Nicht erst seit „Cablegate“ habe ich über Wikileaks nachgedacht. Es gibt Argumente für und gegen Wikileaks und Julian Assanges Anspruch. Den Anspruch, den ich oft auch als „Aufdecken um des Aufdeckens Willen“ empfinde. Einen Anspruch, der ähnlich wie der der Anarchisten wie vor etwas über einem Jahrhundert jeglichen Autoritätsanspruch negiert und den Kampf gegen Organisiertheit (insbesondere der staatlichen Instanz) per se als „gut“ postuliert.

Für mich ist Wikileaks nur ein Werkzeug. Für mich als Beobachter ist Julian Assange der Meister des Werkzeugs. Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, was Julian Assange wirklich „will“. Geht es ihm um die Aufdeckung von Missständen? Um eine bessere Welt? Was soll sich in welche Richtung hin verändern?

Im Grunde wissen wir alle, dass der amerikanische Staat — wie alle Staaten — im Grunde ständig eine Menge im Grunde zwielichtiger Dinge tut. Einzelne Details dazu aufzudecken wird nicht inhärent zu Gutem führen. Manchmal kann es sogar schlecht sein, und manchmal wird das vorläufig Gute nur kein großes Ausmaß haben. Für den ethischen Menschen — und Assange hebt seine Ethik stets hervor — muss die Frage stets lauten: Was erreichen die aufgedeckten Geheimnisse? Führen sie zu etwas gutem? Werden sie die Verhältnisse verbessern?

[ Julian Assange und die Computerverschwörung: “diese unsichtbare Regierung zu Fall zu bringen” via Robert Basic ]

Und dann frage ich mich weiterhin: Nach welcher inneren Maxime handelt Assage? Ist Wikileaks für ihn ein Zweck oder ein Mittel? Sind „die Medien“, d.h. die Menschen, Zweck oder Mittel? Sind die betroffenen Menschen für ihn Zweck oder Mittel? Sind wir, die mittelbaren oder unmittelbaren Nutzer von Wikileaks, Zweck oder Mittel?

Was hat insbesondere die letzte Veröffentlichungsrunde („Cablegate“) Gutes bewirkt? Was wird sie an Gutem oder Schlechtem bewirken? Wurde / Wird die Welt dadurch besser oder schlechter?

Momentan habe ich viele unbeendete Gedanken und mehr Fragen als Antworten. Des Weiteren hat auch Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach bereits „keinen“ Artikel zu Wikileaks geschrieben:

Meine These (noch einmal) ist: WikiLeaks und die Informationen da sind weder gut noch böse, weder ein Instrument der Freiheit noch des Terrors. Können aber, ebenso wie Transparenz, alles dieses werden, je nachdem was jemand damit macht.

Deswegen schreibe ich keinen Artikel über Wikileaks oder Julian Assange.

1 Antwort
  1. Patrick Breitenbach sagte:

    Vielleicht ganz hilfreich ist der Artikel der SZ, die sich mal ein wenig näher mit der Persönlichkeit von Assange beschäftigt hat: http://www.sueddeutsche.de/digital/2.220/wikileaks-gruender-julian-assange-der-gegenverschwoerer-1.1031477

    Wenn es also nur um das Zerstören alter Strukturen geht um dann die Saat für etwas Neues zu streuen, würde mich doch sehr interessieren, was das Neue sein wird? Ich fürchte wo weit gehen die Gedanken gar nicht. Schade.

Kommentare sind deaktiviert.