Beim Feed-Stöbern bin ich über Michael Pietroforte’s Kritik von Andreas Eschbach’s "Das Buch der Zukunft" gestolpert. Ich teile ihrer beiden Ansicht, daß es vermehrt Bestrebungen geben wird die vorhandene Anonymität des einzelnen in der Masse im Internet aufzuheben:

Eschbach ist der Ansicht, dass im Internet derzeit anarchische Zustände herrschen, was sich mit dessen zusehender Etablierung in unserem Alltagsleben ändern wird. Gemeint ist vor allem die Tatsache, dass wir heute im Internet weitgehend anonym operieren können.

Gleichwohl teile ich ebenfalls Michael’s Ansicht, daß es sicherlich – gerade in der Open Source Community – viele geben wird, die solchen Versuchen gegenüber eine skeptische Haltung haben werden. Ich bin auch davon überzeugt, daß viele ihr Know-How und Können benutzen werden, um entsprechenden Versuchen zu trotzen.

Ich bin gegen einen Versuch, den besonderen Reiz der Anonymität im
Internet zu nihilieren. Gerade das oft chaotisch anmutende
Durcheinander hat zu innovativen Schüben geführt, die zwar von
Microsoft oder anderen aufgegriffen wurden, die ansonsten aber erst gar
nicht entstanden wären. Warum also solche Quellen austrocknen?

Auch ist die Anonymität im Internet keine vollkommene. Denn
Interaktion erfordert immer auch ein gewisses Öffnen anderen gegenüber,
in dessem Verlauf man sehr wohl erkannt wird – auch wenn die anderen
vielleicht nicht den Namen, das Gesicht etc. aber sehr wohl den
Menschen kennen. Und mein Benutzerverhalten wird durch Trackerprogramme
hinreichend genug verfolgt, genauso wie Amazon und Konsorten meine
Gewohnheiten und meine Person (Wohnort, Kreditkarte…) sehr wohl
kennen. Denn bei vielen Diensten komme ich nicht umhin, die Anonymität
aufzugeben. Viel gefährlicher noch als das Aufgeben der
systemimmanenten Anonymität erachte ich die Möglichkeiten, die sich
durch das Vernetzen von Benutzerdaten ergeben.

Das, was beispielsweise durch Payback-Karten heute schon möglich
ist, und das, was unternehmensüberschreitende Auswertungen (z.B.
Unternehmen eines großen Konzerns wie Metro) ergeben könnten, macht mir
mehr Angst (wie stabil und wirksam sind Datenschutzbestimmungen
wirklich?). Und sind mein Wohnort und meine Straße erst einmal bekannt,
dann … Erschreckend habe ich vor kurzem in Auszügen demographische
und geographische Daten zur Kennntis genommen, die bereits auf
Straßenzüge heruntergebrochen sind. Und die bereits verwendet werden,
um beispielsweise eine Bewertung von Immobilien vorzunehmen.

Die Kritik Michael’s und die bei Amazon gefundenen Kritiken haben
mich verführt – ich werde das Buch auf meine Wunschliste setzen.
Möglicherweise wird mich das Buch an Bill Bryson’s "Eine kurze Geschichte
von fast allem" erinnern, zumindest läßt das bis dato Gelesene dergleichen vermuten.

[ via cyDome ]