Kaum ist meiner einer einmal für einen Abend offline und geht ohne Notebook zum Webmontag Frankfurt (ein guter Vortrag über Mixi, das Kuscheln danach war super), schon wache ich heute morgen auf und höre die Schwerter im Kampfe erklingen. Dies war jedenfalls mein erster Gedanke, als ich die neuesten Nachrichten über die Readers Edition las.

Offensichtlich gibt es gewisse *hüstel* Differenzen, was einerseits die von vielen betroffenen Moderatoren als mangelhaft und stilmäßig optimierungsfähige Kommunikation der Projektleitung und andererseits die von der Projektleitung als mangelhaft und unzureichend empfundene Mitarbeit der Moderatoren betrifft.

Betroffenheit

Die Betroffenen sind fast alle der bisherigen Moderatoren – jetzt sind sie ehemalige Moderatoren der Readers Edition. Bis auf wenige wurden die Moderatoren mit einer Email aus ihrer Mitarbeit entlassen. Nur indirekt betroffen waren zunächst Peter Schink und Steffen Büffel. Sie wurden bislang nicht aus der Liste der Moderatoren entfernt – aufgrund ihrer etwas größeren "Prominenz", wie beide vermuten. Beide haben jedoch von sich aus "vor allem aus Gründen der Kollegialität gegenüber den anderen ehrenamtlichen Moderatoren" ihre Tätigkeit mit sofortiger Wirkung beendet.

Peter Schink, der erste Projektleiter (inzwischen in der Welt unterwegs), wundert sich gemeinsam mit Steffen Büffel in gleichlautenden Posts:

Verwunderlich ist neben dem Tonfall gegenüber den Ehrenamtlichen ("Wir konnten nicht feststellen, dass Du mit diesen Aufgaben so gut zurecht kommst, wie es nötig wäre." und "Zumindest warst Du mit den wenigen Aktivitäten in den letzten Wochen nur mäßig hilfreich.") auch das Vorgehen an sich. Begründet wurde der Rausschmiss mit der mangelnden Aktivität. Dieser Status hatte bislang im Moderatorenteam nie eine Rolle gespielt, jeder hatte irgendwann seine Aufgabe gefunden und sein möglichstes an Zeit und Energie in das Projekt investiert

Verwunderung 

Neben den beiden wundern sich viele andere auch. Bevor ich also alles wiederhole, einfach dort nachlesen:

Andere Sicht 

Readers Edition sieht das etwas anders. Hugo E. Martin erkennt eine Aufwärmrunde bei Readers Edition und erste Ergebnisse. In diesem Artikel erklärt er die neue Projektstruktur der Readers Edition. Im Kommentar teilt sogleich Limited, einer der aktivsten Autoren der Readers Edition, das Ende seiner Readers Edition Tätigkeiten mit und spricht von "'par ordre de mufti' Ansätzen".

Meine Sicht 

Im November war ich zur Moderatorenrunde von Readers Edition hinzugeladen worden, und ich habe gerne angenommen. Der Workshop im November in Berlin war nicht nur interessant, wir hatten eine interaktive Runde, Wichtiges wurde (durchaus konträr) diskutiert, und es hat mir Spaß gemacht. Von der bevorstehenden Phase II des Projekts versprach ich mir viel. Der Weggang Michael Maiers und der Readers Edition von der Netzeitung kurz vor Weihnachten führte zunächst zu Irritationen, ließ aber auch vieles erhoffen.

Ich war insbesondere dann zu Beginn des Jahres über die unklare weitere Projektvorgehensweise irritiert und über die "supoptimale" Kommunikation des Projekts enttäuscht. Das hinderte mich jedoch nicht daran, an eine weitere positive Entwicklung des Projekts und an eine weitere Teilnahme meinerseits zu glauben.

Andere – nicht mit dem Projekt zusammenhängende – Gründe führten allerdings mittlerweile dazu, dass ich kürzer trete. Deswegen habe ich meine Mitarbeit im Projekt (außer als Autor) vor ein paar Tagen beendet.

Aufgrund der aktuellen Geschehnisse gehe ich nun davon aus, dass das Readers Edition Projekt in der bisherigen Form beendet ist. Noch ist mir die neue Form – außer der beschriebenen Zuständigkeiten – nicht klar. Transparenz und offene Kommunikation sind heutzutage inzwischen für Unternehmen und Projekte eine Pflicht, gerade ein Bürgerjournalismus-Projekt sollte nach meiner Meinung locker eine Kür daraus machen. Ich bin gespannt.

Noch ein Hinweis: Kommunikation ist eine Managementfunktion. Ihre Ausübung mag delegierbar sein – die Verantwortung dafür jedoch nicht.

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