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INJELEA als Magazin?

Robert Basic putzt im Februar die klassische Startseite von Blogs herrunter („Die umsonstige Startseite der Blogs„). Auf die Startseite kämen sowieso die wenigsten Besucher, meint er und liefert ein paar Zahlen und Rechnungen. Michael Walther vom bernetblog pflichtet ihm bei und belegt das mit eigenen Zahlen („Blog-Design: Kein Start bei der Startseite„). Ist die klassische Blog-Startseite also tot?

Robert Basic zieht einige Beispielrechnungen und Überlegungen zur Blogoptimierung durch. Dabei geht er vom Besucherstrom aus, der meistens auf den Einzelseiten landet. Auf der Startseite landen die wenigsten, und für die müsse man etwas anderes bieten als die letzten Artikel:

Was die Startseite selbst angeht, verwerft unter Umständen die chronologische Sortierung. Diese erhellt einen neuen Besucher nicht. Wie das? Ihr könnt nicht davon ausgehen, dass sich ein Besucher die Zeit nehmen wird, um 1.000 Artikel in den Archiven zu sichten. Um zu begreifen, dass Euer Blog in der Gesamtheit tolle Inhalte anbietet. Er scrollt nur kurz über die Startseitenartikel (idR 10-20) und haut wieder ab. Es sei denn? Ihr zeigt Euch auf der Startseite von der besten Blog-Seite. Was sind Eure besten Artikel? Wo sind die heiß Diskutierten? Die meistbesuchten Artikel? Die geilsten Themenkategorien?

Wir Blogger sollen also so richtig die Sau auf der Startseite rauslassen und zeigen, warum gerade unser Blog der Hammer ist. In zehn Sekunden muss der Leser „heiß werden“. Michael Walther schlägt in gleiche Kerbe:

Blog-Startseiten verdienen ihren Namen nicht. Die Besucher kommen auf anderen Wegen: meistens via Google oder Direktlinks. Und sie steigen meist direkt auf einer Artikelseite ein. Das zeigt eine Spielerei mit den bernetblog-Zahlen von 2012.

Ich habe mir mein Blog dazu angesehen (Aussehen und Statistiken) und finde: Recht haben sie.  Also müsste ich mir das Layout der Einzelseite vornehmen, da dort die meisten Besucher aufschlagen. Mache ich aber nicht, noch nicht. Ich schaue mir die Startseite vom INJELEA-Blog an und komme zum Schluss: Da geht noch was. Als nächstes betrachte ich mir die Möglichkeiten des Templates Megazine und glaube: Damit lässt sich etwas anfangen.

Vorgeschlagene Maßnahmen

Robert schlägt diese Maßnahmen für die Startseite vor:

  • Weg mit der chronologischen Sortierung
  • Eine Auswahl, nämlich die besten Artikel, zeigen
  • Die am meisten diskutierten Artikel
  • Die geilsten Themenkategorien
  • Kurze Texte
  • Schnelle augenfangende Grafiken
  • Ein Zeitschriften-Cover, das anreißt und begeistert
  • Die klassische Blogstartseite kann auch woanders noch erscheinen

Außerdem verlinkt Robert noch zu sechs Beispiel-Startseiten. Die schaue ich mir an. Okay, gute Anregungen. Und dann die Startseite von Robert, die muss ja der Hammer sein…

Startseite Robertbasic.de

Startseite Robertbasic.de

Alles schön chronologisch sortiert… okay, Robert hat wohl gerade keine Zeit dafür ;-)

Was sagt Walther zur Startseite? Eigentlich nichts speziell zur Startseite, doch seine Tipps zu Blogartikelseiten lassen sich auch für die Startseite verwenden:

  • Anrisse mit guten Bildern: Artikelseiten mit attraktiv gestaltenen Anrissen auf andere Artikel ausstatten. Die Anrissbilder müssen dabei auch kleinformatig aussagekräftig sein und gut aussehen. Mashable macht dies perfekt.
  • Bessere Titel: Ein guter Titel braucht Zeit. Es zahlt sich aus, diese zu Investieren. Gute Beispiele finden Sie in der Rubrik «Meistgelesen» auf den grossen Newsportalen.
  • Treffende Kategorien: Die Leser sind gekommen, weil Sie nach Informationen zu einem bestimmten Thema gesucht haben. Die häufigsten Suchbegriffen lassen sich mit Google Analytics eruieren, und die Kategorien entsprechend gestalten

Was ich daraus mache

Ich nehme mir die Vorschläge und überlege, wie ich damit die Startseite des INJELEA-Blogs (es heißt übrigens „das Blog“!) optimieren kann. Das ist mein Vorhaben:

  • Weg mit der chronologischen Sortierung
  • Eine Auswahl der Artikel zeigen
  • Die Kategorien bleiben dieselben. Es geht mir nicht nur darum, was die Leser über Google am häufigsten finden sondern auch, was ich zeigen will (meine Schwerpunkte setze ich).
  • Ich zeige auf der Startseite die verschiedenen Kategorien nach Relevanz absteigend, dazu jeweils die aktuellsten Artikel?
  • So richtig viele Kommentare gibt es hier im Blog nicht, aber ich werde mir noch etwas zur Anzeige überlegen
  • Jeder Artikel bekommt aussagekräftige Anreißer-Texte, die ich im in den „Auszug“ einpflege (aber nicht für alle zweieinhalb Tausend Artikel nachträglich…)
  • Die Startseite bekommt einen Magazin-Charakter mit viele Grafiken und Fotos.
  • Je nach Kategorie erhalten die Artikel größere oder kleinere Anrissbilder – oder sogar gar keine
  • Die Liste aller Artikel in chronologischer Reihenfolge kommt in einen extra Menüpunkt „Blog“
  • Bei den Titeln achte ich zukünftig darauf: Kurz und knackig.

Das Template gibt einiges dafür her. Ich erstelle zunächst einen Entwurf auf einer separaten Seite, mit der ich herumspiele und teste. Das Template Megazine behalte ich bei, denn es hat ein responsives Design, es gefällt mir und bietet einige Möglichkeiten. Beispiele:

Das schöne am Template: Die verschiedenen Layouts wie die eben genannten lassen sich nicht nur für einzelne Seiten festlegen (wie für die Kategorie der Aloha Friday Fotos) sondern auch auf einer Seite kombinieren.

Wie könnte die neue Startseite aussehen? Oben die aktuelle Blogartikel in einem Slider, danach die ersten zwei Kategorien in Spalten. Keine Sidebar mehr, aber die Twitter-Timeline und die Lesezeichen als nächstes unter den ersten beiden Kategorien. Weitere Kategorien, teilweise mehrspaltig. Die besonders bildlastige Kategorie „Aloha Friday Fotos“ in einer Spalte mit großen Fotos.

Die klassische Startseite ist (noch?) nicht tot, aber eine magazinartige Startseite bietet gerade für neue Leser mehr Einblicke.

Beta: Der erste Entwurf

[column col=“1/3″]INJELEA Blog-Startseite (oben)[/column]

[column col=“1/3″]Das bisherige Layout der Startseite (links) mit chronologisch gelisteten Beiträgen und einer Sidebar. Im Gegensatz dazu das neue Layout (rechts) mit einem Slider der aktuellsten Artikel, darunter verschiedene Kategorien in eigenen Spalten. Weitere Elemente könnten besonders oft aufgerufene oder meist kommentierte Beiträge enthalten.[/column]

[column col=“1/3″]INJELEA Magazin-Startseite (oben)[/column]

[column col=“1/3″]INJELEA Blog-Startseite (unten)[/column]

[column col=“1/3″]Im alten Layout werden die letzten Beiträge ohne weitere Unterscheidung bis zum Schluss weitergelistet. Im neuen Layout wechselt die Spaltenanzahl je nach Kategorie und Bildlastigkeit. Als letzte Kategorie beispielsweise die letzten Aloha Friday Fotos in einem Slider. Die Fußzeile bleibt gleich.[/column]

[column col=“1/3″]INJELEA Magazin-Startseite (unten)[/column]

Den ersten Entwurf können Sie auf der separaten Magazin-Seite betrachten. Es handelt sich um einn bewusst unfertigen Zwischenstand, denn ich will mich schrittweise einer Lösung nähern. Schließlich sollten wir alle immer einmal wieder etwas Beta wagen – und da mache ich mit :-)

Und gerne dürfen Sie auch mitmachen, denn jetzt kommen Sie ins Spiel: Was wollen Sie sehen? Wie soll die neue Startseite aussehen? Was hätten Sie gerne auf der Startseite von INJELEA?

Ich bin im Web (noch) älter geworden, während das Web 2.0 seinen Siegeszug antrat. Mittlerweile spricht kaum noch jemand von Web 2.0. Man hat es hinter sich gelassen, angeblich verinnerlicht. Noch schlimmer ist es mit einem Wort, das wie kaum ein anderes die Besonderheiten und den Siegeszug des Web 2.0 kennzeichnet: „Beta“. Doch es ging verloren wie das Web 2.0. Einfach so.

Web 2.0

Als ich im Jahr 2005 mit dem Bloggen begann gab es kaum einen neuen Webdienst oder ein Startup, das sich nicht mit einem „Beta“-Label oder -Badge schmückte. Flickr trieb es so weit, dass sie sich bei einem Relaunch selbstironisch das Label „Gamma“, dem nächsten Buchstaben im griechischen Alphabet, anhefteten. Nun, das Flickr von damals ist Geschichte. Das „Beta“ leider auch.

In letzter Zeit musste ich immer wieder an diese Sturm- und Drangphase denken, als Fehler und Blogartikel darüber an der Tagesordnung waren (zur Erläuterung an die „Digital Natives“: Twitter und Facebook spielten noch überhaupt keine Rolle, damals). Ein Startup launchte, wies auf seinen „Beta“-Status hin, fiel zunächst auf die Nase, wir berichteten darüber (oder sorgten sogar dafür), die Jungs oder/und Mädels lernten daraus, standen auf und machten weiter. Und wir berichteten darüber. Das war in Ordnung so, das war Beta.

Beta war Programm und Bestandteil eines Lernprozesses.

„Der einzige Fehler: Ihn zwei Mal machen“

Fehler zu machen gehörte einfach dazu. Zu nahezu allem. Fehler machen war normal. Jeder durfte und sollte Fehler machen. Der einzige wirkliche Fehler war, ein und denselben Fehler zwei Mal zu machen. Denn dann bedeutete dies, dass man aus dem Fehler nicht gelernt hatte. Dazu waren die Fehler nun mal da: Zum Lernen.

Irgendwie waren wir alle mehr oder weniger „fehlertolerant“. Wir wussten, dass auch wir lernten. Wir liefen mit einem eingebrannten „Beta“ in der Stirn herum. Wir erkannten uns. Der große Rest hatte es nur noch nicht kapiert. Die waren immer noch verbohrt und wollten die 120-prozentige fehlerfreie Lösung, am besten zu Beginn des zweijährigen Projektes genau so geplant und dann… „Go Live! Yeah!“. Mission fullfilled. Gratifikation auf dem Konto.

Wir wussten es besser. Doch dann wurde das Web 2.0 erwachsen und irgendwann nannten sie es…

Social Media und Enterprise 2.0

Da ging auch alles sehr schnell und es lief auch mal etwas schief. Aber da war ja der Shitstorm, der einen Fehler sofort anprangerte. Alle lachten und waren froh, dass es sie nicht erwischt hatte. Die Erwischten liefen rot an oder ignorierten den Shitstorm. Irgendwann beruhigte sich das Social Media Web 1.0 wieder. Es war ja auch irgendwie eine abgeschlossene Welt von Tech- oder Kommunikations-Nerds.

Dooferweise sprangen immer mehr Unternehmen auf den Social Media-Zug auf. Nachdem sie (und vor allem die Berater) mit Enterprise 2.0 doch nie so richtig ernst genommen worden waren hatten sie jetzt ein goldenes Kalb gefunden, das ihnen goldene Eier legen sollte. Social Media verhalf dem alten Enterprise 2.0 von 2006 zu neuem Elan.

Da sprach man dann von „einem neuen Typ von Unternehmen“, das Kollaboration, Kommunikation und Prozesse optimieren würde. Social Media als Infrastruktur und horizontale Schicht darübergelegt – das war der neue Trend. Und dies sorgte schließlich dafür, dass es kaum noch Fehler gab. Oder man hörte zumindest kaum von welchen Fehlern. Auf den verschiedenen Kongressen erfuhren wir von immer mehr „Success Stories“.

Und wenn es schief ging? „Shitstorm“ war das neue Bingo. Egal ob intern oder extern etwas nicht geklappt hatte: Schnell einen Shitstorm drüber, und die Sache war erledigt. Ganz Gewiefte nahmen dieses Socialdingens und legten es mit Geschäft zusammen. Das war dann…

Social Business

Spätestens mit Social Business verloren wir alle unsere Unschuld, und unser eingebranntes „Beta“ verblasste. Denn bei wirklich ernsthaftem Geschäft, da macht man keine Fehler. Man zahlt dem Beratungshaus, dem selbständigen Berater und vor allem dem eigenen Mitarbeiter kein Geld dafür, dass diese dann einen Fehler machen. Das könnte auf einen zurückfallen. Außer man bekommt sein Geld zurück, und der Fehler verschwindet unter dem Niebel des Vergessens (Ich bitte um Verzeihung. Es sollte heißen „Nebel des Vergessens“ oder „Teppich des Vergessens“, die Versuchung für diesen Fehler war zu groß). Vor allem, weil die besonderen aber einflussreichen Minderheiten, Analysten und Investoren, keine Fehler verzeihen. Denn sie machen nie welche. Deswegen muss der Aktienkurs immer steigen.

Und man macht das Fehler machen auch nicht zum Geschäftsprozess. Plötzlich war das Fehler machen wieder das Versagen. Und wer versagt, den prangern wir an. Der darf seinen Fehler auch nicht korrigieren. Der bekommt sein Versagen unmißverständlich vorgehalten, denn wir wissen es ja besser.

„Fehler!“

Ich habe mich akklimatisiert. Ich ließ mich von der neuen schönen Welt assimilieren. Wenn jemand einen Fehler macht, dann schreie ich „Fehler!“. Da hat mal wieder jemand versagt. Mir passiert sowas natürlich nie. Ich habe dieses eingebrannte „Beta“ auch nicht mehr. Viele andere anscheinend auch nicht mehr.

Gestern abend schaute ich im ZDF den „Twitter-Jahrhundert-Skandal“. Ich nenne ihn jetzt einmal so, weil ich diesen Tenor in Blogs, auf Twitter und auf Facebook spüre. Ich habe während der rührseligen Twitterversuche von Oliver Kahn und Jeannine Michaelsen auch gelacht. Irgendwie hatte ich den Eindruck, beide wussten nicht wirklich, um was es bei Twitter geht. Oder sie konnten es nicht vermitteln. Oder sie waren nervös (vielleicht sogar der Oli, weil es was Neues und Unbekanntes ist). Kai Thrun hat es den „Twitter-Vorfall“ genannt. Thrun stimmt jedoch nicht in das allgemeine Gelächter ein und meint, der Twitter-Vorfall im ZDF decke viel mehr auf als eine Accounteinrichtung.

Beta

Da fasse ich mir jetzt an die eigene Nase. Wo ist meine Signatur, mein eingebranntes „Beta“ geblieben? Wieso habe ich in der letzten Zeit bei so vielen Fehlern von anderen eingestimmt und sogar laut (d.h. im Netz) gelacht? Wieso haben wir einen nicht angemeldeten niebelschen Teppich zur Staatsaffäre hochstilisiert?

Wir tun so, als solle jeder doch auch mal dieses Social Media ausprobieren. Und wenn er es tut, dann war das nix. Denn wir erwarten Perfektion.

Doch Beta, das ist das Wissen um die eigene Unvollständigkeit. Das Wissen, das andere auch nicht anders sind. Das andere ebenfalls ihr ganzes Leben lang lernen, und dass es nicht immer beim ersten Mal klappt. Aber auch, dass es andere gibt, die einem helfen. Andere, die auch nicht hundertprozentig sind. Die Welt ist so komplex und schnell geworden, dass wir einfach kaum noch elendiglange Projektpläne mit in Beton geschriebenen Projektergebnisse schreiben können. Und wenn, das war das ein Fehler. Denn es gibt immer einen, der schneller und besser ist. Auf der Autobahn, auf dem Sportplatz, im Job, im Bett.

Wir sind nicht der Gipfel der Schöpfung. Wir sind Beta.

Warum also sind wir im Leben inzwischen so wenig Beta? Wo ist unsere Fehlertoleranz geblieben? Warum müssen wir so oft und so gerne einen Shitstorm (mit-)lostreten?

Weil wir Menschen sind. Menschen machen keine Fehler. Das haben wir so gelernt. Deswegen haben wir das Wort „Beta“ verloren. Aber wir können es wieder finden. Wir müssen nur wollen.