Social Business, Enterprise 2.0, (Social) Collaboration, Social Software

Mittelpunkt Sonne

In Diskussionen zu dem Thema Enterprise 2.0 kommt es oft sehr schnell zu der Frage, um was es denn da gehe, Was im Mittelpunkt von Enterprise 2.0 stehe. In einem weiteren Blog von mir beschäftigte ich mich mit dieser Frage aus einem besonderen Blickwinkel: Dem des Menschens.

Der nachfolgende Artikel erschien zuerst unter dem Titel „Mittelpunkt bei Enterprise 2.0“ auf Der Schreibende als Beitrag zum Schreibroulette. Ich veröffentliche ihn zusätzlich hier, weil wahrscheinlich die wenigsten der Leser dieses Blogs auch den Schreibenden lesen.

Heute morgen dann begang ich den Fehler, mich in einem Tweet zu einem verschärften Schreibroulette zu committen:

So sei es denn. Ich weiß immer noch nicht so genau, wie das funktionieren soll. Immerhin habe ich jetzt den ersten Artikel in meinem Feedreader gelesen. Der erste Satz schafft es bereits zu mehr als fünf Substantiven (Hervorhebungen von mir):

Im letzten Post stand die Entwicklung vieler Unternehmen zu einem wissensintensiven Unternehmen im Mittelpunkt und es wurde die Frage aufgeworfen, welche Chancen es für eine Effektivitäts- und Effizienzsteigerung von Wissensarbeitern in einem Enterprise 2.0 gibt.

(Erfolgreiche Arbeitspraktiken für Wissensarbeiter in einem Enterprise 2.0 von @JoachimNiemeier)

Womit ein neues Problem entsteht: Zählt die doppelte Verwendung des Substantivs “Unternehmen”? Mein Artikel, meine Regel(n): Nein, doppelte Verwendungen von Substantiven zählen nicht. Das fünfte Substantiv im ersten Artikel meines Feedreaders Readkit lautet also:

Mittelpunkt

Wenn ich mir den Artikel in meinen Hirnwindungen zergehen lasse, so steht im Mittelpunkt dieser Studie die Aussage, dass im Mittelpunkt des Wissensarbeiters nicht die Arbeit mit Wissen oder mit anderen Wissensarbeitern steht sondern die Verwaltung und Organisation sowohl des Wissens als auch dessen Aufbereitung. Ich unterstütze Joachim Niemeiers Annahme, dass der Alltag sich für Wissensarbeiter auch nach zehn Jahren nicht wesentlich geändert hat.

Sicherlich reden wir “Enterprise Zwei Nuller” ständig und gerne von der neuen Welt, in der die Kommunikation und die Zusammenarbeit von Menschen nicht nur durch die neuen Tools leichter ist, sondern dass auch eine neue Welt der Arbeit in die Unternehmen Einzug hält. Aber ich glaube, jenseits dieser Filterblase (hehe!) gibt es nicht nur viele Widerstände sondern auch noch viele stumme Beobachter, die zwar den Hype in den klassischen Medien rund um die neue Arbeitswelt beobachten, dass sie in ihrem Mittelpunkt aber immer noch den täglichen Email-Büro-Organisation-Hierarchie-Techtel-Mechtel-Wahnsinn haben. Oft nicht gerne, aber bevor sie gegen das System aufstehen, das sie erfolgreich machte, muss doch noch etwas mehr geschehen, als dass viele Viel darüber reden. Sicher, es gibt Leuchttürme, aber “das lässt sich so nicht auf uns übertragen, bei uns läuft das anders”.

Im Mittelpunkt steht nicht der Mensch sondern da stehen die Hierarchie, die Prozesse, die Effizienzsteigerungsprogramme, die Branche, die Branchen-“Gesetze” und vor allem das Risiko, etwas Anderes, Neues, Ungewohntes in den Mittelpunkt zu stellen. So ein Schwenk zu einem anderen, neuen Mittelpunkt ist immer mit Risiko verbunden. Auch wenn es meistens gar nicht darum geht, die Welt und vor allem das eigene Unternehmen und sich selbst umzukrempeln. Oft reichen kleine “Projekte”, die schon etwas bewirken. Ich wende nur ungern das Substantiv “Projekt” an, denn es suggeriert, dass es da einfach nur einen Zeitabschnitt gibt, in welchem man ein Ziel ansteuert. Danach kommt eben das nächste Projekt. So funktioniert es nicht, wenn man etwas im Inneren ändern will. Das funktioniert, wenn man Umstände, Abläufe ändern will.

Bei Enterprise 2.0 (oder Social Collaboration oder Social Business oder… YNI (You Name It)) geht es um eine Änderung von Einstellung, der inneren Haltung und von Verhalten. Das dauert länger als “nur” einen Ablauf umzustellen. Aber ich sehe Fortschritte. Gerade weil viele das Hamsterrad (das von innen wie eine Karriereleiter aussieht) verlassen wollen. Die sich inzwischen nicht erst mit Fünfzig fragen: War es das schon? Die daran zweifeln, dass die Arbeit an sich und das (bisher) verbundene Abstrampeln im Hamsterrad der Mittelpunkt ihres Leben für ein paar Jahrzehnte darstellen soll. Wofür 80 oder 100 Stunden in der Woche schuften, um in ein paar Stunden am Wochenende die Familie und sich selbst nachzuholen?

Mittelpunkt Sonne

Der Mensch stellt sich wieder in den Mittelpunkt, wie das vielleicht vor langer, langer Zeit einmal war. Als Menschen sich mit Menschen über ihr Leben und ihre Tätigkeiten unterhielten. Im Mittelpunkt waren die Menschen. Jetzt bemühen sich viele Menschen, dass wir und nicht das Hamsterrad wieder im Mittelpunkt stehen.

Eine sehr schöne Initiative ist da beispielsweise Working Out Loud in Deutschland von Jochen Adler (Interview mit Jochen Adler: “Working Out Loud: Endlich auch in Deutschland” beim “The New Worker”). Deswegen habe ich auch darüber getweetet, als ich mit diesem Artikel startete:

Möge der Mensch in Eurem Mittelpunkt stehen!

\V/_ LLAP

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Email-Bindestrich zerstört werden muss!

Graph (Nexus)

In Unternehmen herrschen Tunnelblicke. Erfolgreich war bisher in Unternehmen, wer als Spezialist über einen Wissensvorsprung vor anderen verfügte. Unternehmen aber brauchen heute verknüpfte Spezialisten und Generalisten, die Anwendungswissen und Forschungswissen für das Unternehmen greifbar machen. Unternehmen brauchen Nexialisten.

Als Person und als Berater für Kommunikation und Kollaboration halte ich Enterprise 2.0 für ein Konzept, das Grenzen in Unternehmen und über Unternehmensgrenzen hinaus überwinden hilft und Unternehmen flexibler macht. Als Science Fiction-Fan bin ich überzeugt, dass Szenarien und Verknüpfungen gedacht werden können. Ich sehe mich selbst seit einiger Zeit als “Nexialist”. Ich lehne mich mich jetzt aus dem Tellerrand, aber ich glaube, dass mit „Nexialisten“ das grundlegende Problem des “Wissensmangements” und der Silos in Unternehmen angegangen werden kann.

Fehlende Verknüpfungen in Unternehmen

Die klassische Unternehmenswelt ist durch den Taylorismus geprägt. Dieser führt zur Bildung von hierarchischen Silos, in denen Wissen gehortet und vor dem Zugriff anderer Zuständigkeiten gehütet wird. Denn jeder, der außerhalb des eigenen Silos sitzt, ist ein Konkurrent. Das bezieht sich nicht nur auf Organisationseinheiten und deren Vertreter (beispielsweise Abteilungsleiter) sondern auch auf “ganz normale” Kollegen, die früher oder später im Karriereweg als Konkurrenten das eigene Fortkommen behindern könnten.

Damit steht dem Unternehmen viel Wissen nicht zur Verfügung obwohl es ganz konkret bei der Lösung eines Problems helfen könnte (“Anwendungswissen”). In Folge findet auch gerade ein präventiver Austausch zwischen Personen nur erschwert statt. Ein präventiver Austausch behebt nicht absehbar ein konkretes Problem, bildet aber Grundlagen für zukünftige Fälle. Ich nenne dies das “Forschungswissen” von Unternehmen.

In Unternehmen fehlen meistens Personen, deren Aufgabe die Verknüpfung der verschiedenen Wissensträger und Silos für beide Szenarien (Anwendungswissen und Forschungswissen) ist. Unternehmen setzen darauf, dass im Projektfall die nötigen Personen aus dem gesamten Unternehmen zusammengetrommelt werden und für eine mehr oder weniger konkrete Problemstellung eine Lösung finden.

Doch wer weiß dann überhaupt, wer über das nötige Wissen verfügt? Und wer ist dazu bereit, selbst im Rahmen eines Projektes, den anderen für ihn wertvolles Wissen zur Verfügung zu stellen? Abgesehen davon, dass die Verknüpfung des Wissens bereits längere Zeit zuvor hätte stattfinden müssen, um die Grundlagen zu bilden…

In der Enterprise 2.0 Welt ist oft die Rede davon, über den Tellerrand zu schauen. Die Vernetzung mittels Enterprise Social Networks beispielsweise soll durch die Verbindungen und die Verknüpfungen sowohl zu einer erhöhten Verteilung des vorhandenen Wissen als auch zu einer Generierung von neuem Wissen führen.

Es fehlt ein Nexus (lat.: Verbindung, Gefüge), das die verschiedenen “Universen” verbindet (siehe auch: Star Trek: Treffen der Generationen) Versuche, solche Verknüpfungen verschiedener Silos oder Mikrokulturen für eine grundsätzliche Anpassung oder sogar Änderung des Systems über hierarchische Gliederungen wie Change Manager oder Diversity Manager zu erreichen, waren nach meinem Dafürhalten nicht sonderlich erfolgreich, weil sie mit meist mit alten Strukturen neue Verbindungen erzeugen sollten. Außerdem war deren Aufgabe nicht die grundsätzliche Änderung und Ergänzung des Systems sondern die Behebung einzelner Schwachstellen des Systems.

Nexialisten in der Science Fiction

Alfred Elton van Vogt (A. E. van Vogt) definierte “Nexialist” im Jahr 1950 in seinem Werk “The Voyage of the Space Beagle”:

One skilled in the science of joining together in an orderly fashion the knowledge of one field of learning with that of other fields.

Oder, wie van Vogt den Protagonisten Grosvenor sagen ließ: “applied whole-ism“.

A. E. van Vogt war Science Fiction Autor und erkannte, dass das Spezialistentum dem Generieren und Finden von Wissen abträglich sein kann – und sogar tödlich. In “Black Destroyer” beschrieb er 1939 Jahren die Geschichte der Bestie Coeurl, die ein Erkundungsraumschiff erobern will. Später, 1950, wurde diese Geschichte Bestandteil des Sammelbands “The Voyage of the Space Beagle” (übrigens eine Anspielung an Darwins „The Voyage of the Beagle„. Ein Nexialist (der Protagonist Grosvenor) rettet durch die Verknüpfung von Fachwissen ein ganzes Raumschiff, sogar die ganze Menschheit, vor dem Außerirdischen. Parallelen mit den späteren Plots von Star Trek und Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt sind auffällig (A. E. van Vogt bekam nach einer außergerichtlichen Einigung von 20th Century Fox eine Entschädigung).

Ein paar Jahre später zog der Nexialismus auch bei Perry Rhodan ein. Zu den bekanntesten Nexialisten im “Perryversum” zählen Sato Ambush, Horation Denver und der Barkonide Nex.

Als Nexialisten (abgeleitet von lat. Nexus = Verbindung) werden Wissenschaftler bezeichnet, die sich nicht auf ein Fachgebiet spezialisieren, sondern die Erkenntnisse aus vielen verschiedenen Wissensgebieten interdisziplinär bei ihrer Arbeit berücksichtigen. Man könnte Nexialisten als »ganzheitliche Multiwissenschaftler« bezeichnen.

Ursprünglich hatten die Nexialisten lediglich die Aufgabe, als Koordinatoren für stark spezialisierte Wissenschaftler zu arbeiten. Durch den Einsatz der Nexialisten sollte vermieden werden, dass ein »Fachidiot« den anderen nicht mehr verstand. Der Nexialismus bzw. die Nexialistik hat sich allerdings […] als eigenständiger Wissenschaftszweig etabliert und wird an den Universitäten gelehrt.

[ Seite Nexialist. In: Perrypedia, Bearbeitungsstand: 31. Oktober 2013, 21:37. URL: (Abgerufen: 30. März 2014, 21:05) ]

Nexialisten in Unternehmen

Eigentlich müssten Unternehmen daran interessiert sein, in ihren Reihen den einen oder anderen Nexialisten zu haben. Denn die meisten Unternehmen (generell von Organisationen) fördern heutzutage aufgrund ihres funktionalen und tayloristischen Aufbaus in spezialisierten Organisationseinheiten ein starkes Konkurrenzdenken und eine isolationistischen Haltung. Sowohl vom Wissen und den Sichtweisen also auch von einem starren Logikdenken her ähneln die Organisationseinheiten darin den Wissenschaftlern, die van Vogt beschrieb:

Nexialism is basically a liberal arts version of science in a world where all scientists narrow-mindedly hold to their area of expertise and that focus only. Chemists only think in terms of chemistry, but with Nexialism, they can also apply principles from mathematics and geology and all the other sciences! Woah. Apparently scientists in the future are a dumb, egotistical lot, because the ship is wracked with infighting and politicking between the scientific disciplines, during all the alien incursions.

[ Battered, Tattered, Yellowed, & Creased ~ Adventures in Vintage Genre Fiction: The Voyage of the Space Beagle – A.E. van Vogt ]

Wer kennt sie nicht, die Meetings, bei denen sich die Teilnehmer vor allem um die eigenen Themen und die eigene Sphäre drehen. Und in denen die Spezialisten (ITler, PRler, Marketer, HRler..) vor allem auf ihre Sichtweise und auf ihre Interessen Wert legen – weil sie oft auch nur sie kennen und sie optimieren wollen.

Diese stark arbeitsteiligen Organisation war bisher vorteilhaft, weil es um die Effizienzsteigerung, um eine höhere Produktivität ging. Das ging (und geht auch jetzt noch in vielen Bereichen) gut, solange die Umwelt und die Märkte sich nicht zu schnell veränderten. In der inzwischen schnell wandelnden Welt und Wirtschaft geht es oft darum, nicht besser sondern anders zu werden. Für Unternehmen stellt sich ihre Umwelt nicht so sehr kompliziert sondern komplex dar zunehmend weniger existeren in einer eher komplexen den komplizierten Welt. Andere Erkenntnisse gewinnt man aber schlecht innerhalb von nahezu geschlossenen Systemen und mit Subsystemen, die kaum über Verbindungen verfügen.

Unternehmen basieren auf der Klassischen Logik, in der jede Aussage einen von genau zwei Wahrheitswerten hat, und in der jede zusammengesetzte Aussage eindeutig durch die Wahrheitswerte ihrer Teilaussagen bestimmt wird. Das setzt allerdings voraus, dass die Wirklichkeit vollständig erfasst wurde und es eindeutige Wahrheiten gibt. Als „Vater“ der klassischen Logik gilt Aristoteles. Van Vogt hat mit seinen drei Werken zur Welt der Null-A eine Welt (eigentlich mehrere Welten) beschrieben, in denen es um die (Er)Kenntnis einer Welt geht, die nicht den strengen Regeln der klassischen Logik folgt. Da geht es nicht um Wahrheiten sondern um Realtitäten, Semantik und Nichtklassische Logik.

Derzeit ergeht es Unternehmen oft wie den Physikern, die mit der klassischen Mechanik nicht weiterkamen. Da gab es plötzlich Dinge, die sich damit und mit strengen kontinuierlichen Ursache-Wirkung-Beziehungen nicht erklären ließen. Nun sind Nexialisten keine Quantenmechaniker, aber oft stehen Unternehmen vor der Herausforderung eines Quantensprungs ;-)

Die Aufgabe von Nexialisten ist die Verknüpfung verschiedener Spezialisten, Abteilungen, Geschäftseinheiten sowie deren Wissen und deren Sichtweise – also deren Wirklichkeiten. Nexialisten sind personifizierte springende Knotenpunkte des Unternehmensnetzwerks:

  • Ein Nexialist ist ein Netzwerker, der Verbindungen zu vielen Kollegen im eigenen Unternehmen als auch zu Kollegen in anderen Unternehmen hält. Bei Bedarf stellt der Nexialist Verbindungen zwischen den Kollegen her – auch unternehmensübergreifend
  • Der Nexialist kennt sich ausgesprochen gut in seinem Unternehmen aus (Organisation, Zuständigkeiten, Fachgebiete, Prozesse)
  • Ein Nexialist verfügt sowohl über ein umfangreiches Allgemeinwissen als auch über Grundwissen in den Wissensbereichen seines Unternehmens
  • Ein Nexialist ist ein Moderator, der in persönlichen oder politischen Zwistigkeiten vermittelt
  • Ein Nexialist gibt Anschübe über den Tellerrand – auch von außen – zu blicken

Mit diesen Anstößen lasse ich Sie jetzt… nicht alleine. Schließlich ist dies ein Blog mit Kommentarfunktion ;-)

Sebastian Thielke greift auf Digital Munich Institute in seinem Fachartikel „Social Business, Enterprise 2.0 und Social Collaboration. Wortwelten und Abgrenzung“ die entsprechende Begriffswelt auf und erläutert sie. In großen Teilen stimme ich mit ihm überein. In einem Punkt zu Social Business hätte ich mir jedoch einen Hinweis gewünscht, und bei einer Aussage zu Enterprise 2.0 widerspreche ich ihm.

Die Begriffswelt von Social Business, Enterprise 2.0 und Social Collaboration ist für mich eine teilweise schwammige Wortwolke mit vielen weiteren Begriffen wie beispielsweise Social Enterprise, Enterprise Social Software, Intranet 2.0 oder Social Intranet. Eine saubere Abgrenzung der Begriffe fällt mir oft schwer und läuft auf eine Diskussion mit vielen Sichtweisen hinaus. Deswegen möchte ich mit diesem Artikel zur Diskussion und Klärung beitragen.

Social Business

Zunächst einmal hat Sebastian in seinem Artikel beschrieben, dass der Begriff „Social Business“ von IBM geprägt worden sei (Hervorhebung von mir):

IBM hat hinsichtlich Marketing und Vermarktungsbestrebungen diesen Begriff geprägt. Zur Zeit seiner Entstehung waren die Wörter Social und Business in keinem näheren und beschreibenden Zusammenhang gefügt worden und haben daher eine gute Basis für eine Marketing Brand ergeben. IBM hat somit für sich einen Markenwert in Bezug auf die Software und die Vernetzung des Unternehmens geschaffen. Dennoch ist der Begriff auch über diese Markenwelt hinaus geläufig und unter den oben genannten Aspekten und Ansätzen des Web 2.0 bekannt.

Mir ist nicht bekannt, wann genau IBM begann, den Begriff „Social Business“ zu verwenden. Seit 2007 jedoch kenne ich den Begriff „Enterprise 2.0“ und viele der damit verbundenen Veröffentlichungen. Nach meiner Erinnerung erfuhr ich von dem Begriff „Social Business“ um einiges später. Ich erinnere mich, dass damals viele Kritiker darauf hinwiesen, den Begriff „Social Business“ gäbe es bereits seit längerem in einem ähnlichen Zusammenhang und dass der Begriff insbesondere vom Nobelpreisträger Muhammad Yunus verwendet werde.

Your Majesties, Your Royal Highnesses, Honorable Members of the Norwegian Nobel Committee, Excellencies, Ladies and Gentlemen,

[…]

Social business will be a new kind of business introduced in the market place with the objective of making a difference in the world. Investors in the social business could get back their investment, but will not take any dividend from the company. Profit would be ploughed back into the company to expand its outreach and improve the quality of its product or service. A social business will be a non-loss, non-dividend company.

In seiner Rede vom 10. Dezember 2006 verwendet Muhammad Yunus den Begriff „Social Business“ insgesamt 30 Mal. Andrew McAfee, der den Begriff „Enterprise 2.0“ prägte, empfand 2010 die Diskussion um „Social Business“ im näheren Zusammenhang als überholt, weil schon wesentlich länger in ähnlichem Zusammenhang verwendet.

Gerade weil es um die Art und Weise geht, wie ein Unternehmen „sozial“ agiert, sehe ich einen näheren Zusammenhang. Deswegen hätte ich mir in Sebastians Fachartikel einen Hinweis gewünscht. Auch deswegen, weil mir gelegentlich in Diskussionen das Verständnis des Social Business nach Yunus entgegenschwappt und ich erst einmal den Kontext klar stellen muss.

Enterprise 2.0

Ich widerspreche Sebastian, dass es sich Enterprise 2.0 alleinig um etwas innerhalb des Unternehmens handele. Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube, den Sebastian weiter verbreitet:

Im Gegensatz zum Begriff Social Business wurde Enterprise 2.0 wissenschaftlich geprägt. Viele werden wissen, dass der Ursprung auf Andrew McAfee’s Arbeiten und Beiträge zurückzuführen ist. Der Ursprung stammt also aus der Betrachtung von Anwendungen und Möglichkeiten, die sich durch das Web 2.0 ergeben. Ganz klar liegt hier der Fokus vor allem auf dem Binnenkonstrukt des Unternehmens – das Unternehmen als geschlossenes Ökosystem.

Es stimmt sehr wohl, dass sich Andrew McAfee in seinem Ursprungsartikel „Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration“ im MIT Sloan Managemet Review am 1. April 2006 auf Enterprise 2.0 als etwas innerhalb von Unternehmen bezog:

Do we finally have the right technologies for knowledge work? Wikis, blogs, group-messaging software and the like can make a corporate intranet into a constantly changing structure built by distributed, autonomous peers — a collaborative platform that reflects the way work really gets done.
asfda

Auch noch am 20. Mai desselben Jahres lieferte McAfee eine Definition, die sich nur auf „innerhalb von Unternehmen“ bezog:

Enterprise 2.0 is the use of freeform social software within companies.

[ Andrew McAfee: Enterprise 2.0 vs. SOA ]

Doch bereits 7 Tage später, am 27. Mai 2006, erweiterte McAfee seine Definition, weil er mit seiner vorherigen unzufrieden war:

Enterprise 2.0 is the use of emergent social software platforms within companies, or between companies and their partners or customers.

[ Andrew McAfee: Enterprise 2.0, version 2.0 ]

Vor über acht Jahren also erweiterte McAfee seine ursprüngliche Definition. Bei Enterprise 2.0 geht es nicht ausschließlich um eine Binnensicht. Bei Enterprise 2.0 geht es um die Nutzung von Social-Software-Plattformen sowohl innerhalb von Unternehmen als auch zwischen Unternehmen und ihren Partnern oder Kunden. Darin sehe ich das Konzept der Stakeholder, die sowohl intern als auch extern sein können.

Der Ausdruck Stakeholder stammt aus dem Englischen. „Stake“ kann mit Einsatz, Anteil oder Anspruch übersetzt werden, „holder“ mit Eigentümer oder Besitzer. Der Stakeholder ist daher jemand, dessen Einsatz auf dem Spiel steht und der daher ein Interesse an Wohl und Wehe dieses Einsatzes hat. Im übertragenen Sinne wird „Stakeholder“ heutzutage nicht nur für Personen verwendet, die tatsächlich einen Einsatz geleistet haben, sondern für alle, die ein Interesse am Verlauf oder Ergebnis eines Prozesses oder Projektes haben; beispielsweise auch Kunden oder Mitarbeiter.

Seite „Stakeholder“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. November 2014, 06:13 UTC. (Abgerufen: 16. November 2014, 12:56 UTC) ]

Stakeholder in-ex Grochim (CC BY 2.0)

Stakeholder in-ex Grochim (CC BY 2.0)

Mit vielen solcher Stakeholdern gilt es zusammenzuarbeiten und zu kommunizieren.

Was ich als mangelhaft an der Definition von Enterprise 2.0 betrachte, ist der einseitige Bezug auf die Nutzung von Social-Software-Plattformen. Daraus ergibt sich kein Bezug auf den Verwendungszweck. Allerdings bin ich der Überzeugung, dass Unternehmen den Herausforderung der globalisierten und sich ständig und schnell verändernden Märkten heutzutage nur mit der Nutzung von Social-Software-Plattformen begegnen können.

Facebook Intranet: Nein!

Alexander Kluge ist am 13. Und 14. auf der SocialConnections in Stockholm. Er dreht diesmal den Spieß um und fragt, wie man am besten das Projekt “Enterprise Social Network” torpedieren kann. Zur Vorbereitung bittet Alexander auf seinem Blog um Hilfe:

Also, liebe Social Business, Enterprise 2.0 und ESN Mitstreiter, liebe Digital Workplace Enthusiasten und Collaboration Prediger: was würdet Ihr tun, wenn Ihr auf der anderen Seite sitzt, um so ein Projekt zu verhindern?

Es gibt bereits viele Anregungen in den Kommentaren. Auch mir fielen ein paar Punkte ein:

  • Social Analytics als wichtiges Teilprojekt budgetieren, um die Beteiligung der Mitarbeiter und den ROI (Return On Investment) zu messen. Den Betriebsrat nicht, ich wiederhole, NICHT informieren… der kommt schon von alleine.
  • Mit dem IT-Leiter besprechen, dass das IT-Budget für ein wichtiges Releasewechsel, Erweiterung, Umstellung etc. einer ERP-Software wie SAP für die nächsten 2 Jahre ausgeschöpft sein wird.
  • Alternativ dem IT-Leiter klarmachen, dass sein Budget wohl beschnitten werden wird, weil es ein strategisches Projekt ist und er keine Entscheidungsbefugnis in ein solchem Changeprojekt hat. Da würde wohl HR (oder je nach Unternehmen die Unternehmenskommunikation) diesmal den Lead haben.
  • Verkünden, dass man mit dem Projekt eine Effizienzsteigerung in wichtigen Bereichen wie Produktentwicklung, Produktion (ersetze/ergänze sinngemäß für entsprechendes Unternehmen) erreichen werde. Die Bereichsleiter verstehen, dass es zu Personaleinsparungen kommen wird, sie übergangen werden und ihre Macht (gleich Mitarbeiteranzahl und Budget) beschnitten wird. Das ruft übrigens auch den Betriebsrat auf den Plan…
  • Die Einführung des Digital Workplace zum wichtigen Bestandteil des Projektes machen. Nebenbei bei der Projektpräsentation auf einer Folie als 10. Aufzählungspunkt fallen lassen, dass dann Uhrzeit und Ort der Arbeit weder beim normalen Mitarbeiter noch beim mittleren Management eine Rolle spielen werden. Irgendjemand wird das mit Sicherheit sehen, bemerken, dass der Punkt versteckt werden sollte, und in der Kaffeeküche lästern und verbreiten. Das ruft Bereichsleiter, Abteilungsleiter, Mitarbeiter, Familienmitglieder und …den Betriebsrat auf den Plan.
  • Einfließen lassen, dass die Unternehmenskommunikation zukünftig komplett über das interne Facebook laufen wird. Das schließt – natürlich und nebenbei erwähnt – die bisher gedruckte Mitarbeiterzeitschrift (MAZ) mit ein. Auf jeden Fall darüber in der MAZ berichten. Nach deren Auslieferung rufen mindestens ein Mitglied des Aufsichtsrates sowie mehrere Dutzend Pensionäre/Ruheständler an und beschweren sich, dass sie vom Kommunikationsfluss abgeschnitten werden.

Welche Ideen haben Sie dazu? Was haben Sie schon erlebt oder… sogar selbst eingesetzt?

Für weitere Anregungen bitte bei Alexander Kluge kommentieren:

Wie torpediert man ein Social Business Projekt?

P.S. Am besten funktioniert das Torpedieren natürlich, wenn man selbst sehr, sehr engagiert bei diesem Facebook-Intranet-Projekt mitmacht.

Heute bin ich in Frankfurt zur Networking Nite in Frankfurt zum Themenabend „Das vernetzte Unternehmen – Zukunftsmusik oder Realität?„. Die Networking Nite bietet jungen Profis aus der Kommunikationsbranche die Gelegenheit zum Treffen, Kennenlernen und Austauschen:

Der networking nite-Vortrag gibt Einblicke in spannende Themen und Trends. Experten aus Agenturen, Unternehmen oder Wissenschaft berichten aus ihrem Arbeitsalltag, präsentieren Best Practices, geben Impulse und stellen sich bei der anschließenden Diskussion euren Fragen.

[ Idee ]

Kommunikation: Netzwerk-/Systemmodell

Ich erzähle etwas zum Thema Social Business, denn ein Social Business kann nur als vernetztes Unternehmen funktionieren – intern und extern vernetzt. Als PRler lege ich auch Wert darauf, dass Kommunikation eben doch nicht nach dem Sender-/Empfängermodell sondern eben auch nach Netzwerk- oder Systemmodellen funktioniert. Ich freue mich über den Austausch und die Diskussionen. Mit dabei als Referent ist Thorsten Meffert, der als Head of Marketing & Sales Support bei der Schenker Deutschland AG unter anderem für das Intranet des Unternehmens und dessen Relaunch verantwortlich ist.

Die Welt ist ein Dorf – Ende September habe ich Thorsten Meffert auf dem IOM SUMMIT in Köln kennengelernt :-)

Diese Woche im #E20MOOC geht es laut Programm um „Social Business Tools“. Das ruft Ellen Trude auf den Plan und in die Diskussion. Für Ellen scheint die Frage nach den Tools wie die nach dem Streichholz und nicht, warum und in welcher Art man am besten Brandstifter wird.

Okay, jetzt vergaloppiere ich mich doch etwas. Das mag damit zusammenhängen, dass ich heute etwas angeschlagen bin. Angeschlagenheit äußert sich bei mir manchmal in verquerem Querdenken. Jetzt gerade denke ich beispielsweise wieder über ein Tool nach: Ich habe immer noch kein gutes Tool zum gemeinschaftlichen sozialen Schreiben gefunden. Es soll nämlich nicht nur wie ein Etherpad sein sondern auch noch explizite Revisionen können und Freigabeverfahren und vor allem Markdown können und…

Ich schweife ab. Das ist das Gefährliche mit den Tools: Man kann sich so wundervoll verlieren, weil es so viele davon gibt und weil jeder irgendetwas dazu sagen kann. Selten aber wird reflektiert so wie das Ellen in ihrem Beitrag „Open Thinking: #e20mooc mit der Frage der Woche: Diskussion der Social Media Tool Präferenzen“ macht:

Erst im Zusammenwirken mit anderen, im gemeinschaftlichen Nutzen von Tools wird ein social draus. „Machen wir doch, ich teile per Mail immer allen, die ich kenne, alles mit!“ Stimmt, das Tool E-Mail vergaß ich, gehört es doch auch noch zu meinen Instrumenten (+ Anhänge). Gehört aber, genau so wie z. B. What’s App, zur „Einwegekommunikation“. Gemeinschaftlich Tools nutzen, social verhalten, setzt mehr voraus als die Bereitschaft, einen oder mehrer Empfänger für meine Botschaft auszuwählen. Setzt das „Aushalten“ voraus, dass in „meinem Text“ einfach jemand hineinschreibt, gar korrigiert (Wiki), aber nicht nur das Aushalten, sondern auch die Bereitschaft hineinzuschreiben – und eben nicht, wie ich es erlebt habe, ein Mail zu schreiben: „Du, schau mal, in der Seite fehlt ein Komma.“ Das Denken für social Toolnutzung setzt voraus, dass der Begriff „mein(e) Text / Mail / Botschaft usw. ein „Unser-Verständnis“ erhält. Wir arbeiten gemeinsam und schauen, mit welchen Tools es uns am leichtesten ist, das Ziel zu erreichen.

Genau. Am Ende geht es um Tools, nicht am Anfang. Einer meiner Lieblingszitate (von denen ich meistens nicht weiß, ob es Zitate, allgemeine Lebensweisheiten oder philosophische Wahrheiten sind) lautet:

A Fool with a Tool is still a Fool.

Da war doch was… richtig: Warum benutze ich Messer und Gabel und keine Stäbchen? Sind Stäbchen nicht viel mehr „social“? Oder doch Messer und Gabel? Oder lässt sich mit einem Löffel nicht doch alles viel besser essen?

Oder liegt das Social vielleicht doch an uns, den Menschen? Ob und wie wir uns unterhalten? In welcher Sprache? Und liegt es manchmal sehr an unserer jeweiligen Kultur, warum und wie wir uns in einer bestimmten Sprache unterhalten und welches Werkzeug wir zum Essen benutzen?

Als ich soeben mit dem Festhalten meiner Gedanken begann, wählte ich erst mein Tumblog und dann WriteMonkey. Der Schreibaffe kann beim Aufrufen einen zufälligen Spruch liefern, so wie diesen eben:

Many people confuse bad management with destiny.

Aber wann und wie erkennen wir, dass wir uns keine Gedanken mehr machen sondern etwas einfach nur einsetzen? Ein Werkzeug beispielsweise, oder eine Methode? Doch wir brauchen sie, um das zu tun, was wir wollen.

Sollten wir uns also lieber unterhalten über Ursachen, Zusammenhänge und Folgen und nicht über die Tools? Oder können wir manche Personen manchmal eben doch besser über die Frage nach dem Werkzeug erreichen und sie darüber zum Nachdenken bringen? Personen aus unseren (warum auch immer) Zielgruppen? Oder uns selbst…

Jetzt bin ich übrigens bei Draft gelandet.

Keine Sorge, am Donnerstag um 11:00 Uhr bin ich wieder fit. Da bin ich nämlich mit Wilke Riesenbeck, Markus Besch und Andreas Schulze-Koop im #E20MOOC Google Hangout.

Mehr Diskussionen im laufenden #E20MOOC gibt es auf Twitter.

Für Neugierige zum Nachlesen:

Viva la Revolución (Tie Cut)

Kein frischer Wind sondern ein Sturm geht durch die Unternehmen und die Unternehmenskommunikation. Thilo Specht sagt, Intern sei das neue Extern in der Kommunikation, und Lars Kempin meint, man solle einfach mal ein Seminar halten, wenn man keine Ahnung habe. Beide zusammen haben acht MBA-Studenten am Institut für Marketing und Kommunikation MBA-Studenten das Thema Interne Kommunikation näher gebracht. Heraus kam das von den Studenten erarbeitete Manifest der Integralen Kommunikation.

Manifest der Integralen Kommunikation

Manifest der Integralen Kommunikation (Quelle: Thilo Specht)

Da finden sich dann so wunderbare Aussagen wie:

Scheitern und Irren sind keine Tabus, sondern Meilensteine auf dem Weg des Besserwerdens. Deswegen müssen Fehler, Misserfolge und andere schlechte Nachrichten genauso kommuniziert werden wie gute.

(das erinnert mich doch sehr an das verlorene Wort „Beta“)

Wenn Lars meint „Es lebe die Integrale Kommunikation!„, so schnappe ich mir eine Überschrift aus Thilos Artikel und werfe in den vormedialen Raum:

Viva la Revolución!

Viva la Revolución!

Viva la Revolución! – Mauricio Moreno (CC-BY-2.0)

Tatsächlich habe ich genau diesen Ausruf in der Präsentation für mein Social Business Seminar verwendet. Denn die neuen Ausprägungen der Kommunikation und der Kollaboration rütteln an den traditionellen Werten von Top-Down, One Voice und Wasserfall-Kommunikation. Doch bereits seit längerem wird so manchem Unternehmenskommunikator und PR’ler klar, dass sich die Public Relations definitionsgemäß weder auf die externe PR-Arbeit noch auf ein Herausposaunen beschränken.

Die Pflege von Beziehungen mit Öffentlichkeiten basiert auf Kommunikation, und Kommunikation ist per definitione mindestens bilateral. Und Öffentlichkeiten beinhalten interne und externe Öffentlichkeiten. Wer sich PRler genannt und auf das Herausposaunen nach außen beschränkt hat, war für mich zumindest kein wirklicher PRler. Wenn ich mir dann die Entwicklung im Bereich Enterprise 2.0 und Social Business betrachte, dann verändert sich gerade in vielen Unternehmen deren Kultur. Sicherlich fast immer langsam, sehr langsam. Genau das ist aber auch eine Eigenheit von Unternehmenskultur. Deswegen aber trifft der dem „Management-Papst“ Peter Drucker zugeschriebene Ausspruch um so mehr zu:

Culture Eats Strategy For Lunch

Denn Kultur ist etwas tief in den Menschen verankertes, das mit ein paar warmen Worten in einer Ansprache oder in einem Artikel des CEOs und ein paar begleitenden Maßnahmen für eine neue Strategie nicht verändert wird:

Culture is a balanced blend of human psychology, attitudes, actions, and beliefs that combined create either pleasure or pain, serious momentum or miserable stagnation. A strong culture flourishes with a clear set of values and norms that actively guide the way a company operates. Employees are actively and passionately engaged in the business, operating from a sense of confidence and empowerment rather than navigating their days through miserably extensive procedures and mind-numbing bureaucracy.

[ Culture Eats Strategy For Lunch ]

Betrachte ich mir dann das 3-Ebenen-Modell von Edgar H. Schein, so bemerke ich in meinem Berufsleben seit den Achtzigern in vielen Unternehmen eine Veränderung.

  1. an der Oberfläche liegen die sichtbaren Verhaltensweisen und andere physische Manifestationen, Artefakte und Erzeugnisse.Beispiele sind das Kommunikationsverhalten mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten, Logo, Parkplätze, Bürolayout, verwendete Technologie, das Leitbild, aber auch die Rituale und Mythen der Organisation.
  2. unter dieser Ebene liegt das Gefühl, wie die Dinge sein sollen; kollektive Werte sind beispielsweise „Ehrlichkeit“, „Freundlichkeit“, „Technik-Verliebtheit“, „spielerisch“, „konservativ“ usw. also Einstellungen, die das Verhalten von Mitarbeitern bestimmen.
  3. auf der tiefsten Ebene sind die Dinge, die als selbstverständlich angenommen werden für die Art und Weise, wie man auf die Umwelt reagiert (Grundannahmen). Diese Grundannahmen (engl. basic assumptions) werden nicht hinterfragt oder diskutiert. Sie sind so tief im Denken verwurzelt, dass sie von Mitgliedern der Organisation nicht bewusst wahrgenommen werden.

Es ist dieses Muster von Grundannahmen, die Schein als Kultur beschreibt.

[ Seite „Organisationskultur“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. April 2014, 12:52 UTC. (Abgerufen: 28. September 2014, 14:11 UTC) ]

Mehr dazu in meinem Audioboo „Viva la Revolución!„:

Viva la Revolución (Tie Cut)

Viva la Revolución (Tie Cut)

Und deswegen trage ich jetzt auch als sichtbares Artefakt endgültig keine Krawatte mehr.

Siehe auch:

Anmerkung zu Pinterest: Zwangsakquisition mag ich nicht. Wenn ich mir bei Pinterest keine Pins ohne Registrierung ansehen kann, dann lasse ich es eben. Unternehmen sollten das beachten, wenn sie Pinterest als Plattform einsetzen wollen.

Arbeitnehmer nach Wirtschaftssektoren 1950 bis 2012

Bei Diskussionen über Social Business und Social Relations kommt es immer wieder zu der Frage, warum Unternehmen sich und die Arbeitswelt ändern sollten. Viele Unternehmen und Entscheider in Unternehmen sind der Ansicht, es  sei zwar derzeit etwas unruhig, aber sie müssten eben besser werden und ihre Effizienz erhöhen. Besser? Ja. Aber anders? Nein!

Für die Erstellung einer Präsentation blickte ich in die Vergangenheit und erforschte die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Und so ganz nebenbei fand ich über Mitglieder meiner Stämme interessante Artikel zu den Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft.

Taylorismus

Vor über hundert Jahren hat Frederick Winslow Taylor die Industriegesellschaft revolutioniert und den Taylorismus begründet. Dessen Prinzip gründet darauf, dass jemand die Arbeitsmethode, den Leistungsort und den Leistungszeitpunkt detailliert vorgibt. Arbeitsaufgaben werden zerlegt und in feste Abläufe gepackt. Dies ermöglichte es den Unternehmen in der Industriegesellschaft, extrem effizient zu produzieren. Der Taylorismus basiert letztendlich darauf, dass es immer eine definierte Person (oder Gruppe von Personen) gibt, die für andere die Arbeit und seine Abläufe festlegt. Denn diese Person (oder Gruppe von Personen) weiß eben am besten, wie was wann wo von wem getan werden muss. Die Industriegesellschaft hat der Agrargesellschaft damit endgültig den Rang abgelaufen (siehe Wikipedia: Wirtschaftssektor).

Die Organisation unserer Unternehmen beruht immer noch weitgehend auf dem Taylorismus und drei wesentlichen Organisationsmodellen:

  • Hierarchie zur Führung und Steuerung
  • Prozess für Effizienz bei wiederholbaren Abläufen
  • Projekt als „Einmal-Prozess“ zur Definition und Implementierung neuer Prozesse

Selbst die Matrixorganisation ist letztendlich ein Kompromiss aus Hierarchie, Prozess und Projekt. Wir steuern unsere Wirtschaft also mit einem über hundert Jahre alten Prinzip, das für den Industriesektor geschaffen wurde.

Inzwischen leben wir in einer Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft, in der auch Dienstleistungen variabler und individueller werden. Immer seltener gibt es genau die eine Person (oder Gruppe von Personen) im Unternehmen, die im Unternehmen bekannt ist, die alles besser weiß. Was die Situation verschärft, sind Faktoren wie zunehmende Komplexität und unklare (weil nicht bekannte) Zielsetzungen. Die Digitalisierung in den letzten Jahren sorgt zusätzlich für veränderte Kommunikation und veränderte Kollaboration, Social Media, Consumerization, noch mehr Globalisierung, noch mehr Komplexität, größere Schnelligkeit und andere Ansprüche.

Bruttoinlandsprodukt

Wie hoch also ist aktuell der Anteil des Industriesektors an der Wirtschaft in Deutschland? In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gibt es einen wesentlichen Indikator für die Leistungen einer Wirtschaft:

Das Bruttoinlandsprodukt ist ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum. Es misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden.

[ Statistisches Bundesamt ]

Das Bruttoinlandsprodukt enthüllt: Wir steuern die Wirtschaft mit einem Prinzip, das für 30% davon erfunden wurde!

Wirtschaftssektoren: Bruttoinlandsprodukt 2013

Der Agrarsektor dümpelt bei etwa 1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, der Industriesektor trägt gerade einmal mit 30 Prozent bei, und der Dienstleistungssektor hat einen Anteil von 69 Prozent an den 2.736 Milliarden Euro von 2013. Bei einem Vergleich zu 1991, dem ersten Jahr einer gemeinsamen Wirtschaft von „alten“ und „neuen“ Bundesländern, ergibt sich, dass der Anteil des Dienstleistungssektors seitdem um 6,5 Prozentpunkte zugenommen hat.

Wirtschaftssektoren: Bruttoinlandsprodukt 2013 vs. 1991

Erwerbstätige

6,5 Prozentpunkte lesen sich zwar interessant, im Kontext mit der Anzahl der Erwerbstätigen ergibt sich jedoch ein dramatischeres Bild. Seit 1991 nahm die Anzahl der Erwerbstätigen bei den Dienstleistungssektor um 30 Prozent zu, während sie beim Industriesektor um 26 Prozent abnahm.

Erwerbstätige im Inland nach Wirtschaftsabschnitten

Erwerbstätige im Inland nach Wirtschaftsabschnitten (preisbereinigte Bruttowertschöpfung)

Der Verlauf der Arbeitnehmer im Inland nach Wirtschaftssektoren seit 1950 lässt erahnen, wie es um den Industriesektor in 10 oder 20 Jahren bestellt sein wird:

Arbeitnehmer nach Wirtschaftssektoren 1950 bis 2012

Wissensgesellschaft

Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung gibt es in dieser Form seit vielen Jahren (oder lässt sich entsprechend rückrechnen). Was ich jedoch nicht gefunden habe, war eine weitere Aufschlüsselung des Bruttoinlandsproduktes für den Quartärsektor (Informationssektor). Es gibt unterschiedliche Definitionen, die der Bundeszentrale für politische Bildung von 2006 scheint mir passend:

Aus dem Dienstleistungssektor bildet sich ein spezialisierter Bereich mit hochqualifizierten Dienstleistungen heraus (Software-Entwicklung, Therapien, Medien, Forschung und Entwicklung usw.). Dieser Teilbereich prägt die Wissensgesellschaft.

[ Pocket Wirtschaft – Ökonomische Grundbegriffe, Bundeszentrale für Politische Bildung, 2006 ]

Laut Wikipedia fallen darunter insbesondere:

  • Beratung: Ingenieure, Rechtsanwälte, Wirtschaftsberater, Steuerberater, Heil- und Erziehungsberufe.
  • IT-Dienstleistungen
  • Hochtechnologie (High Tech) wie Nanotechnologie, Biotechnologie etc.
  • Kommunikationstechnologie

In einer Wissensgesellschaft fehlen dem Taylorismus Organisationsmodelle für

  • Unklare oder komplexe Situationen
  • Aufgaben ohne definierte Ziele („Kreativaufgaben“)

Im Social Business und bei Social Relations gibt es Diskurse über besser geeignete Organisationmodelle wie der Community, der Holacracy, der Organic Organisation oder gar der Tribalization (ursprünglich aus der Volkskunde). Diese Diskurse sind nach meiner Meinung übrigens selbst Beispiele für derartige Organisationsmodelle ;-)

Die weitere Differenzierung der Wirtschaftsbereiche hinsichtlich ihres Anteils am Bruttoinlandsprodukt ergibt einen Anhalt, wie sich einzelne Branchen entwickeln:

Wirtschaftssektoren: Entstehung des Bruttoinlandsprodukts

Zu den Vorjahren habe ich leider keine vollständigen Zahlen gefunden. Insbesondere fand ich bis 2010 keine Zahlen für die Bereiche „Unternehmensdienstleister“ und „Information und Kommunikation“. Bei den allerdings gerade bei „Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe“ und beim „Baugewerbe“ auffiel, waren die starken jährlichen Schwankungen (erstere beispielsweise 2010 plus 103 Prozent). Ich bin überzeugt, dass die „neuen“ Wirtschaftsbereiche weiter und stärker wachsen werden als die alten. Demzufolge müssen sich die Unternehmen an unsere Wissensgesellschaft anpassen und ihre Organisation flexibler, agiler und durchlässiger gestalten.

Interessante Einblicke

In meinen Communities in Facebook, Twitter, RSS fand ich interessante Artikel zu den Rahmenbedingungen.

Blick zurück nach vorn – Gunter Dueck im Interview

Kai Heddergott führte für die Expedition Wohnungswirtschaft ein Interview mit Gunter @wilddueck Dueck:

Herausgekommen ist ein Gespräch nicht über Smartphones und Technologiestandards, sondern über die Kraft und Vielfältigkeit von Innovationen. Gunter Dueck stellt fest: „Viele Unternehmen und viele Entscheider setzen vor allem auf die Kraft der Effizienz. Weil sie zu viel auf Tabellen und Zahlen schauen, scheuen Sie den Mut zu echten Verbesserungsinnovationen“.

Shift happens

Ein Artikel von Gunter Dueck auf Welt.de:

Die Computer sind uns auf den Fersen. Unsere Arbeit wird sich radikal ändern. Es geht uns allen an den Kragen: Und das ist gut so

Und ja: Deswegen kam ich auf die Idee, seinen Titel in meinen Titel einzuklammern :-)

Wir Neobiedermeier

Gerhard Matzig rechnet ab auf Sueddeutsche.de

Die Lust am Fortschritt, die Freude am Morgen, die Sehnsucht nach einer anderen, besseren Welt – davon ist in diesem Land nichts zu spüren. Deutschland ist ein Oberjammergau der Bedenkenhaftigkeit. Eine Abrechnung.

Chef-O-Ton

Oder wie Gunter Dueck es ausdrückt:

Paradigmenwechsel

Wir brauchen für unsere Wissengesellschaft einen großflächigen Paradigmenwechsel.

Darth Vader war gesten.

Darth Vader: Ich weiß mehr als Du! - Sam Howzit (CC BY 2.0)

Darth Vader: Ich weiß mehr als Du! – Sam Howzit (CC BY 2.0)

Luke Skywalker ist morgen.

Luke Skywalker was here - Paul Joseph (CC BY 2.0)

Luke Skywalker was here – Paul Joseph (CC BY 2.0)

Deswegen

Weil sich die Umwelt und die Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert haben, und weil die Veränderungsgeschwindigkeit zunimmt. Und weil wir es uns nicht mehr leisten können, zu bleiben wie wir sind.

42 (zweiundvierzig)

Gedankensplitter zur Arbeit – von Bastian Wilkat, von Augenhöhe und von mir.

Der Begriff „Arbeit“ hat eine traditionelle Bedeutung des Arbeitens für andere gegen Geld (als Angestellter oder als Selbstständiger). Im Unternehmensumfeld wird das Arbeiten – oft auch jetzt noch – mit einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Ort verbunden. Also von neun biss siebzehn Uhr im Büro im Unternehmen. Inzwischen verliert diese Bedeutung immer mehr seinen ausschließlichen Anspruch.

In der letzten Zeit beschäftigt nicht nur mich das Thema Arbeit. Vor zehn Tagen griff ich es im Artikel „Digital Workplace – Future Working Environment“ bereits auf. Bastian Wilkat fragte auf Twitter als NewWorkVideos letztendlich danach, ob Arbeit nur Arbeit ist, wenn man für andere arbeitet:

Und ich griff das vor einer Woche in einem Audioboo auf:

//

Und dann, dann gibt es noch das Augenhöhe-Projekt, das auf Startnext einen Film finanzieren möchte:

AUGENHÖHE – Projektbeschreibung from Daniel Trebien on Vimeo.

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Aber wohin? Der Film AUGENHÖHE geht dorthin, wo der Wandel im positivsten Sinne gestaltet wird. Wir besuchen Unternehmen und Pioniere, die Entscheidendes anders und vieles besser machen: Hier sind Fairness, Innovation, Eigenverantwortung und Zusammenarbeit gelebte Werte statt hohler Worte.

AUGENHÖHE wird mehr als ein Film: Die Bilder und Interviews schaffen auf Veranstaltungen einen Dialog, mit denen alle Unterstützer diesen Wandel weiter beflügeln.

Augenhöhe – Film und Dialog

Nach meiner Meinung ändert sich gerade mit Enterprise 2.0, Social Business und Social Collaboration die Sichtweise auf Arbeit. Wie sehen Sie das?

Was ist Arbeit? Was ändert sich zum Thema Arbeit? Wie wird in fünf Jahren die Arbeit im Unternehmen aussehen?

P.S. Irgendwie gefällt mir der Begriff „New Work“ #NewWork besser als „Digitial Workplace“, denn es mögen technische Anstöße zur Veränderung der Arbeitswelt sein, aber es geht nicht um „Place“ und auch nicht um „Digital“ sondern um die Veränderungen der Arbeitswelt.

Über dem Selztal

Die Digitalisierung der Gesellschaft hat vor ein paar Jahren begonnen. Das Digitale schreitet immer weiter fort und wird immer mehr Teil unseres Lebens. Im beruflichen und wirtschaftlichen Kontext ist die Rede vom “Digital Workplace”. Einerseits ist der Begriff treffend – doch andererseits ist er total irreführend.

The Digital Workplace Revolution

Im September findet wieder der IOM SUMMIT statt. Dieses Jahr lautet das Motto “The Digital Workplace Revolution”. In den Sozialen Medien begleite ich für den Veranstalter die Konferenz und blogge auf dem Enterprise 2.0 Blog über die Themen des Summits. Davon unabhängig beobachte ich die “Digital Workplace Revolution” bereits seit einiger Zeit. Begonnen hat für mich diese digitale Arbeitsplatz-Revolution mit dem Übergang vom Web 2.0 in das Enterprise 2.0. Plötzlich waren Dinge möglich, zu denen in Unternehmen zuvor große Projekte mit vielen Mitarbeitern und vor allem viel Geld und viel Zeit notwendig waren.

Plötzlich wurden Hierarchien und ihre Silos aufgebrochen. Logische Konsequenzen waren die Formulierung des Social Business und die Manifestation der Social Collaboration. Mitarbeiter in Unternehmen, Mitarbeiter zwischen Unternehmen und kommunizieren und arbeiten zusammen. Unternehmen wie QSC mit “Tengo” und O2 mit ihrem Digital Workplace bieten den “Digital Workplace” als fertige Lösungen an. Die Digitalisierung bietet Unternehmen neue Möglichkeiten und stellt sie gleichzeitig vor große Herausforderungen was die Organisation, die Kommunikation und die Führung angeht.

The Prosumer Revolution

Im privaten und persönlichen Bereich sorgten ebenfalls zunächst technologisch geprägte Entwicklungen für das digitale Umkrempeln. Das Social Web machte das Internet sozial. Startups und Apps machten das Internet lokal. Und spätestens mit dem iPhone wurde das Internet mobil. Mit “SoLoMo explodierte die privaten Anwendung des ”Internets“. Im Consumer-Bereich, bei den Verbrauchern, war es irgendwann normal, ”mal schnell“ eine App zu installieren, eine ”Message“ zu schicken, zu kommunizieren.

Sogar die “Collaboration”, die Zusammenarbeit, veränderte sich. Vereine, Kegelclubs, Nordic Walker organisieren ihre Treffen und Aufgaben inzwischen über Facebook, Google oder Whatsapp. Auch wenn die Digitalisierung noch nicht bei jedem angekommen ist, so zeigen mir zahlreiche Beispiele im Bekanntenkreis, dass Notebooks, Tablets und Smartphones die Kommunikation und die Kollaboration nachhaltig verändert haben.

Der Consumer wurde endgültig auch zum Produzenten (“Prosumer”).

Getrennte Welten?

In beiden Welten hat die Digitalisierung ihren Einzug gehalten. Auch wenn sich in beiden Welten hartnäckig Verweigerer des Digitalen (“Digital Denier”) gegen die Digitalisierung stemmen, so werden sie aufgrund der Veränderungsgeschwindigkeit eben dieser Gesellschaft immer weiter ins Abseits gelangen – oder konvertieren.

Doch gibt es diese Trennung dieser beiden Welten, des Konsumentenbereichs und des Unternehmensbereichs, überhaupt noch?

Matthew Cain, Research Vice President bei Gartner, meint dazu:

Individuals do not stop being consumers when they go to work. Business consumers often make more consumer-like choices in their workplace computing tools and styles to increase efficiency.

Consumerization inklusive Bring you own device hat diese Trennung schon längstens ad absurdum geführt.

Diese Trennung gibt es längst nur noch an der Oberfläche, denn Unternehmen brauchen eine klare Trennung zur Messung von Produkivität und Rentabilität ihrer Mitarbeiter. Doch wer hinter die Kulissen blickt, der erkennt, dass es diese eindeutige und glasklare Trennung von “Arbeit” und “(Privat-)Leben” sowieso nie wirklich gab. Aufgrund des Zwanges zur Produktivitäts- und Rentabilitätsrechnung war und ist diese Trennung notwendig. Doch viele Coaches und Berater verdienten sich eine goldene Nase dabei, die “Work-Life-Balance” von gestressten Vorständen, Managern und inzwischen auch immer mehr Mitarbeitern wiederherzustellen.

Als ob es keinen Kaffeeautomaten (“Water Cooler”), keine gemeinsamen Mittagessen, keinen Austausch über Privates und über Themen der Arbeit geben würde. Als ob Kollegen sich nie abends am Stammtisch ausgetauscht hätten. Als ob das Gehirn sich verbieten ließe, beim Joggen oder Duschen mit Ideen für den Job hervorzupreschen.

Die Trennung von Arbeit und Privatsphäre ist für mich ein künstliches Konstrukt, das in der Praxis nicht funktioniert. Besonders nicht für Knowledge Worker, die wenige mechanische und/oder wiederholende Tätigkeiten ausüben sondern auch kreativ denken müssen.

Was ist Arbeit?

Der Begriff “Digital Workplace” ist irreführend, weil viele Menschen mit “Arbeitsplatz” einerseits eine feste Zuordnung zu einem Ort wie einem Gebäude oder sogar Zimmer verbinden. Und andererseits verbinden viele Menschen Arbeit fast immer mit Job oder Beruf. Doch was ist Arbeit?

Arbeit ist das Verrichten einer zielgerichteten materiellen oder geistigen Tätigkeit. Zielgerichtet bedeutet, dass zu einem definierten oder geschätzten Zeitpunkt der Aufwand mit dem erwarteten qualitativen oder quantitativen Ergebnis verglichen wird. Im Nachhinein kann ein eingetretenes Ergebnis jedoch dem angestrebten nicht entsprechen aber es dennoch übertreffen. Oder auch nicht.

Diese Definition ist bereits fast fünf Jahre alt. Nach meinem heutigen Erfahrungs- und Wissensschatz knabbere ich angesichts der Ergänzung von Hierarchie, Prozesse und Projekte um “Collaboration” an dem “zielgerichtet”, dem “Zeitpunkt” und dem “erwarteten … Ergebnis”. Doch ich arbeite auch, wenn ich nicht im Büro, nicht angestellt und nicht selbstständig bin.

Unser Gehirn denkt oft nicht so, wie wir wollen. Es wirft uns Gedanken ins Bewusstsein, auch wenn wir gerade an einem ganz anderen Thema sind. Wenn ich beispielsweise dusche oder “ganz privat” jogge, dann wirft mir mein Gehirn etwas vor, das es in aller Stille ausgebrütet hat. Und da ist meinem Gehirn meine sogenannte “Work-Life-Balance” total egal. Diese Krux äußert sich beispielsweise darin, dass ich vor ein paar Tagen zunächst beim Joggen und dann in meinem Entspannungsblog über das fachliche Thema des Digital Workplace sinnierte und dass ich jetzt hier in meinem fachlichen Blog die Gedanken fortführe.

(Leider war es sehr windig, und die Windgeräusche sind deutlich zu hören. Ich hatte beim Jogge kein extra Mikrofon dabei – und das beste Mikrofon ist sowie so das, das man immer dabei hat. Also das Smartphone)

Future Working Environment

Die zukünftige Arbeitsumgebung ist dort, wo ich etwas arbeite – egal ob für mich persönlich, für Kunden oder für einen Arbeitgeber. Und er ist dann, für wann ich die Arbeit einplane (alleine oder gemeinsam). Aufgrund der Vernetzung und der Digitalisierung der Gesellschaft – egal ob im Job oder im Persönlichen – ist dieser “Arbeitsplatz” oft sehr digitalisiert. Aber ob eine Arbeit digital, analog oder irgendwann quantenmechanisch erledigt wird, ist letztendlich irrelevant.

Wichtig ist, dass die Arbeit schnell, gut und angenehm für den Arbeitenden erledigt wird.

Das kann auch beim Joggen über dem Selztal sein.

Flickr Fotoalbum „Über dem Selztal“