Am 7. und 8. Februar 2012 findet in Paris der jährliche Enterprise 2.0 Summit statt. An zwei Tagen treffen sich Vertreter aus Unternehmen und Beratungsunternehmen, um Erfahrungen zu Enterprise 2.0 auf dem Summit weiterzugeben und auszutauschen. Doch was ist eigentlich Enterprise 2.0? Ist dieser Begriff noch zeitgerecht?

Enterprise 2.0

Harvard Professor Andrew McAffee stellte im April 2006 sein „Enterprise 2.0“-Modell vor:

Do we finally have the right technologies for knowledge work? Wikis, blogs, group-messaging software and the like can make a corporate intranet into a constantly changing structure built by distributed, autonomous peers — a collaborative platform that reflects the way work really gets done.

Im Wesentlichen baut McAfee seinen Artikel „Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration auf dem Acronym „SLATES“ auf, das eine Reihe von Enterprise 2.0-Technologien beschreibt:

  • Slates
  • Links
  • Authoring
  • Tags
  • Extensions
  • Signals

In seinem Artikel hebt McAfee auf die „Knowledge Worker“ (Wissensarbeiter) ab, die mit den bisherigen Kanälen und Plattformen keine angemessene Unterstützung in ihrer Arbeit erfahren. Dazu beruft McAfee sich auf eine Untersuchung von Tom Davenport. Meine stark verkürzende Interpretation: Mit den neuen Technologien können die Wissensarbeiter weit besser funktionieren und die Unternehmen daraus ihren Nutzen ziehen.

Dion Hinchcliffe erweiterte die Liste 2007 auf „FLATNESSES“ („The state of Enterprise 2.0„) um

  • Freeform
  • Network-Oriented
  • Social
  • Emergence

Hinchcliffe ist auf dem Enterprise 2.0 Summit und hält eine der Keynotes. Ich habe Hinchliffe etwa drei Mal erlebt und einige Videos/Interviews mit ihm gesehen. Er baut seine Argumentationen analytisch und logisch auf. Ich freue mich, ihn erneut auf dem Summit zu erleben.

Ist „Enterprise 2.0“ veraltet?

Der Begriff „Enterprise 2.0“, die Diskussionen darum und die Anwendung von Enterprise 2.0 waren lange Zeit von den Technologien geprägt. Doch Andrew McAfee selbst bezog bereits 2007 zu dem bereits damals geflügelten Satz „It’s Not About the Technology“ Stellung:

The correct-but-bland meaning is „It’s not about the technology alone.“ In other words, a piece of technology will not spontaneously or independently start delivering value, generating benefits, and doing precisely what its deployers want it to do. Technologies have to be managed in order to do any of these things; they’re not magic bullets or miracle cures.

Andrew McAfee: It’s Not Not About the Technology ]

Irgendwann dämmerte es den Menschen in den Unternehmen, dass es um mehr geht. Und den Beratern dämmerte, dass sich mit dem „mehr“ auch viel mehr Geld verdienen lässt. Nicht umsonst lautet der Untertitel von McAfees Blog „The Business Impact of IT“.

Einerseits ist der „alte“ Begriff nicht zuletzt aufgrund des Unverständnisses vieler Führungskräfte und Entscheidungsträger – teilweise bis heute – technologisch belastet. Andererseits haben viele Menschen und Unternehmen den Begriff auf ihre jeweilige Weise verstanden, definiert und geprägt.

Der Begriff „Enterprise 2.0“ hat nach meinem Dafürhalten weiterhin seine Berechtigung. Doch ich sehe ihn in erster Linie geeignet für die Betrachtung bei der Umsetzung der Web 2.0-Technologien im Unternehmen als Bestandteil von Projekten und Prozessen.

Social Business

Zunehmend setzt sich ein neuer Begriff durch: Social Business. Ihn kennzeichnet im weitesten Sinne das Verständnis, dass Menschen und ihre sozialen Interaktionen das Geschäft (Business) prägen. Es sind letztendlich nicht die Unternehmen sondern Menschen und Menschengruppierungen innerhalb und außerhalb des jeweiligen Unternehmens. Diese Menschen formen die Geschäftsprozesse und führen die Geschäfte.

Innerhalb und außerhalb des Unternehmens! Sicherlich: Es gibt keinen Vertragsabschluss ohne übereinstimmende Willenserklärungen von Menschen aus verschiedenen Unternehmen. Doch heutzutage ist ein Unternehmen in der heutigen vernetzten und globalisierten Welt immer in ein Geflecht aus persönlichen Beziehungen eingebunden. Die Zeiten, in denen sich nur der Vorstand, hohe Führungskräfte und wichtige Vertriebsmitarbeiter mit Geschäftspartnern zum Lunch verabredeten, sind vorbei. Mitarbeiter unterschiedlicher Unternehmen treffen sich „virtuell im Netz“ und auch im richtigen Leben aufgrund gemeinsamer Interessen.

Die Fokussierung McAfees auf Wissensarbeiter 2006 ist verständlich. Doch im geschäftlichen Alltag in vielen Unternehmen – zumindest in den hoch entwickelten Ländern – spielt diese Fokussierung kaum noch eine Rolle. Die Anteile des Primärsektors (Landwirtschaft, Fischfang) und des Sekundärsektors (Industrie) sind in den hoch entwickelten Ländern zugunsten des Tertiärsektors (Dienstleistungen) stark zurückgegangen. Und der Quartärsektor (anspruchsvolle Beratung, IT_Dienstleistungen, High-Tech, Kommunikation) nimmt rapide zu. Selbst in kleinen und mittelständischen Unternehmen gehört „Wissensarbeit“ für viele Mitarbeiter zu ihren Kerntätigkeiten.

Im Zentrum von Social Business stehen die Menschen und die Prozesse. Die technologische Entwicklung ermöglicht es inzwischen, die Menschen (in ihrer Beziehungsarbeit) in und außerhalb ihrer Geschäftsprozesse mit Plattformen weit „sozialer“ zu unterstützen, als dies bis vor drei oder vier Jahren gelang.

So wenig, wie es inzwischen eine von allen anerkannte Definition von Enterprise 2.0 gibt, so wenig gibt es eine für Social Business. IBM beispielsweise sieht in Social Business ein großes Geschäftspotential und beschreibt Social Business wie folgt:

The ways individuals and communities interact, form relationships, make decisions, accomplish work, and purchase goods are changing the way business is done. A social business embraces and cultivates a spirit of collaboration and community – internally and externally – delivering unprecedented return for the time invested.

A social business recognizes that people do business with people and optimizes how people interact to accomplish organizational goals:

  • Deeply connecting individuals in productive, efficient ways
  • Providing line of sight across traditional boundaries and better aligning actions to needs
  • Speeding up business with insight to anticipate and address evolving opportunities

[ IBM: Social Business ]

Gleich, ob es um Enterprise 2.0 oder Social Business geht, die Herausforderungen sind die gleichen. Sandy Carter, Vice President IBM Social Business Sales and Evangelism, beschreibt in diesem etwa dreimünitigem Video, worauf Sie achten sollten:

[ Direktlink ]

Pam Moore kommt aus der „Marketingecke“ und hat vor zwei Wochen nach einer Definition gesucht und diesen Vorschlag eingebracht:

Becoming a social business transforms the organization from the inside out, connecting the internal with the external in a way that enhances relationships and creates shared value for the people, the business and ecosystem as a whole.

[ Pam Moore: The Definition of Social Business? ]

Vielleicht haben Sie eine andere Definition oder eine Erweiterung?

Anmerkung zum Begriff „Social Business“

Der Begriff „Social Business“ entstand in den letzten drei Jahren parallel mit zwei Bedeutungen. Einmal in der von mir erläuterten Bedeutung und dann als wirtschaftliches Konzept:

Social Business ist ein wirtschaftliches Konzept, das oft auf den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus zurückgeführt wird. In dem Bereich tätige Unternehmen sollen soziale und ökologische gesellschaftliche Probleme lösen.

[ Wikipedia: Social Business ]

Enterprise 2.0 und Social Business als Grundsatzthemen

Enterprise 2.0 beziehungsweise Social Business ist kein abgestecktes und klar definiertes Feld. Es gibt Modelle und Definitionen. Es gibt vor allem inzwischen viele Unternehmen, die Erfahrungen damit gemacht haben und bereit sind, sie weiterzugeben. Und noch besser: In bester Enterprise 2.0-Manier geben sie auch weiter, was sie aus ihren Fehlern gelernt haben.

Wenn Sie an Enterprise 2.0 und Social Business interessiert sind, sich informieren wollen oder sich austauschen möchten, dann kommen Sie nach Paris zum Enterprise 2.0 Summit.

Registrierung und Sonderpreise zum Summit

Die Registrierung erfolgt auf der Veranstaltungswebsite. Der reguläre Preis beträgt noch bis zum 2. Februar 1.790 Euro, danach müssen Sie 2.090 Euro bezahlen. Es sei denn:

  • Als Berater („which we define as freelancers and staff members of consulting firms with 20 employees or less„) erhalten Sie Sonderpreise: 890 Euro bis zum 2. Februar, danach 1.090 Euro. Heute (29. Januar 2012) sind noch fünf Karten verfügbar.
  • Als Leser meines Blogs erhalten Sie bei der Registrierung 10 Prozent Rabatt auf den aktuellen Betrag. Geben Sie hierzu bei der Registrierung den Rabattcode/Promotional Code „e20ambassadorfh“ an.

Aktuelle Informationen (Facebook/Twitter)

Aktuelle Informationen erhalten Sie vom Enterprise 2.0 Summit auf seiner Facebook-Seite und seinem Twitter-Account @Enterprise20.

Weiterhin habe ich eine Liste der mir bekannten twitternden „Enterprise 2.0 Ambassadors“ zusammengestellt: e20samba. Mit dieser Liste können Sie vor und während der Veranstaltung die Tweets der Botschafter verfolgen.

The E2.0 SUMMIT Ambassadors Program is a public outreach program designed to work with motivated E2.0 bloggers and enthusiasts. The participants of this program are communicating, promoting, and representing the E2.0 SUMMIT and its mission and idea to the whole E2.0 community and the public at large.

[ E2.0 SUMMIT Ambassadors ]

Mich finden Sie ebenfalls auf Twitter: @fwhamm. Und am 7. und 8. Februar in Paris.

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