Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen. Es tut mir leid. Eine äußerst ernst gemeinte Kolumne.

Ich genieße es sehr, weitgehend unabhängig von Raum, Zeit und verschiedenen Endgeräten wie beispielsweise MacBook, iPhone oder Boxee Box zu sein.

Für gemeinsamen Speicher nutze ich Sugarsync und Dropbox. Meine persönlichen Lesezeichen habe ich quasi überall dank Xmarks. Und dann ist noch die unendliche Weite von Apps, Scriptlets, Addons und Buttons, die mich Inhalte vormerken und später genießen lassen.

Im Browser auf dem MacBook ein schönes Video gesehen, das erst erst auf dem großen Schirm im Wohnzimmer zur Geltung kommt? Kein Problem, „Watch later on Boxee“, KLICK! Einen interessanten Artikel angelesen, für den jetzt keine Zeit ist? Kein Problem: KLICK! Und schon ist er auf der Readitlaterlist auf allen meinen Endgeräten zum Klicken und zum späteren Konsumieren und Verarbeiten!

Es gibt soooo viele interessante Dinge zum Sehen, Hören, Genießen und Lernen. Doch kaum eines dieser Dinge habe ich selbst erstellt, und die wenigsten dieser Dinge haben sich mir von selbst aufgedrängt (außer einigen vielleicht durch einen dieser altmodischen „RSS-Feeds“).

Von den meisten dieser wunderbaren Dinge erfahre ich durch andere wunderbare Menschen, die andere an Dingen – ihrem Wissen und ihren Erfahrungen – teilhaben lassen. Und ich habe oft nichts anderes zu tun, als diese Dinge zunächst in einer dieser unzähligen Listen einzuschließen – und sie erst einmal aus meinem Kopf auszuschließen

Und irgendwann, irgendwo auf irgendeinem Endgerät genieße ich diese „Dinge“. Oh ja, nicht alle dieser Dinge „gefallen“ mir oder „geben“ mir etwas. Aber es sind viele Schmuckstücke dabei, von denen ich glaube, dass sie für andere ebenfalls wertvoll sein könnten.

Und wenn ich sie später genieße, dann reicht meistens ein weiterer Klick in einer App oder auf ein Scriptlet verbunden mit ein paar warmen Worten. „Da, schaut her, das ist wunderbar!“ Klick! Ich unterliege der Vermutung, nicht alle meiner Follower, Kontakte, Friends, Abonnenten oder wie sie im Einzelnen auch bezeichnet sein mögen, teilen in allen Fällen meine Einschätzung. Dies ist zwar schade, lässt sich aber nicht immer ganz vermeiden.

Doch das eigentlich Tragische an meiner Vorgehensweise, meinem Verhalten und meinem vergeßlichen Kopf, aus dem ich diese Dinge zuvor einmal ausgeschlossen hatte, ist, dass ich nicht mehr weiß, wo und bei wem ich diese wunderbaren Dinge aufgeschnappt hatte!

Das tut mir leid. Anständig wäre es mitzuteilen, wo und von wem ich diese wunderbaren Dinge aufgeschnappt hatte. Doch mein Gedächtnis spielt mir, möglicherweise aufgrund fehlender Addons, regelmäßig einen Streich. Ich könnte jetzt die Schuld auf die ganzen unzulänglichen Tools abwälzen, aber die Wahrheit ist:

Es ist meine Schuld. Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen… HALT! Mein Hörsaalleiter an der Offizierschule pflegte zu sagen:

Sagen Sie nicht, dass Sie etwas sagen möchten. Sagen Sie es.

[ Anständig wäre es an dieser Stelle, einen Link zu setzen. Aber damals gab es noch keine Computer, mit denen man in das Internet gehen konnte ]

(Im Übrigen gehört diese Weisheit für mich irgendwie zu Punkt 21 „Give up beating around the bush“ auf dieser Liste von der ich übrigens von Stephan List erfuhr.)

Aber jetzt in voller Ernsthaftigkeit:

Ich entschuldige mich bei Ihnen. Es tut mir leid.

Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte. Ich habe noch eine ziemlich lange Liste wunderbarer Dinge…

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