Robert Amlung stellte sich am 4. Dezember 2008 im Rahmen der Initiative DNAdigital im Chat den Fragen von Digital Natives. Amlung ist Leiter des Bereichs fuer digitale Strategien in der Intendanz des ZDF. Eine Stunde lang ging Amlung in der Diskussion unter anderem auf Themen ein wie ZDF-Mediathek, Twitter, Fernsehen und Online, Heute.de, Interaktivität und Communities, Bürgerjournalismus, Nacht im Netz, Bloggerszene und die zukünftige Entwicklung des Fernsehens. Ein Beispiel für kommende Veränderungen: Das ZDF will seine Inhalte zukünftig unter eine Creative Commons stellen. Dies sei schwierig, aber: "Creative Commons wird kommen!".

Ulrike Reinhard und ich moderierten den Chat im Sendezentrum des ZDF in Mainz-Lerchenberg. "Zugeschaltet" waren Digital Natives und Interessierte über den Webauftritt des ZDF.

Nachfolgend gibt es die komplette Aufzeichnung sowie eine textliche Aufbereitung einzelner Themen.


[ Direktlink Viddler.com ]

Mediathek: Videoformat und Embedden

Das ZDF wird zukünftig ein anderes Videoformat verwenden: "Wir werden vom Videoformat auf Flash umsteigen". Grundsätzlich solle die Navigation der Mediathek unabhängig vom Endgerät (PC, Fernseher, Handy) funktionieren. Das ZDF hat einen YouTube Kanal, dort sei das Embedden jedoch auf Rat der Juristen abgeschaltet. Mit Embedden verschenke man nicht seine Inhalte. Was gehe und was nicht sei nicht eine Frage der Autoren sondern eher eine Frage der Juristen. "Irgendwann werden wir embedden, ja."

Twitter

Robert Amlung kann sich vorstellen zu twittern. Er sei aber nicht derjenige, der quasi mal schnell in kurzen Brocken kommuniziere. Das könne er vielleicht auch noch irgendwann lernen.

Fernsehen und Online

Das ZDF habe erkannt, dass es eine Verknüpfung zwischen Online und Fernsehen schaffen müsse. Es gebe Projekte, Schulungen und Gespräche, um sich anzunähern. Ein Beispiel aus der letzten Zeit sei "Die Deutschen": Die interaktive Applikation auf der Website wurde schon von der gleichen Redakteurscrew betreut, die auch das Fernsehprogramm erstellte. Es sei ein langer Weg, aber es seien auch viele Leute beim ZDF.

Heute verweist auf heute.de

In der Heute-Sendung wird oft auf heute.de verwiesen, allerdings nicht auf eine Unterseite sondern immer nur auf die Startseite. Das ZDF wolle dadurch Mitnahmeeffekte erzeugen, und zu dem Zeitpunkt der Sendung sei das Thema auch aktuell. Letztendlich könne man jedoch beides vertreten.

Interaktivität und Communities

In diesem Bereich gibt es beim ZDF Beispiele, aber auch noch Defizite. Interaktivität und Communities seien eine Personalfrage. Bisher konsequent umgesetzt sei die Community zur Telenovela "Wege zum Glück": "Dort pflegen wir die Community, und die funktioniert auch klasse." Das ZDF sei an dem Thema, wie man Formate für Digital Natives erfinden und anbieten kann. Doch es fiele schwer; das ZDF habe wenige Digital Natives.

Bürgerjournalismus

Das ZDF habe regelmäßige Aktionen, bei denen Zuschauer um die Einstellung von Inhalten gebeten werde. Dies werde noch zu wenig im Fernsehen gepusht. Amlung sieht persönlich ein großes Potential darin und glaubt, dass das ZDF gewinne, wenn es seine Zuschauer einbinde. Es sei ein Kulturwandel, der erst beginne. Das ZDF sei als klassisches Medienhaus von One-to-Many geprägt.

Nacht im Netz

Die Nacht im Netz mit Klaus Cleber (Artikel auf INJELEA.de) war eine interaktive Nacht zur Präsidentenwahl in den USA, die bei vielen Zuschauern und Benutzern gut ankam. Amlung betonte, es gäbe allerdings mehrere Elemente, beispielsweise ein von Klaus-Peter Siegloch selbstgedrehtes Video, wo er in seinem Studio umhergehe und seine Leute vorstelle. Man merke den Wandel beim ZDF; Klaus Cleber sei bei weitem nicht mehr der einzige. "Viele Journalisten merken, dass das Internet von seinen Möglichkeiten her für den Journalisten ein Schlaraffenland ist." Auch im Jahr 2009 – in dem Landestagswahlen, Europawahl, Bundestagswahl sind – werde das ZDF etwas machen.

Zoomer

Amlung findet es als Nachrichtenjournalist spannend, was die Kollegen von Zoomer machen, die massiv versuchten in den Dialog zu kommen. Er habe großen Respekt vor dem Mut von Holzbrinck, einmal etwas zu versuchen.

Bloggerszene

Amlung ist zunehmend enttäuscht von der Bloggerszene, vor allem der deutschen. Es gebe viele interessante Ansätze, aber die Szene kommte nicht so richtig in Schwung. "Aber ich merke ja auch, was in Amerika alles funktioniert, welche Intelligenz, welche Provokanz da drin ist."

Creative Commons

Auf die Frage, wann ZDF-Inhalte unter eine CC-Lizenz gestellt würden, formulierte Amlung: "Creative Commons wird kommen!". Es sei etwas schwieriger als er es sich gewünscht habe. Letztendlich ginge es nur mit komplett eigen gedrehtem Material:

Wir haben absehbar keine Inhalte von Dritten […], die wir unter CC stellen dürfen.  Bei Material, wo das geht, also wirklich eigen gedrehtem Material, wollen wir das tun, aber wir sind momentan noch so mit der Rechteklärung für die Mediathek beschäftigt, die auch wesentlich aufwändiger war als alles, was wir uns je vorgestellt haben, dass wir zu der Baustelle Creative Commons schlicht noch nicht gekommen sind.

Am 13. Februar wird Robert Amlung auf der Launchparty der WE-Volume 02 an der Panel Diskussion zu Creative Commons teilnehmen. Weitere "Panelisten" sind Markus Beckedahl (Creative Commons Deutschland, newthinking communications), Sören Stamer (CEO CoreMedia AG und Enterprise 2.0 Evangelist) und via Skype Joi Ito (Head of Creative Commons Worldwide).

Ich suche mir gerade noch einen Flug heraus, um den Panelisten gebannt zuzuhören und mich an der bestimmt aufkommenden Diskussion zu beteiligen…

Zukünftige Entwicklung

Auf die Frage, wo das ZDF und das Internet in fünf Jahren sein würden, antwortete Amlung, es gäbe dann eine noch viel stärkere zeitsouveräne Nutzung. Vieles von dem, was heute nur am PC ginge, würde man auch am Fernseher haben. Das ZDF gehe davon aus, dass die Möglichkeit zur Nutzung des Internets am am Fernsehen in fünf bis sieben Jahren da sei – und zwar auch mit einer gewissen Verbreitung. Es werde spezielle Angebote auch vom ZDF geben, die schon Internetangebote seien, die dafür optimiert seien, dass man sie mit der Fernbedienung in einer entspannten Nutzungssituation auch am Fernseher wahrnehme.

Amlung wünscht sich und hofft, dass das ZDF dann auch in Punkto Dialogfähigkeit mit den Nutzern besser geworden sein wird und Formate haben wird, die das im Tagesgeschäft können. Dies sei gewollt im Hause.

Hybridbox als "Volkskiste"

In fünf bis sieben Jahren könne es eine Box mit Fernbedienung geben, die an das Fernsehen angeschlossen werde, um es interaktiv zu bedienen. Das ZDF treibe gemeinsam mit dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) die Standardisierung von solchen Boxen voran. Das ZDF habe gemeinsam mit den Kollegen der ARD und den Fachleuten im IRT die Anforderungen beschrieben, was eine solche Box können solle. Es gebe auch bereits erste Prototypen. Ziel sei eine Box, die für 100 bis 150 Euro im Handel zu erwerben sei.

Anmerkung zur Videoplattform Viddler

Ich habe für das Video die Videoplattform Viddler gewählt, weil Viddler diese Möglichkeiten bietet:

  • Text- und Videokommentare in der Zeitschiene genau zu einem bestimmten Zeitpunkt. Für einen Videokommentar reicht eine Webcam.
  • Tags: Jedes Video kann mit Tags verschlagwortet werden.

In der Zeitschiene werden zu den entsprechen Zeiten Markierungen eingeblendet und bei Mouse-Over der Text als Popup angezeigt. Mit einem Klick positioniert sich das Video genau zu diesem Tag.

Mehr Interaktivität auf einfache und medienkonforme Art und Weise bietet derzeit keine andere Videoplattform. Vielleicht sollte das ZDF derartige Möglichkeiten für ihr Flash vorsehen, um zukunftsfähig zu sein :-)

Ich würde mich sehr über Kommentare direkt im und zu dem Video freuen!