Ich bin das Licht - I am the Light

Mein Vater verstarb am Mittwoch, dem 11. Juli 2012, nach langer Krankheit. Er konnte den Kampf gegen den Hirntumor nicht gewinnen. Er war ein stiller und doch lebenslustiger Mensch, Ehemann und Vater.

Nach seiner Kindheit und Jugend mit elf Geschwistern im ländlichen Schwabenheim an der Selz heiratete er mit 23 Jahren, zog nach Ingelheim und 1965 mit seiner Familie nach Höchst im Odenwald. Er war ein bodenständiger Mann, ein stiller Genießer. Er genoß die Reisen, das Radfahren, die Unterhaltungen mit Familie, Verwandten und Bekannten.

Mein Vater war ein Arbeiter sein Leben lang. Nach einer Lehre als Schlosser und Arbeitsstellen in Rheinhessen wie in dem „Panzerwerk“ in Mainz begann er als Betriebsschlosser bei Veith Pirelli im Odenwald. Nach 30 Jahren dort ging er in Rente. Über 50 Jahre war er in der Gewerkschaft.

Mit eigenen Händen und der Unterstützung von Nachbarn und Verwandten baute er das Haus für seine Familie. Wann immer etwas zu tun war, packte er es an. Er schraubte, hämmerte, tapezierte, schweißte, sägte, baute. Wenn er mir einen Tipp gab, dann spürte ich seinen Stolz, dass er seinem Sohn etwas geben konnte. Und ich war stolz auf meinen Vater. Ich bin stolz auf meinen Vater.

Oft saß er einfach nur still da. Dann sprach er wieder, ruhig und gelassen. Oft lächelte er dabei, manchmal blinzelte ein leiser Schalk aus seinen Augen. Manchmal scherzte er sogar offen (auch wenn seine Scherze gelegentlich das Attribut „Kalauer“ verdienten).

Manchmal, wenn wir im Odenwald waren, nahm er mich beiseite, zeigte auf eine Schranktür und sagte: „Wenn mal etwas passiert, da in den Ordnern sind die Unterlagen drin“. Jetzt sitze ich vor der geöffneten Schranktür und gehe die Ordner durch.

Nie habe ich ihn zornig erlebt, nie erhob er seine Stimme. Er sagte seine Meinung und stand dazu. Wenn er etwas wollte, dann sagte er es und kämpfte dafür. Still und ruhig. Oder er dachte sich seinen Teil und schwieg. Still und ruhig.

Doch in den vergangenen Monaten kämpfte er gegen den Hirntumor und damit gegen den Verlust der Sprache, der Fähigkeit zum Verstehen, der Sehfähigkeit, der Kraft, des Lebens. Er kämpfte einen Kampf, den er nie gewinnen konnte. Es machte ihn wütend, das erste Mal in seinem Leben. Manchmal war sein Zorn die einzige Möglichkeit, sich der Umwelt mitzuteilen.

In den letzten Tagen seines Lebens wurde er wieder still und ruhig. Die Krankheit nahm ihn sich. Er kämpfte seinen letzten Kampf, den er verlor. Er war still und ruhig.

Er war ein Stiller, ein Schaffer, ein Genießer. Er war mein Vater.

Jetzt geht mein Vater über den Regenbogen. Ich liebe ihn.

Todesanzeige Echo-Online (Odenwälder Heimatzeitung)

 

7 Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.