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Schreibblockade

Schreibblockaden ade: Mit RumLosEntTern überwinden Sie jede Schreibblockade und fühlen Sie sich wunderbar und glücklich. Wenn auch nicht immer für lange… Eine Kolumne übers Schreiben.

Weit über 40 Jahre reichen meine Schreiberfahrungen inzwischen zurück. Angefangen hat das Unglück 1967 in der ersten Klasse. Buchstaben lernen, Wörter lernen, Sätze und Absätze lernen. Irgendwann wurden dann die gefürchteten Deutschaufsätze daraus. Schule, Offizierschule, Dienstanweisungen, Studium, Programmcode, Berichte, Präsentationen, Konzepte… Schreibblockaden hatte ich immer wieder. Und 2005 fing ich das Bloggen an, im Oktober desselben Jahres erfasste mich folgerichtig die erste Schreibbloggade – ich nannte sie “Das Loch”. Egal, ob mit “ck” oder “gg”, nur weniges kenne ich besser als dieses Gefühl vor einem schwarzen Loch zu sitzen.

Mentales und muskuläres Zittern

Meistens beginnt es ganz unschuldig mit den besten Vorsätzen. Doch bereits der erste Griff zum Griffel (also damals, heute ist es die Tastatur) endet in mentalem und muskulärem Zittern. Wie kann ich alles abdecken, nichts vergessen? Werden die Leser (meine Klassenlehrerin, mein Major, mein Chef…) mögen, was ich schreibe? Erfahre ich Anerkennung, werde ich geliebt? Die Unsicherheit wird immer größer bis bereits der Gedanke an Schreiben mich erzittern lässt. Also dann doch schnell eine Tafel Schokolade oder eine Tüte Gummibärchen, ein Kaffee mit den Kollegen auf ein Schwätzchen in der Teeküche, auf Twitter rumwuseln oder doch aufs Weinfest? Dort holen mich dann die Schuldgefühle ein. Ich sollte einfach anfangen und es hinter mich bringen. Aber wie?

Gerade jetzt könnte ich ein wenig Hilfe gebrauchen. Am 31. Oktober habe ich einen Abgabetermin für einen zweiseitigen (ja: Print – furchtbar, oder?) Artikel. Und ich merke, wie dieses Zittern in mir hervorkriecht aus meinen Hirnwindungen und meinen Eingeweiden. Gehetzte Blicke führen meine Augen nach links, nach rechts und wieder zurück. Bloß nicht in der Mitte verweilen, denn da ist das Böse – die Tastatur.

Profitum oder Lebenserfahrung?

Die Tastatur ist dann doch mein Alibi, das ich für ein bisschen (mehr) Rumwuseln mit dem Browser mißbrauche. Twitter, Facebook, Urlaubsfotos hochladen, in meinem Pocket stöbern. Das ist genau das Richtige, denn anstelle mich ablenken zu können lande ich bei den Profi-Strategien gegen die Schreibblockade und lehne mich lächelnd zurück. So machen die das also. Wenn ich das vor 40 Jahren gewusst hätte! Moment… das wusste ich doch nicht nur: Ich hab das doch alles schon hinter mir!

  • Rumwuseln: “Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.” Das hat sich für mich bewährt. Ständig unmotiviert Notizen machen, aufschreiben, fotografieren, evernoten, bookmarken. Heute alles elektronisch ablegen und vertaggen. Was mir wichtig erscheint, das wird gespeichert. Was wichtig ist? Keine Ahnung, ich habe ja noch nicht darüber geschrieben. Also sammle ich alles Mögliche. Manches davon kann ich später bestimmt verwenden. Bloß nicht dabei an den ROI denken…
  • Losschreiben: Losbrabbeln auf Papier oder Tastatur. Egal was mir einfällt. Schnell in den runtergewuselten Notizen nachschlagen, ob da nicht… da ist was: 7 Productivity Tips for Writers Who Are Stuck. Wusste ich doch, das Rumwuseln heute morgen hat einen ROE (Return On Eventually). Dann noch eine Zwischenüberschrift da, eine dort… (Moment, ist gleich nachgeholt: Jetzt stehen da welche). Dem Himmel sei dank für Copy & Paste – den Absatz da hoch, den Satz da runter. Den Abschnitt zerschnibbeln und oben und unten wieder rein. Ich brauche dringend eine Gliederung… hach, ich hab ja schon Zwischenüberschriften. Fertig.
  • Entspannen: Manchmal hilft alles Konzentrieren nicht. Im Gegenteil: Das macht alles noch viel schlimmer. Das Zittern wird um ein Vielfaches heftiger. Also den Griffel und die Tastatur wie ein heißes Eisen fallen lassen, aufstehen und weg. Joggen, Spazieren gehen, duschen, kochen, Science Fiction lesen. Und irgendwie funktioniert das. Immer wieder. Mitten unter der Dusche kommen mir mindestens eine Handvoll Ideen (natürlich bin ich zu dem Zeitpunkt noch voll eingeseift). Nach zwei Kilometer Joggen staune ich nur noch über die Landschaft, die Menschen und die Tiere (wovon ich mindestens zwei Drittel davon schon auf Du und Du kenne), nach drei Kilometer habe ich das alles vergessen, haufenweise habe ich Ideen und… wo ist dieser verdammte Erfinder mit dem Gedankenleseautomat, der das Ausgedachte abspeichert? Also habe ich mir angewöhnt, möglichst überall oder zumindest innerhalb kürzester Zeit etwas zum Notieren dabei zu haben.
  • Terminieren: Und manchmal hilft das alles nichts. Der Abgabetermin rückt immer näher (blöder Spruch, welcher Termin rückt schon von selbst in der Zeit herum?), es wird immer enger, und dann… geht’s irgendwie. Besser sogar noch, wenn ich mir selbst den Termin lange vor dem Abgabetermin setze. Beispielsweise plane ich einen Nachmittag fest dafür ein. Noch besser ist ein Vormittag, denn da bin ich aufgedreht und kreativer. Noch besser für direkt nach dem Joggen einplanen. Natürlich prokrastiniere ich nie… zumindest erinnere ich mich nicht daran. Ich werde morgen mal über das Schreibprokrastinieren nachdenken.

RumLosEntTern als Glücksprinzip

Jetzt habe ich also mit Markdown einen Blogartikel über meine Art der Schreibblockade und darüber, wie ich damit umgehe, geschrieben. Ich bin jetzt sehr stolz auf mich, denn innerhalb kurzer Zeit habe ich einen Artikel über das Schreiben geschrieben und meinen Lesern ein schreibüberlebenswichtiges Rezept geliefert. Gleich werde ich mit Stylus und Noteshelf auf meinem iPad noch eine Skizze für den Artikel rumkritzeln. Wie so oft hat mir das RumLosEntTern den Tag gerettet. Ich fühle mich wunderbar. Ich bin glücklich.

Vor dem Veröffentlichen lese ich schnell noch einmal die Profiratschläge durch und entdecke die Erweiterung mit dem Link zur BloCKparade. (Nachtrag: Es ist die vom PR-Doktor Kerstin Hoffmann ausgerufene Blogparade gegen die Schreibblockade). Ich habe nur durch Rumwuseln und LosEntTern an einer Blogparade teilgenommen. Dabei hätte ich noch bis zum 30. November Zeit fürs Schreibprokrastinieren gehabt. Wow. Ich bin überglücklich.

Bloß für meinen Printartikel, da fehlen mir immer noch zwei Seiten. Das Zittern beginnt gerade wieder…

Welche Rezepte kennen Sie gegen Schreibblockaden? Kennen Sie auch dieses Zittern?

Wie lautet die deutsche Übersetzung für „Productivity Hacks“? Mir fiel keine passende Übersetzung dazu ein. Produktivitätstipps? Effizienzticks? Egal.

Um effizient bei der Erstellung dieses Quickie-Posts zu bleiben, verzichte ich auf eine Deutschifizierung und liefere kurz und knapp 17 Productivity Hacks für Arbeit, Büro und Freizeit. Sogar für die Steuererklärung :-)

  1. Zeitig aufstehen.
  2. Aufgaben in überschaubare Häppchen aufteilen.
  3. Konzentriert an einer Aufgabe arbeiten.
  4. Endezeitpunkt für eine Aufgabe setzen und einen Timer starten, der dann alarmiert.
  5. Keine Benachrichtigung über neue Emails benutzen.
  6. Emails nur zwei oder drei Mal am Tag abrufen, lesen und bearbeiten.
  7. Entspannen zwischendurch.
  8. Aufgaben Management oder eine simple Aufgabenliste nutzen.
  9. Kalender nutzen.
  10. Verschiedene Kalender für verschiedene Themen nutzen (z.B. Public, Finanzkalender, Haushaltskalender, Blogkalender/Editorial Calendar,…).
  11. Notizbuch/bücher für Recherchen (z.B. Evernote), Links dazu in die Aufgabe des Task Managers setzen.
  12. Abschalten (kein Social Media für einige Stunden oder einen ganzen Tag).
  13. Körperlich betätigen (nicht unbedingt Hochleistung oder Joggen, regelmäßig Spazieren gehen ist auch gut), dabei gehen die Gedanken andere Wege.
  14. Urlaub machen zum Entspannen (für manche ist Extremsport auch entspannen), auf andere Gedanken kommen.
  15. Inspirationen holen in anderen Blogs und Nachrichtenseiten, RSS-Feeds und Blogroll, Flipboard, Zite, Abfragen in Twitter oder Google News, Blogsuchmaschinen.
  16. Weg vom Computer, Pausen machen.
  17. Den Tag beenden. Ein Ultimatum setzen und ins Bett gehen.

In diesem Sinne: Gute Nacht!