James Gardner berichtet in Bankervision über die ersten Blog-Versuche seiner Bank ("James Gardner is Head of Innovation and Research in Group IT at Lloyds TSB. He is based in London."). Anhand von zwei Beispielen zeigt James Gardner in seinem Artikel "New ways of collaborating at the bank", was sich in seinem Unternehmen verändert.

Eine Zusammenfassung

  1. Ein Blog dokumentiert das Mitglied eines Teams deren Einführung eines Social Media Piloten. Es geht um die Versuche, Hindernisse, Meinungen des Teams (warum etwas schiefging oder funktionierte).
  2. Ein anderer Blogger schreibt über seine täglichen Erfahrungen in der Bank. Manchmal geht er an die Grenzen dessen, was die Policy erlaubt. Der Blogger nennt niemals Namen, aber er berichtet über die Erfahrung für die Bank zu arbeiten. Diese Erfahrungen erhält man kaum durch Umfragen.

Beide Beispiele verweisen auf etwas ziemlich aufregendes. Es ist der Start einer Veränderung in der Art, wie gearbeitet wird. Früher wurde auch viel dokumentiert, aber jetzt geht es auch um die Probleme oder Vorteile, die nun veröffentlicht werden – durchsuchbar und allgemein verfügbar. Dies gab es zuvor nicht: Ein Unternehmensgedächtnis – und keiner hat den Blogger aufgefordert es zu erstellen. Vieles wurde dokumentiert, aber nicht warum etwas geschah. Zwar ist dies nur eine Sichtweise, aber die beginnenden Gespräche werden in der Diskussion weitere Ansichten aufzeigen.

Im zweiten Beispiel zeigt sich etwas Besonderes: Der leidenschaftliche Mitarbeiter tut Dinge nicht aus Angst heraus, sondern weil es mehr Spaß macht etwas zu tun anstelle es zu lassen. Potentiell liegen darin viele Gefahren für ihn (z.B. von Seiten des Managements), aber nichts geschah davon. Die Leidenschaft ist offensichtlich. Warum Leidenschaft abwürgen? Und in der Zwischenzeit schafft der Blogger einen Pfad mit dem er zeigt: Es ist okay eine Meinung zu haben und sie in der Öffentlichkeit zu vertreten.

James Gardner verweist darauf, dass sie noch nicht angekommen sind. Es gibt weiterhin interne Diskussionen darüber, ob das Linien-Management seine Leute ihre Zeit mit Bloggen "vergeuden" lassen will. Es gibt Bedenken über mögliche Risiken, die Social Media für die Bank haben kann. Aber es geht voran.

Und es zeigt sich, dass sich bei Mitarbeitern einer Bank genauso viel Verlangen nach Social Media angestaut hat wie bei allen anderen auch.

Meine Meinung

Ich habe Respekt vor den Menschen (und Managern :-) ) eines Unternehmens, die bereit sind einen neuen Weg einzuschlagen. Einen Weg, der nicht hundertprozentig bekannt ist, dessen Ziel nicht fest steht und der nicht bereits in einem Handbuch dokumentiert und durch einen Vorstandsbeschluss in allen Einzelheiten abgesegnet ist.

Es geht um die Bereitschaft loszulassen und neue Wege einzuschlagen. Bereitschaft, auch andere Meinungen und Fehlschläge (insb. die eigenen) zu respektieren bzw. akzeptieren – das bedeutet für mich ein wesentliches Kriterium für eine moderne und richtige Unternehmenskultur.

Ein ganz besonderes Wort fiel in dem Artikel: Leidenschaft ("Passion"). Leidenschafft schaft Werte.

In vielen Diskussionen um Veränderungen habe aber ich seit vielen Jahren eine derartige Argumentationskette erlebt:

  1. Wir sind in der Branche XYZ, das ist etwas anderes!
  2. Ja, das kann schon sein, dass es da ein Unternehmen gibt, das …. aber wir sind ein in einer speziellen Teilbranche, da gelten andere Bedingungen!
  3. Ja, aber wir, wir sind ein ganz spezielles Unternehmen und bei uns da müssen wir darauf achten, dass …
  4. Ja, aber ich sehe das nun mal ganz anders. Wir können doch in diesem Fall nicht einfach…

So werden keine neuen Wege beschritten. So werden keine neuen Ziele erreicht. Und letztendlich erstickt man damit Leidenschaft.

Aber offensichtlich geht es doch, auch in einer Bank ;-)

[ via Trends in the Living Networks