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Kommunikation: Netzwerk-/Systemmodell

Daniel Rehn greift die Blogparade von Tim Krischak auf und fragt, ob die Blogroll angesichts der Entwicklung bei WordPress antiquiert sei. Nein, finde ich.

Daniel Rehn stellt fest, dass er immer seltener auf eine Blogroll stößt. Sogar WordPress vernachlässige sie:

WordPress hat mit Version 3.5 die bekannte Kategorie “Links” im Dashboard und auch das Blogroll-Widget entfernt.

Nachvollziehbar ist also, dass er sich und uns fragt: Was ist mit der Blogroll passiert?.

In den Kommentaren gibt es unterschiedliche Meinungen dazu. Manche meinen, sie sei tot, denn schließlich gebe es Social Media und jede Menge Backlinks. Andere mögen sie immer noch und weigern sich, auf ihre Beerdigung zu gehen. So wie ich.

Ich mag Blogrolls

Denn bei der Blogroll geht es nicht um neueste einzelne Artikel sondern um Quellen und/oder Autoren, die für Themen interessant sind. Die hochgelobten Backlinks aus Aggregatoren wie Rivva und Social Media wie Facebook, Twitter oder Google+ bringen mir gar nichts, wenn ich ein Thema recherchiere, ein super Blog dazu aber gerade in der letzten Zeit nicht referenziert wurde. Wenn ich Mainstream haben will, dann bekomme ich den auch. Einzelne Perlen gehen in dem steten Strom normalerweise unter. Über den Tellerrand schauen fällt dadurch aber wesentlich schwerer als beispielsweise über eine Blogroll. Für mich ist eine Blogroll eine Antwort auf eine Frage in einem noch nicht persönlich begonnen Gespräch: Welche Blogs empfiehlst Du für den Einstieg oder weitere Recherchen für das Thema X?

Märkte und Menschen sind Gespräche, und kaum etwas ist in einem Gespräch zweier Beteiligter für einen Dritten so wertvoll wie eine Empfehlung. Eine Empfehlung, die für mich eindeutiger ist als ein Retweet oder das Pushen eines Links oder der Position eines einzelnen Artikels auf einer Suchergebnissseite.

Wenn ich über einen Link (egal ob in einem aktuellen Post oder über die Suche in Google oder über Social Media) auf ein interessantes Blog stoße, dann ist dessen Blogroll genau die Möglichkeit, um ein Informationsnetz und neue dauerhafte, auch nicht so prominente Quellen aufzubauen. Weil ich eine Empfehlung erhalten habe.

Vorausgesetzt allerdings, dass in der Blogroll nicht nur die Quellen gelistet sind, auf die ich über die Suche sowieso stoße. Der Nutzen, den ich von Blogrolls ziehe, hängt also sehr stark von der Art und Weise ab, wie diese gepflegt wird.

Weiterhin ermöglicht mir die Blogroll einen Beitrag für eine 360-Grad-Betrachtung: Was ist das für ein Mensch hinter dem Blog und dem Namen? Was sind seine Interessen, gibt es eventuell weitere Gemeinsamkeiten? Was berührt ihn? Da wir gerade von Bloggern sprechen und es in diesem Blog auch um Public Relations geht: Unternehmen und Medien sollten die Blogroll lieben, denn für den Aufbau von Blogger-Relations kann sie wertvolle Aspekte liefern.

Was ist also mit meiner Blogroll passiert?

Vor zwei Jahren habe ich meine Blogroll wieder aufgebaut. Ich pflege sie weiter, denn ich glaube an die Wiederauferstehung der Blogroll.

In den Kommentaren bei Daniel gibt es von Martin und Matthias den Ansatz einer automatischen Blogroll. So etwas hatte ich ja schon einmal. Grundsätzlich gefällt mir die Idee, allerdings zöge ich eine Halbautomatik vor. Manche Blogs habe ich manchmal in meiner Roll, obwohl ich diese nicht mehr oft lese oder obwohl sie nicht mehr aktuell gepflegt werden.

Doch angeblich soll es auch Inhalte geben, die auch nach ein paar Wochen oder sogar Monaten noch interessant sind… :-)) Die würde ich dann in solch einer halbautomatischen Blogroll dennoch drinlassen. Und nur, weil ich in der letzten Zeit viele Artikel beispielsweise von Mashable gelesen oder social gepostet habe, würde ich diese Quelle nicht in meine Blogroll aufnehmen.

Deswegen gehe ich etwa alle zwei Monate über die Einträge in meiner Blogroll und aktualisiere sie. Über ein Plugin werfe ich eine zufällige Auswahl meiner “Links” in WordPress in der Fußzeile aus und verlinke auf eine eigene Blogroll-Seite.

In meiner Blogroll werde ich demnächst eine neue Kategorie aufnehmen: Podcasts. Denn seit ich nach Frankfurt pendle höre ich wieder Podcasts. Dabei sind auch einige, die ich meinen Lesern empfehlen werde ;-)