Am 7. und 8. Februar 2012 fand in Paris der jährliche Enterprise 2.0 Summit statt. An zwei Tagen traffen sich Vertreter aus Unternehmen und Beratungsunternehmen im Cercle National des Armées, um Erfahrungen zu Enterprise 2.0 weiterzugeben und auszutauschen. Zeit für einen Rückblick und subjektive Eindrücke.

Eindrücke

Mein Eindruck nach dem Enterprise 2.0 Summit ist, dass Enterprise 2.0 in vielen Unternehmensbereichen angekommen ist. Waren es früher noch vor allem IT- und Kollaborationsvertreter, so kommen die Teilnehmer inzwischen aus den verschiedensten Bereichen und aus unterschiedlichen Hierarchieebenen. Nachdem ein Teilnehmer irgendwann bemängelt hatte, dass zu wenig HR-Leute zu solch einer Veranstaltung kämen, ergab eine Zählung in einer Session, dass doch einige HR-Vertreter da waren. PR, Marketing, HR, Change Management… Enterprise 2.0 ist in den Unternehmen angekommen.

Doch scheinbar gibt es auch den Eindruck, dass noch zu wenige IT-Leute sich für Enterprise 2.0 interessieren – zumindest die „klassischen“ IT-Leute. Riitta Raesmaa griff eine Twitter-Diskussion von Dion Hinchcliffe und Mark Masterson und zog dann Parallelen zwischen den Feldern des IT-Servicemanagement / ITIL und des Enterprise 2.0 / Social Business.

These areas — IT Service Management & Enterprise 2.0/Social Business — have a lot in common. Both are about people, processes and the tools. And in both areas the discussion is too often spinning around the technology and the processes, leaving the people play the supporting part in the process and tool play. And it should be the opposite.

[ Best Practices, Enterprise 2.0 and Social IT – with Passion ]

Da kam sie dann schnell auf drei Punkte: „Attitude, Behavior, Culture„. Viele, wenn nicht alle, die sich mit der Thematik Enterprise 2.0 und Social Business beschäftigen, sehen die Herausforderungen nicht in den technischen Systemen, den Tools oder den Projekten, sondern in Haltungs-, Verhaltens- und Kulturfragen. Vielleicht ist es genau diese Thematik, weswegen sich aus dem „klassischen“ Management (insbesondere dem „Führungsmanagement“) noch wenige wirklich intensiv mit Enterprise 2.0 und Social Business beschäftigen: Sie glauben, dass es nur um neue Tools oder Abläufe geht. Sie verlassen sich auf Zeitungsberichte und -artikel und schicken ihr operatives Management los, um schnell einmal Enterprise 2.0 zu evaluieren und zu installieren.

Für mich ist das erstaunlich angesichts der Tatsache, dass die Berichte über Enterprise 2.0 und Social Business in vielen Managementmagazinen wie im Harvard Business Review oder Zeitungen wie im Handelsblatt seit etwa einem Jahr rapide zunehmen. Und diese Berichte weisen oft genau darauf hin: Es ist nicht die Technologie!

Die Demokratisierung des Arbeitsplatzes

Die Teilnehmer und Referenten des Enterprise 2.0 Summits waren zwar in Detailfragen durchaus anderen Ansichten, aber in genau diesem Punkt stimmten sie alle überein. Möglicherweise liegt genau darin der Knackpunkt, warum das klassische Führungsmanagement so zurückhaltend mit Enterprise 2.0 und Social Business ist: Es geht um die Demokratisierung des Arbeitsplatzes.

Enterprise 2.0 will not fulfill its potential unless its foundation is more than just web technologies or connected businesses. We need to integrate democratic organizing principles into our discussions on Enterprise 2.0 and Social Business. Without a solid architectural organizing principle, I don’t think the Enterprise 2.0 ship will sail very far.

[ Social Enterprise Today: Enterprise 2.0 and Social Business are Hollow Shells without Democracy ]

Das aktuelle Führungsmanagement hat seine Macht und seine Position aufgrund hierarchischer Strukturen und des Taylorismus gewonnen. Sie glaubt ihre Macht und Position in Gefahr, denn sie glaubt, dass eine Demokratisierung in Unternehmen ins Chaos führen und sie stürzen würde. Wenn die Silos verschwünden, dann verschwünden sie, die Herrscher dieser Silos, ebenso.

Beispiel Social Intranet

Ich nahm an einem Workshop zum Social Intranet teil. In dem Workshop sollten Widerstände und mögliche Lösungen zu einem Social Intranet ermittelt werden. An den Ergebnissen des Workshops ließ sich für mich die Gesamtsituation zu Enterprise 2.0 und Social Business nachvollziehen. Jane McConnell leitete den Workshop und fasste die Ergebnisse in einem Blogartikel zusammen:

I led the group through a 5-minute brainstorm on major obstacles and we regrouped into the 3 categories below.  Then we went into 3 huddles to identify ways around the obstacles. This was fast work, all wrapped up in 45 minutes. The three obstacles:

  1. Management resistance (top and middle, each with different concerns)
  2. Culture and change resistance (which is a bigger question than the intranet itself)
  3. Internal communicator resistance (uncomfortable losing control)

[ Jane McConnell: Social intranet „how to“ from E2.0 Summit in Paris ]

Eine neue Denkkultur für Geschäftsziele

Doch Enterprise 2.0 bedeutet keine Revolution und kein Chaos. Das Kapital, d.h. die Eigentümer eines Unternehmens, bestimmen immer noch über Visionen und Ziele des Unternehmens. Es geht nicht darum, Ziele auszuradieren sondern das Unternehmen in einer veränderten Umgebung und Gesellschaft an den Zielen auszurichten. Es geht um eine andere, neue Denkkultur:

Die Methoden und Gedanken von Smith, Taylor und Ford prägen bis heute unsere Unternehmen. In unserer Industriegesellschaft finden wir deshalb die herrschende logisch-rationale Denkkultur in die Praxis umgesetzt. Fast alle arbeiten immer noch nach den zentralen Leitlinien: extreme Arbeitsteilung, Spezialisierung und entsprechende Fragmentierung der Arbeit, ihrer Abläufe und der Arbeitsvorgänge. Sie sind im Planen, im autoritären Führen und im übertriebenen Misstrauen aus dieser abendländischen Denkkultur heraus zu erklären. Aber in Zukunft brauchen wir eine andere Ausrichtung, ein anderes Denken.

[ Perspektive Blau, Andreas Lukas: Warum wir eine neue Denkkultur brauchen ]

Rawn Shah zeigte in seiner Keynote Präsentation auf, dass die Geschäftsbereiche durch Social Media und die vielen Konversationen in den Unternehmen nicht verschwinden. Wichtig ist, die Strukturen der Enterprise Collaboration an den Geschäftszielen auszurichten.

Der Enterprise 2.0 Summit als Plattform

Der Enterprise 2.0 Summit ist eine großartige Plattform, um Erfahrungen, neue Gedanken und Ideen auszutauschen. Es gibt klassische Vorträge, Diskussionsrunden, Workshops, „Socializing“ online und offline und dies alles auf gleicher Augenhöhe. Es geht nicht darum, auf der Konferenz Lösungen sondern Aspekte, Gedanken und Anstöße in Diskussionen zu finden. Die Erfahrungen („Success Stories“) von anderen Teilnehmern oder Referenten können keine Lösungen aber gute Anstöße für eigene Lösungen sein.

I put the emphasis on discussing because let’s be honest: if an event such as the Enterprise 2.0 Summit is not the place to have the difficult matters discussed, trying to collectively make sense of them , then where should we do it? I would have liked to see us handle together these issues as we handled the Dundu puppet in the photo.
Please do not think that I undervalue the success stories shared at the Summit, on the contrary! I like to see that more and more organizations (Danone, Alcatel-Lucent, JC Decaux, Saint-Gobain) are embracing a new way of collaborating and connecting their employees. It’s just that in the end I have to seek my own success stories but I could benefit much more from knowing the “dark side” of those that have been embarking on this adventure for some time now.

[ The art of life and work: Reflections on the Enterprise 2.0 Summit 2012 in Paris ]

Enterprise 20 Summit: DUNDU Performance - Interactive change management

Enterprise 2.0 Summit 2013

Auch nächstes Jahr gibt es wieder einen Enterprise 2.0 Summit: Der 5. Enterprise 2.0 Summit ist vom 20. bis 21. März 2013 in Paris.