Julius Endert berichtet ein wenig von der Next08, und er liest sich so gar nicht euphorisch an, wie man das angesichts des bekannten (inzwischen Monster-)Events (diesmal 1.200 Teilnehmer) vermuten könnte. Eines aber hat es ihm angetan – das soziale Experiment Glücklich ohne Email:

Da möchte ich an dieser Stelle noch eben ein unerhörtes soziales Experiment erwähnen. „Leute, verzichtet auf Emails, sie halten euch nur vom Arbeiten ab“, mit dieser Provokation stürmte Luis Suarez Rodriguez auf die Bühne und berichtete von seinem Selbstversuch, der das Publikum sofort in zwei Lager spaltete, genau wie seine Kollegen bei IBM. „Du wirst so was von gefeuert“, meinten die einen. „Endlich mal einer, der die Eier (sorry, das hat er wirklich gesagt) hat, sich dem Email-Wahnsinn zu widersetzen.“

Nicht mail, kommunizieren und effizient arbeiten. Der Email-Antichrist hat nur noch maximal acht Mails am Tag und alle im Saal waren neidisch. Statt Sklave seiner Inbox zu sein, nutz Luis Suarez Rodriguez einen ganzen Satz neuer Werkzeuge, darunter Wikis, Rss und Community, verknüpft mit einer ordentlichen Suche. 

Spricht da etwa zwischen den Zeilen der Neid aus Julius Enderts Worten? Wie viele Emails er wohl pro Tag so bekommt?

Aber auch wenn ich es letztes Jahr noch prophezeite: Das Ende von Email ist – zumindest für mich – immer noch nicht da. Doch es naht. Zumindest im persönlichen Bereich. Und ich eile dem Ende glücklich entgegen.

Allerdings geht es nicht nur um die Menge. Mir zumindest nicht nur. Im Job dreht sich zwar nahezu alles um und über Email (sofern bestimmte Personen sich die Emails nicht ausdrucken oder zum x-ten Male zuschicken lassen, um sie dann doch zu ignorieren), ich empfinde mich jedoch als nur gering im Vergleich zu vielen anderen "belastet". Immerhin sind es eher die Umstände und die Haltung der Personen, die mich manchmal nahezu verzweifeln lassen.

Gerade heute beispielsweise versendete ich eine Email mit einer Tabelle im Anhang (ein Export aus einer Datenbank). Sie kam an. Der Empfänger öffnete die Email. Er öffnete offensichtlich die Excel-Datei, die ich angehängt hatte. Denn dann rief er mich an:

Er: Was bedeutet der Wert "-1"?

Ich: Der Wert "-1" bedeutet "keine Angabe"

Ich wiederholte einfach nur den Satz, der sich gar nicht versteckt in der Email in wenigen Zeilen zur Erläuterung nicht nur nicht verbarg sondern sogar ins Auge des Lesers sprang. Zumindest hätte springen sollen (Vielleicht hatte der Satz ja einen Bug?).

Es ist der Umgang der Menschen mit dem Medium Email, der mich verzweifeln lässt. Und ich hoffe, es sind nicht dieselben Menschen, mit denen ich in zehn Jahren einmal über Social Software kommuniziere. Nein, eigentlich kann ich mir das gar nicht vorstellen. Also, dass dieselben Menschen …

Wie gesagt, es ist nicht das Medium – es sind die Menschen. Die Menschen müssen sich einfach nur etwas normaler verhalten. So wie wir Menschen eigentlich programmiert hätten sein sollen. In der Zwischenzeit gehe ich schon mal los irgendwie glücklich dem Ende von Email entgegen.

P.S. Schade eigentlich, dass ich es nicht zur Next08 schaffte. Ich wäre gerne – und wahrscheinlich auch euphorisch – gekommen. Andererseits … mir hat wohl niemand eine Email mit einer Einladung geschickt. Kann also nicht so wichtig gewesen sein … oder habe ich sie im falschen Ordner abgelegt … muss gleich mal nachsehen …