Stopp von Anssi Koskinen

Ich bin dagegen, dass Mitarbeiter am Arbeitsplatz ihre Zeit und die Zeit ihres Arbeitgebers vertrödeln, während sie etwas besseres zu tun haben: Arbeiten. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat entgehen in Deutschland den Unternehmen wertvolle Produktivkräft. Kein Wunder, dass wir Deutschen es nie so richtig behende von Null auf Hundert schaffen.

Der Grund ist offensichtlich: Wir Deutschen vertrödeln unsere Zeit mit Facebook. Viel schlimer: Facebook mag neu sein – das Vertrödeln ist es nicht. Seit Jahren werden Millionen unseres Bruttosozialproduktes in den Wind geschossen. Deutsche Mitarbeiter quatschen in der Kaffeeküche. Deutsche Mitarbeiter verrauchen sinnlos Zeit und schädigen dabei auch noch ihre Gesundheit. Obwohl… das treibt immerhin den Anteil der Gesundheitsbranche am Bruttosozialprodukt in die Höhe. Deutsche Mitarbeiter sitzen sich sogar am Schreibtisch gegenüber und diskutieren die neuesten Bundesligaspiele und -ergebnisse. Deutsche Mitarbeiter telefonieren mit Frau, Mann, Kind, Kegel, Studienkollegen, Vereinskollegen und wem auch sonst noch. Die jüngeren, die mittleren und die älteren Mitarbeiter SMSen sich die Finger wund.

All dies tun sie anstelle dass sie ihre ganze Arbeitskraft für ihren fürsorglichen Arbeitgeber einsetzen. Welch Verschwendung! So kann es nicht weitergehen! Deswegen bin ich gegen Facebook, Twitter und überhaupt das ganze Internet am Arbeitsplatz für jeden und jederzeit! Deswegen habe ich Verständnis für Unternehmen wie Daimler, das Facebook an einigen Standorten gesperrt haben soll:

Jeder fünfte Büroangestellte nutzt bei der Arbeit soziale Online-Netzwerke wie Facebook und Twitter. 41 Prozent rufen laut einer Umfrage ihre privaten Emails ab. Das ist vielen Arbeitgebern ein Dorn im Auge. Daimler geht nun dagegen vor.

[ n-tv.de: Daimler verbietet Facebook via @westerbarkey ]

Deutsche Mitarbeiter sollten sich auf deutsche Tugenden wie Fleiß, Strebsamkeit und Ehrlichkeit besinnen – wenn sie arbeiten. Doch warum arbeiten sie dann nicht? Vielleicht, weil zu Arbeitsteilung, Hierarchie und Organisation in klassischen deutschen Unternehmen eine weitere Tugend gehört: Verantwortung. Führungskräfte sind verantwortlich für ihre Mitarbeiter. Wie kommt es also, dass deutsche Mitarbeiter seit Jahrzehnten wertvolle Arbeitszeit ihrer Unternehmen verschwenden? Erhalten Sie keine Arbeitspakete von ihren Führungskräften? Werden sie etwa nicht geführt?

Ich bin dafür, dass Mitarbeiter gelegentlich auch während ihrer Arbeitszeit privat kommunizieren. Solange ihre Arbeit nicht darunter leidet. Dafür sind beide verantwortlich: Sie selbst und ihre Führungskräfte.

Unternehmen verlangen von ihren Mitarbeitern Flexibilität. Sie sollten sie auch ihren Mitarbeitern zugestehen.