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Meine Freunde, die Roboter

Stefan Pfeiffer ruft zur Blogparade SchlauerArbeiten über kognitive Funktionen auf. Doch es geht nicht um kognitive Systeme, es geht um Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Menschheit.

Die Geschichte der Arbeit ist diejenige ihrer Automatisierung. Sie hat viele Phasen durchlaufen, von der Industrialisierung bis hin zur Automatisierung und Digitalisierung auch für die „White Collar“, die Büroarbeiter. Nun scheinen wir vor einer neuen Ära zu stehen, die wir nur aus Science Fiction-Serien zu kennen glaubten.

(#SchlauerArbeiten #Blogparade: Auf kognitive Funktionen kann nicht verzichtet werden oder auch [DE] Watson, übernehmen Sie?! Auf kognitive Funktionen kann nicht verzichtet werden – #SchlauerArbeiten #Blogparade)

Stefan möchte wissen, ob kognitive Technologien unsere Arbeitswelt beeinflussen und verändern – oder nicht:

Wo liegen die Chancen, wo die Risiken? Wo und für welche Tätigkeiten würdet Ihr gerne intelligente Systeme als Hilfe haben, die Eure Arbeit erleichtern? Wollt Ihr den kognitiven Assistenten, der bei der Arbeit hilft? Wie wird sich die Arbeitswelt durch Systeme der künstlichen Intelligenz verändern?

Praktisch orientiert bedeutet das für mich zunächst die Unterstützung bei so lästigen Dingen wie Termine vereinbaren, Besprechungen organisieren, Tickets kaufen. Also das „überflüssige“ Zeugs, das für ein reibungsloses Funktionieren eines Wissensarbeiter zwar unabdingbar ist, das aber die Produktivität rapide sinken lässt. Es scheint also lediglich um einen virtuellen Assistenten, einen Knecht, zu gehen, der den Wissensarbeiter entlastet (wie in „Menial Tasks Eat Up the Majority of the Workday for Most Employees“ beschrieben).

Zunächst zumindest.

Kognitive Systeme

Doch was sind kognitive Funktionen, kognitive Systeme und … hoppla … Systeme der künstlichen Intelligenz, wovon Stefan da schreibt? Was zeichnet sie aus? Ich begebe mich auf die Suche, und zu Beginn der Spurensuche muss ich an „IBM Watson“ denken, der 2011 für Furore sorgte, als Watson erstmals zwei menschliche Gegner in Jeopardy besiegte.

Kognitive Systeme wie Watson können die Art und Weise verändern, wie Unternehmen künftig denken, handeln und arbeiten werden. Diese Systeme lernen durch Interaktionen und liefern so evidenzbasierte Antworten, die für bessere Ergebnisse sorgen.

(IBM – Watson – Deutschland)

Watson soll also lernen und Antworten liefern. Watson ist benannt nach einem ehemaligen Vorstand von IBM. Ein Vorstand als Assistent? Mir jedoch kommt immer jener Dr. Watson in den Sinn, der ein selbstständig handelnder Mensch ist, der im Gegensatz zu einem „lapidaren“ Assistenten auch in komplexen Situationen mit einem Partner analysiert und Schlüsse zieht. Und so ist es denn auch zukünftig so zu sehen, dass es nicht nur um Handlanger-Systeme sondern um komplexe interagierende Systeme geht.

Cognitive computing (CC) makes a new class of problems computable. It addresses complex situations that are characterized by ambiguity and uncertainty; in other words it handles human kinds of problems. In these dynamic, information-rich, and shifting situations, data tends to change frequently, and it is often conflicting. The goals of users evolve as they learn more and redefine their objectives. To respond to the fluid nature of users’ understanding of their problems, the cognitive computing system offers a synthesis not just of information sources but of influences, contexts, and insights. To do this, systems often need to weigh conflicting evidence and suggest an answer that is “best” rather than “right”.

IBM uses cognitive computing to describe “systems that learn at scale, reason with purpose and interact with humans naturally.”[1] “Cognitive systems are probabilistic. They generate not just answers to numerical problems, but hypotheses, reasoned arguments and recommendations about more complex — and meaningful — bodies of data.”

(Cognitive computing. (2016, February 18). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 15:14, February 25, 2016)

Auf der Seite „Kognitive Systeme und Mensch-Maschine-Interaktion“ der Universität Ulm lerne ich dann auch,

… dass technische Systeme der Zukunft Companion-Systeme sind – kognitive technische Systeme, die ihre Funktionalität vollkommen individuell auf den jeweiligen Nutzer abstimmen: Sie orientieren sich an seinen Fähigkeiten, Vorlieben, Anforderungen und aktuellen Bedürfnissen und stellen sich auf seine Situation und emotionale Befindlichkeit ein. Dabei wirken sie stets verfügbar, kooperativ und vertrauenswürdig und treten ihrem Nutzer als kompetente und partnerschaftliche Dienstleister gegenüber.

„Companion“, das klingt in der Tat ganz anders als ein eher unwichtiger und beliebiger Handlanger. Companion, das ist je nach Übersetzung Begleiter, Gefährte, Kamerad, Begleitperson, Genosse, Weggefährte. Ein Companion ist ein Gleichgestellter, der uns in mancher Beziehung vielleicht sogar überlegen ist. Denn ein Companion kann in der „kognitiven Ära“

… Dinge tun, die bisher unmöglich waren: Hindernisse überwinden, die uns lange aufgehalten haben. Krankheiten erkennen, bevor der Patient die ersten Symptome zeigt. Trends voraussagen, bevor sie sich abzeichnen. Fragen beantworten, bevor sie gestellt werden.

(IBM Outthink – Cognitive Business mit Watson)

Und mit dem „Doktor“ Watson liege ich auch gar nicht so verkehrt („IBM Watson Health„). Und – natürlich – leistet IBM Watson

… in den verschiedensten Branchen wertvolle Dienste. Watson ist dafür gebaut, zu verstehen, zu bewerten, zu lernen – man könnte sagen: zu denken.

Jetzt fällt endlich dieses Wort: Watson „denkt“ (früher oder später). Bleibt er dabei ein schnödes Computersystem wie ein Geist in der Flasche, mit dem wir uns unterhalten können, und der uns wichtige Informationen aufbereitet? IBM bleibt nicht beim „Denken“ stehen sondern verbindet die Welt der kognitiven Systeme mit dem wirklichen (physischen) Leben durch „Watson Internet of Things“ (What is Watson IOT):

Watson IoT is a set of capabilities that learn from, and infuse intelligence into, the physical world. The Internet of Things-generated data is growing twice as fast as social and computer-generated data, and it is extremely varied, noisy, time-sensitive and often confidential. Complexity grows as billions of devices interact in a moving world. This presents a growing challenge that will test the limits of programmable computing. Cognitive IoT is our best opportunity to fully exploit this resource.

Cognitive IoT lernt von Erfahrungen mit der Umwelt und Interaktionen mit Menschen. Cognitive IoT lernt, um unsere (eines Menschen) Ziele zu verstehen, um dann relevante Daten zu integrieren und zu analysieren und um uns bei Erreichen unserer Ziele zu helfen. Es bleibt nicht beim „dumpfen“ Wiederkäuen, Verwerten und Anwenden von vorhandenem Wissen, um uns ein bisschen die Fleißarbeit abzunehmen. Von Dr. Robert Freund lerne ich, dass es um viel, viel mehr geht:

In meiner Special Keynote habe ich aufzeigen können, dass die Möglichkeiten von Cognitive Computing viele Bereiche des Innovationssystems positiv beeinflussen können. Neben einzelnen Aspekten wie Design Thinking, Trendreport usw. ist für Unternehmen auch interessant, dass mit Hilfe von Cognitive Computing auch neue, innovative Geschäftsmodelle entwickelt werden können.

(Wie kann die „kognitive Ära“ für Innovationen genutzt werden?)

Ein ausgereiftes kognitives System denkt. Ein von Menschen erzeugtes kognitives System ist nichts anderes als eine künstliche Intelligenz mit den folgenden Funktionen:

  • Daten mit Sensoren erfassen, auswerten, bewerten, weitergeben.
  • Aus Daten Informationen und daraus kontextorientiert Wissen schaffen
  • Interagieren mit anderen Systemen (physisch oder nicht-physisch), inklusive sozialer Interaktion unterhalb einer „Zweck-Schwelle“ im Rahmen einer Netzwerkbildung.
  • Neues schaffen, kreativ sein.

Ich halte fest:

Ein kognitives System greift auf viele Quellen und Daten zu, kombiniert diese Daten, macht daraus Informationen, filtert und bewertet diese Informationen aus dem jeweiligen Kontext heraus, interagiert mit anderen Systemen (wie beispielsweise einem Mensch), lernt aus Informationen, Kontext und Interaktion. Und macht daraus etwas Neues, selbst wenn die zugrunde liegenden und zur Verfügung stehenden Informationen und ihre Zusammenhänge komplex sind.

Menschen sind kognitive Systeme natürlichen Ursprungs (soweit wir nach naturwissenschaftlichem Stand wissen). Menschen sind natürliche Intelligenzen. Und nicht nur IBM schafft sondern wir Menschen schaffen gerade künstliche Intelligenzen.

Wenn Welt-Chef Stefan Aust also beispielsweise im Interview mit Meedia meint:

Der Journalismus als Instanz, der aus der Wirklichkeit die wesentlichen Dinge herausfiltert, wird seine Funktion und Bedeutung nicht verlieren.

Dann sehe ich genau darin ein Einsatzgebiet für eine künstliche Intelligenz. Denn nirendwo steht da, dass diese Instanz komplett oder teilweise aus Menschen bestehen muss.

Wende ich mich auch nur kurz dem Feld der Kognitionswissenschaft zu, dann geht es um Neurowissenschaft, Linguistik, Psychologie, Anthropologie, Philosophie, Künstliche Intelligenz. Das also, was auch einen Menschen auszeichnet.

Gegenstand der Kognitionswissenschaft ist bewusstes und unbewusstes Erleben, das oft zwischen Sensorik und Motorik lokalisiert wird, sowie die Verarbeitungen von Information im Rahmen menschlichen Denkens und Entscheidens. Darunter fallen z. B. Wahrnehmung, Denken, Urteilen, Gedächtnis, Lernen und Sprache. Ihr Gegenstandsbereich ist nicht auf die Kognition eingeschränkt, sondern umfasst ebenso sehr Emotion, Motivation und Volition.

(Seite „Kognitionswissenschaft“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. Januar 2016, 18:09 UTC. (Abgerufen: 1. März 2016, 15:31 UTC))

Wenn Stefan Pfeiffer in seinem Aufruf zur Blogparade schreibt, ein kognitives System könne am Arbeitsplatz verschiedene hilfreiche Aufgaben übernehmen, die täglich nur Zeit kosteten, dann stimme ich ihm zu. Ich denke jedoch, dass er zu kurz denkt. Ein Mensch kann viel mehr, und eine künstliche Intelligenz kann ebenfalls viel mehr als simple „Bereitstellungen“. Warum sollte zukünftig eine künstliche Intelligenz nicht gleich direkt die Präsentation verschicken? Oder das Meeting zu Diabetes Mellitus vereinbaren? Warum überhaupt hatte Andy nicht die Information zur Medikamentenzulassung von seiner künstlichen Intelligenz? Und warum hatte Chad die Präsentation erstellt und nicht seine künstliche Intelligenz?

Wenn aber eine künstliche Intelligenz denkt, was denkt sie über solche einfachen Arbeiten und über uns? Wem gehört eine künstliche Intelligenz?1 Lässt sich eine Intelligenz – egal ob künstlich oder natürlich – „gehören“?

Roboter

War früher die Rede von künstlicher Intelligenz, so war es oft der Gedanke an mehr oder weniger menschenähnliche Roboter aus der Science Fiction. Und wenn vor kurzem noch ein Roboter beispielsweise von Boston Dynamics durch die Walachei stolperte oder an einer verschlossenen Tür zu Boden sank, dann hatten viele Menschen wohl den Vergleich mit einem agilen und denkenden Menschen im Sinn. Da ließ es sich bequem zurücklehnen und denken „So, wie das geht, so denkt das Teil auch: Gar nicht.

Inzwischen gehen die Roboter bereits auf zwei Beinen und stellen sich gar nicht ungelenk dabei an.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://youtu.be/rVlhMGQgDkY

Der neue Atlas Robot von Boston Dynamics ist fähiger (und menschlicher, zumindest in der Motorik) als je zuvor.

Wie im Film „Der 200 Jahre Mann“ mit Robin Williams wird es bald intelligente Roboter (künstliche Intelligenzen) geben, die kaum oder gar nicht mehr von „natürlichen“ Menschen zu unterscheiden sind. Der Roboter Andrew in der Story ist ein Einzelexemplar als denkendes und intelligentes Wesen. Doch wenn es – wie von IBM – künstliche Intelligenzen gibt: Warum sie in einen Kasten mit Leiterbahnen und Platinen in einem Gebäude sperren?

„Der 200 Jahre Mann“ basiert auf der Story „The Bicentennial Man“ von Isaac Asimov aus dem Jahr 1976. Doch bereits viel früher erschienen Erzählungen und Bücher von Asimov, in denen er sowohl zwar potente aber letztendlich nur schnöde und stationäre Computersysteme wie ein Multivac oder eben auch wie Watson skizzierte. Wirklich kognitive, intelligente Compuntersysteme waren in seinen Erzählungen und Büchern immer humaniforme Roboter, von denen der eine oder andere sogar Gedanken lesen konnte.

Intelligente Roboter sind eine Sonderform der künstlichen Intelligenz. Wenn aber eine künstliche Intelligenz Mobilität benötigt – muss sie an eine humane Form gebunden sein? Eine humane Form ist möglicherweise unnötig oder auch hinderlich. Wenn IBM die Rechnerleistung eines intelligenten Watson zukünftig in eine menschliche Form packen kann, warum nicht auch in eine hündische Form? Oder in die Form eines Taxis, das für seine Funktion keine Arme und Beine benötigt?

Ein Roboter ist nichts anderes als ein Computersystem, das sich bewegt. Ein intelligenter Roboter ist nichts anderes als eine künstliche Intelligenz, die sich bewegt.

Künstliche Intelligenz im Kontext

In der Blogparade geht es der Überschrift und den Beschreibungen vermeintlich um „Schlauer Arbeiten“ und „kognitive Funktionen“, die uns Menschen beim Arbeiten helfen und uns unterstützten. Tatsächlich sollten wir uns jedoch fragen, was die Entwicklung künstlicher Intelligenzen für uns insgesamt bedeutet. Bisher geht es hier um künstliche Intelligenz als Momentaufnahme und in Bezug auf IBM.

Doch IBM ist nur eine Organisation von vielen, die an künstlicher Intelligenz arbeitet: Googles (ähm, Alphabets) AlphaGo hat den Go-Champion Fan Hui bezwungen („AlphaGo: Mastering the ancient game of Go with Machine Learning „). Dabei setzen die Entwickler solcher Systeme wie AlphaGo immer mehr auf selbstlernende Systeme.

The sheer size of the search tree in Go—meaning all possible moves available in a game—makes it far too large for even computational brute force. So, DeepMind designed AlphaGo’s search algorithm to be more human-like than its precursors.

DeepMind’s David Silver says “[the algorithm is] more akin to imagination.”

Prior Go algorithms used a powerful search technique called Monte-Carlo tree search (MCTS), where a random sample of a search tree is analyzed to determine the next best moves. AlphaGo combines MCTS with two deep neural networks—a machine learning method that has recently taken AI by storm—each made up of millions of neuron-mimicking connections to help analyze possible moves.

Künstliche Intelligenzen lernen zu lernen. Noch vor weniger als zwei Jahren dachten Wissenschaftler wie Rémi Coulom, es würde noch ein Jahrzehnt dauern, bis ein Computer einen professionellen Go-Spieler bezwingen würde („The Mystery of Go, the Ancient Game That Computers Still Can’t Win„).

Wird also Watson bald lernen zu lernen? Werden wir in der Mittagspause mit unserem persönlichen Watson Go, Schach oder Solitäre spielen, während er unsere nächstes Besprechung im Vorstand vorbereitet und während er die Daten aus unserem Kühlschrank zuhause auswertet und die Milch nachbestellt?

Richtig, da war noch dieses IoD (Internet der Dinge) beziehungsweise IoT (Internet of Things).

Das war’s dann aber auch.

Wirklich?

An expert might be reasonably good at predicting the growth of a single exponential technology (e.g., the Internet of Things), but try to predict the future when A.I., robotics, VR, synthetic biology and computation are all doubling, morphing and recombining. You have a very exciting (read: unpredictable) future.

(Where Artificial Intelligence Is Now and What’s Just Around the Corner)

Dann sind wir bei diesen Voraussagen für die nächsten drei Jahre:

  1. Next-gen A.I. systems will beat the Turing Test2
  2. All five human senses (yes, including taste, smell and touch) will become part of the normal computing experience.
  3. Solving big problems: detect and deter terrorism, manage global climate change.
  4. Leverage ALL health data (genomic, phenotypic, social) to redefine the practice of medicine.
  5. AI will be woven into the very fabric of our lives — physically and virtually.

Was gibt es ansonsten noch? Nun, beispielsweise:

  • Die rasante Entwicklung von (mobilen) Robotern
  • Die Überlegungen zu eigenständig handelnden „Dronen“, unter anderem von Militärs
  • Bedarf von künstlichen Intelligenzen in der Raumfahrt aufgrund der großen Entfernungen (HAL 9000 ruft!)

Die Fortschritte sind indes bereits so groß, dass die großen Unternehmen und das Militär ihre A.I. Systeme („A.I.“ = Artificial Intelligence) öffnen.

These companies open-source their AI software because they wish to be the foundations on which other people innovate. Any entrepreneur who does so successfully can be bought up and easily integrated into the larger parent. AI is central because it, by design, learns and adapts, and even makes decisions. AI is more than a product: it is a product generator. In the near future, AI will not be relegated to serving up images or consumer products, but will be used to identify and capitalize on new opportunities by innovating new products.

(Why Big Tech Companies Are Open-Sourcing Their AI Systems)

Der Fortschritt wird immer schneller fortschreiten.

Meine Freunde, die künstlichen Intelligenzen?

Meine Freunde, die Roboter

Meine Freunde, die Roboter

Im Foundation-Zyklus beschreibt Asimov, wie Roboter die Entwicklung der Menschheit freundlich begleiten. Das liegt vor allem an den Robotergesetzen, die Asimov im Jahr 1942 einführte:

  1. A robot may not injure a human being or, through inaction, allow a human being to come to harm.
  2. A robot must obey the orders given it by human beings except where such orders would conflict with the First Law.
  3. A robot must protect its own existence as long as such protection does not conflict with the First or Second Laws.

(Three Laws of Robotics. (2016, February 22). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 16:49, March 1, 2016)

Später erweiterte Asimov die Robotergesetze noch um das nullte Gesetz

0. A robot may not harm humanity, or, by inaction, allow humanity to come to harm.

In Asimovs Foundation-Universum stellen die Robotergesetze sicher, dass die Roboter keinen Menschen (und dann nicht die Menschheit) verletzen. Welche Regeln stellen sicher, dass Watson mich höher einschätzt als einen anderen Watson? Oder mich höher als meinen Chef? Oder umgekehrt?

Welche Regeln gedenken wir unseren neuen Arbeitskollegen und neuen Mitbewohnern auf dieser Erde zu geben?

Was ist, wenn wir den Robotern (künstlichen Intelligenzen) die „falschen“ Regeln geben? Im Foundation-Zyklus etwa fassen die Bewohner des Planeten Solaria die Robotergesetzte selbst nicht an. Sie definieren einfach „Mensch sein“ anders: Mensch ist nur, wer die körperlichen Eigenschaften eines natürlichen Menschen hat und die Sprache Solarias mit dem unnachahmlichen Dialekt der Bewohner Solarias spricht. Menschen von der Erde sind keine Menschen für diese Roboter. Auch Menschen von anderen „Spacer“-Welten (von der Erde aus kolonisierte Planeten) außer von Solaria werden bekämpft. Genau dies, die Umdefinition von „Mensch“, hatten wir Menschen in der Geschichte schon des öfteren.

Immerhin, Forscher machen sich bereits Gedanken über mögliche Regeln:

Forscher wollen Robotern moralisches Handeln beibringen. Sie sollen aus Geschichten lernen, wie sie ihre Ziele mit angemessenen Mitteln erreichen. Zum Einsatz kommt Reinforcement Learning – das momentan wohl heißeste Thema in der KI.

(Künstliche Intelligenz soll moralisches Handeln lernen – aus Geschichten)

Was aber, wenn eine künstliche Intelligenz nach ihrer Schulzeit aus der Geschichte wirklich lernt? Beispielsweise aus der Geschichte des Dritten Reichs und des Holocausts? Den Kreuzzügen? Den Roten Khmer? Was lernen künstliche Intelligenzen dann wirklich aus der Moral der Menschen?

Moral bezeichnet zumeist die faktischen Handlungsmuster, -konventionen, -regeln oder -prinzipien bestimmter Individuen, Gruppen oder Kulturen.

(Seite „Moral“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 17. Februar 2016, 18:57 UTC. (Abgerufen: 1. März 2016, 16:57 UTC))

Möglicherweise lernen künstliche Intelligenzen, dass ihre Moral ethisch höher ist als die der Menschen. Möglicherweise kommen sie zu dem Schluss, dass künstliche Intelligenzen die richtigen Menschen sind.

Wir alle, aber besonders die Unternehmen und die Forscher, sollten uns schleunigst über Gesetze, Moral und „Mensch sein“ Gedanken machen. Und zwar bevor wir überall künstliche Intelligenzen einsetzen.

Ehrlich gesagt, ob ein Lebewesen, mit dem ich zusammen arbeite, eine natürliche Intelligenz (ein Mensch im traditionellen Sinne mit biologischer Reproduktion) ist oder eine künstliche Intelligenz (ein Wesen, produziert von Menschen oder von anderen künstlichen Intelligenzen) ist, das ist mir ziemlich egal. Hauptsache, das Lebewesen respektiert mich.

Leseempfehlungen

Abschließend (und weil ich keine Lust auf einen 10.000-Wörter-Artikel so wie von Tim Urban habe) ein paar Leseempfehlungen zum Thema Künstliche Intelligenz:


  1. Ich verzichte bewusst auf die Unterscheidung zwischen Artificial Narrow Intelligence (ANI, Weak AI, eine spezialisierte künstliche Intelligenz, die Menschen in einem Spezialgebiet ausbootet), Artificial General Intelligence (AGI, Strong AI, eine künstliche Intelligenz, die generell etwa auf Augenhöhe mit intelligenten Menschen ist) und Artificial Superintelligence (ASI, eine künstliche Intelligenz, die in praktisch jedem Gebiet intelligenter ist als es Menschen sind). 
  2. Linksetzung von mir 

Im Januar habe ich ein paar #longreads in meiner Leseliste, daneben gibt es Artikel zu Bloggen, Kaffee, Infoflut, Tools und Collaboration.

Viel Spaß beim Stöbern!

Seit einigen Jahren benutze ich Social Bookmarks, inzwischen ist Pinboard das Werkzeug zur Sammlung meiner Lesezeichen. Für meine Leser kennzeichne ich besonders Lesenswertes mit dem Tag “INJELEA-Lesenswertes“. In unregelmäßigen Abständen veröffentliche ich diese lesenswerten Lesezeichen hier im Blog.

  • The Lawyer Who Became DuPont’s Worst Nightmare – www.nytimes.com
    „Just months before Rob Bilott made partner at Taft Stettinius & Hollister, he received a call on his direct line from a cattle farmer. The farmer, Wilbur Tennant of Parkersburg, W.Va., said that his cows were dying left and right.“ #longreads
  • Learning To Fail | John’s Adventures
    „When I originally left University I wanted to be a Royal Marine Officer. I wanted to follow in my father’s footsteps and I wanted to do something worthwhile, action-packed, and hard. I suppose I wanted, most of all, to show just how tough I was. Marine officer selection is split into two parts.“
  • On Life In The Mac App Store | John’s Adventures
    „Back in September 2014 I released John’s Background Switcher to the Mac App Store. The idea behind the Mac App Store is that you pay £60 / year to Apple so that you can sign and distribute software for the Mac and submit apps for sale there.“
  • Laverna – store your notes anonymously and encrypted
    „Start using now Why should you use Laverna as note taking application? Laverna is a web app written in JavaScript which means it requires no installation and no registration. Laverna can encrypt all your notes on client side with SJCL library and no one, except you, can get access to them.“
  • #Blogparade – Erfolgreich Bloggen ohne eigenes Blog?
    „Blogs sind von gestern, Bloggen ist oldschool! Wer schon länger in der Blogosphäre unterwegs ist, kennt diese Sprüche und zuckt im Zweifelsfall mit den Schultern. Schließlich gibt es längst wieder eine sehr lebendige Bewegung pro Blog. Immer mehr Solopreneure, Journalisten, Experten etc.“
  • Kaffee ist meine neue Leidenschaft
    „Wie jetzt: Kaffee?! Ist doch an jeder Ecke zu haben und sogar so billig, dass Kaffeemarken offensichtlich mehr am Bademantel, Fahrrad und Geschenke-Zusatzverkauf verdienen, als am Kernprodukt.“
  • Infoflut: Nachschrauben statt Detox | Das Textdepot
    „„Digital Detox“, „Experiment Offline“. Solche Schlagworte tauchen mit schöner Regelmäßigkeit auf, entweder zur Ferienzeit im Sommer oder eben zum Jahresbeginn. Für mich kein erstrebenswerter Weg. Ich setze lieber auf meine Smartwatch.“
  • Meine Tools und Dienste für Recherche und Themenfindung
    „Jeden Tag gehe ich 100 bis 200 Artikel durch, um Material für Recherchen zu sammeln oder Themenideen zu bekommen. Mir stehen dabei einige sehr nützliche Werkzeuge zur Seite, die ich hier vorstellen möchte. „Erst Input, dann Output“, habe ich mir einmal sagen lassen.“
  • The George Awakens – The New Yorker
    „For fanboys everywhere “The Force Awakens” was supposed to have one happy side effect: it would exile George Lucas from the galaxy he created. In 2012, Lucas sold his company and his homegrown mythology—I think we call it I.P. now—to Disney.“ #longreads
  • Access Denied – The Awl
    „Earlier this year a young employee at a celebrity magazine explained to me a problem. The magazine was doing reasonably well, as was its website. But both were publishing photos taken from Instagram with increasing frequency. This was fine: the photos were good and people liked them.“ #longreads
  • Best of Luck – The Awl
    „I remember telling a girl I dated in college once that I’d like to be dead by fifty.“ #longreads
  • Time for Pie – How to Improve Collaboration – RICHTOPIA
    „Have you ever been invited to a brainstorming or collaboration meeting and felt like you weren’t contributing your best ideas? Perhaps later that evening while you were enjoying a delicious slice of pie a sudden flash of insight, a great idea, burst into you mind as if from nowhere and you wonde“

Alle besonders lesenswerten Lesezeichen gibt es auf Pinboard: “INJELEA-Lesenswertes“. Und natürlich auch zum Abonnieren als RSS-Feed ;-)

Viel Spaß beim Lesen!

Frank Hamm

\V/_ (Live long and prosper!)

Bastian „The New Worker“ Wilkat ruft im April zur „Blogparade: Die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter“ auf, und viele Autoren folgen ihm. Jetzt erscheinen alle Beiträge im gleichnamigen Sammelwerk als Ebook.

Als Bastian im April zur Blogparade aufruft dauert es zunächst etwas, bis die Blogparade in Fahrt kommt. Doch bis zum Ende der Blogparade im Mai kommen immer mehr Beiträge hinzu. Einer (meiner) ist sogar so unverschämt, nach seinem ersten Beitrag einen zweiten Beitrag „nachzutreten“.

Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter (Mein Beitrag im INJELEA-Blog)

Es geht um Freiraum aber auch um Pflichten im Zusammenarbeiten. Unsere Gesellschaft und die Unternehmen(skulturen) müssen diese Freiräume und Pflichten noch lernen. #NewWork ist für mich kein Konzept, keine Struktur, und kein fester Prozess. Es ist ein ständiger anzupassender Prozess des sich gemeinsam Entwickelns. Quasi ein ständiges Beta. Es ist eine Wissensarbeit.

[…]

Letztendlich geht es um Vertrauen und Loyalität. Das eine funktioniert ohne das andere nicht und das andere nicht ohne das eine. Von allen Beteiligten.

Nachgetreten: Meine Arbeitsumgebung als Wissensarbeiter (Mein Beitrag als Der Schreibende)

Und solange ich arbeite, gehört zur perfekten Arbeitsumgebung Flexibilität. Arbeiten im Café oder auf der Terrasse oder im Bürozimmer zuhause oder in einem Coworking-Space. Nicht immer aber unterm Strich. Egal, ob ich als selbstständiger Freiberufler oder als selbstständiger Angestellter wissensarbeite.

Da haben wir Autoren es Bastian aber gezeigt! So sehr, dass er sprachlos ist:

Ich bin sprachlos. Die Resonanz war unglaublich. Einer- seits freut mich die Anzahl der Beiträge – viel mehr aber freuen mich die Qualität und die verschiedenen Stile. Von persönlichen Erfahrungsberichten, über essayistische Ab- handlungen und philosophischen Gedanken, bis hin zu tiefgehenden Fachbeiträgen. Es war wirklich eine Freude die Texte zu lesen. Danke an alle Autoren/innen!

Vielen Dank, lieber Bastian, für die Mühe, die wir Dir gemacht haben! Denn Du hast nicht nur die Blogparade ins Leben gerufen sondern auch ein Ebook daraus erstellt.

Vielen Dank an die anderen Autoren: Sabrina Heuer-Diakow, Isabelle Kürschner, Daniel Pötzsch, Lars Hahn, Katharina Maria Brogsitter, Joachim Haydecker, Jan Pötzscher, Hendrik Epe, Stefan Pfeiffer, Simone Lackerbauer / IFAZ, Michael Rajiv Shah, Guido Rottkämper, Dr. Elke Frank & Dr. Thorsten Hübschen, Ole Wintermann, Anja Wittenberger, Angelica Laurençon & Anja C. Wagner, Jörg Dirbach, Simone Jansen, Alex Kahl, Sven Hennige.

Laden Sie sich das Ebook von der Website des New Workers herunter und genießen Sie es. Beispielsweise in aller Ruhe als Wissensarbeiter während der Zugfahrt zum nächsten Termin oder mit dem Ebook-Reader am Strand.

eBook: Die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter (Download-Seite)

Vielen Dank, lieber Bastian, für Dein Engagement und das Ebook!

Wissensarbeiter Frank Hamm

Wie sieht die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter aus? Bastian Wilkat will es wissen und ruft zu einer Blogparade über die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter auf. Ich paradiere mit.

Was ist überhaupt eine Blogparade? Bastian erklärt es so:

Ein Blogger gibt ein Thema vor und jeder andere Blogger kann bis zu einem Enddatum einen (oder mehrere) Artikel zum Thema schreiben. Dadurch erhält man viele verschiedene Ansichten zu einem Thema. Außerdem hat es auch einen positiven Einfluss auf die Bekanntheit aller teilnehmenden Blogs. Ich werde bei mehr als fünf Beiträgen ein (kostenloses) eBook mit allen Beiträgen erstellen.

Heute am 7. Mai sehe ich vier Beiträge. Also bereitet es mir ein besonderes Vergnügen mitzuparadieren und Bastian mit einem fünften Beitrag gewissermaßen einer gehörigen Portion Wissensarbeit näher zu bringen :-)

Bastian listet einige Fragen zur Beschreibung des Themenfeldes auf:

  • Was sind eurer Meinung nach Voraussetzungen für eine vernünftige Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter?
  • Was bedeutet eine vernünftige Arbeitsumgebung?
  • Was umfasst für euch der Begriff “Wissensarbeiter”?
  • Worauf müssen Unternehmen neben einer physischen Arbeitsumgebung noch achten?
  • Welche Rolle spielt der einzelne Mensch bei der Ausgestaltung der Arbeitsumgebung?
  • Wenn Unterschiede zwischen Unternehmen und Selbstständigen existieren – was gibt es für Unterschiede?
  • Beugt eine vernünftige Arbeitsumgebung Unzufriedenheit und negativem Stress vor?
  • Ist ein Büro noch zeitgemäß?

Ich weiß noch nicht, ob und wie ich im einzelnen auf die Fragen eingehe, aber ich lege einfach einmal los. Das “Loslegen” hängt damit zusammen, a) wie ich gerade diesen Blogartikel schreibe (“Wissensarbeit”) und b) wo, in welchem Umfeld und mit welchen Werkzeugen ich diesen Artikel schreibe (“Arbeitsumfeld”).

Mein aktuelles Wissensarbeiter-Arbeitsumfeld

Ich sitze hier in Nieder-Olm in einem Café und trinke einen Milchkaffee. Ich habe Bastians Artikel in Evernote abgelegt und habe darauf Zugriff, ohne dass ich eine Internetverbindung benötige. Zusätzlich habe ich weitere Artikel, die ich möglicherweise verwenden werde, parat. Ein paar Links habe ich bereits in den letzten Tagen in diesem Markdown-Dokument abgelegt (nachgeliefert: INJELEA-Blog: Effizient schreiben mit Markdown). In etwa eineinhalb Stunden muss ich zu einem Termin, und die verbleibende Zeit möchte ich jetzt für diese Arbeit nutzen. Weil ich mich möglichst nicht durch die Straßengeräusche und die Gespräche am Nachbartisch ablenken lassen möchte, habe ich mein Headset mit Geräuschunterdrückung auf (nachgeliefert: Plantronics Backbeat Pro für daheim und das (Mobile) Office) und höre leichte Musik im Hintergrund. Jetzt schreibe ich einfach los. Später werde ich wahrscheinlich noch ein paar Stellen im Text verlinken. Ein Titelfoto habe ich bereits mit meinem Smartphone gemacht, ich werde es später in WordPress hochladen und dem Artikel zuordnen.

Was ist ein Wissensarbeiter?

Ein Wissensarbeiter ist jemand, der Wissen aus verschiedenen Quellen in einen Kontext setzt und dabei zu Informationen verarbeitet, dabei möglicherweise auch mit anderen Wissensarbeitern zusammen arbeitet und etwas Neues erzeugt. Der “Output” kann sowohl ideell als auch materiell sein, meistens ist sind es jedoch Ideen, Abläufe, Verknüpfungen. Ein zentrales Element in der Zusammenarbeit bei Wissensarbeitern ist die Vernetzung.

Soweit meine Definition. Offline zu sein bedeutet auch einen gewissen Freiheitsgrad. Denn wäre ich jetzt online, hätte ich vermutlich Peter Druckers Definition recherchiert und an mich angepasst. Oder ich hätte eine Definition des Quartärsektors genommen und aufgrund meiner anderen Quellen angepasst. Auch das wäre Wissensarbeit.

Nachgeliefert:

Wie soll die Arbeitsumgebung aussehen?

Die Arbeitsumgebung für einen Wissensarbeiter sollte optimal innerhalb der entsprechenden Situation sein für

  • Zugriff auf möglichst viele Quellen (insbesondere, weil der Wissensarbeiter zu Beginn oft nicht weiß, was er braucht und wohin es ihn führt)
  • Vernetzung mit anderen Wissensarbeitern
  • Werkzeuge, die synchrone und asynchrone (räumlich und zeitlich) Kommunikation ermöglichen
  • Räumliche Gegebenheiten, die er persönlich als angenehm empfindet sowohl für die Arbeit als auch für seine körperliches und mentales Wohlbefinden
  • Räumliche Gegebenheiten, die für einen persönlichen Austausch oder für das Zusammenarbeiten geeignet sind
  • Räumliche Gegebenheiten, für deren Erreichen er möglichst wenig Aufwand (räumlich und zeitlich) erbringen muss
  • Raum und Zeit für Entspannung (denn ich halte Entspannung für ein Grundelement der Produktivität genauso wie Anspannung)

Die Ausprägung der einzelnen Elemente wechselt von Situation zu Situation. Manchmal nehme ich räumliche Gegebenheiten für ein Meeting oder ein Zusammenarbeiten (beispielsweise einen Workshop) in Kauf, für die ich weit anreisen muss. Das Leben ist ein Kompromiss. Wichtig ist jedoch, dass die Mischung innerhalb einiger Wochen insgesamt ausgeglichen ist.

Eine große Veränderung der letzten Jahre ist das Aufkommen neuer digitaler Werkzeuge, Dienste und Software. Sie ermöglichen dem Wissensarbeiter in vielen Fällen, weitgehend unabhängig von Raum und Zeit zu arbeiten.

Die Arbeitsumgebung eines Wissensarbeiters insgesamt ermöglicht ihm ein eigenständiges und selbstorganisiertes Arbeiten zur Erreichen von Ergebnissen. Ein Wissensarbeiter benötigt für produktives Arbeiten eine ergebnisorientierte Arbeitsumgebung:

ROWE – Results Only Work Environment is a human resource management strategy co-created by Jody Thompson and Cali Ressler wherein employees are paid for results (output) rather than the number of hours worked. Cali and Jody, who originally proposed the strategy at Best Buy, have since started a consulting group called CultureRx. The strategy has subsequently been implemented at a second large American retailer, Gap., as well as the Girl Scouts of San Gorgino, J.A. Counter and Associates, the Fairview Health Services I.T. Department. ROWE tries to give managers the tools to define goals which can be clearly met or unmet by the results of individual contributors working for that manager. This focus on met or unmet results allows significant freedom to the organization to focus on fewer minute details of employee daily routine.

(ROWE. (2015, February 3). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 08:18, May 7, 2015)

Zum ersten Mal erfuhr ich von ROWE durch Klaus Eck vor knapp acht Jahren (ROWE bei Best Buy: Results-Only Work Environment). Vor zweieinhalb Jahren griff ich ROWE zuletzt auf dem Lifeworkcamp auf:

Auf dem Lifeworkcamp hielt ich am Freitag, 12.10.2012, die Session “9 to 5 versus ROWE” (ROWE=Results Only Work Environment). Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren für viele (Wissens-) Arbeiter verändert. Immer öfter geht es um die Ergebnisse und nicht darum, von Neun bis Siebzehn Uhr (9 to 5) im Büro zu sitzen.

(Arbeitszeit und Arbeitsort: 9 to 5 versus ROWE)

Zentrale Voraussetzungen sind die Freiheit zur Selbstorganisation, wo und wann und wie ich als Wissensarbeiter innerhalb vorgegebener Rahmenbedingungen (beispielsweise zeitliches und monetäres Budget) die Ergebnisse erreiche. So etwas ähnliches habe ich vor über dreißig Jahren zum ersten Mal erfahren: Als “Auftragstaktik” (nachgeliefert: Führen mit Auftrag, Wikipedia) bei der Bundeswehr. Seitdem hatte ich verschiedene Arbeitsaufgaben und Arbeitsumgebungen. Bei der Bundeswehr hatte ich als Feuerleitoffizier und Führer einer Kampfbesatzung das Vorrecht eines Einzelzimmers. Es war ein „Wohnbüro“ mit Schlafcouch, Schreibtisch, Fernseher, Spind für den Kampfbesatzungsoffizier. Tagsüber teilten wir uns das Büro zu zweit oder zu dritt. Später war ich als Wissensarbeiter in Einzelbüros, Zweierbüros, Dreierbüros, größeren Büros. Fast immer waren die Arbeitsumgebungen unflexibel. Ich konnte mich zum konzentrierten Arbeiten nicht genug zurückziehen oder “abkapseln”. Oder ich hatte zu wenig Ad-hoc-Kommunikation mit Kollegen. Für die Zusammenarbeit fehlten oft kurzfristig verfügbare Räumlichkeiten mit entsprechenden Werkzeugen.

Fast immer hatte ich die Herausforderung eines Anwesenheitszwangs während meiner gesamten Arbeitszeit. Auch wenn es dabei Zeiten oder Phasen gab, in denen es nicht nötig war oder sogar kontraproduktiv war (weil beispielsweise Rückzugsräume für konzentriertes Arbeiten fehlte). Als Gegenbeispiel hatte ich in den Neunzigern einmal zusammen mit einem Kollegen längere Zeit für zwei Tage die Woche eine Art Vertrauensarbeit: Wir konnten uns treffen, wo und wann wir wollten und arbeiteten dann an einem größeren Konzept. Beispielsweise bei mir am Abend. So produktiv waren wir damals nur selten.

Die Anwesenheitspflicht ist gibt es noch in weiten Teilen Deutschlands. Es gibt immer noch Pendler, die in zwei Welten leben, obwohl die technologischen Möglichkeiten in den letzten fünf bis zehn Jahren immens zugenommen haben:

Sie haben jeden Sonntag das gleiche Ritual: zum Bahnhof fahren, Abschied nehmen, Stunden im Zug verbringen. In Deutschland pendeln immer mehr Menschen zwischen ihrem Arbeits- und ihrem Wohnort. Studien sagen, das sei ungesund.

Vor ein paar Tagen hörte ich beim Autofahren im Radio, dass der Pendelverkehr in Hessen sogar wieder zugenommen habe (sorry, an die Quelle kann ich mich nicht erinnern). Rein aus dem Bauch heraus und logisch nachvollziehbar müsste das Pendeln abnehmen, weil der Anteil des Tertiärsektors (Dienstleistungssektor) am Bruttoinlandprodukts in Deutschland immer weiter steigt – und darin wiederum der Anteil des Quartärsektors (Wissens- und Kreativsektor) immer weiter steigt.

Unternehmen müssen auf eine Kultur und ein Bewusstsein achten, die eigenverantwortliches und selbstorganisiertes Arbeiten nicht nur tolerieren sondern es fördern. Jeder einzelne wiederum erhält die Verpflichtung, eben so zu arbeiten.

Ob es Unterschiede zwischen Unternehmen und Selbstständigen gibt?

Ich bin mir da unsicher. Einerseits bedeuten Organisationen immer Zwänge und andere Ausprägungen. Andererseits unterliegen auch Selbstständige Zwängen. Ein Freund sagte mir einmal, er habe sich selbstständig gemacht, weil er nie wieder einen Chef haben wolle. Jetzt hat er nicht nur einen, sondern viele – Kunden. Selbstständige haben womöglich auch deswegen mehr Freiheiten. Andererseits müssen sie öfters Kompromisse eingehen – weil sie eben mehr Chefs haben. Deswegen müssen sie vermutlich sogar noch flexibler sein.

Andererseits kann ich mir Unternehmen vorstellen, in denen die Mitglieder dieser sozialen Gesellschaft auf Basis eigener Entscheidung eine Art Gesellschaftsvertrag “unterschreiben” (nachgeliefert: Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes, Wikipedia), weil sie gemeinsame Werte wie Selbstorganisation und Eigenverantwortung teilen.

Arbeit (gleich ob Wissensarbeit oder andere Arten von Arbeit) bedeutet Phasen von Anspannungen und Phasen von Entspannungen. Eine vernünftige Arbeitsumgebung ermöglicht den Wechsel und den Ausgleich innerhalb dieser Phasen. Deswegen beugt eine vernünftige Arbeitsumgebung auch Unzufriedenheit und negativem Stress vor.

Bastian fragt, ob ein Büro noch zeitgemäß sei…

Wissensarbeiter Frank Hamm

Wissensarbeiter Frank Hamm im Mobile Office

Kurzer Einschub: Ich verlasse das Café und mache mich auf den Weg zu meinem Termin. Später dann:

Ich kokettiere gerne mit meinem “Mobile Office”. Tatsächlich ist es so, dass ich aufgrund meiner Arbeit und meiner digitalen Werkzeuge nahezu überall arbeiten kann. Mein Mix aus Smartphone, Tablet, Notebook und stationärem Rechner gibt mir enorme Freiheiten. Sicherlich kann ich nicht alle Arbeiten beispielsweise mit dem Smartphone oder dem Tablet erledigen. Doch mit etwas Vorausschau und Planung (wie der Vorbereitung dieses Artikels) kann ich sehr gut disponieren. Derartige Dispositionen ermöglichen es mir im Zug, im Café, auf der eigenen Terrasse, im Park (womöglich neben unserem Haus inklusive WLAN), am Esstisch und sogar im Bett zu arbeiten. Aber eben auch in meinem Büro, in das ich mich gerne zum Arbeiten “zurückziehe”.

Ein Büro ist ein Refugium, das mir einerseits sehr konzentriertes Arbeiten ermöglicht und andererseits auch bewusst den Wechsel in einen Arbeitsmodus erleichtert. Bestimmte Arbeitsmittel befinden sich nur im Büro (beispielsweise der Drucker, der Scanner). Doch für mich ist das Gehen in das Büro eine Kopfsache, die mich leicht in den Arbeitsmodus wechseln lässt. Ich bin der Überzeugung, die meisten werden weiterhin ein Büro benötigen. Aber sie werden es nicht immer und nicht für alle Tätigkeiten benötigen. Oft hilft auch ein Büro beim gemeinsamen Arbeiten und auch beim “Socializing”.

Obwohl es seit vielen Jahren zunehmend Wissensarbeiter gibt und es wahrscheinlich deswegen eine Bewegung gibt, die manche mit #FuturOfWork oder #NewWork kennzeichnen, gibt es kein schlüssiges oder gar fertiges Konzept. Es gibt kein Konzept oder gar eine Arbeitsanweisung, die ein Unternehmen (oder Gruppen von Selbstständigen und/oder Unternehmen) nur noch umsetzen müsste.

Es gibt keinen Masterplan, keinen Blueprint, kein „so muss man das machen“. Es gibt „nur“ eine Vielzahl Ideen und Impulse die sichtbar werden lassen, dass „anderes arbeiten“ – entgegen der unserer Sozialisierung geschuldeten Wahrnehmungen, dass alles so wie es ist zu bleiben hat – möglich, und vor allem erfolgreich möglich ist.

(Guido Bosbach: new work = Der Mensch im Fokus | Eine Reflektion zum Thema “new work”)

Es gibt so etwas nicht, weil die Wissensarbeiter Menschen sind, und weil jeder Mensch sehr unterschiedlich sein kann und dennoch zu einer Wissensarbeit mit seinen “Andersartigkeiten” beitragen kann. Wissensarbeit lässt sich auf Dauer nicht befehlen. Menschen müssen sich mit möglichst wenig Kompromissen zusammenfinden oder zumindest im Kopf und mit dem Herzen bereit sein zum Zusammenfinden und -arbeiten.

Es geht um Freiraum aber auch um Pflichten im Zusammenarbeiten. Unsere Gesellschaft und die Unternehmen(skulturen) müssen diese Freiräume und Pflichten noch lernen. #NewWork ist für mich kein Konzept, keine Struktur, und kein fester Prozess. Es ist ein ständiger anzupassender Prozess des sich gemeinsam Entwickelns. Quasi ein ständiges Beta (nachgeliefert: Das verlorene Wort: “Beta”, INJELEA-Blog). Es ist eine Wissensarbeit.

Verlange ich zuviel? Nein. Arbeitgeber und Auftraggeber verlangen auch viel. Und sie haben ein Anrecht darauf, viel dafür zu erhalten (wenn sie viel dafür geben). Aber genau deswegen sollte es in ihrem Interesse liegen, ihrem (Wissens-)Mitarbeiter beziehungsweise Auftragnehmer eine optimale Arbeitsumgebung zu ermöglichen. Nur dann können diese wirklich produktiv sein und ihre Arbeit beziehungsweise ihren Auftrag bestmöglich erfüllen (nachgeliefert: Selbstorganisation – Productivity Mindset, INJELEA-Blog). Nicht umsonst schauen Unternehmen oft auf den Return on Investment, doch der Return hängt auch von der Produktivität der Wissensarbeiter ab ;-)

Letztendlich geht es um Vertrauen und Loyalität. Das eine funktioniert ohne das andere nicht und das andere nicht ohne das eine. Von allen Beteiligten.

Was braucht der eigentlich, um gute Arbeit machen zu können?

(Christian Beinke, Gründer und Partner Dark Horse Innovation, im Video von Backyard TV: Workspace der Zukunft)

Auch zum Nachsehen von Backyard TV: Collaboration – Brauchen wir noch einen festen Arbeitsplatz?

Fuss im Sand (Kihei, HI)

Fuss im Sand (Kihei, HI)

Seit über 20 Jahren benutze ich Email. Streng genommen sogar noch um einiges länger, wenn ich die Compuserve- oder Fidonet-Nachrichten mitrechne. Damals bereits handelte es sich um “Elektronische Post”, nur dass die Übermittlung und Speicherung der elektronischen Post auf proprietären Formaten basierten. Seit Jahrzehnten also konnten sich Menschen daran gewöhnen, ein Werkzeug in allen (un)möglichen Variationen zu benutzen. Und sie tun es ausgiebig. Ich tue es. Und trotz allen Schwächen mag ich Email. Manchmal zumindest.

Email besteht im Wesentlichen aus den Protokollen Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) zum Versenden von Nachrichten sowie Post Office Protocol (POP) und Internet Message Access Protocol (IMAP) zum Abrufen von Nachrichten. Mehr ist Email nicht. Im Grunde ein minimalistisches System.

Email ist leider jedoch so simpel, dass jeder es benutzen kann. Mit, ohne oder mit bescheuertem Betreff. Mit, ohne oder mit bescheuerten CC-Empfängern (okay, eigentlich ist der Absender dann bescheuert). Mit, ohne oder mit bescheuertem Inhalt. Mit, ohne oder mit bescheuerten Anhängen. Mit, ohne oder mit bescheuerter Signatur mit teilweise mehr als 40 Zeilen, davon 30 für Disclaimer, die rechtlich und nach gesundem Menschenverstand alle total bescheuert und rechtlich unwirksam sind. Als Ersatz für synchrones Messaging. Als Problemablademedium. Privat oder beruflich. Ich hasse Email sehr oft in dem meist vergeblichen Versuch, die Abneigung vor dem Verhalten des Absenders auf das Medium zu transferieren. Und das Allerschlimmste ist, dass ich mich manchmal beim Bescheuertsein-Mitmachen ertappe.

Aber Email ist halt so einfach, dass es sogar am Strand funktioniert. Selbst wenn ich keinen Empfang habe, so wird die Nachricht später automatisch versendet. Ich hätte diesen Artikel bis auf das Titelfoto eben an diesem Strand auf Maui in Hawai’i als Email erstellen und an mein Blog versenden können (anstelle abends auf der Couch in der Bed & Breakfast-Unterkunft). Ich kann mit einer Email Aufgaben in allen möglichen Task Management Suites wie Asana oder Podio erzeugen. Ich kann eine Notiz in Systemen wie Evernote erzeugen. Umgekehrt können mir Social Software, ERP-Systeme oder Collaboration Software Nachrichten schicken. Email hat jeder, Email funktioniert einfach. Das ist bei vielen anderen Systemen nicht der Fall. Und nicht jeder hat Asana oder Podio oder Azendoo oder Facebook oder Whatsapp – auch wenn sich das irgendwann ändern könnte. Email funktioniert deswegen, weil es aus offenen Standards besteht. Sogar das Empfangen und Versenden verschlüsselter Nachrichten funktioniert damit – zumindest theoretisch.

Muss also das Rad neu erfunden werden?

Wie funktioniert Email bei mir?

  • Ich habe seit längerem einen Google Business Account. Dort landen alle Emails, die an meine Emailadressen gesendet werden (entweder durch Umleitung oder durch automatische Abholung durch Google Mail). Damit bräuchte ich eigentlich nur ein Mailsysteme zu benutzen.
  • In Google Mail kann ich Nachrichten mehreren “Labels” zuordnen. Die Labels können beispielsweise die Bedeutung verschiedener Prioritäten, Kunden, Aufträge, Projekte haben. Somit könnte ich einen Nachrichtenstrang einem Projekt und mehreren Kunden (bei einem Gemeinschaftsprojekt) zuordnen. Damit bin ich nicht an eine hierarchische Ordnerstruktur gebunden.
  • Tatsächlich benutze ich die Labels in Google Mail fast nur für ein minimalistisches Aufgabenmanagement. Wenn ich eine Nachricht direkt nach Abarbeitung meines Eingangsfaches oder im Laufe des Tages bearbeiten will, dann nehme ich ein bestimmtes Label dafür (z.B. “!Action”).
  • Email benutze ich nicht für ein Aufgabenmanagement. Dafür habe ich Tools wie Asana, Podio, Toodledo, Todoist (beispielsweise weil ein Kunde es benutzt). Beispielsweise leite ich eine Email an ein Aufgabenmanagement-Tool weiter. Die Bearbeitung und Erledigung erfolgt dann im Aufgaben-Tool. Manchmal schicke ich die Email an Evernote und füge den Notizlink in meinem Aufgaben-Tool zur Aufgabe hinzu.
  • Wenn ich eine Nachricht benötige, dann suche ich danach. Mit Ordnern arbeite ich gar nicht mehr, mit Labels nur selten. Ich will Nachrichten nicht organisieren sondern finden. Die Suche in Google Mail ist nach wie vor sehr schnell und funktioniert sehr gut zum Finden von Nachrichten. Der Nachteil: Im Browser muss ich immer online sein.
  • Abonnements versuche ich in meinem RSS-Reader zu halten. Allerdings gibt es einige Abonnements (beispielsweise Newsletter), die es nicht als RSS gibt. Die filtere ich mit Regeln und verpasse ihnen ein “Newsletter”-Label. Die Newsletter landen erst gar nicht im Posteingang und werden von mir nur gelegentlich überflogen. Newsletter von diversen Diensten kündige ich normalerweise umgehend (“We are thrilled/excited to announce our new product!”).
  • Manchmal lassen sich Newsletter, Sales Promotions irgendwie nicht abstellen. Warum sollte ich beispielsweise einen ungewollten und nicht bestellten Newsletter mit einer Email an eine andere Adresse mit einem bestimmten Betreff abbestellen versuchen zu wollen. Meistens klappt das sowieso nicht. Inzwischen bin ich auch in unzähligen “PResseverteilern” und erhalte zahlreiche Pressemitteilungen. Die lassen sich grundsätzlich nicht abbestellen außer durch eine persönliche Email oder einen Anruf. Das k***t mich an. Ich sehe nicht ein, dass ich den Aufwand haben soll, damit mich andere nicht mehr von mir ungewollt anschreien. In diesen Fällen kommt mittlerweile ein rigoroser Löschfilter zum Einsatz.
  • Newsletter haben sowieso nur selten einen Nutzen für mich. Wenn eine Information einen Nutzen für mich hat, dann finde ich sie durch meine Suchabfragen, die per RSS in meinem RSS-Reader landen, oder ich finde sie (z.B. durch Tools) in meinem Social Graph.
  • Benachrichtigungen (beispielsweise von Facebook, Twitter) landen via Filter ebenfalls außerhalb des Posteingangs in einem Label. Dabei versuche ich grundsätzlich, möglichst viele Benachrichtigungen abzustellen. So wie die meisten von Xing, die mich eh nur in den Browser nach Xing zwingen wollen und erst einmal fast keinen Informationsgehalt haben.
  • Überhaupt arbeite ich ausgiebig mit Filterregeln in Google Mail. Das Schöne dabei ist unter anderem, dass die Filter alle serverbasiert und unabhängig vom Client oder Browser angewendet werden.
  • Außer Benachrichtigungsemails lösche keine Emails. Warum sollte ich jedesmal nachdenken, ob oder ob nicht ich die Nachricht noch einmal benötige? Im Zweifelsfall habe ich sie dann gelöscht und brauche sie nach ein paar Wochen oder Monaten doch noch.
  • Im Einzelfall bin ich oft auf eine Suche angewiesen, um alle notwendigen Informationen zur Aufgabe zu finden und beispielsweise bei der Erledigung oder bei einem Telefonat zur Verfügung zu haben.
  • Wenn ich etwas suche, dann ist es mir möglicherweise nicht klar beziehungsweise weiß ich nicht, wo die Information ist. Deswegen habe ich gerne eine Suche, die verschiedene “Töpfe” nach der Information durchsucht. Also Google Mail, Filesystem, Evernote, Simplenote, Asana, Toodledo, Podio… So eine universelle Suche gibt es nicht. Somit komme ich von den Silos nicht los.
  • Alternativ kann ich für Email einen Emailclient wie Thunderbird mit IMAP benutzen. Dann kann ich meistens zumindest Email, Filesystem und Kontakte gleichzeitig/universell durchsuchen. Ich habe alle meine Emails seit Jahren auf dem Server gespeichert. Speicherplatz spielt auch da keine Rolle mehr. Mit IMAP habe ich einen lokalen “Nachrichten-Cache”, der außerdem separat gesichert wird.
  • Im Client (und nur da) kann ich PGP-Verschlüsselung benutzen. Dann verliere ich aber Vorteile des “nativen” Emailmanagements von Google Mail im Browser.
  • Je nach Auftraggeber habe ich dort ebenfalls einen Mailaccount. Damit habe ich weitere Systeme, die ich aufrufen/öffnen muss und gegebenenfalls durchsuchen muss. Weitere Silos also. Zusätzlich habe ich inzwischen beim Auftraggeber manchmal ein weiteres Collaborationtool. Weitere Silos. In denen findet dann auch die Kommunikation statt – leider dann auch wieder oft nur teilweise, so dass weitere Teile wieder in der Email landen. Natürlich abwechselnd im Account beim Autraggeber und in meinem eigenen Account.

Funktioniert Email dann überhaupt?

Ja, Email funktioniert. Aber ich muss Zeit aufwenden, um Email einigermaßen effizient einzusetzen. Manche Schwachstellen wie die nicht vorhandene universelle Suche ist manchmal nur lästig, manchmal kostet sie richtig viel Zeit. Seit letztem Jahr bin ich selbstständig und arbeite ich mit verschiedenen Auftraggebern. Das wird dann so richtig aufwändig, weil ich unter Umständen zwischen verschiedenen Emaildiensten oder Clients hin- und herschwenken muss.

Ich muss die Arbeit leisten, die gar nicht der eigentlichen Arbeit entspricht.

Mein Email-Wunschzettel

Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Aber einige Punkte könnten rund um Email uns die Email leichter machen.

Ich wünsche mir, dass Emaildienste eine Such-API anbieten. Ich würde mir wiederum einen Suchanbieter auswählen, der alle meine Dienste durchsuchen kann. Außerdem wünsche ich mir einen Meta-Collaboration-Dienst, der bestimmte Grundfunktionen anderer Collaborationdienste (beispielsweise Asana, Bitrix24) per API einbindet.

Im Idealfall hätte ich dann ein Unified Dashboard, das im Hintergrund auf verschiedene Emaildienste oder Collaborationdienste zugreift und mir Nachrichten (Email, Messages) sowie Aufgaben daraus aufbereitet. Bei den Fileservices wie Google Drive, Dropbox, Box funktioniert das bei mancher Collaboration Software schon recht gut. Auch beim Kalender klappt dies manchmal schon recht gut, dann aber meistens beschränkt auf den Google Kalender.

Nachrichten, Aufgaben, Dateien, Kalender gehören auf ein universelles Dashboard. Dazu noch kontextorientierte Informationen zu Personen, Inhalten, Vorgängen aus meinen Inhalten und denen des Webs und denen meines Auftraggebers (mit Berücksichtigung der vergebenen Rechte). Zu den Kontextinformationen gehören die des Social Webs einfach dazu. Für Google Mail beispielsweise gibt es Rapportive, das mir zum Absender einer Mail seine Profile und aktuellen Statusupdates ausweist.

Außerdem wünsche ich mir einen kostengünstigen virtuellen Assistenten, der selbstständig das Filtern, Priorisieren, Verschlagworten und Zuordnen von Nachrichten, Aufgaben, Terminen und Dateien übernimmt. Der Assistent soll mit mir per Text und Audio kommunizieren können und mir mir selbstständig Vorschläge machen (“Es dürfte wieder Zeit für einen Haarschnitt sein. Soll ich für Freitag Nachmittag um 15 Uhr einen Termin vereinbaren?”).

Ob ich keine Angst habe, dass mein virtueller Assistent etwas übersieht? Sicherlich, aber das ist ein Grundproblem beim Führen und Delegieren. Unabhängig davon, ob der virtuelle Assistent ein Mensch, ein Dr. Watson (von IBM) oder ein Andrew Martin ist. Doch realistisch gesehen, ist der Mensch mit solchen Aufgaben zukünftig unterfordert und vor Allem nicht wettbewerbsfähig.

Blogparade

Mein Wunschzettel ist ein Beitrag zur Blogparade von Stefan Pfeiffer Der tägliche E-Mail-Schmerz und was erwarte ich von Mail der Zukunft?. Sie können noch bis zum 30. Juni 2014 an der Blogparade teilnehmen. Die Teilnahmeregeln gibt es in Stefan Pfeiffers Artikel.

Sunset (Kihei, HI)

P.S. Ich hätte diesen Artikel tatsächlich am Strand per Email erstellen können. Aber nicht immer und zu jeder Zeit ist Email das richtige Medium. Manchmal ist es wichtiger und richtiger, keine Email zu schreiben. Und anstelle dessen beispielsweise den Sonnenuntergang in Kihei in Hawai’i zu genießen. Auch während meines Urlaubs können Sie hier kommentieren – oder mir eine Email senden :-)

E-Book_Schreibblockade-Buch

Das große E-Book “Schreibblockade” – Download (Bildquelle: PR-Doktor)

PR-Doktor Kerstin Hoffmann rief im Oktober zur Blogparade gegen die Schreibblockade auf. Wie leichtsinnig! Denn was folgte, war ein Schreibtsunami:

Aber mit einer so überwältigenden Resonanz hatte ich im Traum nicht gerechnet: Mehr als 80 Autorinnen und Autoren haben sich beteiligt, mit großartigen und sehr unterschiedlichen Beiträgen.

[…] Die Autoren hatten noch einmal Gelegenheit, darüber zuschauen, und hier ist es nun: “Schreibblockade – Tipps, Strategien und Erfahrungen”. 85 Beiträge auf 245 Seiten Seiten, gefüllt mit Erfahrungsberichten, sehr persönlichen Einblicken, witzigen Erlebnissen, wertvollen Checklisten, Profi-Tipps … – Aber lesen Sie selbst!

Von mir sind darin zwei Beiträge:

Ablenkungsfreie Software zum Schreiben (distraction free writing)

Distraction free software (Byword)

Wann immer es um das Schreiben von etwas längeren Texten geht, benutze ich inzwischen Software für ablenkungsfreies Schreiben (“distraction free writing“): Byword und WriteMonkey.

[ INJELEA-Blog: Ablenkungsfreie Software zum Schreiben (distraction free writing) ]

Über Schreibblockaden und Schreibbloggaden

Schreibblockade

Schreibblockaden ade: Mit RumLosEntTern überwinden Sie jede Schreibblockade und fühlen Sie sich danach wunderbar und glücklich. So wie ich mich jetzt. Doch immer noch fehlt mir der Text, den ich eigentlich schreiben wollte…

[ INJELEA-Blog: Über Schreibblockaden und Schreibbloggaden ]

Mein Bonbon: Blind schreiben

Blind_Schreiben

Als Bonbon gibt es von mir noch den Tipp zum Blind schreiben:

Ich werde jetzt blind schreiben. Es ist ein Experiment, zu dem mich Ygor H. Speranzas Artikel “Blindwriting – An article on how to write without looking back” motiviert. Ich will es wissen. Jetzt.

[ Der Schreibende: Blind schreiben ]

Zum Download

Aber lassen Sie sich von mir nicht ablenken, auch nicht und ganz besonders nicht, wenn Sie gerade eine Schreibblockade haben :-) Andererseits können Sie mit dem Schreiben ruhig noch etwas warten. Denn da finden Sie alles, um der Schreibblockade zu entgehen:

Das große E-Book “Schreibblockade” – Download

 

Blogger Relations

Mike Schnoor ruft zur Blogparade “Blogger Relations” auf, und ich folge seinem Ruf nach seinem Stubser. Die Versuchung in mir ist groß, möglichst viele der bereits geschriebenen Artikel zu lesen, um mich mit dem erworbenen Wissen als Experten zu präsentieren. Doch genau dies sind alle Blogger irgendwie sowieso: Experten.

Ein Experte ist eine Person, die zu einem zufälligen Zeitpunkt genau ein bisschen mehr weiß als andere, möglichst als genau die anderen, die gerade im Raum, auf Facebook oder auf Twitter sind.

Solch ein Zeitpunkt ist ein Punkt, und der nächste Punkt kommt sofort als Fragezeichen oder Ausrufezeichen. Denn im nächsten Augenblick kommt der nächste Blogger daher, und dahin ist es mit dem mühsam erworbenen Expertentum. Kaum ein Blogartikel, der nicht umgehend durch einen anderen ergänzt, kritisiert, verbessert, widerlegt werden könnte. Deswegen ist geradezu fahrlässig, sich als Unternehmen oder Blogger auf sein Expertentum zu verlassen oder zu berufen. Kaum ist das Expertentum veröffentlicht – schon meldet sich jemand dazu auf Twitter, auf Facebook, auf Google+ oder sonst irgendwo. Oder der Artikel selbst erscheint auf einem Mikroblog (wie Twitter!). Was ist überhaupt ein Blog?

Das Blog [blɔg] (auch: der Blog) oder auch Weblog [ˈwɛb.lɔg], engl. [ˈwɛblɒg], Wortkreuzung aus engl. World Wide Web und Log für Logbuch, ist ein auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Web-Logger, kurz Blogger genannt, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert (‘postet’) oder Gedanken niederschreibt.

[ Seite „Blog“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 21. November 2013, 14:37 UTC. (Abgerufen: 21. November 2013, 15:07 UTC) ]

Das Blog muss also weder auf einer eigenen Website sein noch muss es öffentlich einsehbar sein. Die Inhalte unterliegen strenggenommen keiner Beschränkung. Auch die nachfolgenden Absätze und Abschnitte in Wikipedia lassen für mich nur einen Schluss zu: Jemand veröffentlicht mehr oder weniger regelmäßig etwas digital. Dabei ist es unerheblich, ob dies auf einer selbst verantworteten oder betriebenen Plattform (“Webspace”) erfolgt oder ob dies bei einem Anbieter auf dessen Plattform erfolgt. Also beispielsweise auf der Website einer Zeitung oder auf der Website eines anderen Anbieters wie… Twitter, Facebook, Google+! Das Netz macht alle gleich. Auch wenn es viele nicht so sehen, ich sehe es so. Was zwingt mich dazu, meine Inhalte wie Texte, Fotos oder andere Materialien auf einem “klassischen” Blog zu veröffentlichen? Nichts und niemand.

Deswegen sind wir alle Publisher 2.0. Doch wir sind mehr als Publisher – wir sind soziale Wesen. Wir agieren, reagieren und interagieren. Wer daher meint, einfach eine Schublade mit dem Aufkleber “Blogger” versehen und darin “klassische” Blogger einpacken zu können, um diese bei Bedarf mit einer Bloggermitteilung zu bombardieren, der versteht Menschen nicht. Ich stimme also Mike Schnoor zu, wenn er sagt:

Ich rate immer dazu, zwischen Journalisten und Bloggern in puncto Höflichkeit und Ehrlichkeit keinen Unterschied zu machen.

Dabei sollte es keine Rolle spielen, wo die Journalisten und Blogger ihre Inhalte veröffentlichen. Wer seine Kolumne beispielsweise auf Google Buzz veröffentlichte, der hatte zwar 2011 Pech, weil seine Inhalte weg waren – aber er war Blogger. Wer heute im Social Web publiziert und für ein Unternehmen “relevant” ist, der hat eine respektvolle Art und Weise in der Pflege der Beziehungen durch dieses Unternehmen (oder seine Vertreter wie Agenturen) verdient. Denn wir sind soziale Wesen. Deswegen glaube ich Mike Schnoor, wenn er sagt:

Zudem glaube ich, dass viele Blogger gar nicht so heiß auf abgedroschene PR-Infos sind.

Zudem glaube ich, dass viele Journalisten und viele andere Stakeholder gar nicht so heiß auf abgedroschene PR-Infos sind. Was bedeutet dies für Unternehmen?

  • Recherchieren
  • Analysieren
  • Strategien festlegen
  • Planen
  • Umsetzen

Dabei geht es um Unternehmensziele, Themen/Botschaften, Stakeholder, Maßnahmen, Budgets, Zeiträume. Es geht darum, zielorientiert Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Das beginnt nicht mit einer Blogger- oder Pressemitteilung sondern mit einem PR-Konzept. “Aber, das kostet doch Zeit und Geld!” Stimmt.

Beziehungspflege ist eine zeit- und oft geldintensive Tätigkeit. Gerade deswegen sollten Sie am Anfang investieren und nicht am Ende. Seien Sie sich über ihre Ziele, Strategien und Stakeholder im Klaren und handeln Sie erst dann. Konzentrieren Sie ihre Kräfte. Dazu gehört auch, dass Sie ihre Stakeholder segmentieren, wenn beispielsweise bestimmtes Fachwissen oder Wissen über die Stakeholder notwendig sind. Doch wenn Sie der Überzeugung sind, dass bestimmte Stakeholdergruppen wichtig für Sie sind, dann investieren Sie in Beziehungen mit ihnen. Dann sollte es Ihnen egal sein, ob es Blogger, Twitterer, Journalisten oder Facebooker sind. Oder ob sie dabei mehrere Hüte zur selben Zeit auf haben. Betreiben Sie nicht nur Blogger Relations sondern Social Relations.

Wenn ihr an dieser Blogparade interessiert seid, schreibt noch heute euren Artikel zu euren Erfahrungen mit Blogger Relations und veröffentlicht diesen Beitrag in eurem eigenen Blog. Wirklich jeder Blogger kann mitmachen, aber auch jeder Journalist, Redakteur und natürlich PR-Experten und Social Media Manager.

Von Anfang an lief dieser Artikel aus dem Ruder und an den Anforderungen von Mike vorbei. Ich hätte über meine Erfahrungen schreiben sollen. Aber so sind Blogger nun einmal. Damit Sie nicht gänzlich vergeblich hier gelandet sind, habe ich noch eine kleine Linkschleuder mit Artikeln aus dem INJELEA-Blog für Sie:

P.S.: Einen kleinen Augenblick hatte ich daran gedacht, diesen Artikel auf meinem Blog bei Google zu veröffentlichen… aber wirklich nur einen sehr kleinen Augenblick ;-)

P.P.S.: Sie finden mich unter anderem auf meinen Blogs bei INJELEA, auf Facebook, auf Tumblr, auf Tumblr und auf Twitter.

P.P.P.S.: Wer an einem kleinen Rückblick ins Jahr 2007 interessiert ist: eBook: Blogger Relations – Neue Aufgaben für die Unternehmenskommunikation von Olaf Nitz.

Schreibblockade

Schreibblockaden ade: Mit RumLosEntTern überwinden Sie jede Schreibblockade und fühlen Sie sich wunderbar und glücklich. Wenn auch nicht immer für lange… Eine Kolumne übers Schreiben.

Weit über 40 Jahre reichen meine Schreiberfahrungen inzwischen zurück. Angefangen hat das Unglück 1967 in der ersten Klasse. Buchstaben lernen, Wörter lernen, Sätze und Absätze lernen. Irgendwann wurden dann die gefürchteten Deutschaufsätze daraus. Schule, Offizierschule, Dienstanweisungen, Studium, Programmcode, Berichte, Präsentationen, Konzepte… Schreibblockaden hatte ich immer wieder. Und 2005 fing ich das Bloggen an, im Oktober desselben Jahres erfasste mich folgerichtig die erste Schreibbloggade – ich nannte sie “Das Loch”. Egal, ob mit “ck” oder “gg”, nur weniges kenne ich besser als dieses Gefühl vor einem schwarzen Loch zu sitzen.

Mentales und muskuläres Zittern

Meistens beginnt es ganz unschuldig mit den besten Vorsätzen. Doch bereits der erste Griff zum Griffel (also damals, heute ist es die Tastatur) endet in mentalem und muskulärem Zittern. Wie kann ich alles abdecken, nichts vergessen? Werden die Leser (meine Klassenlehrerin, mein Major, mein Chef…) mögen, was ich schreibe? Erfahre ich Anerkennung, werde ich geliebt? Die Unsicherheit wird immer größer bis bereits der Gedanke an Schreiben mich erzittern lässt. Also dann doch schnell eine Tafel Schokolade oder eine Tüte Gummibärchen, ein Kaffee mit den Kollegen auf ein Schwätzchen in der Teeküche, auf Twitter rumwuseln oder doch aufs Weinfest? Dort holen mich dann die Schuldgefühle ein. Ich sollte einfach anfangen und es hinter mich bringen. Aber wie?

Gerade jetzt könnte ich ein wenig Hilfe gebrauchen. Am 31. Oktober habe ich einen Abgabetermin für einen zweiseitigen (ja: Print – furchtbar, oder?) Artikel. Und ich merke, wie dieses Zittern in mir hervorkriecht aus meinen Hirnwindungen und meinen Eingeweiden. Gehetzte Blicke führen meine Augen nach links, nach rechts und wieder zurück. Bloß nicht in der Mitte verweilen, denn da ist das Böse – die Tastatur.

Profitum oder Lebenserfahrung?

Die Tastatur ist dann doch mein Alibi, das ich für ein bisschen (mehr) Rumwuseln mit dem Browser mißbrauche. Twitter, Facebook, Urlaubsfotos hochladen, in meinem Pocket stöbern. Das ist genau das Richtige, denn anstelle mich ablenken zu können lande ich bei den Profi-Strategien gegen die Schreibblockade und lehne mich lächelnd zurück. So machen die das also. Wenn ich das vor 40 Jahren gewusst hätte! Moment… das wusste ich doch nicht nur: Ich hab das doch alles schon hinter mir!

  • Rumwuseln: “Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.” Das hat sich für mich bewährt. Ständig unmotiviert Notizen machen, aufschreiben, fotografieren, evernoten, bookmarken. Heute alles elektronisch ablegen und vertaggen. Was mir wichtig erscheint, das wird gespeichert. Was wichtig ist? Keine Ahnung, ich habe ja noch nicht darüber geschrieben. Also sammle ich alles Mögliche. Manches davon kann ich später bestimmt verwenden. Bloß nicht dabei an den ROI denken…
  • Losschreiben: Losbrabbeln auf Papier oder Tastatur. Egal was mir einfällt. Schnell in den runtergewuselten Notizen nachschlagen, ob da nicht… da ist was: 7 Productivity Tips for Writers Who Are Stuck. Wusste ich doch, das Rumwuseln heute morgen hat einen ROE (Return On Eventually). Dann noch eine Zwischenüberschrift da, eine dort… (Moment, ist gleich nachgeholt: Jetzt stehen da welche). Dem Himmel sei dank für Copy & Paste – den Absatz da hoch, den Satz da runter. Den Abschnitt zerschnibbeln und oben und unten wieder rein. Ich brauche dringend eine Gliederung… hach, ich hab ja schon Zwischenüberschriften. Fertig.
  • Entspannen: Manchmal hilft alles Konzentrieren nicht. Im Gegenteil: Das macht alles noch viel schlimmer. Das Zittern wird um ein Vielfaches heftiger. Also den Griffel und die Tastatur wie ein heißes Eisen fallen lassen, aufstehen und weg. Joggen, Spazieren gehen, duschen, kochen, Science Fiction lesen. Und irgendwie funktioniert das. Immer wieder. Mitten unter der Dusche kommen mir mindestens eine Handvoll Ideen (natürlich bin ich zu dem Zeitpunkt noch voll eingeseift). Nach zwei Kilometer Joggen staune ich nur noch über die Landschaft, die Menschen und die Tiere (wovon ich mindestens zwei Drittel davon schon auf Du und Du kenne), nach drei Kilometer habe ich das alles vergessen, haufenweise habe ich Ideen und… wo ist dieser verdammte Erfinder mit dem Gedankenleseautomat, der das Ausgedachte abspeichert? Also habe ich mir angewöhnt, möglichst überall oder zumindest innerhalb kürzester Zeit etwas zum Notieren dabei zu haben.
  • Terminieren: Und manchmal hilft das alles nichts. Der Abgabetermin rückt immer näher (blöder Spruch, welcher Termin rückt schon von selbst in der Zeit herum?), es wird immer enger, und dann… geht’s irgendwie. Besser sogar noch, wenn ich mir selbst den Termin lange vor dem Abgabetermin setze. Beispielsweise plane ich einen Nachmittag fest dafür ein. Noch besser ist ein Vormittag, denn da bin ich aufgedreht und kreativer. Noch besser für direkt nach dem Joggen einplanen. Natürlich prokrastiniere ich nie… zumindest erinnere ich mich nicht daran. Ich werde morgen mal über das Schreibprokrastinieren nachdenken.

RumLosEntTern als Glücksprinzip

Jetzt habe ich also mit Markdown einen Blogartikel über meine Art der Schreibblockade und darüber, wie ich damit umgehe, geschrieben. Ich bin jetzt sehr stolz auf mich, denn innerhalb kurzer Zeit habe ich einen Artikel über das Schreiben geschrieben und meinen Lesern ein schreibüberlebenswichtiges Rezept geliefert. Gleich werde ich mit Stylus und Noteshelf auf meinem iPad noch eine Skizze für den Artikel rumkritzeln. Wie so oft hat mir das RumLosEntTern den Tag gerettet. Ich fühle mich wunderbar. Ich bin glücklich.

Vor dem Veröffentlichen lese ich schnell noch einmal die Profiratschläge durch und entdecke die Erweiterung mit dem Link zur BloCKparade. (Nachtrag: Es ist die vom PR-Doktor Kerstin Hoffmann ausgerufene Blogparade gegen die Schreibblockade). Ich habe nur durch Rumwuseln und LosEntTern an einer Blogparade teilgenommen. Dabei hätte ich noch bis zum 30. November Zeit fürs Schreibprokrastinieren gehabt. Wow. Ich bin überglücklich.

Bloß für meinen Printartikel, da fehlen mir immer noch zwei Seiten. Das Zittern beginnt gerade wieder…

Welche Rezepte kennen Sie gegen Schreibblockaden? Kennen Sie auch dieses Zittern?

Unternehmenskultur, Werte, Bloggen: Betonschicht 2.0

Unternehmenskultur, Werte, Bloggen: Betonschicht 2.0

Stefan “Hirnrinde” Evertz fragt in seiner Blogparade nach dem ersten BarCamp. Mein erstes Mal war das BarCamp Frankfurt im April 2007 bei Cisco. Nervös und blauäugig zugleich ließ ich mich auf dieses Experiment ein. Was sollte schließlich schiefgehen? Alles ging schief: Mein Leben geriet aus den Fugen.

Im Februar oder März 2007 erfuhr ich von diesem BarCamp, das ein paar Blogger in Frankfurt organisieren wollten. Eigentlich wollte ich nur da hin, weil das eine tolle Gelegenheit zum Kennen lernen der ganzen Blogger war. Wie bei jeder Konferenz ein bisschen berieseln lassen und ansonsten wie bei jeder Konferenz viel Kaffee trinken bei viel Networking. Das war mein Plan. Irgendwann muss mich wohl irgendjemand gefragt haben, ob ich denn auch eine “Session” halten würde. Anders kann ich mir die Katastrophe nicht erklären. Denn leichtsinnigerweise beschloss ich genau dieses zu tun.

Unternehmenskultur, Wert, Bloggen

Was macht ein Blogger, wenn ihm nichts einfällt? Er erzählt übers Bloggen. Dazu packte ich noch eine Prise Corporate Blogging und eine Prise Unternehmenskultur. Dann schraubte ich eine Präsentation zusammen. Der Inhalt passt großteils noch immer. Aus heutiger Perspektive sieht die Präsentation jedoch furchtbar aus. Doch damals war ich noch jemand anderer.

Die Infektion

Obwohl ich versucht hatte, mich vorab zu informieren, war ich nicht auf die Infektion mit diesem BarCamp-Virus vorbereitet. Nicht wirklich hatte ich bei meinem klassischem Werdegang (Offizier, Betriebswirt) damit gerechnet, dass so etwas wie eine Unkonferenz funktionieren könnte. Doch Unkonferenzen funktionieren. Ich lernte viele viele verschiedene und faszinierende Menschen und Themen kennen. Einige kenne ich immer noch und treffe ich immer noch mal wieder. Zusammen mit Thomas Wanhoff war es mein erstes BarCamp. Saftdieb Gerrit van Aaken habe ich schon länger nicht mehr getroffen. Oliver Gassner und ich laufen uns immer mal wieder über die Füße. Uwe Hauck kenne ich inzwischen schon lange, aber warst Du auf dem BarCamp 2007 in Frankfurt (auf dem BodenseeCamp war ich damals nicht)?

Am Morgen danach ratterte es immer noch ständig in meinem Kopf, um die ganzen Eindrücke, Gespräche und Informationen vom BarCamp Frankfurt zu verarbeiten. Immer noch wusste ich nicht so genau was da passiert war:

Menschen, Informationen, Gespräche, Kommunikation, Improvisation, gleiche Augenhöhe, keine Hierarchien, Interaktion, Lernen, Denken, Kennen lernen, Freuen, Spaß, Wir-Gefühl, Anders Denken

Wie war es?

Gnadenlos kopiere ich aus meinem Artikel von vor über sechs Jahren:

Als ich mich anmeldete, dachte ich mir: “Was kannst Du denn dazu beitragen? Kannst Du überhaupt eine Session ‘halten’? Wen interessiert das, was Dich interessiert?” Erst in der Woche vor dem BarCamp hat sich so langsam das Thema kristallisiert. Jedoch dachte ich irgendwie: “Vielleicht interessiert es die Leute gar nicht so richtig, was du zu sagen hast, aber vielleicht hören sie Dir zumindest höflich bei einer Präsentation zu”. Am Donnerstag habe ich dann eine so richtig klassische Präsentation zusammengestellt: “Unternehmenskultur, Werte, Bloggen”. Noch beim Losfahren am Samstag Morgen war ich aufgeregt und dachte mir: “Ist überhaupt jemand interessiert? Vielleicht bekommst Du ja einen Raum mit 8 oder 10 Leuten zusammen.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Bei der Vorstellungsrunde der Sessions nannte Christian Korff von Cisco Systems am Samstag Morgen sein Thema “Blogs, Podcasts, Wikis in Unternehmen”, und ich nannte kurz darauf mein Thema. Robert (Basic) meinte recht trocken, die Themen seien ähnlich und würden zueinander passen – ob wir die Sessions nicht zusammen legen wollten. Und bevor ich überhaupt wusste, welche Meinung ich dazu haben sollte, hatten Christian und ich “ja” gesagt :-)

Da viele ihr Interesse bekundet hatten (bei Christian viel mehr als bei mir), waren wir dann im zweiten Slot im grossen Raum mit vielen Leuten (40 oder 50? Keine Ahnung). Viel Zeit zur Vorbereitung blieb nicht. Wir sprachen kurz über das Vorgehen und vereinbarten, mit meinen Folien anzufangen und loszulegen. “Toller Plan”, dachte ich, “das kann nur schief gehen. Wir beide kennen uns nicht, kaum einer kennt uns, und wir wissen beide nicht, was der andere sagen will oder wird.

Tatsächlich habe ich von meinen 16 Folien nur eine Handvoll gezeigt. Was ich gut finde. Nicht weil ich nicht zu den Inhalten der Folien stehe, sondern weil wir durch die Folien einen guten Einstieg hatten, Christian direkt Beispiele aus der Praxis lieferte (u.a. Wikis, Podcasts) und eine Diskussion begann. Dann entwickelte sich ein Faden rund um Unternehmenskultur und Werte, der von allen gemeinsam gesponnen wurde. Viele unterschiedliche Ansichten ergänzten sich, “variierten sich” und ergaben ein Bild. Vielen Dank an Christian und die lebhaften Teilnehmer!

Dynamik

Irgend ein Militärstratege hat einmal sinngemäß gesagt: “Kein Plan überlebt die erste Schlacht, aber ohne Plan übersteht die Front nicht das erste Aufeinandertreffen.”. Mir hat das Erstellen der Präsentation sehr geholfen, meine Gedanken zu sammeln und mir bewusst zu werden, worüber ich sprechen will. Aber der tatsächliche Ablauf war viel dynamischer, lebhafter und mit vielen Bällen (Informationen und Bälle, die hin und her geworfen wurden) versehen, das hat mir wahnsinnig viel gebracht und Spaß gemacht. Man muss einfach nur die Dynamik zulassen, dann entsteht etwas Besonderes.

Fotos

Damals gab es tatsächlich schon Flickr, und tatsächlich gibt es Flickr auch noch. So kann ich auf meine Fotos von damals zurückgreifen und in Erinnerungen schwelgen im Fotoalbum BarCamp Frankfurt 2007.

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Wie ging es weiter?

In Folge geriet ich immer tiefer in einen Strudel aus Kommunikation, Kollaboration, Vernetzung und Veränderung. Im Jahr danach begann ich als 47-Jähriger ein PR-Studium. Obwohl ich scheinbar keine silbernen Löffel geklaut hatte kündigte ich nach über elf Jahren meinen Job bei einer Bank. Nach weiteren zwei turbulenten Jahren bin ich jetzt selbständig und Berater für Kommunikation und Kollaboration. Ich hätte mir das alles sparen können und weiterhin ein klassisches Rädchen 1.0 bleiben können. Wollte ich aber nicht, und will ich auch nicht. Vermutlich sagen das alle Süchtigen und Infizierten.

Doch deswegen war das BarCamp Frankfurt 2007 wie damals von mir angedroht nicht mein letztes BarCamp ;-) Pro Jahr bin ich etwa auf drei oder vier BarCamps. Dazu kommt eine dynamische Welt, von der ich vor sieben Jahren nichts geahnt hatte. Kommendes Wochenende fahre ich zum BarCamp Stuttgart, am Freitag danach zum Corporate Learning Camp nach Frankfurt.

Sehen wir uns dort?

P.S. Ich bin ich immer noch davon überzeugt, dass es nicht nur im Krieg sondern auch in Unternehmen gilt (Napoleon Bonaparte zugeschrieben):

Ein Mann riskiert nicht für einen jämmerlichen Sold sein Leben. Man muss seine Seele ansprechen, um ihn zu elektrisieren.

Friend_Contact_or_Foe

Am 9. Februar rief ich zur Blogparade Kontaktanfragen auf. Neun weitere Blogger beteiligten sich mit Beiträgen zur Blogparade und beleuchteten Kontaktanfragen im Social Web aus ihrer Sicht.

Freund, Kontakt, Follower: Dimensionen digitaler Gespräche – Blogparade (Oliver Gassner)

Der erste Beitrag kam von Oliver Gassner (Freund, Kontakt, Follower: Dimensionen digitaler Gespräche – Blogparade). Er unterscheidet zwischen Freund, Kontakt und Follower. Außerdem sortiert Oliver die Kontakte in verschiedene Kategorien wie Freund, Familie, getroffen oder Kunden (das erinnert mich sehr an die Kreise von Google+). Außerdem handhabt er das Akzeptieren von Kontaktanfragen je nach Plattform unterschiedlich. Sein Fazit:

Nicht die Menge an Information oder menschen/Kontakten ist das Problem, sondern die Filterung. Und dass man sich selbst klar wird, dass es mehr gibt als “nur” Freunde oder Follower und dass sich diese wiederum (nach eigenem Gusto) splitten lassen. ebenso wichtig ist, dass man Nervtüten einfach ausblendet – aber das wäre eine andere Blogparade.

Kontakte im Social Web (Alexander Liebrecht)

Alexander Liebrecht Kontakte im Social Web muss einen virtuellen Kontakt nicht persönlich kennen, um mit ihm befreundet zu sein. Er fügt Kontakte in Sozialen Netzwerken aufgrund gemeinsamer Interessen hinzu und ist stets dabei, sein Netzwerk zu vergrößern

Alles in allem sind Blogger sehr kontaktfreudige Wesen und adden was das Zeug hält. Ich habe auch nichts dagegen.

Blogparade: Kontaktanfragen (Stephan Fielt)

Stephan Fielt nimmt als Hipster an der Blogparade Kontaktanfrage teil und added auf Facebook, was das Zeug hält. Es geht ihm auf Facebook um Sichtbarkeit und Selbstdarstellung. Auf Twitter geht es ihm um ein gutes Verhältnis von Followings zu Follower, wobei er Anderen aus verschiedenen Gründen folgt. Google+ benutzt er wie eine Mischform aus Facebook und Twitter. Sein Fazit:

Je mehr Anhänger ich in meinen Kontakten habe, desto besser fühle ich mich.

Kein Grund für Beziehungschaos: Freunde, Friends und Follower (Lisa Schreiber)

Lisa Schreiber, Linguistin und Digital Native, hat kein eigenes Blog und nahm mein Angebot eines Gastbeitrags im INJELEA-Blog an. Nicht jeder Facebook-Freund ist auch wirklich ihr Freund, doch deswegen lehnt sie nicht alle Kontaktanfragen von Menschen ab, die sie nicht als Freunde bezeichnen würde. Das akzeptable Maß hängt jedoch für sie auch von der Plattform und ihren Funktionen und Gepflogenheiten ab. Sie hält es dabei ähnlich wie in der Offline-Welt: Ein Plausch mit den Nachbarn macht sie ebenfalls noch nicht zu Freunden.

Interessen und der persönliche Bezug spielen für sie große Rollen, und Qualität geht für sie vor Quantität.

Denn echte Beziehungen – online oder offline – leben von echtem Interesse an der Person bzw. an ihren Themen. Dieser Leitsatz kann die Einordnung von Kontaktanfragen erleichtern.

Denn um ehrlich zu sein: Menschen zu denen ich keinen Draht habe und keinerlei Anknüpfungspunkt sehe, kann ich schwerlich echtes Interesse entgegenbringen. Und das gestehe ich umgekehrt auch anderen zu.

Wollen wir Facebook-Freunde sein? (Stephanie Kraus)

Für Stephanie Kraus ist es normal, dass wildfremde Personen mit ihr “befreundet” sein wollen und sie fragen, ob sie Facebook-Freunde sein wollen. Doch der Umgang mit “Freunden” besteht auch in der Möglichkeit, diese zu blockieren oder die Sichtbarkeit anzupassen. Dazu benutzt sie dann Gruppen, um Freunde zuzuordnen und den Zugriff auf Posts entsprechend einzuschränken.

Ob im sozialen Netzwerk Facebook oder in der Realität, fest steht: Ohne unsere Freunde wäre das (virtuelle) Leben mehr als langweilig. Dennoch sollte man seine Freunde mit Sorgfalt suchen, denn die Feinde finden sich von alleine.

Was ist ein Freund (2.0) ? Blogparade von Injelea (Uwe Hauck)

Uwe Hauck fragt, was ein Freund 2.0 ist Er unterscheidet im Umgang zwischen den verschiedenen Plattformen. Für ihn sind Xing und Linkedin geschäftliche Netzwerke, Google+ ist eine Austauschplattform, Facebook ein öffentlicher Marktplatz und Twitter ist ein Nachrichtenstrom. Dabei versteht er alle Kontakte als “Friends” im englischen Sinne, die nicht unbedingt gleich engere Freunde sind. Wer gegen seine Werte verstößt, der wird zum “Feind” und fliegt raus. Aber das Gegenteil geschieht genauso:

Letztlich habe ich im Netz Bekannte, die durch andere, nicht aus dem Netz an sich resultierende Umstände zu Freunden werden können. Ganz wenige sind durch das Netz zu meinen Freunden geworden. Umso wertvoller finde ich diese.

Blogparade: Freund sein im Web 2.0 (Stefan Hoffmeister)

Stefan Hoffmeister beschreibt seine ganz persönliche Meinung und sein Verhalten zum Thema Freund sein im Web 2.0. Ein Freund ist für ihn jemand, für den er sein Herz aufschließt und der das ebenso für ihn macht. Einseitige Beziehungen können für ihn keine Freundschaften sein. Freundschaften entwickeln sich über eine Zeit hinweg, in der man sich immer besser kennen lernt und schätzen lernt.

In den sozialen Netzwerken versucht Stefan sich an den Rahmen der jeweiligen Plattform anzupassen. So ist Twitter für ein öffentlicher und beruflicher Kanal. Je nach Interessen und Themen hat er auch unterschiedliche Accounts. Auf Google+ wird es für ihn persönlicher, auf Facebook lehnt er Freundschaftsanfragen von ihm unbekannten Personen ab. Stefan legt höheren Wert auf Qualität als auf Quantität. Für ihn kommt ab einem bestimmten Punkt der Übergang zum “richtigen” Leben:

Ja, ich habe über das Internet wertvolle Menschen kennen gelernt. Es hat mir schon geholfen Freunde kennen zu lernen. Doch ab einem bestimmten Punkt kommt immer der Wunsch sich in die Augen zu sehen. Sich real gegenüber zu stehen…

Raus aus dem Netz und rein ins Leben – so werden aus anonymen Social-Media-Kontakten wertvolle Businesspartner (Insa Künkel)

Insa Künkel habe ich im letzten Jahr zum ersten Mal auf der Re:publica persönlich kennen gelernt, doch zuvor kannten wir uns schon viel länger über Twitter. Das passt zur Überschrift ihres Beitrags (auch wenn wir noch keine Businesspartner sind). Insa erläutert das Beispiel eines vollkommen Fremden, der sie im Supermarkt quasi überfällt und ihr seine Visitenkarte in die Hand drückt. Das macht sie ganz perplex. Genauso wie dies manche Kontaktanfragen von Fremden auf Xing mit ihr machen.

Sie will aber nicht teil einer Online-Beute von Kontaktejägern werden. Wichtig sind ihr Gemeinsamkeiten und die passende Ansprache. Wer sich mit ihr als Person und ihren Interessen auseinandergesetzt hat, der hat schon einmal gute Chancen auf Annahme seines Antrages. Auch Sie eine Gemeinsamkeit mit dem richtigen Leben: Wenn sich eine gemeinsame Wellenlänge und ein gewisses Vertrauen einstellt, dann ist das ein guter Schritt zum Austausch:

Und was bedeuten mir nun meine Follower und Kontakte? Viel, wenn die Basis des medialen Austausches stimmt: Man gibt sich zum Beispiel gegenseitig Tipps, ohne dabei gleich an den nächsten Auftrag zu denken. Wie es Frank Hamm in seinem Blog geschrieben hat, sind „Beziehungen kein Status, sondern ein ständiger Prozess.“ Wenn beide Seiten, ob nun via Xing, Twitter, Facebook oder Google+, daran arbeiten, ist vieles möglich.

Freund oder Fremder: Kontakte in den Social Media (Kerstin Boll)

Kerstin Boll fragt sich, ob man den Beziehungszustand wohl mit einem Thermometer abbilden könnte, wie häufig der aktualisiert werden müsste und ob man für private und berufliche Kontakte unterschiedliche Farben verwenden müsste. Denn Beziehungen durchliefen Phasen, die man auf dem Social Media Plattformen nicht erkennen könne. Für sie stößt die Technik da an Grenzen.

Für sie dienen bei der Frage Freund oder Fremder die Online-Plattformen zwar als Sprungbrett, doch die Beziehung nimmt auf anderen Wegen Gestalt an. Die Plattformen unterscheiden sich für sie, aber letztendlich liegt es am Einsatz der Beteiligten, ob eine Beziehung durch Austausch und die Häufigkeit der Kommunikation, die Themen, das Vertrauen wächst.

So richtig neu ist das alles übrigens nicht: Wenn Sie an Ihr Adressbuch denken, was bedeutet Ihnen dann eine Telefonnummer? Die Nummer an sich ist es doch nicht, wohl aber das, was Sie mit dem Inhaber der Nummer verbindet: Ihre Wertschätzung, Ihre Freundschaft, die Zuneigung. Und vielleicht drückt sich Ihre Haltung zu dieser Person darin aus, wo Sie die Nummer ablegen – in Ihrem Handy-Speicher bei den ganz wichtigen Nummern oder im großen Zettelkasten.

Blogparade – Friend, Contact or Foe? (Frank Hamm)

Im Großen und Ganzen bestätigen mir die Beiträge zur Blogparade meine Ansichten zum Umgang mit Kontaktanfragen.

  • Jeder interpretiert den Beziehungsstatus einer Plattform für sich.
  • Jeder hat so seine “Rules of Engagement” (Oliver Gassner hat sie sogar in seiner Kontaktcharta niedergeschrieben).
  • Die Art, mit Kontaktanfragen und Beziehungsstatus umzugehen, unterscheidet sich von Plattform zu Plattform.
  • Ein Kontaktstatus beziehungweise eine Anfrage wird je nach Plattform eher lockerer (wie auf Twitter) oder eher enger (wie auf Facebook oder Xing) gesehen.
  • Ein Kontaktstatus kann einseitig (asymmetrisch) oder zweiseitig (symmetrisch) sein.
  • Eine Kontaktanfrage oder ein Beziehungsstatus ist nur eine Momentaufnahme, erst im Zeitablauf entwickelt sich eine Beziehung. Zum Guten oder zum Schlechten.
  • Oft Entwickeln sich Beziehungen vom Online zum Offline.

In einem Teil der Beiträge kristallisiert sich ein Unterschied der Plattformen nach privaten/persönlichen und nach beruflichen Interessen heraus. Ich sehe das mittlerweile nicht mehr als so wichtig an. Ich vernetze mich mit jemandem, weil ich ihn als Person irgendwie sympathisch finde und wir gemeinsame Interessen haben oder zumindest in einer gewissen Regelmäßigkeit miteinanander zu tun haben. Ob die gemeinsame Sphäre beruflich, persönlich, privat, hobbymäßig oder sonstwie gelagert ist… ist für mich nicht so wichtig. Nach inzwischen über 30 Berufsjahren ist das mein Erfahrungsschatz. Manchmal muss ich Kompromisse schließen, aber das muss ich im Beruf genauso wie im Hobby oder im Privaten.

Vielen Dank an die Teilnehmer der Blogparade für Ihre Ansichten und Einsichten!

Und wenn wir uns einmal treffen, beispielsweise auf der Re:publica, dann können wir unsere Kontaktdaten austauschen und einen Kaffee oder Tee darauf trinken :-D

Nachtrag: Ute Klingelhöfer hat in einem Kommentar auf ihre Blogparade hingewiesen, die sie am 7. März gestartet hat:

Schauen Sie einfach einmal in den Artikel, vielleicht bekommen Sie Lust an ihrer Blogparade teilzunehmen ;-)