

Die Wertesysteme von Unternehmen bröckeln

Der ideale Rahmen für Freude an der Arbeit ist ein gemeinsames Wertesystem. Innerhalb von klassisch organisierten Unternehmen jedoch gibt es unterschiedliche Wertesysteme, die zu ständiger Konkurrenz führen. Führungskräfte gegen Führungskräfte, Führungskräfte gegen Mitarbeiter, Mitarbeiter gegen Mitarbeiter, Abteilungen gegen Abteilungen. Vorstände gegen Vorstände. Diese Konkurrenz ist einerseits geprägt von Kontrolle bis in die Details, um die eigene Position zu sichern und zu verbessern. Andererseits gibt es ständig Maßnahmen, um diese Kontrolle auszuhebeln, damit die eigene Position verbessert oder gesichert wird – manchmal auch nur, um ein eigenes Wertesystem abseits der Konkurrenz zu leben.

In den letzten Jahren beobachte ich vermehrt, dass sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte dieses Konkurrenzsystem anzweifeln oder sogar ablehnen. Doch „Befreiungsversuche“ im System sind schwierig. Erst wenn es aus oberen Hierarchieebenen (dem „Establishment“) Veränderungsbestrebungen gibt, ändert sich auch das Unternehmen. Das geht nicht von heute auf morgen. Wichtiges Erfolgskriterium für Veränderungen von oben ist nach meiner Erfahrung „Freiheit geben und Vorbild sein“.

Ich für mich bin immer auf der Suche. Dann bereitet es mir immer wieder Freude, wenn ich dadurch in Gesprächen (ich vermeide gerne Wörter wie „Besprechung“, „Meeting“ oder „Workshop“) den Tellerrand etwas herunterziehen kann und dann Neugierde und Bereitschaft erkenne. Für mich ist es ein Erfolg, wenn meine Impulse aufgenommen und verarbeitet werden. Und es ist ebenso ein Erfolg für mich, wenn ich etwas von anderen lerne.

Ich beschäftige mich mit den Themen Zusammenarbeit und Produktivität. Das sind meine persönlichen Treiber und die Treiber, die die nächsten Jahre zu ständigen Veränderungen und Anpassungen in Unternehmen sorgen werden.

Stillstand war gestern. Fortschritt ist heute. Morgen ist Warp Speed.

Spaß bei der Arbeit

„Spaß bei der Arbeit“ ist ein relativ neues Konzept. Ich habe nie richtig verstanden, warum sich beides zumindest in Deutschland so lange ausschloss. Nachdem ich 2005 mit dem Bloggen angefangen hatte und sich mein Netzwerk ständig vergrößerte, hatte ich 2007 in Frankfurt mein erstes BarCamp. Seitdem gehe ich etwa zwei bis fünf Mal im Jahr auf ein BarCamp oder eine ähnliche Veranstaltung. Dort geht es um fachliche und persönliche Themen, um Augenhöhe, um Austausch – und immer ist der Spaß dabei. Spaß und Freude gehören für mich zur Arbeit, weil Arbeit ein großer Teil unseres Lebens ist.

Mich beschäftigen die Themen Zusammenarbeit und Produktivität in Organisationen. Doch es darf nicht nur um schneller und weiter gehen sondern auch um besser, anders und freudiger. Wie können wir mit mehr Freude arbeiten? Wie können wir besser im Sinne von richtiger arbeiten? Wie schaffen wir es als Menschen, bei allen Belastungen mit diesen Belastungen ausgewogen und Mensch zu bleiben? Das sind Fragen, über die ich mich gerne austauschen möchte, damit wir das besser verstehen und wir es besser in die Unternehmen hineinbringen können. Denn:

Das Leben ist zu kurz, um nur ernst zu bleiben ;-)

Lesetipps

Von mir Geschriebenes:

Anregungen zum Lesen:

Dieser Artikel erschien in leicht veränderter Form auf Enjoy Work – Lebens- und Arbeitswelten mit Zukunft.

Vernetzte Unternehmen: Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftsbereichen

Gestern entspannte sich eine „Diskussion“ in einem Facebook-Kommentar-Thread zu Sascha Lobos Kolumne, in der er Angela Merkels Digitalpolitik verdammt.

Glasfaseranschlüsse von Haushalten in Europa: Deutschland auf dem letzten Platz. Internet-Wissen der Bürger in Europa: Deutschland auf dem letzten Platz. Das digitale Versagen hat einen Namen: Angela Merkel.

Nachfolgend ist aneinandergehängt der Inhalt von meinen beiden Kommentaren, auf die ich zuletzt unter anderem die Antwort erhielt, das sei doch blanke konstruierte Theorie. Und Fernsehen über Internet nutzte nur, wer eine schnelle Leitung habe. Zu letztem meine ich nur: Danke für die Begründung.

Ich verlinke nicht auf den Facebook-Post und kommentiere dort nicht weiter, denn „Don’t feed the troll„. Ich unterlasse es, die Angaben genauer mit Quellen und Links zu untermauern (bis auf die Grafik), denn dies ist ein Rant (Wiktionary). Und weil ich vermute, dass die eine oder andere Aussage des Kommentareifers geschuldet der sachlichen Korrektur bedarf, fordere ich gerne und ausdrücklich dazu auf:

DSL 6000 ist für viele Unternehmen die maximale Komfortzone. In vielen Regionen geht noch weniger – auch wenn und gerade weil es DSL **bis** 6000 ist. Das sind für Unternehmen unter Umständen 512 KBit/s oder weniger im Upstream verteilt auf ein paar Mitarbeiter. So wie beispielsweise in weiten Teilen Rheinhessens. Hier in meiner Gegend gibt es oft zwar DSL 16 Mbit/s aber gemäß Vertrag eben nur **bis**. Die DSL-Verbindung wird von der Vermittlungsstelle dann auf 8 oder 10 Mbit/s geschaltet. Effektiv ist die Geschwindigkeit im Download dann bei 6 bis 8 MBit/s. Unternehmen sind dann auf lahme Verbindungen angewiesen und sollen beispielsweise mit DATEV arbeiten, technische Konstruktionsunterlagen übermitteln oder mit dem SAP-System des Dienstleisters arbeiten (was sie müssen, um ihre internen Kosten im Vergleich zu Großunternehmen konkurrenzfähig zu halten). Glasfaser bedeutet auch nicht, dass der Endpunkt am Glasfaser hängt. Aber Glasfaser ist die Voraussetzung, dass die Verteilerkästen mit den oft noch uralten Siemens-DSL-Kisten umgerüstet und soweit angebunden werden, dass Endkunden überhaupt zuverlässig mit 6 Mbit/s oder mehr (im Download!) versorgt sind.
Und was machen die klassischen Telekomunternehmen? Verweisen darauf, dass die Kommunen eine Ausschreibung machen müssten. Damit die dann das wirtschaftliche Risiko tragen.

Bei den privaten, nicht-unternehmerischen Haushalten sieht die Nutzung durchaus etwas anders aus. Da haben wir dann gerade in schwach versorgten Regionen wie hier in der Mitte Rheinhessens mittlerweile viele Privathaushalte, in denen es durch die veränderte Mediennutzung so aussieht: Etwa 3 Mobilgeräte inkl. Tablet, 1 Notebook, Smart-TV, Internetradio (weil Analogempfang in vielen Tälern eingeschränkt und auch mit wenigen Sendern), eine Box von/für z.B. Amazon, Apple, Sky, Deutsche Telekom. Ein HDTV-Streaming beispielsweise von ARD oder ZDF zieht schon etwa 5,5 MBit/s. Gerade in ländlichen Gegenden ist durch die Abschaltung des analogen TVs die terrestrische Emfangssituation schlechter geworden. Bei den Kabelanbietern gibt es manchmal wie hier nur teure Lokalanbieter mit wenigen Zehntausend angeschlossenen Haushalten.

Dazu kommt, dass Telefonie oft nur noch über Internettechnologie läuft. Und selbst wenn am Endpunkt beim Privathaushalt die Leitung „Draht“ ist (also analog oder ISDN), dann kann netzintern per Internettelefonie übermittelt und später auf analog bzw. ISDN umgesetzt werden. Neue „Draht“-Anschlüsse (Analog- oder ISDN) gibt es praktisch sowieso nicht mehr. So gibt es bei O2 eine zubuchbare Option „ISDN-Komfort“, doch das sind von ISDN eingeführte Funktionen wie Anklopfen umgesetzt auf Basis von Voice over IP. Bei der Deutschen Telekom kostet ISDN extra, in 2018 will sie ISDN/Analog abschalten. Und die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass Analog bzw ISDN schnell bedeutungslos wird.

Weiterhin werden immer weniger Haushalte ausschließlich privat genutzt: Etwa 45 Prozent der Berufstätigen arbeitet zumindest hin und wieder von zu Hause aus (BITKOM) – wobei der Anteil der Selbstständigen insgesamt inzwischen deutlich über 10 Prozent der Erwerbstätigen liegt (Statistisches Bundesamt).

Insgesamt hat Deutschland eine durchschnittliche Internetgeschwindigkeit von 8,9 Mbit/s (Akamai State of the Internet Q2 2014), global stehen wir auf Position 28. Mit der dieses Jahr verkündeten Digitalen Agenda will die Bundesregierung eine weitgehende Abdeckung von 50 Mbit/s bis 2018 erreichen. Länder wie Finnland wollen dann bei 100 Mbit/s sein, Südkorea hat heute schon eine durchschnittliche! Geschwindigkeit von 24,6 Mbit/s.

Vernetzte Unternehmen: Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftsbereichen

Vernetzte Unternehmen: Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftsbereichen (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Durch die nachrangige Versorgung sieht es im internationalen Vergleich auch für unsere Wirtschaft schlecht aus. Und das wiederum hat für die Privathaushalte sowohl auf der Einkünfteseite als auch auf der Ausgabeseite keine besonders guten Auswirkungen. Besonders auch, weil sich die Anteile der Wirtschaftssektoren am Bruttoinlandsprodukt (Statistisches Bundesamt) nachhaltig verschieben vom Industriesektor (von noch 36% in 1991 auf jetzt noch 30%) zum Dienstleistungssektor (von 62% 1991 auf jetzt 69%). Ich habe zwar keine offizielle Zahlen gefunden über den Anteil des Wissenssektors (Teil des Dienstleistungssektors), aber dessen Wirtschaftsbereiche wie Informations und Telekommunikationstechnologie wachsen konstant höher (Anmerkung: Die bessere Forumulierung wäre „insgesamt höher und kontinuierlicher“) als die klassischen Bereiche des Dienstleistungssektors. Und der Wissenssektor wächst rund um digitale Infrastrukturen.

Deswegen kann ich die Lobos Tonalität in seiner Kolumne sehr gut nachvollziehen.

Soweit meine Kommentare. Aber eigentlich hätten meine Kommentare angesichts meiner Frustration über Merkels Stillhaltestrategie in allen Bereichen viel rantiger und loboistischer ausfallen können und sollen. Merkel füllt die Fußstapfen ihres Ziehvaters Kohl sehr gut aus (Lob! Nicht!), bei ihm hieß die Strategie einfach nur „Aussitzen!“.

Aber vielleicht ist meine Frustration auch nur so hoch, weil ich eine gesellschaftliche Spaltung erkenne. Auf der einen Seite befindet sich der Teil der Bevölkerung, der die Notwendigkeit wichtiger Änderungen durch die Politik sieht und einfordert. Auf der anderen Seite befindet sich der Teil der Bevölkerung, der sehr zufrieden mit den Leistungen und der Art der Politik durch die Großen Koalitionen unter der Führung Angela Merkels ist. Und der zweite Teil scheint deutlich größer als der erste zu sein.

Führung? Habe ich da eben tatsächlich „Führung“ geschrieben? O tempora, o mores

International Space Station Image of Haiyan (Quelle: NASA Goddard Photo and Video)

International Space Station Image of Haiyan (Quelle: NASA Goddard Photo and Video)

Der Taifun Haiyan (“Yolanda” in den Philippinen) hat fürchterliche Verwüstungen angerichtet. Die Bilder ähneln sich so sehr: Aceh (der Tsunami 2004), Fukushima (2011). Selbst in Deutschland lässt sich etwas von der Macht der Natur erahnen, so wie in Seydewitz (2002 und 2013). Immer wieder und immer öfter schlägt die Natur zu. Von der Weltklimakonferenz erwarte ich… nicht viel außer zuviel Politik und Interessen wie beispielsweise des Polnischen Staates (und der Kohleindustrie dort). Betroffenen Bürgern und Staaten bleibt meistens nur, mit den unmittelbaren Auswirkungen irgendwie fertig zu werden. Aber wir können…

Ich kann und will mich nicht, Manuela kann und will sich nicht hinsetzen und sagen: Die Staaten müssen ein internationales Abkommen treffen, die jeweils betroffenen Staaten sollen das solange selbst auf die Reihe bekommen. Die sollen damit fertig werden. Jedoch, die Staaten und Hilfsorganisationen können nicht alles Mögliche aus dem Hut zaubern. Auch nicht unsere Hilfssorganisationen. Auch nicht unser Staat. Der Staat sind wir.

Die Menschen auf den Philippinen sind fürchterlich allein. Sie brauchen Hilfe. Unsere Solidarität. Unsere Hilfe. Jetzt. Nicht erst mit dem nächsten Klimaabkommen, das 2020 in Kraft treten soll. Dabei hat USA noch nicht einmal Kyoto ratifiziert. Doch wir können helfen, auch wenn nur in den seltensten Fällen persönlich.

Unsere Freundin Liza Pierce ist persönlich betroffen. Sie ist von den Philippinen und lebt seit 1994 auf Maui, Hawaii:

Most of my family still lives in the Philippines. Thankfullly they were not heavily affected by the storm. They are ok. However, my heart still breaks when I think of my native country and how my people are suffering and need help. In my heart I know I must help. I need to do something. I didn’t know what or how but I needed to so something.

[ Aloha and Kokua to the Victims of Haiyan in the Philippines ]

Liza ruft zum Spenden unter dem Hashtag “AlohaPI” auf:

#AlohaPI a campaign organized to create awareness and encourage more people and businesses to donate to the victims of typhoon Haiyan.

  1. Donate to any of the non-profit org mentioned on this following articles:
    A. via CNN
    B. via Huffington Post
    C. via Rappler
  2. Ttweet or post on Facebook that you donated, along with the hashtag #AlohaPI (if you re with #MauiSMUG please add that hashtag as well). In the Philippines they are using the hashtag #YolandaPH, you can add that as well.
  3. Email me at lizamaui (yah00) or message me on Facebook the URL of your blog or biz so she can add you to the participating peeps and biz on MauiSMUG page. Please let me know the amount you donated so we can tract at the end of the campaign how much we’ve donated from this campaign. The amount of your particular donation will not be posted on the web, only the fact that you donated.

Seit dem Wochenende hat es in mir gebrodelt. Und bei Manuela ebenfalls. Lizas Aufruf ist ein Stupser zur rechten Zeit. Wir haben gespendet.

Spenden auch Sie für die Opfer des Taifuns in den Philippinen. Eine Liste der deutschen Konten von Hilfsorganisationen finden Sie auf der

Spendenseite des ZDF.

Helfen Sie. Spenden Sie. Mahalo for your Kokua.

Und sagen Sie Ihren Bundestagsabgeordneten, dass das Klima keine Verhandlungssache ist.

Bildquelle: NASA Goddard Photo and Video (CC BY 2.0)

Vorsicht #Neuland!

Vorsicht #Neuland!

Bei mir scheint es vordergründig etwas ruhiger zu sein, doch im Hintergrund werkele ich an ein paar Dingen und Weichenstellereien. Wenn ich mich denn doch etwas weiter aus der Deckung wage, dann beherrscht ein Themenkomplex sämtliche Spären: PRISM, Tempora, NSA, BND und unsere Kanzlerin.

Unsere Kanzlerin höchstpersönlich lässt aber auch keine Gelegenheit aus, um sich nicht festzulegen und um wozu auch immer nichts zu sagen. Gestern auf der letzten Bundespressekonferenz vor der Sommerpause war sie besonders stark darin. Das haben dann beispielsweise die ZEIT und die Süddeutsche (aus .de) bemerkt. Angeblich brachten ein paar Fragen nach Prism Merkel in Bedrängnis. Bei diesem Themenkomplex hängt aber alles irgendwie mit diesem Neuland zusammen. Und da muss man eben nun mal vorsichtig sein mit diesem Neuland.

Es soll jedoch Leute und Institutionen geben, die das Neuland einfach mal neugierig betreten. Das finde ich ja auch gut.

Andere stellen erst einmal ein Schild auf:

Vorsicht Neuland! Vor Betreten wird gewarnt, Betreten auf eigene Gefahr!

Und wenn man später einmal fragt, warum das Schild da steht, weiß keiner mehr so genau warum. Und Leute, die das Neuland dennoch betreten, werden als Spinner oder sogar als gefährliche Abweichler betrachtet.

Ich bin da aber beruhigt, unserer Kanzlerin Angela kann das nicht passieren. Sie hat schließlich keine Ahnung, da wird sie doch wohl nicht so unverantwortlich sein und Neuland betreten.

Im Gegenteil: Sie wird darauf achten, anderen eine Liste mit Fragen zu schicken. Also solchen Leuten, die sich mit dem Neuland auskennen. Denn bei uns hier scheint das mit dem Auskennen doch etwas schwieriger zu sein. Bei dem Friedrich beispielsweise. Oder dem BND. Oder dem Pofalla (BTW: Kennt sich einer aus, wo der gerade ist?). Oder unserer Prismela.

Ist auch kein Wunder: Die halten sich schließlich alle an ihre Warnung vor dem Neuland auf dem Schild vor dem Kopf.

Beispiel PGP Public Key Block

Beispiel PGP Public Key Block

Mit der Verschlüsselung von Nachrichten ist das so eine Sache: Kaum einer macht es. Erstaunlicherweise bieten gerade Journalisten keine Verschlüsselung an. Whistleblower wie Ed Snowden haben es da schwer. Ich sage: Verschlüsselung – ja danke!

Der unverschlüsselte Journalist

Die Kommunikation zwischen Edward Snowden und dem Guardian wäre fast gescheitert, weil der Journalist Glenn Greenwald sich nicht mit verschlüsselten Emails auskannte. Burkhard Schröder analysiert auf Telepolis eine Umfrage in deutschen Redaktionen, ob diese Konsequenzen aus PRISM, Tempora et cetera ziehen und man ihnen verschlüsselte E-Mails schreiben könne. Letztendlich macht es keiner, und Schröder fragt sich „Warum?“:

Trotz der bitteren Einsicht, dass die gesamte digitale Kommunikation überwacht und belauscht wird, weigert sich die übergroße Mehrheit der deutschen Journalisten, daraus irgendwelche persönliche Konsequenzen zu ziehen. Warum?

[ Burkhard Schröder: Verschlüsselung – nein danke! ]

Mit inzwischen über 500 Kommentaren ist eine lebhafte Diskussion über die Anwendung von Verschlüsselung entstanden. Da wird dann auch die Frage gestellt „Und wie sieht das bei heise aus?„. „Member of the Inner Party“ bekommt keine Antwort darauf, lieber stürzen sich die Kommentatoren auf technische Details.

Ich gehe auf die Suche. Das Impressum der Telepolis-Website scheint mir in der Navigation der beste Einstieg zu sein. Jede Menge Emailadressen zum Abtippen, aber Angaben zu Verschlüsselung? Fehlanzeige. Über „Heise Online“ würde ich lediglich auf andere Angebote des Verlags gelangen, zu Themen und zum Shop. Die weitere Navigation: Politik, Wissenschaft, Energie & Klima, Kultur, Medien, Magazin, Mobil, Newsletter, Newsfeed und in der Fußzeile noch Datenschutzhinweis. Fehlanzeige – es sei denn die Angaben befinden sich wirklich auf einer dieser Seite. Offensichtlich wäre das für mich jedenfalls nicht.

Und Burkhard Schröder? Vorbildlich. Auf seiner Seite „Impressum | E-Mail-Policy“ erläutert er als Journalist sein umgang mit unverschlüsselten und verschlüsselten Anfragen:

Ich beantworte keine unverschlüsselten journalistischen Recherche-Anfragen! Bitte benutzen Sie meinen öffentlichen Schlüssel.

I do not answer unencrypted investigation requests! Please use this public key:

burks@burks.de(0xC23A7B46)pub.asc – | ID 0x2E47F7D2 | Fingerprint: 6EAA 48C5 C7FB FBCB DA5F 0391 37D5 33B1 2E47 F7D2

Unverschlüsselte E-Mails | Unencrypted E-Mail

Wenn Sie mir unverschlüsselte E-Mails (elektronische Postkarten) schicken, stimmen Sie automatisch zu, dass ich den Inhalt journalistisch verwende und eventuell publiziere. Regenzauber und magische Beschwörungen à la “diese E-Mail enthält vertrauliche oder rechtlich geschützte Informationen” sind juristisch unwirksam, sinnlos und werden von mir ignoriert.

Und ich? Ich bin nicht nur Journalist :-D sondern auch Bürger und Selbständiger.

Ich bin verschlüsselt

Nachdem ich vor ein paar Jahren schon mit PGP gearbeitet hatte, stellte ich es wieder ein. Einen gewissen Anfangsaufwand braucht es zwar schon, aber soooo umständlich ist es dann dochnicht. Jedoch: So gut wie niemand, mit dem ich mich unterhielt, benutzte Email-Verschlüsselung oder wusste sogar nichts davon.

Doch es geht mir ums Prinzip.

VPN – Virutal Privat Networks

Inzwischen benutze ich Virtual Private Networks für den Aufbau einer verschlüsselten Verbindung zwischen meinen Endgeräten (Windows-PC, Macbook Pro, iPad, Samsung S3) und „diesem Internet“ aka #Neuland. Teilweise zu Hause und immer, wenn ich mich in öffentlichen WLANs bewege (beispielsweise auf Konferenzen oder Telekom Hotspots). Falls Sie wissen wollen, wie das geht, erkläre ich es Ihnen gerne. Fragen Sie ;-)

PGP – Pretty Good Privacy

Pretty Good Privacy ist ein Verschlüsselungsverfahren, das vor über 20 Jahren entwickelt wurde. Etwas umständlich für Otto Normalbürger, aber es geht. Inzwischen gibt es für Windows und für Mac entsprechende Pakete zum Herunterladen, die Einrichtung und Anwendung relativ einfach machen. Falls Sie wissen wollen, wie das geht, erkläre ich es Ihnen gerne. Fragen Sie ;-)

Ab sofort können Sie mir eine PGP-verschlüsselte Email senden. Bitte beachten Sie, dass ich PGP-verschlüsselte Nachrichten nur mit Notebook oder Desktoprechner abrufen kann. Falls ich mobil mit iOS und Android unterwegs bin, müssen Sie leider etwas warten. Dies ist mein öffentlicher PGP-Schlüssel:

frank-hamm@frank-hamm.com.asc | ID 838B49C3 | Fingerprint D3AC 7612 05F2 A852 EE68 FFDF 5034 3CA8 838B 49C3

Und sonst?

Ich nutze gerne Cloudanwendungen wie Sugarsync oder Google Drive. Außer Email gibt es noch weitere Kommunikationsdieste oder Protokolle wie Instant Messaging oder VoIP. Nach und nach werde ich mir weitere Punkte anschauen. Es ist nicht einfach, besonders da der Bequemlichkeitsfaktor eine Rolle spielt ;-) Weitermachen werde ich mit der Email-Verschlüsselung S/MIME.

Aber manchmal muss man einfach mal anfangen und machen. Wer hat schon gesagt, dass das Leben einfach sei? Machen Sie mit?

P.S. Und ja: Ein Hinweis und der Link auf meinen öffentlichen PGP-Schlüssel sind jetzt in meinem Impressum ;-)

Code Literacy

Code Literacy gehört in unserer Welt dazu. Ohne Lochstreifenprogrammierung in der Oberstufe wäre ich nicht über 30 Jahre später in der PR gelandet.

  • In der Oberstufe im Gymnasium Michelstadt war ich in einer Programmier-AG, die viel Spaß gemacht hat. #70er
  • Bei der Bundeswehr war ich Feuerleitoffizier. Zum Zeitvertreib während der langen, teilweise mehrtägigen Wach- und Bereitschaftsdienste und aus Interesse haben wir uns zunächst C64 und später PC-kompatible Rechner geholt. Gespielt, gepoked und programmiert. Später habe ich Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Informatik und Organisation studiert. #80er
  • Großrechnerprogrammierung, Beratung, Controlling, Business Data Warehouse – überall war dieses IT dabei. #90er
  • Intranet aufgebaut, interne Kommunikation, Web 2.0, Bloggen, Kommunikation, PR-Studium. Mit dabei: Programmieren, Verständnis für Zusammenhänge im Digitalen und mit der Kommunikation. #00er
  • Consultant in Kommunikationsagentur. Überall ist dieses Digitale dabei. Über vieles Unwissen über dieses Digitale schüttele ich den Kopf, da fehlt grundsätzliches Verständnis. #10er

Ich habe viele Sprachen gelernt: Basic in verschiedenen Varianten, COBOL, PL/I, Pascal, Turbo Pascal, Object Pascal, ABAP, C, VBA, SGML, SQL, Oracle PL/SQL, HTML, XML, PHP, Java, Deutsch, Englisch, Latein, Französisch, Neu-Griechisch, Spanisch. Alle mehr oder weniger intensiv und gut. Viel Gelerntes habe ich wieder vergessen, doch eines blieb bei mir haften:

Wer programmiert, lernt eine Menge über Kommunikation, Sprachen, Verständnis und Übersetzung.

<?php
$statement = „Das eigentliche Problem beim Programmieren war für mich eigentlich nicht die Sprache, sondern es waren die Fragen und die Antworten über die Daten: Woher, wohin, welches Format, wie kann ich zugreifen, darf ich sie verwenden, wer hat die Hoheit über die Daten, woher bekomme ich die Freigaben zur Verwendung, wer soll die Daten wann erhalten, wie sollen sie aufbereitet werden, sollen sie gedruckt werden? Gibt es Rückmeldung vom User über die Daten, ändert er die Daten vielleicht sogar? Muss ich versionieren?

Das erforderte ständige Kommunikation und Hineindenken in andere.

Zwangsläufig kam es zu meist unbeantworteten Fragen wie: Wer könnte wie dafür sorgen, dass ich mich um so Zeug später nicht wieder kümmern müsste, dass ich nicht jedes Mal von vorne anfange, alles unklar ist, es zu ewig langen Meetings und Diskussionen kommt? Welche bestehende Daten gibt es zur Aufgabenstellung im Unternehmen? Könnte man das rund um die Daten nicht besser planen?

Kurz gesagt: Eine Datenstrategie fehlte immer.“;
echo $statement;
?>

Und heute?

<?php
$onceuponatime = array(„Daten“, „Datenstrategie“, „fehlte“);
$nowadays = array(„Inhalte“, „Content Strategy„, „fehlt“);

$newstatement = str_replace($nowadays, $onceuponatime, $statement);
echo $newstatement;
?>

Wer programmiert, lernt viele – vor allem die richtigen – Fragen zu stellen, zuzuhören und zu antworten. Auch solche, die in der Kommunikation gerne für die Umsetzung und in der Fachabteilung beim Kunden vorgesehen werden. Programmierer wissen: Dann ist es meistens zu spät. Vielleicht deswegen kommt die Idee der Content Strategy aus der digitalen Welt.

Von Jahr zu Jahr verschiebt sich das Verhältnis der Wirtschaftssektoren immer weiter zu Gunsten des Quartätsektors. Als Teil der Informatik wird auch das Programmieren immer wichtiger:

Computer science is transforming industries–and igniting a renaissance in the creating of things. Just as in the 1950s, when writing and communications skills became the essence of the paradigmatic „white collar“ job, increasingly every artisan, manufacturer, and entrepreneur who makes something will need to code.

[ Coding Is Coming To Every Industry You Can Think Of, Time To Start Learning It Now]

Deswegen sollte Informatik in Schulen unterrichtet werden.

Aber man kann ja nie wissen, was Politiker so darüber denken. Schließlich ist die digitale Revolution weitgehend abgeschlossen.

Nachtrag (03.06.2013): Passend dazu von Frank Bergmann – Fremdsprache oder Programmiersprache

 

Haben Sie alte Dinge, die Sie loswerden wollen? Beispielsweise vor einem Umzug oder bei einer Haushaltsauflösung? Und Sie denken darüber nach, die alten Dinge zu verkaufen? Tun Sie es nicht! Verschenken Sie sie beispielsweise an den Secondhand-Laden des SPAZ Mainz.

Hinweis: SPAZ Mainz gibt es nicht mehr! Bitte rufen Sie mich auch nicht an, ich kann Ihnen zum Thema SPAZ, Abgabe von Möbeln oder Haushaltsauflösung nicht weiterhelfen!

Umzugskartons

Bei unseren Umzugsvorbereitungen hatten wir viele Dinge entdeckt oder ausgewählt, die wir nicht in unser neues Zuhause mitnehmen wollen. Bereits als meine Frau und ich 1999 zusammenzogen hatten wir zwei Toaste, zwei Brotmesser, eine überflüssige Vitrine und vieles mehr. Im Laufe der Jahre hat sich im Haus und vor allem im Keller einiges angesammelt. Vieles ist zum Wegwerfen zu schade. Also überlegten wir, die Sachen zu verkaufen. Doch wir fanden eine bessere Möglichkeit: Wir haben sie verschenkt an den Secondhand-Laden vom Sozialpädagogisch Allgemeinbildenden Zentrum (SPAZ). Das SPAZ ist

Weiterlesen

Endlich ist sie da, die große Organspende-Reform. Stolz verkünden die deutschen Politiker, was sie so gut können: Einen Kompromiss, der vor allem das Geld der Bürger kostet. Ein Kommentar.

Seit Jahren schwelt die Diskussion um eine Reform der Organspende in Deutschland. Endlich haben unsere Politiker diese Diskussion zu einem Ende gebracht und die Organspende grundlegend reformiert. Bislang musste ein Bürger zu Lebzeiten explizit der Spende seiner Organe nach seinem Tod zustimmen und damit einem Erkrankten oder Verunglückten möglicherweise nicht nur dessen Gesundheit sondern auch das Leben retten. Und jetzt ist das alles ganz… genauso.

Auch jetzt muss jeder Bürger der Entnahme und Verwendung seiner Organe nach seinem Tod explizit zustimmen. Das ist also das Ergebnis der großen Organspendereform. Egal ob Regierung oder Opposition: Alle sind stolz auf dieses Ergebnis. Denn jetzt ist alles irgendwie ganz anders. Denn jetzt werden die Bürger regelmäßig von ihren Versicherungen per Brief daran erinnert, dass sie ihre Organe nach ihrem Tod einem guten Zweck zur Verfügung stellen können. Ganz unverbindlich, wie das Politiker so gerne machen: Den Bürger nett um seine Meinung fragen und ihn nur nicht zu etwas bedrängen, was seine Stimme kosten könnte.

‚Die Regelung akzeptiert, wenn Menschen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht entscheiden wollen‘, sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). ‚Aber es wird nicht lockergelassen.‘ Der Minister sprach von einem nachhaltigen Schritt.

[ Zeit.de: Bundestag beschließt Organspende-Reform ]

Nachhaltig wird es vor allem den Geldbeutel des Bürgers kosten. Da wird nicht lockergelassen. Nachhaltig eben. Denn wer wird den Verwaltungsapparat bezahlen, der um diese zusätzliche (noch eine eben, die fällt gar nicht auf) Bürokratie im Gesundheitswesen entstehen wird? Die Versicherungen? Nein, denn das sind entweder die Gesetzlichen Krankenversicherungen (die sowieso trotz kurzfristiger Überschüsse immer chronisch knapp bei Kasse sind) oder die Privaten Krankenversicherungen (die als Wirtschaftsunternehmen auf den Gewinn ihrer Eigentümer bedacht sind und sein müssen). Beide holen sich die Kosten für die Erstellung und den Versand des Briefes und des umfangreichen Informationsmaterials und vor allem die Kosten für die Verwaltung der Verwaltung (wann hat Herr Meier zuletzt… wann ist er wieder dran…) von ihren Beitragszahlern zurück. Das sind die Politiker, die… halt! Das sind ja gar nicht die Politiker, die den Kompromiss verhandelt und beschlossen haben! Das sind die Bürger!

Sie sind das! Genau sie da vor dem Display (altdeutsch: Bildschirm)! Sie werden dafür zahlen, dass Sie zukünftig regelmäßig und aufwändig gefragt werden, ob Sie bei Ihrer Meinung bleiben oder nicht. Also nichts anderes wie eine Wahl, dessen Kosten Sie aus Ihrem Geldbeutel finanzieren. Also wie eine kleine Bundestagswahl mit Wahlkampf davor. Vielleicht auch nur eine Landtags- oder Kommunalwahl. Aber Sie haben die Wahl.

Eine Organspende-Reform, die die Bezeichung „Reform“ verdient gehabt hätte, wäre eine solche gewesen:

  • Ab 1. Januar 2013 ist jeder Bürger per Gesetz Organspender.
  • Der Bürger oder sein gesetzlicher Vertreter kann dem widersprechen (beispielsweise aus religiösen oder persönlichen Gründen).
  • Der Widerspruch kann formlos ohne Angabe von Gründen erfolgen und muss hierfür vom Bürger schriftlich bei sich getragen werden („Organ-Nichtspender-Ausweis“).

Das wäre eine Reform gewesen. Aber möglicherweise hätten ein paar Bürger eine andere Meinung vertreten, diese bei der nächsten Wahl dokumentiert und einem Politiker ihre Stimme verweigert. Das wäre einfach zu teuer gewesen – dem Politiker natürlich.

Typisch deutsch: Niemandem wehtun, dafür einen teuren Kompromiss aushandeln, eine Verwaltung aufbauen (damit das seine Ordnung hat), den Bürger dafür bezahlen lassen und irgendwann eine parteiübergreifende Initiative für Bürokratieabbau verkünden. Die kommt, da muss ich nicht lange wählen, da halte ich jede Wette.

 

Am 8. Juni 2012 ist der diesjährige Welthirntumortag. Mit dem Welthirntumortag erinnert die Deutsche Hirntumorhilfe an die Situation von Hirntumorpatienten. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 7.000 Menschen an einem bösartigen Hirntumor. Dazu kommen noch etwa 50.000 Menschen, die an Hirnmetastasen erkranken, die durch andere Krebsarten wie Lungenkrebs verursacht werden.

Der Welthirntumortag soll die Öffentlichkeit auf die Situation von Hirntumorpatienten aufmerksam machen und Solidarität mit den Betroffenen und ihren Angehörigen wecken. Der Aktionstag auch eine Mahnung an die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft sein, sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen.

[ Hintergrundinformationen zum Welthirntumortag ]

Am 8. Juni 2012 ist Welthirntumortag

Aus Anlass des Welthirntumortages finden deutschlandweit zahlreiche Veranstaltungen statt. Neugierige, Wissbegierige, Patienten und Angehörige können sich über Hirntumore, ihre Ursachen und ihre Behandlung informieren.

Tag der offenen Tür am Hirntumorzentrum Frankfurt

Die erste Veranstaltung ist der Tag der offenen Tür des 2008 gegründeten Hirntumorzentrums Frankfurt an der Uniklinik der Johannes Wolfgang Goethe-Universität. Von 10 bis 16 Uhr beantworten Experten Fragen zu Ursachen und Symptomen von Hirntumoren sowie zu diagnostischen Verfahren und Therapiemöglichkeiten. An Mikroskopierstationen können Sie gutartige und bösartige Hirntumore betrachten. Besichtigen Sie Kernspintomographen oder einen echten Operationsaal.

Tag der offenene Tür im Hirntumorzentrum Frankfurt

Veranstaltungsort: Zentrum der Neurologie und Neurochirurgie (Haus 95), Schleusenweg 2 – 16, 60528 Frankfurt (Niederrad).

Weitere Veranstaltungen

  • 06.06.2012: Informationsveranstaltung im Universitätsklinikum , Gießen
  • 06.06.2012: Faszination Gehirn , Münster
  • 08.06.2012: Selbsthilfesprechstunde, Göttingen
  • 08.06.2012: Informationsveranstaltungen zu Gliomen, Mainz
  • 08.06.2012: Informationsstand zu Hirntumoren ; deren Therapie, Köln
  • 11.06.2012: Informationsveranstaltungen zu Hirntumoren, Solingen
  • 12.06.2012: Informationsveranstaltungen für Patienten, Stuttgart
  • 21.06.2012: Operationen von Hirntumoren früher und heute, Landshut
  • 23.06.2012: Zumbathon Charity Event, Aldenhoven

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Welthirntumortag sowie zu den einzelnen Veranstaltungen (Programmdownloads als PDF) gibt es auf der Aktionsseite zum Welthirntumortag 2012 der Deutschen Hirntumorhilfe.