Vergangene Woche, am 26. Oktober 2011, war ich beim 10. Forum für Vordenker der Profilwerkstatt. Andreas Steinle, Zukunftsforscher und Geschäftsführer des Zukunftsinstituts, informierte in seinem Vortrag über die aktuellen Entwicklungen in den Online-Medien, deren Auswirkungen und die Konsequenzen für Unternehmen und ihre Kommunikatoren. Im Video der Profilwerkstatt nehme ich zu den Veränderungen in der Kommunikation Stellung.

Nackt sein

Andreas Steinle propagierte das Ende der Kommunikationshoheit von Organisationen. Im Video sagt er dazu:

In Zukunft werden wir alle nackt sein!

Tatsächlich kann alles jederzeit veröffentlicht werden. Kann – muss aber nicht. Doch das Potential in Form von vielen Social Media-Plattformen und dem „Always On“ durch Notebooks, Tablets und Smartphones ist da. Unternehmen können nicht verhindern, dass Kunden, Konkurrenten, Lieferanten, Mitarbeiter oder Anwohner etwas veröffentlichen, was den Unternehmen nicht gefällt. Diese Veröffentlichungen und Diskussionen finden mit oder ohne Zustimmung der Unternehmen statt. Entscheidend ist für Unternehmen, wie sie sich auf die neuen Möglichkeiten in der Kommunikation (technisch aber vor Allem kulturell) einstellen. Nicht ob sondern wie.

Zurückhaltung

Nach dem Vortrag traten in der Diskussion und im späteren „Social Networking“ sehr unterschiedliche Haltungen der Teilnehmer zu Tage. Allen war bewusst, dass sich in der Unternehmenskommunikation etwas geändert hat, und dass diese Änderung fortschreitet. Doch für mich war bei einigen Teilnehmern der unveränderte Wunsch nach Kontrolle spürbar. Viele möchten sich der neuen Kommunikationswelt zunächst noch verschließen und abwarten.

Die Diskussionen empfand ich als eine „Erdung“, die mich auf den Boden der real existierenden Kommunikation in vielen Unternehmen zurückholte. Nicht alle sind von der neuen sozialen medialen Welt so begeistert wie „wir“, die wir sie in Blogs, Twitter, Facebook und anderen Medien ständig feiern und preisen. Viele meiner Freunde „IRL“ („In Real Life“) nutzen zwar Wikipedia und lesen Blogs. Doch ob das mit den Social Media insgesamt wirklich so gut ist? Viele dieser „Klowände“ sind meinen Freunden suspekt, denn sie sehen keinen persönlichen Nutzen sonder nur die Gefahren. Vielen Unternehmen geht es ähnlich.

Doch die Zeit der Zurückhaltung ist so gut wie vorbei. Die Zeit läuft ab. Unternehmen müssen an den Gesprächen über sie teilnehmen. Je früher die Unternehmen dies akzeptieren und eine Strategie entwickeln, desto besser und mehr können sie lernen: Zuhören, analysieren, teilnehmen. Dies bedeutet nicht, sich sofort auf allen Plattformen und mit allen möglichen Anspruchsgruppen zu  betätigen.

You can’t opt out of Social Media

Doch nach einer Analyse sollten die Unternehmen sich auf Basis einer Strategie schrittweise mit der neuen Kommunikationswelt vertraut machen und dann in die Gespräche eintreten. Denn:

You can’t opt out of Social Media

Diesen Satz habe ich bereits mehrfach gehört, zuletzt auf dem IBM Social Business JamCamp im Oktober von Sandy Carter.

Sandy Carter, VP at IBM in Social Business Evangelism

Sandy Carter, VP at IBM in Social Business Evangelism

Menschen sind Gespräche. Jederzeit. Überall. Sie können diese Gespräche nicht verhindern. Sie können das Abonnement nicht kündigen.

Der Anfang am Ende der Kommunikationshoheit

Im Video zur Veranstaltung fasst Andreas Steinle wichtige Punkte zur geänderten Kommunikation zusammen. Von einigen Teilnehmer gibt es dazu Meinungen und Stellungnahmen. Meine Meinung können Sie dem Video ab Position 3:26 entnehmen.

Unternehmen haben ihre Kommunikationshoheit verloren – davon ist Zukunftsforscher Andreas Steinle überzeugt. Auf dem 10. Forum für Vordenker der Profilwerkstatt sprach er über die Zukunft der Kommunikation. Welche Gefahren und Perspektiven er für die Unternehmenskommunikation sieht und warum wir alle in Zukunft nackt sein werden, erfahren Sie in diesem Video.

.profil 14: Das Ende der Kommunikationshoheit