Jeden Tag stürmen tausende Informationen auf mich ein, und ein paar davon gebe ich weiter. Vor sieben Jahren hatte ich nur meinen RSS-Reader für Blogs und Nachrichten-Websites. Heutzutage gibt es jede Menge Social Media, Mobilgeräte und noch viel mehr Werkzeuge aka Apps. Und doch überlebe ich den täglichen „Information Overload“. Meine Rezeptur zum Überleben sind erstens Quellen via RSS und Social  Networks, zweitens ein paar Werkzeuge und drittens Filter, Filter, Filter.

„Information Knights“

Ich bin nicht alleine. Andere bewältigen und überleben ebenfalls den täglichen „Information Overload“. Jeder, der tagtäglich beruflich oder aus Interesse (oder aufgrund von beidem…) online ist, hat seine Methode damit umzugehen. Doch immer wieder werden diese Methoden überprüft. Der Kampf mit dem Informationsüberfluss erfordert wahre Tapferkeit und Ritterlichkeit.

Karsten Füllhaas hat 195 Feeds abonniert und ist auf der Suche, um den täglichen Informationsfluss zu organisieren. Er fragt sich und Twitter-Follower, „…wie viele Feeds sie abonniert haben und ob Kanäle wie Facebook oder Twitter für sie wichtiger wären als RSS„. Nach Auswertungen der Antworten kommt er zu dem Schluss:

Ich denke, keine Methode alleine – also RSS oder Social Networks – ist die richtige. Auf RSS-Feeds werde ich in Zukunft vor allem dort setzen, wo mir Dialogmöglichkeiten und Echtzeit nicht so wichtig sind. Bei mir werden also einige Feeds rausfliegen.

Jörg Hoewner hat das iPad für seine Informationsflüsse entdeckt und berichtet über seine Veränderung der Mediennutzung nach dem ersten halben Jahr mit dem iPad. Primär nutzt er das iPad als Lesegerät für PDF-Dateien, Blogs, Twitter, Publikationen/Twitter, Webseiten und Serviceinfos. Doch:

Daneben nutze ich das iPad als Arbeitsgerät. Als Arbeitsgerät zum Brainstormen, als Notizzettel. Wobei ich sagen muss, dass die virtuelle Tastatur für kurze Texte ok ist, aber ich ungern diesen Blogbeitrag damit schreiben würde (hab damit angefangen und bin dann zum Mac gewechselt). Einen Stift, mit dem man auf dem Touchscreen einen echten Stift simulieren kann, habe ich mir kürzlich gekauft. Dieser bietet eine größere Präzision als meine Wurstfinger, aber zur Texteingabe ist er nicht wirklich geeignet.

Die Schweizer Journalistenschule maz hat Marcel Bernet gebeten, seinen „… Medienkonsum in einem Tagebuch aufzuzeigen. Als langjähriger maz-Dozent habe ich die Einladung gerne angenommen und ein wenig über NZZ, Papier, iPad und Abschalten im Atelier geplaudert„.

An einigen Morgen blättere ich noch schnell durch den Tages Anzeiger, aber spätestens am Bürobildschirm ist Schluss mit Papier: TweetDeck gibt mir einen schnellen Überblick aller Twitter-Kurzmeldungen und Facebook-News, dazu habe ich verschiedene Filter eingerichtet. Die wichtigste News-Inbox ist meine E-Mail, hier habe ich das abonniert, was mich am stärksten interessiert. Im Moment sind das amerikanische und europäische Online-Zeitungen, Magazine, Blogs aus den Bereichen Medien, Journalismus, Social Media, Wirtschaft. Je nach Zeitdruck wird sofort gelesen, gelöscht oder über Bookmarks und Evernote für späteres Lesen behalten – oder ausgedruckt.

Regelmäßig holt Bernet sich jedoch eine Auszeit nicht nur vom Medienkonsum in seiner Atelier-Werkstatt mit der Motorsäge.

Hagen Kohn ist auf der Suche danach, wie er den Überblick behält, und auf der Suche nach einer Strategie ruft er eine Blogparade aus:

Die Antwort ist scheinbar einfach: it´s the filter, stupid! Aber wie filtern? Klar, wir alle hören und lesen ständig von all den zahlreichen Tools, den Tipps und Tricks. Manches probieren wir aus, anderes lassen wir aus Zeitmangel aus. Dabei geht es doch gerade darum, Zeit zu sparen, Monitoring und Themenmanagement zu optimieren, um möglichst nur das aus dem Meer an Informationen herauszufischen, was wir brauchen. Nicht irgendwie, sondern mit STRATEGIE! Je tiefer ich in das Web eintauche, umso mehr habe ich das Gefühl, dass mir eine solche bislang fehlt. In der Hoffnung, dass es anderen auch so geht und weil ich es schade finde, dass Blogparaden langsam aus der Mode kommen, würde ich gerne einen kleinen Austausch anregen und mache hier gleich mal den Anfang.

Meine Umgebung

Für mich sind diese Artikel der Anlass, über meine Informationsflüsse und meine Mediennutzung nachzudenken. Ich habe einen Windows-Desktop, ein Macbook Pro, ein iPad und ein iPhone. Für mich ist eine „grenzüberschreitende“ Nutzung über Betriebssystem- und Herstellergrenzen hinweg sehr wichtig. Das bewahrt mich auch vor Überraschungen, wenn ich irgendwann einmal vom Glauben eines einzelnen Herstellers abfallen sollte :-D

Die Ausnahme, mit der ich das Prinzip der Grenzüberschreitung durchbreche, ist mein Kindle. Damit bin ich an einen Anbieter gebunden. Doch außer dem Kindle (als Hardware) habe ich die Apps auf iPad, iPhone, Mac, Windows und als Cloud Reader. Und ganz im Ernst: Wie viele und welche Bücher habe ich wirklich mehr als ein Mal gelesen? Nicht sehr viele – und diese Bücher kann ich mir jederzeit wieder holen als Ebook oder aus Papier.

Die Quellen

Ich habe etwa 170 RSS-Feeds, die ich zentral im Google Reader hinterlegt habe. Die Anzahl der Feeds variiert, bleibt aber immer irgendwo zwischen 170 und 230. Die Quellen der Feeds setzen sich zusammen aus Blogs, klassischen Nachrichten-Websites, Monitoring-Abfragen (z.B. nach „fwhamm“) und Watchlists (Suchergebnisse zu Schlagworten, die mich möglicherweise zu interessanten Beiträgen führen). Nach wie vor benutze ich Yahoo!-Pipes, um einige Feeds zu filtern oder zusammenzuführen. Meine Feeds setzen sich also ähnlich wie die von Christine Heller aka Punktefrau – eine weitere „Information Knight“ zusammen („RSS-Reader: hier fließen die Informationsstränge zusammen„):

In meinem Reader versammeln sich nicht nur die von mir geschätzten Feeds meiner Lieblingsblogs und Newsseiten, sondern ich setze den Reader auch gezielt im Rahmen des Monitorings ein. Google Alerts weisen mich darauf hin, wenn mein Name, der der Geschäftsführung oder die Firmen der result holding in einem Beitrag auftauchen. Sie kommen als ungelesene Feeds in meinem Google Reader an. Neben dem Monitoring für meine Firma, sind auch Alerts zu gewissen Schlagworten wie “Unternehmenskommunikation”, “Marktforschung”, “Medienforschung” o. ä. in meinem Reader anzutreffen. Mit einem oberflächlichen Blick über die eingetrudelten Feeds weiß ich morgens direkt, ob irgendwo über die Firma geschrieben wurde, was die Wettbewerber so machen und welche Medien oder Blogger sich meinen Schwerpunktthemen widmen.

Parallel zu den RSS-Feeds habe ich meine Social Networks als Quellen: Twitter (@fwhamm) und Facebook. Mit Google+ bin ich auch nach ein paar Versuchen noch nicht warm geworden. Doch ein kürzlicher Versuch nach einer Hilfestellung ergab bei Google+ sofort Rückmeldungen – auf den anderen Plattformen blieb es ruhig. Ich werde also gleich einen Link mit kurzer Erläuterung zu diesem Artikel auch auf Google+ posten…

Die Werkzeuge

Zum Scannen und Lesen der Feeds benutze ich Reeder als Mac- und iPad-App sowie gelegentlich die Weboberfläche im Browser auf dem Windowsrechner. Beim Reeder benutze ich als Dienste Evernote, Read It Later, Twitter. Daneben gibt es noch andere Dienste (Marsedit, Readability, Instapaper, Pinboard, Delicious, Zootool, Email), die ich nicht nutze.

Auf dem iPad benutze ich drei Apps zum Lesen bzw. Stöbern:

  • Zite mit Twitter, Read It Later, Evernote. Nicht von mir benutzt: Delicious, Facebook, Email, Instapapaer, Linkedin
  • Flipboard mit Read It Later, Twitter bzw. Facebook. Nicht von mir benutzt: Email

Zite verwende ich am häufigsten (alle 1 – 2 Tage). Eine weitere App habe ich inzwischen wieder entfernt, da sie mir zu wenige interessante Inhalte lieferte: News360 mit Read It Later, Twitter, Evernote, Facebook, Google+, Email, Instapaper.

Auf iPad und iPhone benutze ich die Twitter-App Tweetings, die ebenfalls Read It Later unterstützt.

Read It Later (RIL) verwende ich im Browser (als Extension bzw. über die Queue im Browser) und als iPad-App. Bei RIL benutze ich Evernote, Diigo, Facebook, Tumblr Dashboard (Tipp: Auf Tumblr können Sie anderen Tumblrn folgen, beispielsweise Barack Obama und The Five-0s) und Twitter. Daneben gibt es als Services noch Email, Box.net, Delicious, Google Reader.

Als Zentrale für Social Networks nutze ich als Twitter- und Facebookzentrale auf PC und Mac noch das alte Tweetdeck (AIR-Anwendung), das es nicht mehr als Download gibt. Twitter hat Tweetdeck vor einiger Zeit übernommen und die Anwendung inzwischen – nach meiner Meinung – verhunzt. Derzeit experimentiere ich mit Hootsuite und Yoono.

Neben den „klassischen Ebook-Käufen“ für das Kindle sende ich auch PDF-Dateien beispielsweise vom iPad aus auf mein Kindle. Das sind dann normalerweise umfangreiche Ebooks, die ich irgendwo heruntergeladen habe. Allerdings lassen sich auf dem Kindle PDF-Dateien mit umfangreichen farbigen Illustrationen oder mit großen Tabellen nur schwer lesen.

Aber ich habe noch meinen Ordner „Lesestoff“. Der Ordner wird via SugarSync auf Mac und PC synchronisiert, die PDF-Dateien lese ich dort mit dem Foxit Reader. Mit der iPad- und iPhone-App von Sugarsync kann ich jederzeit darauf zugreifen. Normalerweise benutze ich jedoch das iPad mit GoodReader, um damit in aller Ruhe PDF-Dateien zu lesen.

Mein Sammelsurium

Insgesamt also ein ziemliches Sammelsurium, das ich für das Lesen, das Teilen, das Sammeln (Diigo/Evernote), das Teilen (Twitter, Facebook, Diigo) und das Bearbeiten (via Evernote) von Inhalten benutze. Ich habe einige Tools im Werkzeugkasten, aber ich benutze das für mich einfachste und beste in der jeweiligen Situation. Richtig wichtig im Sinne von wichtiger als die anderen Tools oder Services ist für mich für den Informationsfluss keines.

Das Lesen macht mit den Tools viel mehr Spaß (Navigation, Werbung werden ausgeblendet; Evernote Clearly kann das auch). Das Teilen geht so nebenher – wobei ich versuche oft nicht nur den Titel und den Link sondern auch eine „Wertung“ beziehungsweise Empfehlung mitzuschicken. Das Sammeln hatte ich früher auch schon, aber inzwischen erleichtern die Tools das. Und zum Bearbeiten nutze ich sowohl iPad und Mac mit diversen Tools wie Evernote und Editoren. Bei den ‚Distraction Free‘-Editoren probiere ich gerade die Markdown-Syntax aus (dazu gibt es z.B. für WordPress dann ein Plugin). Aber das Bearbeiten ist einen weiteren Artikel (irgendwann…) wert.

Mein Ökosystem: Filter

Ja, auch ich lese nicht alles, was da an mir via RSS, Twitter, Facebook und auf den Tools vorbeirauscht. Ich muss vermeintlich oder tatsächlich Unwichtiges ausblenden, damit ich die Übersicht nicht verliere und dennoch informiert bin und andere informieren kann. Doch ich bin nicht alleine. Ich habe jede Menge Filter:

  • Meine Blogroll, die in etwa meine Feeds abbildet (und die ich mal wieder überarbeiten müsste)
  • Artikel, die auf andere Artikel und/oder Menschen verweisen
  • Werkzeuge wie Zite, die mich auf mir thematisch interessante Informationen hinweisen
  • Follower, Buddys, Friends, Folks, die mich auf Informationen hinweisen
  • Meinen Verstand, der immer mal wieder Quellen aus RSS, Twitter etc. raus wirft oder auch mal wieder reinnimmt. Und der die „richtigen“ Follower, Buddys, Friends, Folks auswählt
  • Meinen Kopf, der ab und zu einfach abschaltet

Meinen Umgang mit dem Informationsüberfluss sehe ich als ein Ökosystem, das sich ständig verändert. Teilweise ändere ich es, teilweise ändern es meine biologischen Filter. Die ständigen Änderungen in der Umwelt bedrohen mein Ökosystem einerseits – doch sie verbessern es andererseits. Dazu muss ich kontinuierlich auf Änderungen achten, darauf reagieren und mich anpassen. Die digitale Evolution entlässt nie ihre Kinder.

2 Kommentare
  1. Hagen Kohn sagte:

    Das sind ja einige interessante Anregungen! Flipboard und Zite werde ich gleich mal ausprobieren.

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