Seit ein paar Tagen schleppe ich mich mit einer Viruserkrankung und Fieber zwischen Bett und Couch hin und her. Einer der wenigen Vorzüge meiner Erkrankung ist, dass ich in halbwegs halbwachen Stunden meinen Lesestau versuche abzubauen. So nahm ich zur Entspannung bei einem Erkältungsbad das handsignierte Exemplar des Buches "Nie wieder achtzig!" des Dinosauriers der deutschen Kabarettszene, Dieter Hildebrandt, in die Hand. Und ich musste feststellen, dass es mit der Entspannung bei diesem Buch nicht besonders weit her ist.

Hatte ich zunächst noch gehofft, mich von ein paar SEINER Weisheiten berieseln zu lassen, so bemerkte ich sehr schnell: So funktioniert das nicht bei einem Dieter Hildebrandt! Weder bei seinen Auftritten noch bei seinen Büchern geht es darum, sich passiv berieseln zu lassen. Wer da nicht sofort mitgeht und emotional wird, der gehört entweder zu einer der neueren Comedygenerationen (die lediglich mechanistisch-reaktiv lacht) oder hat Probleme mit seinem freiheitlich-demokratischen Grundverständnis.

Nach der Lektüre SEINES Buches ist mir klar: Ich will mindestens einmal achtzig werden. Wahrscheinlich wird mir dies nur einmal gelingen, aber ich strenge mich an. Mindestens einmal achtzig und so tiefsinnig bissig wie Dieter Hildebrandt werden. Ich habe mal wieder ein Ziel.

Selbstverständlich gehört zu einem Rückblick Dieter Hildebrandts die Betrachtung der Politik im Allgemeinen und der Ära Kohl im Besonderen. Gesellschaft, Sport, menschliche Stärken (oder eher: Schwächen), Gott und die Welt – nichts und niemand bleibt verschont. Auch nicht die Wirtschaft, die Manager und die Unternehmen. Gerade nicht die Unternehmensberater. Nicht ganz neu die von ihm skizzierte Geschichte, aber immer noch wahr.

Unternehmensberater 

Ein alter Schafshirte verliert bei einer Wette mit einem Städter, der mit seinem schicken Auto zur Bergwiese hinaufgefahren war, eines der Schafe. Denn der adrette dynamische Herr kann ihm innerhalb von wenigen Sekunden die genaue Anzahl seiner Schafe mitteilen und nimmt sich eines der Schafe. Doch letztendlich gewinnt der Schafshirte sein Schaf bei der Gegenwette zurück, denn der Schafshirte kann dem Städter innerhalb von zwei Sekunden dessen Beruf verraten: Unternehmensberater. Auf die entsetzte Frage, wie der Schafshirte dies denn wissen konnte, entgegnet dieser:

‚Erstens‘, sagt der Hirte, ’sind Sie mit Ihrem blöden Auto hier auf den Berg gebrettert, obwohl das streng verboten ist, zweitens sind Sie zu mir gekommen, obwohl Sie keine Ahnung haben von der Arbeit, die ich mache, drittens haben Sie mit viel zu großem Aufwand etwas herausgefunden, was ich sowieso weiß … und viertens: Geben Sie mir sofort meinen Schäferhund wieder.‘

So, ich lege mich dann mal wieder hin. Damit ich meine Chancen auf die achtzig nicht verspiele. Bis später! 

P.S. Wie ist das eigentlich mit Managern und Führungskräften, beraten sie Ihre Unternehmen und Mitarbeiter auch?

P.P.S. Wie war das denn eigentlich mit diesem Herrn Zumwinkel, hat der nicht auch das Unternehmen "Angela Merkel" beraten und gehörte zu dessen innerstem Zirkel? 

P.P.P.S. Irgendwie erinnert mich die Geschichte des Unternehmensberaters an die Geschichte vom Manager im Heißluftballon