Die Kampagne "Du bis Deutschland" ist im Web – gelinde gesagt – reichlich umstritten. Schlecht oder gut? Bullshit?

Ich fand und finde sie gut, denn sie macht jeden einzelnen darauf aufmerksam, dass man / ich

Das ist, was bei mir ankommt. Bei anderen kommt etwas anderes an – soll ja bei Kommunikation vorkommen. Schnell waren viele dabei, dagegen zu sein. Johnny vom Spreeblick hat schnell einen Flickr-Pool zur Verfügung gestellt, in dem Gegenbeispiele und persiflierende Bilder zu sehen sind. Ihm wurde spontan schlecht beim Lesen des Textes. Ich kann seine Argumentation und seinen Ärger verstehen. Er fühlt sich betroffen, er ist jedoch auch ein Vorzeigebeispiel für die Kampagne, denn er steigt immer wieder in den Ring.

Viele tun das nicht. Oder sie sind seit Jahren im Ring und haben das Geld und die Macht, andere einfach so hinauszuwerfen oder nicht erst hereinzulassen. Ja, es ist vieles Faul im Staate …Deutschland. Insbesondere bei den Wirtschaftsbossen (die beispielsweise bei der Kampagne mitmachen und haufenweise Stellen abbauen) und den von uns gewählten Politikern. Aber nicht nur bei "denen". Kann eine Kampagne alle Facetten beleuchten? Nein, denn dann wäre es keine Kampagne. Wie werden heutzutage Menschen erreicht? Rational? Oder rasten viele unserer eher trägen Mitbürger doch eher bei emotionalen, fokussierenden Kampagnen ("Blödmarkt", "Geilmarkt") aus und reagieren?

Für mich

persönlich ist nach wie vor nicht klar, was zuerst kommt: Das Ei oder das Huhn, die Bürger oder die Politiker, Wähler oder Regierung, Einzelinitiative oder wirtschaftliches/politisches Umfeld. Was wird von was verursacht, was macht was, wer macht wen?

Ich verstehe die Kampagne als einen Aufruf an diejenigen, die etwas bewegen könnten und es nicht tun. Und als eine Mahnung an diejenigen, die letztendlich nur etwas für sich und nicht für Deutschland tun. Auch wenn ich mir eine spezielle Kampagne für gegen letztere sehr gut vorstellen kann… Aber das wäre eben eine andere Kampagne.

Vor einigen Tagen ist ein Bild im Internet aufgetaucht, das Mitte der 30er Jahre aufgenommen wurde und ein Banner mit der Aufschrift "Denn Du bist Deutschland" und einem Hitlerbild zeigt. Es ist offenbar echt und viele sehen darin eine Bestätigung, dass die ganze Kampagne eh faul ist. Andere, wie Johnny sehen es differenziert. Und das ist gut so.

Weitere Links zum Beitrag:
del.icio.us/injelea

Als ich vor ein paar Minuten diesen Beitrag zu schreiben begann, wollte ich richtig loshämmern und mosern – gegen die, die dagegen sind -:). Jetzt bin ich ruhiger geworden, und meine Perspektive hat sich verschoben.

Ich sehe es so: Shit happens. Ich sehe keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Banner und der Kampagne. Alles steht in einem oder mehreren Kontext(en) und kann nicht isoliert betrachtet werden. Die Kampagne ist eine Sichtweise. Wichtig ist, dass

  • nichts unreflektiert übernommen wird
  • Meinungen und Ansichten geäußert werden
  • darüber diskutiert wird
  • Standpunkte bezogen werden

Wäre das vor 70 Jahren, als das Bild aufgenommen wurde, so gewesen, dann hätten sich die Geschichte und Deutschland anders entwickelt und es gäbe mich vielleicht gar nicht. Rein objektiv betrachtet ein großer Schritt für die Menschheit.
Rein subjektiv betrachtet für mich eine ziemliche Katastrophe.