98 Cent

Seit November bin ich Kunde bei Telefónica Germany GmbH für DSL/Festnetz. Der Start dieser Kundenbeziehung war wenig vielversprechend. Und jetzt genehmigt Telefónica sich ein zinsloses Darlehen.

Meine erste Rechnung von Telefónica war am 10.12.2014. Aufgrund des Vertrages (beispielsweise eines Startguthabens als DSL-Neukunde) versprach mir die Rechnung eine Gutschrift:

Ihre aktuelle Rechnung beläuft sich auf: Gesamtbetrag –57,36 Euro
[…]
Wir werden den genannten Betrag Ihrem Konto gutschreiben.

Ich war gespannt und wartete. Auf meinem Bankkonto erfolgte die Gutschrift bislang nicht. Ich legte mir die Gutschrift für die Januarrechnung auf Wiedervorlage. Heute kam die Januarrechnung:

Ihre aktuelle Rechnung beläuft sich auf: Gesamtbetrag 0,98 Euro
[…]
Der offene Rechnungsbetrag wird am 16.01.2015 von dem Konto IBAN […] eingezogen. Die Abbuchung erfolgt unter Nennung der Mandats-Id […]

Der Betrag von 0,98 ist aufgrund der Rechnungspositionen nachvollziehbar. Unter anderem ist dabei eine Gutschrift für den wenig vielversprechenden Start dieser Kundenbeziehung (übrigens nur, weil ich mich beschwert habe). Doch was wurde aus den 57,36 Euro, die meinem Konto gutgeschrieben werden sollten?

In einem Anruf bei der Rechnungshotline von Telefónica für O2 erfuhr ich heute Mittag, dass die Gutschrift vom Dezember nicht auf mein Bankkonto überwiesen sondern meinem Telefónica-Kundenkonto gutgeschrieben wurde und bei zukünftigen Rechnungen berücksichtigt würde. Im Gespräch erfuhr ich dann auch, dass ich die unmittelbare Überweisung des fälligen Gutschriftbetrages anfordern könne. Auf meine Rückfrage, wieso dann 98 Cent in diesem Monat eingezogen würden, bekam ich im wesentlichen nochmals dieselben Aussagen.

Telefónica hat seit dem 10. Dezember 2014 bei mir eine Schuld in Höhe von 57,36 Euro. Anstatt diese Schuld zu begleichen bedient sich Telefónica dieser fälligen Schuld, um sich eines zinslosen Darlehens zu bedienen, bis eventuell fällige Rechnungsbeträge nach und nach die Gutschrift ausgleichen. Dies wäre bei mir voraussichtlich im April der Fall.

Unter “Zahlungsbedingungen/ Rechnungsstellung” steht in den „Allgemeinen Geschäftsbedingungen Festnetz (Business) Stand: Mai 2014“ hinsichtlich Fälligkeit und Aufrechnung:

Unter 9.2

Soweit nicht abweichend vereinbart, sind sämtliche Entgelte mit Zugang der Rechnung fällig und müssen binnen zehn (10) Werktagen nach Zugang der Rechnung ohne Abzug auf dem dort angegebenen Konto gutgeschrieben sein.

Unter 9.2

Gegen Forderungen von Telefónica Germany steht dem Kunden die Befugnis zur Aufrechnung nur soweit zu, als die Gegenansprüche unbestritten oder rechtskräftig festgestellt sind.

Telefónica selbst jedoch meint anscheinend, dass es keiner Fälligkeit für aus Telefónica-Rechnungen entstehenden Kundenforderungen bedarf. Und Telefónica selbst rechnet Forderungen des Kunden gegen eigene Forderungen auf. Da werden einfach mal ohne Vereinbarung die Schulden beim Kunden über Monate verteilt abgestottert, und damit wird sich mal schnell ein zinsloses Darlehen genehmigt. Der Kunde soll sich gefälligst melden, sein Recht einfordern und den Aufwand damit haben.

Ich weiß, wie hart in Unternehmen die Liquiditäten kalkuliert werden. Das ist aber kein Grund, den Kunden sang- und klanglos mit dieser Art von kreativer Liquiditätsplanung zu überfahren. Das empfinde ich als eine unverschämte Vorgehensweise. So geht man nicht mit Kunden um. Auch nicht, wenn es nur um 57,36 Euro geht. Und auch nicht und schon gar nicht, wenn Kunden wie ich oder andere wenig vielversprechende Starts der Kundenbeziehungen haben.

1 Antwort
  1. DragonHunter sagte:

    Moin,

    ich kann die Aufregung zum Teil verstehen, aber auch wirklich nur zum Teil. Denn aus ihr spricht die Naivität, bei anderen Anbietern liefe es besser… Dem ist mitnichten so. Telekom und Vodafone sind da kein Deut besser. In meiner Zeit als Call-Center-Agent für die Telekom weiß ich sogar, dass diese ihre „Gutschriften“ quasi verkauft haben…
    Kunde ruft an „Ihr sch*** INternet geht nicht, ich bin nicht gewillt zu zahlen“
    Telekom-Mensch „Die Rechnung muss beglichen werden, sonst schalten wir das Inkassobüro ein“
    Kunde „Wenn ich nicht nutzen kann, weil ihre Techniker zu blöd sind, muss ich nicht zahlen“
    Telekom „Doch müssen sie“
    Kunde „Dann werd ich meinen Anwalt einschalten“
    Telekom „Na gut, wir sind so gnädig und erstatten Ihnen die Rechnung und schreiben sie auf der nächsten Rechnung gut“

    Da kann man nur glücklich sein, dass Telefonica da immerhin halbwegs entgegenkommend ist, was Beschwerden angeht.

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