Kolumne

Manchmal – eigentlich sogar recht häufig – frage ich mich:

Warum tust Du Dir das an mit den vielen Links, dem Verlinken in Artikeln? Die Verlage machen das doch auch nur *hüstel* eher selten!

Dann sage ich mir:

  • Das gehört irgendwie dazu.
  • Das ist Dienst am Leser, damit er Deinen Artikel einordnen kann. Damit er die Quellen prüfen und einordnen kann. Damit er sich weitergehend informieren kann. Damit er souverän mit Informationen umgehen kann. Der Leser ist nämlich Dein König.
  • Damit das Netz vernetzt ist. Und Du bist Teil des Netzes, ein Teil dieses Ökosystems, das Du nicht nur ausbeutest sondern es wachsen und gedeihen lässt.
  • Damit Du anderen Autoren etwas zurückgeben kannst mit den Links. Damit ihre Artikel und ihre Leistungen gewertschätzt werden. Also praktisch wie eine Art von Leistungsschutzrecht im Kleinen.

Aber dann bin ich verwirrt und frage ich mich:

Warum also machen das die Verlage nicht?

Und dann bin ich erst einmal sprachlos.

Schließlich sage ich nachdenklich, still und leise:

Blogger bloggen. Das ist Deine Natur. Vielleicht bist Du eher so der Frosch-Typ. Verlage sind irgendwie anders.

P.S. Kennen Sie die Fabel vom Frosch und dem Skorpion?

P.P.S. Huch, doch noch ein Link…

Der @tspe hat gesprochen: Social Media machen dumm – in Echtzeit. Eine Replik wäre jetzt gut, ganz slow aus einer hinteren zweiten oder dritten Reihe heraus, das wäre gut fürs Karma. Doch ich muss doch weiter, schnell einen Tweet, am Besten einen Retweet von irgendwem, das ist doch echtzeitiger. Dumm werden die anderen, ich bin dann weg.

Social Media Manager sind auf der Jagd nach dem One-Click-Wonder. Noch immer sind es Klicks, die als Indikatoren für alle möglichen Aggregatzustände eines Nutzers (engaged!) herhalten müssen. Einfach, weil diese am schnellsten und einfachsten zu generieren sind. Und schnell muss es gehen, am besten in Echtzeit! Auf Facebook!

Ich bin unentschlossen. Darf ich nach dem Facebookbashing im Artikel den Artikel auf Facebook so auf die Schnelle so unreflektierend (mit-)teilen! Oder gar nur liken? Als „Der Taumler“ mit einem kurzen taumelnden Kommentar einen Link, das müsste reichen. Eigentlich. Doch Thilo mosert über das flache und schnelle Hula-Hoop der tanzenden Social Media-Darbieter und Tänzer. Und der Taumler, das ist doch Tumblr, das ist fast wie Twitter. Ein Tweet gleich also noch aus dem Taumler heraus botmäßig herausgeschossen?

Ist das nicht doch zu flach, zu Echtzeit? Müsste ich mir nicht mehr und tiefgehende Gedanken machen, sie in Word abseits der Social-Media-Echtzeitwelt erfasssen? Und dann am besten ein E-Paper, nein, ein Buch herausbringen… oder einen Blogartikel?

Gut, dass mir ein „ager“ fehlt. So bin ich nur ein „Social Media Man“. Und außerdem habe ich keinen roten Iro, mir kann ihn keiner wegsemmeln. In Echtzeit schon gar nicht. Ob ich drei oder fünf Minuten warte, oder ob ich jetzt… wann jetzt ist, das bestimme ich. Ich mache das Ereignis, nein: Ich bin das Ereignis. Und wenn ich nicht will, dann… bin ich dann doch out?

Sorry, dass dies ein Blog ist. Das war einmal eine gute Idee, aber jetzt gibt es Facebook, Twitter, Pinterest, Quora, StudiVZ, Brightkite, Gowalla, Jaiku… ach, echt? Wie die Zeit vergeht.

Ich bin verstört, diese Welt ist zu schnell für mich.

Das liegt sicher daran, dass Thilo den Text zu lang hat werden lassen. Das ist unverantwortlich. Mensch, was hätte ich da eine Menge Tweets daraus gemacht. Mensch Thilo, die Chance hast Du vertan :-(

 

Ich bin im Web (noch) älter geworden, während das Web 2.0 seinen Siegeszug antrat. Mittlerweile spricht kaum noch jemand von Web 2.0. Man hat es hinter sich gelassen, angeblich verinnerlicht. Noch schlimmer ist es mit einem Wort, das wie kaum ein anderes die Besonderheiten und den Siegeszug des Web 2.0 kennzeichnet: „Beta“. Doch es ging verloren wie das Web 2.0. Einfach so.

Web 2.0

Als ich im Jahr 2005 mit dem Bloggen begann gab es kaum einen neuen Webdienst oder ein Startup, das sich nicht mit einem „Beta“-Label oder -Badge schmückte. Flickr trieb es so weit, dass sie sich bei einem Relaunch selbstironisch das Label „Gamma“, dem nächsten Buchstaben im griechischen Alphabet, anhefteten. Nun, das Flickr von damals ist Geschichte. Das „Beta“ leider auch.

In letzter Zeit musste ich immer wieder an diese Sturm- und Drangphase denken, als Fehler und Blogartikel darüber an der Tagesordnung waren (zur Erläuterung an die „Digital Natives“: Twitter und Facebook spielten noch überhaupt keine Rolle, damals). Ein Startup launchte, wies auf seinen „Beta“-Status hin, fiel zunächst auf die Nase, wir berichteten darüber (oder sorgten sogar dafür), die Jungs oder/und Mädels lernten daraus, standen auf und machten weiter. Und wir berichteten darüber. Das war in Ordnung so, das war Beta.

Beta war Programm und Bestandteil eines Lernprozesses.

„Der einzige Fehler: Ihn zwei Mal machen“

Fehler zu machen gehörte einfach dazu. Zu nahezu allem. Fehler machen war normal. Jeder durfte und sollte Fehler machen. Der einzige wirkliche Fehler war, ein und denselben Fehler zwei Mal zu machen. Denn dann bedeutete dies, dass man aus dem Fehler nicht gelernt hatte. Dazu waren die Fehler nun mal da: Zum Lernen.

Irgendwie waren wir alle mehr oder weniger „fehlertolerant“. Wir wussten, dass auch wir lernten. Wir liefen mit einem eingebrannten „Beta“ in der Stirn herum. Wir erkannten uns. Der große Rest hatte es nur noch nicht kapiert. Die waren immer noch verbohrt und wollten die 120-prozentige fehlerfreie Lösung, am besten zu Beginn des zweijährigen Projektes genau so geplant und dann… „Go Live! Yeah!“. Mission fullfilled. Gratifikation auf dem Konto.

Wir wussten es besser. Doch dann wurde das Web 2.0 erwachsen und irgendwann nannten sie es…

Social Media und Enterprise 2.0

Da ging auch alles sehr schnell und es lief auch mal etwas schief. Aber da war ja der Shitstorm, der einen Fehler sofort anprangerte. Alle lachten und waren froh, dass es sie nicht erwischt hatte. Die Erwischten liefen rot an oder ignorierten den Shitstorm. Irgendwann beruhigte sich das Social Media Web 1.0 wieder. Es war ja auch irgendwie eine abgeschlossene Welt von Tech- oder Kommunikations-Nerds.

Dooferweise sprangen immer mehr Unternehmen auf den Social Media-Zug auf. Nachdem sie (und vor allem die Berater) mit Enterprise 2.0 doch nie so richtig ernst genommen worden waren hatten sie jetzt ein goldenes Kalb gefunden, das ihnen goldene Eier legen sollte. Social Media verhalf dem alten Enterprise 2.0 von 2006 zu neuem Elan.

Da sprach man dann von „einem neuen Typ von Unternehmen“, das Kollaboration, Kommunikation und Prozesse optimieren würde. Social Media als Infrastruktur und horizontale Schicht darübergelegt – das war der neue Trend. Und dies sorgte schließlich dafür, dass es kaum noch Fehler gab. Oder man hörte zumindest kaum von welchen Fehlern. Auf den verschiedenen Kongressen erfuhren wir von immer mehr „Success Stories“.

Und wenn es schief ging? „Shitstorm“ war das neue Bingo. Egal ob intern oder extern etwas nicht geklappt hatte: Schnell einen Shitstorm drüber, und die Sache war erledigt. Ganz Gewiefte nahmen dieses Socialdingens und legten es mit Geschäft zusammen. Das war dann…

Social Business

Spätestens mit Social Business verloren wir alle unsere Unschuld, und unser eingebranntes „Beta“ verblasste. Denn bei wirklich ernsthaftem Geschäft, da macht man keine Fehler. Man zahlt dem Beratungshaus, dem selbständigen Berater und vor allem dem eigenen Mitarbeiter kein Geld dafür, dass diese dann einen Fehler machen. Das könnte auf einen zurückfallen. Außer man bekommt sein Geld zurück, und der Fehler verschwindet unter dem Niebel des Vergessens (Ich bitte um Verzeihung. Es sollte heißen „Nebel des Vergessens“ oder „Teppich des Vergessens“, die Versuchung für diesen Fehler war zu groß). Vor allem, weil die besonderen aber einflussreichen Minderheiten, Analysten und Investoren, keine Fehler verzeihen. Denn sie machen nie welche. Deswegen muss der Aktienkurs immer steigen.

Und man macht das Fehler machen auch nicht zum Geschäftsprozess. Plötzlich war das Fehler machen wieder das Versagen. Und wer versagt, den prangern wir an. Der darf seinen Fehler auch nicht korrigieren. Der bekommt sein Versagen unmißverständlich vorgehalten, denn wir wissen es ja besser.

„Fehler!“

Ich habe mich akklimatisiert. Ich ließ mich von der neuen schönen Welt assimilieren. Wenn jemand einen Fehler macht, dann schreie ich „Fehler!“. Da hat mal wieder jemand versagt. Mir passiert sowas natürlich nie. Ich habe dieses eingebrannte „Beta“ auch nicht mehr. Viele andere anscheinend auch nicht mehr.

Gestern abend schaute ich im ZDF den „Twitter-Jahrhundert-Skandal“. Ich nenne ihn jetzt einmal so, weil ich diesen Tenor in Blogs, auf Twitter und auf Facebook spüre. Ich habe während der rührseligen Twitterversuche von Oliver Kahn und Jeannine Michaelsen auch gelacht. Irgendwie hatte ich den Eindruck, beide wussten nicht wirklich, um was es bei Twitter geht. Oder sie konnten es nicht vermitteln. Oder sie waren nervös (vielleicht sogar der Oli, weil es was Neues und Unbekanntes ist). Kai Thrun hat es den „Twitter-Vorfall“ genannt. Thrun stimmt jedoch nicht in das allgemeine Gelächter ein und meint, der Twitter-Vorfall im ZDF decke viel mehr auf als eine Accounteinrichtung.

Beta

Da fasse ich mir jetzt an die eigene Nase. Wo ist meine Signatur, mein eingebranntes „Beta“ geblieben? Wieso habe ich in der letzten Zeit bei so vielen Fehlern von anderen eingestimmt und sogar laut (d.h. im Netz) gelacht? Wieso haben wir einen nicht angemeldeten niebelschen Teppich zur Staatsaffäre hochstilisiert?

Wir tun so, als solle jeder doch auch mal dieses Social Media ausprobieren. Und wenn er es tut, dann war das nix. Denn wir erwarten Perfektion.

Doch Beta, das ist das Wissen um die eigene Unvollständigkeit. Das Wissen, das andere auch nicht anders sind. Das andere ebenfalls ihr ganzes Leben lang lernen, und dass es nicht immer beim ersten Mal klappt. Aber auch, dass es andere gibt, die einem helfen. Andere, die auch nicht hundertprozentig sind. Die Welt ist so komplex und schnell geworden, dass wir einfach kaum noch elendiglange Projektpläne mit in Beton geschriebenen Projektergebnisse schreiben können. Und wenn, das war das ein Fehler. Denn es gibt immer einen, der schneller und besser ist. Auf der Autobahn, auf dem Sportplatz, im Job, im Bett.

Wir sind nicht der Gipfel der Schöpfung. Wir sind Beta.

Warum also sind wir im Leben inzwischen so wenig Beta? Wo ist unsere Fehlertoleranz geblieben? Warum müssen wir so oft und so gerne einen Shitstorm (mit-)lostreten?

Weil wir Menschen sind. Menschen machen keine Fehler. Das haben wir so gelernt. Deswegen haben wir das Wort „Beta“ verloren. Aber wir können es wieder finden. Wir müssen nur wollen.

 

Führung, Leadership, Netzwerk-Generation, Kollaboration, Social Media, Enterprise 2.0, Social Business… Riesige Wortwolken überziehen den Medienhorizont, um die Herausforderungen und notwendigen Veränderungen in den Unternehmen für die nächsten Jahre zu skizzieren. Eine Glosse.

Immer wieder spielt dabei die Unternehmenskultur als Hauptdarsteller und Hemmschuh eine überragende Rolle. Sie, die „alte Unternehmenskultur“, basiere doch auf Hierarchiedenken aus dem letzten Jahrtausend. Sie müsse sich ändern, nein: Sie müsse aktiv verändert werden, um den neuen Herausforderungen in einer globalisierten, internationalisierten und beschleunigten Welt gewachsen zu sein.

Doch wer soll die Kultur eines Unternehmens verändern? Natürlich: Die Führungskräfte sind da gefordert. Sie schließlich führen das Unternehmen und vor allem seine Mitarbeiter durch die widrigen Umstände in der rauhen Wirtschafts- und Technologiensee. Die Führungskräfte wissen, wohin und wie das Unternehmen und die Mitarbeiter und vor allem sie selbst geführt werden müssen. Aber nein, bitte lassen Sie jetzt solche ollen Kamellen wie AEG, Neue Heimat, Coop, Klöckner oder Bremer Vulkan. Das waren früher mal Ausrutscher, also ganz früher. Schlecker? Also, ich bitte Sie… Hin zu mehr und besserer kollegialer Zusammenarbeit in einer auf Vertrauen basierenden Unternehmenslandschaft! Tschaka!

Das haben die Führungskräfte gelernt, das Führen!

Wirklich? Zeigen Sie mir ein Dutzend Führungskräfte aus den unterschiedlichsten Branchen, und ich zeige Ihnen ein Dutzend Fachleute. Fachleute, die sich in Wirtschaft, IT, Recht, Marketing oder sonstwas verteufelt gut auskennen – und die nie gelernt haben zu führen. Sie wurden „promoted“ weil sie Spezialisten auf einem oder mehreren Gebieten sind, und weil sie darin Erfolg hatten. Aber nicht, weil sie gut führen können und genau das auch gelernt haben. Sicherlich gibt es Naturtalente, die gut führen können oder es sich selbst beigebracht haben. Doch wer soll sie erkennen? Die „Führungskräfte“ darüber sind doch auch nur Manager und keine Führungskräfte.

Obwohl, ich kenne da eine Branche, in der werden die Führungskräfte tatsächlich zum Führen ausgebildet. Na ja, ich kannte diese Branche zumindest einmal. Ich bin da schon ein paar Jahrzehnte raus. Ich war ein paar Jahre in einer Branche, da wurde ich von Anfang an zum Führen ausgebildet. Erst als ich das gelernt hatte durfte ich an fachliche Themen ran. In meiner Ausbildung hatte ich so merkwürdige Fächer wie „Führungslehre“ und „Methodik“ und „Didaktik“. Denn in dieser Branche – nach einer Zählweise die älteste, nach einer anderen Zählweise die zweitälteste Branche der Welt – ist nichts so stabil wie der Wandel. Ständig kommt die Konkurrenz mit neuen Verfahren, neuen Mitarbeitern, neuen Techniken und neuen Allianzen.

Da muss man führen können, sonst verliert man nicht nur seine Gratifikation sondern auch seinen Kopf. Die Technik beispielsweise, die wurde sehr früh outgesourct. Das machen jetzt Unternehmen, dort muss man nicht führen können, da reichen noch Fachleute. Die eigenen Leute, die müssen richtig führen können und die Mitarbeiter überzeugen können. Denn wenn die nicht überzeugt sind und überzeugt handeln sondern im entscheidenden Moment kündigen oder sogar bei der Konkurrenz anheuern, dann heißt es für die Führungskraft „Rübe ab!“. Und das gilt nicht nur für die Linie. Jeder Auftrag ist da ja eigentlich ein wenn auch noch so kleines Projekt.

Ich war einmal in der Militärbranche, in der Bundeswehr. Dort lernt man das Führen von Mitarbeitern. Das Problem mit den Führungskräften in den Unternehmen jedoch ist die Führung. Die hat dort kaum einer gelernt. „Per Order Mufti“ habe ich viel öfters in Unternehmen als beim Militär erlebt. Aber es gab auch positive Ausnahmen. Meistens haben wir uns dann am Kaffeeautomaten oder beim Bierchen olle Kamellen aus unserer Zeit bei der Bundeswehr erzählt.

P.S.: Zu dieser Glosse hat mich der Beitrag von Stefan Pfeiffer animiert: „[DE] IBM CEO Studie: Führen durch Vernetzung im Zeitalter des Social Business

Endlich ist sie da, die große Organspende-Reform. Stolz verkünden die deutschen Politiker, was sie so gut können: Einen Kompromiss, der vor allem das Geld der Bürger kostet. Ein Kommentar.

Seit Jahren schwelt die Diskussion um eine Reform der Organspende in Deutschland. Endlich haben unsere Politiker diese Diskussion zu einem Ende gebracht und die Organspende grundlegend reformiert. Bislang musste ein Bürger zu Lebzeiten explizit der Spende seiner Organe nach seinem Tod zustimmen und damit einem Erkrankten oder Verunglückten möglicherweise nicht nur dessen Gesundheit sondern auch das Leben retten. Und jetzt ist das alles ganz… genauso.

Auch jetzt muss jeder Bürger der Entnahme und Verwendung seiner Organe nach seinem Tod explizit zustimmen. Das ist also das Ergebnis der großen Organspendereform. Egal ob Regierung oder Opposition: Alle sind stolz auf dieses Ergebnis. Denn jetzt ist alles irgendwie ganz anders. Denn jetzt werden die Bürger regelmäßig von ihren Versicherungen per Brief daran erinnert, dass sie ihre Organe nach ihrem Tod einem guten Zweck zur Verfügung stellen können. Ganz unverbindlich, wie das Politiker so gerne machen: Den Bürger nett um seine Meinung fragen und ihn nur nicht zu etwas bedrängen, was seine Stimme kosten könnte.

‚Die Regelung akzeptiert, wenn Menschen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht entscheiden wollen‘, sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). ‚Aber es wird nicht lockergelassen.‘ Der Minister sprach von einem nachhaltigen Schritt.

[ Zeit.de: Bundestag beschließt Organspende-Reform ]

Nachhaltig wird es vor allem den Geldbeutel des Bürgers kosten. Da wird nicht lockergelassen. Nachhaltig eben. Denn wer wird den Verwaltungsapparat bezahlen, der um diese zusätzliche (noch eine eben, die fällt gar nicht auf) Bürokratie im Gesundheitswesen entstehen wird? Die Versicherungen? Nein, denn das sind entweder die Gesetzlichen Krankenversicherungen (die sowieso trotz kurzfristiger Überschüsse immer chronisch knapp bei Kasse sind) oder die Privaten Krankenversicherungen (die als Wirtschaftsunternehmen auf den Gewinn ihrer Eigentümer bedacht sind und sein müssen). Beide holen sich die Kosten für die Erstellung und den Versand des Briefes und des umfangreichen Informationsmaterials und vor allem die Kosten für die Verwaltung der Verwaltung (wann hat Herr Meier zuletzt… wann ist er wieder dran…) von ihren Beitragszahlern zurück. Das sind die Politiker, die… halt! Das sind ja gar nicht die Politiker, die den Kompromiss verhandelt und beschlossen haben! Das sind die Bürger!

Sie sind das! Genau sie da vor dem Display (altdeutsch: Bildschirm)! Sie werden dafür zahlen, dass Sie zukünftig regelmäßig und aufwändig gefragt werden, ob Sie bei Ihrer Meinung bleiben oder nicht. Also nichts anderes wie eine Wahl, dessen Kosten Sie aus Ihrem Geldbeutel finanzieren. Also wie eine kleine Bundestagswahl mit Wahlkampf davor. Vielleicht auch nur eine Landtags- oder Kommunalwahl. Aber Sie haben die Wahl.

Eine Organspende-Reform, die die Bezeichung „Reform“ verdient gehabt hätte, wäre eine solche gewesen:

  • Ab 1. Januar 2013 ist jeder Bürger per Gesetz Organspender.
  • Der Bürger oder sein gesetzlicher Vertreter kann dem widersprechen (beispielsweise aus religiösen oder persönlichen Gründen).
  • Der Widerspruch kann formlos ohne Angabe von Gründen erfolgen und muss hierfür vom Bürger schriftlich bei sich getragen werden („Organ-Nichtspender-Ausweis“).

Das wäre eine Reform gewesen. Aber möglicherweise hätten ein paar Bürger eine andere Meinung vertreten, diese bei der nächsten Wahl dokumentiert und einem Politiker ihre Stimme verweigert. Das wäre einfach zu teuer gewesen – dem Politiker natürlich.

Typisch deutsch: Niemandem wehtun, dafür einen teuren Kompromiss aushandeln, eine Verwaltung aufbauen (damit das seine Ordnung hat), den Bürger dafür bezahlen lassen und irgendwann eine parteiübergreifende Initiative für Bürokratieabbau verkünden. Die kommt, da muss ich nicht lange wählen, da halte ich jede Wette.

 

Daniel Rehn hat einen wunderbaren Blogartikel veröffentlicht, der sehr viel – nach meinem Eindruck positive – Resonanz erzeugt. Daniel sagt „Mehr Spaß, weniger Ego: Wir haben die Renaissance des Bloggens selbst in der Hand„. Und er lügt sagt nicht so ganz die passende Wahrheit dabei. Denn er hat das Bloggen nicht selbst in der Hand.

Wahrheiten sind immer konstruiert. Hier ist meine konstruierte Wahrheit über mein „richtiges“ Bloggerdasein:

Das sind alles „Fremdplattformen“, die mir jederzeit den Stuhl unter dem Hintern wegziehen können. Genau das war nach meinem Verständnis ein Hauptkritikpunkt des Entertainers und der Gottschalk-Raab-Chimäre der Netzwelt Sascha Lobo in seiner Rede auf der Republica.

Doch da ist da noch dieses INJELEA-Blog. Dies ist und bleibt mein „Hub“, mein persönliches bei einem Dienstleister gehostetes Blog mit eigener Domain. Ja, ich twittere und produziere mich auf zig anderen Plattformen. Doch ich bin mein INJELEA-Blog. Mein eigenes Blog.

Es ist bezeichnend, dass Daniel die beiden ersten Links in seinem Blogartikel zu Sascha Lobos primären Präsenzen… auf TWITTER und SPIEGEL-ONLINE setzt! Dort produziert sich Sascha, dort fühlt er sich wohl. Sascha Lobo ruft in der Kolumne „Euer Internet ist nur geborgt“ auf zum mündigen Digitalbürger und fordert:

Der Weg vom Netzkonsumenten zum mündigen Digitalbürger führt nur über eine selbstkontrollierte Web-Seite, alles andere ist unterhaltsames, nützliches, schmückendes Beiwerk.

Und dies, das schlägt dem Faß den Boden aus, macht Lobo in seiner Kolumne auf Spiegel-Online. Einer Web-Seite, die er eben nicht selbst kontrolliert. Karl May würde seinem Protagonisten an diesem Punkt diese Worte in den Mund legen: „Irokese sprechen mit gespaltener Zunge!„.

Das ist mindestens nur unterhaltsam, nur schmucklos und wenig nützlich für mich. Genauso wie seine Präsenzen auf Facebook, Google+, Formspring oder woanders außerhalb seines Blogs. Sein Blog Saschalobo.com ist nur noch schmückendes Beiwerk.

Und Daniel Rehn? Er setzt die nächsten Links in seinem Blogartikel… zu den Präsenzen von Mario Sixtus, Robert Basic, Stefan Niggemeier, Richard Gutjahr… auf Twitter.

Und Daniel Rehn schreibt seinen Blogartikel auf seinem Blog auf WordPress.com. Wo er die Renaissance des Bloggens nicht selbst in eigener Hand hat. Noch nicht mal mit eigener Domain.

Schade eigentlich.

Email ist ein alter Hut. Längst gibt es viele verschiedene Clients, Webdienste und Tools. Vor allem gibt es 40 Jahre Erfahrungen mit dem Medium. Doch immer noch wird Email als Social Media und zur Collaboration vergewaltigt. Email ist weder sozial, noch taugt Email als Collaboration Tool.

Viele Posteingänge sind riesige Massengräber. Millionen Menschen verbrauchen jeden Monat unzählige Stunden damit, ihre Emails zu verwalten. Sogar Stefan „@Digitalnaiv“ schämt sich dafür, dass er ein Email-Sortierer ist. Und was ist, wenn Sie wirklich einmal eine bestimmte Email benötigen? Richtig: Sie haben sie entweder gelöscht. Oder Sie finden sie nicht, weil Sie sich nicht notiert haben, in welchen Ordner Sie sie damals sortiert haben oder mit welchem Tag (Schlüsselwort) Sie sie versehen hatten. Damals…

Email an alle: Blog

Mein Blog ist ein Wissensspeicher für andere und für mich.

In meinem Blog lege ich jeden Artikel in einen (oder ausnahmsweise mehrere) Ordner. Einige Artikel versehe ich mit Schlagworten. Doch das mache ich nicht für mich. Es ist einerseits als Orientierung für Leser (ja, auch für Sie!) gedacht und soll andererseits den Suchmaschinen helfen (damit potentielle Leser Artikel finden). Kategorien und Schlagwörter im Blog sind für andere Leser außer mir.

Suche

Wenn ich Blogartikel suche, dann suche ich. Punkt. Meistens sogar mit der Google-Suche und der „Site:“-Einschränkung. Die Google-Suche ist so gut, wie ich geschrieben habe. Also sehr…. :-D

Doch niemand außer mir soll meine Emails in meinem Emailspeicher lesen. Schon gar nicht eine Zensursula oder ein Schäuble 2.0. Warum also Emails verschlagworten und in Ordner verstecken?

Die Suchen der verschiedenen Emailprogramme sind so gut, dass ich mir keine Gedanken darüber mehr machen muss, welchen Ordner oder welches Schlagwort ich damals benutzt hatte. Bei Desktop-Suchmaschinen wie Spotlight oder Copernic muss ich noch nicht einmal wissen, ob der gesuchte Inhalt in einer Email oder einer Datei (im Dateisystem) liegt. Und dann gibt es die fantastische Google Mail-Suche. Sie erinnern sich an Google? Deren angeblich historisch belegte Spezialität ist Suchen und Finden…

Speicherplatz

„Ja, aber der Speicherplatz!“ werden Sie mir jetzt vielleicht entgegenschmettern. Und ich schmettere Ihnen entgegen: „Wann leben Sie denn, in welcher Dekade?“ Haben Sie schon versucht, die 25 GB Speicherplatzlimitierung bei Google Mail zu erreichen? Oder nutzen Sie den unbegrenzten Speicherplatz bei Yahoo! Mail auch nur zu zehn Prozent? Wieviele Gigas von Kilobytes hat Ihre Festplatte? Hallooooooo?

So geht Email

Email dient genau zwei Meistern:

  1. Schreiben
  2. Lesen

Bei einigen Emails trifft 1. zu, bei einigen (wahrscheinlich den meisten) Emails trifft 2. zu. Und bei einigen Emails gehen Sie nach 2. über zu 1. Das nennt man dann Antworten oder Weiterleiten.

Für beide Meister müssen Sie recherchieren. Dann suchen Sie. Punkt. Fangen Sie erst gar nicht damit an, zuerst nach Ordnern oder Schlagworten zu suchen, damit Sie suchen können. Suchen Sie!

„Aber ich muss doch…“? Wann?

Was müssen Sie? Antworten? Ablegen? Sie müssen Ihre Emails organisieren? Ja, das müssen Sie. Wenn Sie aufgrund einer eingehenden Email etwas tun müssen!

  • Jetzt? Können Sie sie jetzt innerhalb von etwa zwei Minuten beantorten beziehungsweise weiterleiten? Dann machen Sie das jetzt. Sofort!
  • Gleich oder etwas später? Dann markieren Sie die Email, in dem Sie sie mit einem bestimmten Schlagwort versehen oder in einen bestimmten Ordner legen (beispielsweise „Action“). Diese Emails arbeiten Sie einmal am Tag durch und beantworten (und archivieren!) Sie sie dann.
  • Irgendwann? Der Inhalt ist so interessant, dass Sie irgendwann (wenn Sie Ruhe und Zeit) etwas damit tun wollen? Recherchieren oder antworten? Markieren Sie sie (beispielsweise mit „Sometime“). Diese Emails arbeiten Sie einmal in der Woche durch und beantworten (und archivieren!) Sie sie dann.
  • Gar nicht? Dann archivieren Sie sie. So können Sie später jederzeit danach suchen, wenn Sie sie benötigen (ich hatte da doch mal eine Email..).

Das ist der einzige Zweck für die Verwendung von Schlagwörten oder Ordnern: Die Organisation Ihres Tuns, Ihrer Handlungen mit Emails.

Löschen?

Löschen Sie Emails nur dann, wenn es sich um SPAM handelt. Es sei denn, Ihr Email-Dienstleister gibt Ihnen nur ein oder sogar nur ein paar hundert Gigabyte. Dann wechseln Sie gleich (Action!) Ihren Email-Dienstleister und archivieren Sie dann.

Getting Things Done

Das ist Ihnen alles viel zu schnell, zu Galopp? Dann schauen Sie nach weiteren Inhalten (suchen Sie!), wie Sie Ihre Emails und Ihre Arbeit organisieren können. Ein guter Anfang ist die Getting Things Done-Methode von David Allen.

Sie können auch gerne hier im Blog kommentieren (und dabei eine Frage stellen). Aber bitte schreiben Sie mir keine Email! Das wäre mir nicht sozial und nicht kollaborativ genug :-)

Die E-Mail ist tot, es lebe die Email!

„Electronic“ ist englisch. „Mail“ ist englisch. „Email“ ist englisch. Nach 40 Jahren ist es an der Zeit, endlich den korrekten Anglizismus für elektronische Post (aka „E-Post“) zu verwenden. Werfen Sie endlich die E-Mail weg! Die E-Mail ist tot, es lebe die Email!

 

Liebe Telekom,

seit bald dreieinhalb Jahren habe ich ein iPhone. Zuerst war es ein iPhone 3, dann ein iPhone 4. Ich benutze es hauptsächlich als „Mobile Device“, als Endgerät für dieses neue Dingsda, dieses Internet. Also ist der Complete 120-Tarif gar nicht mal so grundverkehrt. Aber:

  • SMS brauche ich so gut wie nicht. Und wenn, dann zahle ich gerne ein paar Cent in den wenigen Fällen. Ich brauche keinen Tarif, in dem sowas enthalten ist.
  • MMS? Ich weiß noch nicht einmal, wofür die Abkürzung steht. Auch da brauche ich keinen Tarif, in dem 50, 100 oder noch mehr von diesen Dingern enthalten sind.
  • Telefonieren? Ja, das mache ich gelegentlich mit meinem iPhone. Die enthaltenen 120 Freiminuten habe ich – soweit ich mich erinnere – noch nie ausgenutzt. Vor allem, weil am Samstag und am Sonntag das Telefonieren eh kostenlos ist. Die 120 Minuten inklusive wären so okay, auch ohne die kostenlosen Samstage und Sonntage.
  • WLAN-Hotspot-Flatrate ist super, das passt. Ich brauche sie nicht oft, aber dann genieße ich das.
  • Tethering ist leider nicht enthalten. Schade. Aber immerhin ist das in den neuen Tarifen enthalten.
  • VOIP ist auch nicht enthalten. Und in den neuen Tarifen nur in den ganz teuren drinne. Hallo? Ihr habt mich angebettelt, mein Festnetz auf VOIP umzustellen! Und dann lasst Ihrmich mit dem iPhone kein VOIP machen? Wenn schon nicht im Mobile-Tarif, dann gebt mir eine funktionierende App, mit der ich auf meinem iPhone meinen Festnetzanschluss via VOIP nutzen kann (BTW: Die Home-App fürs Festnetz jedenfalls funktioniert nicht verlässlich).
  • Die Geschwindigkeitsdrosselung ab einem bestimmten Volumen nervt, aber ich verstehe das. Schließlich bedeutet das steigendes Datenvolumen, und das kann ganz schön teuer für Euch werden. Manchmal komme ich über die 300 MB Inklusivvolumen, dann schlägt die Drosselung zu. Das nervt dann ganz besonders, weil ich das verbrauchte Volumen nirgendwo einsehen kann und keine Warnung erhalte. WUMS!
  • Dewegen wünsche ich mir eine Warnung und ein zubuchbares ungedrosseltes Volumen. Nach einer (Vor-)Warnung ganz einfach und schnell beispielsweise mit einer SMS zubuchen (besser noch: Mit einer funktionierenden App). So wie Ihr das bei den Europa-Roaming-Tarifen anbietet. Das habe ich in Antholz, Südtirol, und Paris… Frankreich, dieses Jahr genutzt. 14,95 Euro für 7 Tage einfach gebucht via SMS. Danke, geht doch. Für das ungedrosselte Volumen könnt Ihr Euch was ausdenken. 4,95 Euro für 200 MB wären ein Ansatz. Ich bräuchte das ja nicht oft (hoffe ich zumindest, siehe unten).
  • Ich habe von diesem LTE gehört, das ganz groß im Kommen ist. Und das Ihr sogar fürs Festnetz anbietet, wenn DSL nicht verfügbar ist. Also Ihr müsst an das ungedrosselte Volumen früher oder später sowieso ran. Lieber früher.

Dann habe ich sogar von diesem „neuen“ iPad gehört, das zwar LTE aber nicht in Deutschland kann. Aber immerhin irgendwas anderes Schnelles auf Basis UMTS oder so. Glaubt Ihr im Ernst, dass das nächste neue iPad und die ganzen anderen Tablets und Smartphones LTE erst in drei oder fünf Jahren können (sogar hier in Deutschland)?

Also, liebe Telekom, lasst Euch bitte mal was einfallen.

Wie ich darauf komme? Nächste Woche habe ich eines von diesen “neuen” iPads, dieses sogar mit einer SIM-Card. Sogar mit einer SIM-Card von Euch. Die kam am Montag, eine Multi-SIM-Card. Schöne Sache (wenn denn dann das iPad endlich kommt, doch da könnt Ihr ja nichts für). Aber da begann ich über meinen Tarif nachzudenken. Denn mit iPhone und iPad und einem Tarif “Complete 120 mit Handy” komme ich vermutlich nicht lange nicht weit mit ungedrosseltem Volumen. Also so was Zubuchbares wär für den Anfang ganz nett.

Lasst Euch bitte mal was einfallen.

Ich bin nämlich ein König. Ihr dürft aber Kunde zu mir sagen. Frank ist auch okay.

So, jetzt schicke ich diesen Brief ganz mobil von meinem iPad via WLAN an dieses Internet. Und dann trinke ich noch einen Kaffee hier im Café.

P.S. Ihr habt da übrigens ein ganz tolles Team bei @Telekom_hilft.

Nachtrag: Tatsächlich, Ihr sagt Kunde zu mir! Das habe ich eben erst gesehen, als ich nachträglich das Foto („Hier kommt Ihre Mobilfunk-Karte!“) hochludt. Irgendwie wäre mir da meine Name aber lieber gewesen…

Bargeld: 17,32 Euro

Ich, der Kunde, stehe an der Kasse. 21,12 Euro. Was nun?

  • Bargeld?
    Ich habe 17,32 Euro passend. Dann noch einen 50 Euro-Schein. Natürlich. Ich habe immer haufenweise Kleingeld, aber selten genug. Dafür bekomme ich haufenweise Wechselgeld. Keinen Bock drauf. Zu umständlich.
  • Kreditkarte?
    Wie bitte? Für den Betrag? Und dann muss ich die Kreditkartenabrechnung auch noch kontrollieren, jede Peanuts-Buchung? Und alles manuell, weil meine Abrechnung nur in Papier kommt. Zu umständlich.
  • EC-Karte?
    Fast so umständlich wie die Kreditkarte. Immerhin kann ich das dann übers Online-Banking abgleichen. Also Karte rausholen… in welchem Schlitz im Portemonnaie war die noch… in den Schlitz des Geräts einstecken… dann entweder die PIN eingeben oder unterschreiben… was denn nun… zu umständlich.
  • Wieder aufladbare Karte?
    Moment, man kann doch den Chip auf der Karte aufladen… Habe ich aber vergessen, die letzten Jahre lang, denn… zu umständlich.

Aber ich habe doch mein Smartphone. 37 Prozent der deutschen Bevölkerung haben doch schon eines, sagt Comscore. Habe ich irgendwo eben in diesem Internet gelesen.

Ich zücke also mein Smartphone (ach nee, habe ich eh vom Einchecken noch in der Hand), bumpe mit dem Kassengerät, das überträgt Betrag, Location, Positionen mit Einzelbeträgen und Barcodes, Gesamtbetrag. Alles schön übersichtlich auf dem Display zu sehen (natürlich könnte ich es mir über mein Bluetooth-Headset vorlesen lassen, dauert aber zu lange). Ich bestätige, die Kasse und ich signieren die Transaktion mit einem Tip oder einer Geste, im Hintergrund wird alles elektronisch signiert übermittelt. Wir wünschen uns ein schönes Wochenende. Ich freue mich aufs Grillen. Na ja, das Lamm war ein bisschen teuer…

In den nächsten Tagen kontrolliere ich zuhause dann mein Konto mal wieder. Mit dem Online-Banking sehe ich dann alle Positionen, die kann ich sogar Aufwandskonten zuordnen (fürs Grillen?). Bräuchte ich aber nicht mal, denn auch dafür habe ich mein Smartphone.

Nur geträumt.

Warum, ihr Banken, habt ihr noch keine Lösung? Wartet Ihr auf eine Lösung der Konkurrenz aus dem Informationssektor, die Euch die Kunden wegschnappt? Von der Google-Bank, der Facebook-Bank, von Amazon, von Paypal oder dem Startup aus Indien?

Oder meint ihr, ihr seid viel schneller? In vier oder fünf Jahren habt ihr die super Lösung, die absolut sicher ist und für die Ihr auch keine Kooperation mit einer anderen Bank oder einem Startup braucht?

Träumt weiter.

Ach übrigens: Ich baue dann zwar kein Haus, aber in vier oder fünf Jahren bräuchte ich euch auch nicht mehr. Ich ginge dann in dieses Internet zu einem Startup. Oder zu einer diesen neuen Plattformen von Amazon, Paypal oder von wem auch immer. Vielleicht finanziert mir darüber der Nachbar etwas dazu… ach, der war Filialleiter bei einer Bank, ist dann arbeitslos? Schade.

P.S. Selbstverständlich weiß ich um die Problematik des Datenschutzes. Aber sollte anstelle der Daten nicht ich geschützt werden? Ich, der Kunde König? Gebt mir vernünftig vernünftige Optionen, und ich werde entscheiden.

Nachtrag (6.3.12): Michael Umlandt hat dieses Video von Card Case gefunden. Wenn ich das gewusst hätte…

Welcome to Card Case from Square on Vimeo.

Viele sprechen vom Wandel der Welt, der durch die digitalen Medien und ihre neuen Möglichkeiten gekennzeichnet ist. Schnell fallen Begriffe wie Arbeitsplatz der Zukunft, Smartphones, Digital Native, Digital Nomad, Mobile Prosumer. Diese Vielen sagen: Die Welt wird sich in den nächsten 20 Jahren grundlegend ändern. Und sie versprechen uns: Der Mensch und Bürger wird mobiler, unabhängiger und flexibler. Es wird alles besser. Wirklich?

Der dunkle Tunnel

Halten Sie ein und an, bevor Sie ins Träumen kommen und sich ein verschmitztes Lächeln auf ihr Gesicht schleicht. Schauen Sie sich die Probleme der Gegenwart und ihre Implikationen an. Erkennen Sie die Wahrheit: Die Zukunft in 20 Jahren ist kein strahlendes Licht sondern ein dunkler Tunnel.

Wie sieht sie also aus, die mobile Welt in der Zukunft?

1. Es gibt keinen Steve Jobs mehr

Weiterlesen